Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

01 Hin und weg:
Für mich persönlich ist die erste Runde im DFB-Pokal meist das Highlight einer langen 05-Saison mit den Männern. Wenn man seit mehr als 20 Jahren immer in dieselben Stadien düst, bietet der DFB-Pokal mit etwas Glück ein- oder zweimal jährlich die Möglichkeit, andere „Stadion“-Atmosphäre zu schnuppern. Zuletzt war das 2021 möglich, als wir bei der SV Elversberg erstmals mit der ersten Männer-Mannschaft dort im Pokal auftraten. Lübeck 2022 in der zweiten Runde lasse ich mal weg, da wir da schon mal 2009 grandios in der ersten Runde rausgeflogen sind. Gegen Lübeck oder auch Chemnitz – über 2014 möchte ich nicht sprechen – traten wir allerdings auch schon mal in der 2. Liga an.
Daher gab es letzten Sonntag tatsächlich wieder das ersehnte „Elversberg-Feeling“, sprich einen Spielort ohne Bahnhof. Genauso wie 2021 war mein Plan, zum nächstgelegenen Bahnhof zu reisen und von dort mit dem Klapprad bis in den Spielort zu radeln. Statt nach Neunkirchen ging es diesmal nach Kolkwitz-Süd. Schon mal gehört? Ich nicht!
Das ist das Grandiose am DFB-Pokal. Man lernt Landstriche kennen, von denen man vorher nie zuvor gehört hat. Ashtarak, Qäbälä oder Medias lassen grüßen. Nun also ab nach Kolkwitz-Süd! Dank „Schienenersatzverkehr“ durfte ich am frühen Sonntagmorgen das Klapprad auch gleich bis Bischofsheim einsetzen. Die S8 fuhr pünktlich (!) in die Stadt am Nebenfluss und der ICE brachte mich ebenfalls pünktlich nach Leipzig. Auf die Pünktlichkeit war ich diesmal genauso angewiesen, wie letztes Jahr in Storlien (Mittelschweden) auf dem Weg von Dresden nach Trondheim. Denn dort fuhr nur zweimal am Tag ein Zug nach Trondheim. Ab Leipzig in Richtung Niederlausitz nur alle zwei Stunden.
So ging es mit einer S-Bahn nach Falkenberg/Elster. Dort gibt es einen Turmbahnhof und insgesamt sieben Bahnlinien, die sich kreuzen. Spätestens nach dem Umstieg in die dortige Regionalbahn befand ich mich als Pendler, der den ÖPNV aus dem Rhein-Main-Gebiet gewohnt ist, in einem Paralleluniversum. Die RB war nicht überfüllt, fuhr ebenfalls pünktlich, hatte funktionierendes WLAN, Strom- und USB-Anschlüsse. Ein Novum für mich bei einem Mainz-05-Spiel dann in Kolkwitz-Süd: ich war die einzige Person, die hier ausstieg.

02 (N)immer nuff:
Laut Google Maps gibt es mehrere Varianten, die 8 km zwischen dem Bahnhof Kolkwitz-Süd zum Friedhof Krieschow zurückzulegen. Friedhof deshalb, weil sich in diesem Areal der Eingang zum Auswärtsblock befindet. Alleine diese logistische Leistung, auf einem Dorf-Fußballplatz ein Konzept zu entwickeln, wie es eigentlich nur in den Profiligen üblich ist, zeigt, mit wieviel Akribie der VfB Krieschow seinen ersten DFB-Pokalauftritt auch abseits des gut gepflegten Platzes vorbereitet hat.
Für Google Maps ist es allerdings unerheblich, ob so eine Route Land- oder Kreisstraßen enthält oder Feldwege oder Waldwege, die mit Brennnesseln und Brombeeren zugewachsen sind. Letztere hießen mich 3 km vor dem Sportplatz Willkommen. Vorbei an einer Kuhweide ging es ins nächste Dorf, wo ein Trabbi am Fahrbahnrand stand. Hinter dem Dorf hörte der Asphalt auf und es ging auf Schotter bis nach Krieschow.
Dort wurde ich schon von freundlichen Sicherheitsleuten empfangen, die mir meinen Radparkplatz am Friedhof zeigten.

03 Kon-Trolle
Die Stiernacken am Einlass sahen gefährlicher aus als sie waren. Die Kontrolle erfolgte easy auf der grünen Wiese. Von dort waren es wenige Meter zu den Dixie-Klos, den mobilen Waschbecken, die per Pedal betrieben wurden und zum Gastrobereich. Das hatte alles so ein angenehmes Open-Air-Flair – herrlich.

04 Kampf um den Mampf
Rein prophylaktisch hatte mir in Leipzig am Hauptbahnhof beim Falafel Ali (heißt wirklich so) schon einen Falafel-Seitan-Hummus-Wrap gegönnt. Klar, Krieschow hat wirklich alle Hebel in Gang gesetzt, uns 05er*innen einen super angenehmen Nachmittag zu bereiten. Aber vegane Speisen habe ich nun wirklich nicht erwartet. Doch es gab wirklich etwas pflanzliches: extrem leckere Spreewaldgurken.
Es gab auch Pfandbecher, Bowl-Becher aus Pappe und Pflaumenkuchen. Auch Eiscafé wurde kredenzt. Das war alles nur kein Oberliga-Niveau. Was für eine Gastlichkeit in Kombi mit Nachhaltigkeit.

05 Käfighaltung
Definiere Losglück in der ersten Runde des DFB-Pokals: Krieschow würde wohl der Hauptpreis sein. Sie haben allen Auflagen zum Trotz ihr Heimspiel zu Hause und nicht in Cottbus ausgetragen. Sie haben den Auswärtsblock so groß gestaltet, dass alle Nasen, die aus Mainz hinwollten auch hinkommen konnten. Natürlich war es das erste 05-Spiel meines Lebens, bei dem ich die ersten 5 Tore nicht wirklich mitbekam. Der „Käfig“ von Krieschow war zwar nicht ganz ebenerdig. Aber die Sperrholzkonstruktion ermöglichte etwa 20 Zentimeter höher als die ersten Reihen zu stehen. Wieso auf einmal ein Bistro-Tisch im Block auftauchte und damit Tischfußball zelebriert wurde und ebendieser als Fahnenhalter umfunktioniert wurde, bleibt ungeklärt. Aber unvergessen bleibt dieser Ausflug in die Niederlausitz, an den sich sicherlich alle, die dabei waren noch genauso lange erinnern werden, wie an die Fahrten des Internationalen Fußballsportvereins in der letzten Saison.

Fazit:
Der Jahrgang 2026/2027 zeigt, dass auch national Pokalwettbewerbe einen zum Schwärmen bringen können.
Rot-weiße Grüße,
Christoph – Meenzer on Tour

