Spätlese Köln 2021/2022

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

01 Hin und weg:

Die dritte Auswärtsfahrt in sechs Tagen. Hat es das bei Nullfünf schon mal gegeben? Fast: in der Saison 2011/2012. Da waren es neun Tage und zwei der drei gegnerischen Mannschaften, auf die die rot-weißen Jungs auch diese Woche trafen, waren damals ebenfalls dabei. Zunächst ging es dienstags nach Köln (1 Punkt), dann sonntags nach Gladbach (0 Punkte) und mittwochs nach Kiel (Aus im DFB-Pokal-Viertelfinale) mit Champions-League-Gewinner TT. Von daher – schlimmer geht immer! Aber nicht mit der Bahn, denn die brachte mein Klapprad und mich wie die Woche zuvor zunächst rechtsrheinisch bis Koblenz in Richtung Köln. Da der Bahnübergang dieses Mal nicht gestört war, hatte ich größte Mühe die beiden ausstehenden Podcast-Folgen der „Hinterhofsänger“ zu hören, ehe ich die Domstadt erreichte.

Christoph sitzt mit Maske und Kopfhörern im ICE. Sein Klapprad liegt gut verstaut hinter ihm im Gepäckfach.
Das Klapprad gut verstaut geht es mit zwei Podcastfolgen der Hinterhofsänger Richtung Köln.

Schwerpunkt der ersten Folge war der „Aprilscherz“ von Mainz 05, sprich ausgerechnet am 1. April zu verkünden, als letzter Bundesligist überhaupt, in den Frauenfußball einzusteigen. Dass es über eine Kooperation mit Schott zunächst laufen würde, hatte Stefan Hofmann bereits vor Monaten auf einer Veranstaltung angekündigt. Gut, dass alle Beteiligten tatsächlich über die ganze Zeit Stillschweigen vereinbart und durchgezogen haben, um diesen Move vorzubereiten. Endlich sorgt Mainz 05 in Zukunft für ein stückweit mehr Chancengerechtigkeit, was das professionelle Fußballspielen in Mainz für alle Menschen angeht.  Diese Wende kann dem Verein nur guttun.

02 (N)immer nuff:

In Köln angekommen, wurde das Klapprad in wenigen Sekunden zusammengebaut und los ging’s in Richtung Müngersdorf durch die Stadt. Während der Pandemie haben zahlreiche Städte Maßnahmen ergriffen, um Radfahrenden das Leben auf der Straße zu erleichtern. Dazu zählt auch Köln, das auf vielen Straßen eine Fahrspur den Autofahrenden abgerungen hat und Radfahrenden nun die Möglichkeit gibt, auf ihrer sehr breiten Spur tatsächlich auch andere Radelnde zu überholen. Auch diese (Verkehrs-)Wende kann nur guttun.

Auf einer breiten Straße in Köln ist die rechte Spur Radfahrenden vorbehalten.
Verkehrswende in Köln: eine Fahrspur wurde den Radfahrenden überlassen.

Statt direkt die sechs Kilometer zum Stadion zu fahren, legte ich noch einen Zwischenstopp bei einer Burgerkette ein. Schließlich haben, im Gegensatz zu den meisten Bundesligisten, die Fast-Food-Konzerne erkannt, dass nicht alle Menschen auf Burger aus Rindfleisch stehen. Die Kette mit dem berühmten „Whopper“ bietet mittlerweile eine Vielzahl vegetarischer und veganer Burger an. Der vegane „Chicken“-Burger schmeckte wirklich gut. Das Patty bestand aus einem Soja-Weizen-Mix und war genauso wie das sonst übliche Hühnerfleisch paniert. So konnte ich keinen Geschmacksunterschied festzustellen. Es geht bei den aktuellen Diskussionen um Ernährung nie darum, dass wir alle komplett auf Fleisch verzichten müssen, um das Klima zu retten oder wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine Hungersnöte zu vermeiden, da die Weizenfelder in dem Land nicht bestellt werden können, viele Länder auf diese Weizenimporte angewiesen sind, um die Ernährung ihrer Bevölkerung zu gewährleisten. Aber bei vielen „traditionellen“ Essen, bei denen Fleisch eher eine untergeordnete Rolle spielt, wäre es wirklich leicht, den Burger, das Hackfleisch in der Soße oder den Speck im Eintopf durch eine vegane Variante zu ersetzen. Ob diese Ernährungswende gelingt?

03 Kon-Trolle

Wie in Köln üblich gab es wieder eine glasfreie Zone rund ums Stadion, die am Spieltag auch durch den Ordnungsdienst durchgesetzt wurde. So kam ich ohne Platten auch am dritten Stadion in sechs Tagen mit dem Klapprad ohne Probleme an. Fahrradständer gibt es wie in Gladbach zur Genüge direkt am Eingang zum Block. Anders als in Augsburg und Gladbach existierte aber keine Abgabemöglichkeit für Sachen, die nicht ins Stadion mitgenommen werden dürfen, wie beispielsweise Fahrradlampen.

Ein Klapprad parkt direkt vor dem Stadioneingang in Köln-Müngersdorf.
Radparkplatz direkt am Gästeblock des Müngersdorfer Stadions

Ähnlich wie bei den Corona-Regeln die Länder macht hier jeder Verein was er will. Daher sind die Infos für Auswärtsfahrende, die Mainz 05 vor jedem Gastspiel verschickt, auch so wichtig. Auf diesen Umstand wurde wie die Jahre zuvor hingewiesen. Glücklicherweise fand das Spiel um halb vier statt, so dass ich auch nachkicks ohne Licht bei Helligkeit wieder zum Bahnhof radeln konnte.

04 Kampf um den Mampf

Köln machte es, anders als Augsburg, wieder einfach. Bezahlung mit Kreditkarten oder Bankkarten war kein Problem. Eine sinnbefreite Bezahlkarte wie in Augsburg, die nur wieder Plastikmüll generiert, gab es erst gar nicht. Dafür gab es zum dritten Mal in Folge die Wurst vom selben Lieferanten aus dem Kölner Umland. Und obwohl der Fabrikant eine vegane Bratwurst im Angebot hat, gab es wie in Gladbach und Augsburg keine fleischlose Alternative, sondern nur eine überteuerte Brezel, die ein paar Cent günstiger war als eine Wurst.

Unzählige Würste und Wurstbrötchen liegen am Essensstand in der Auslage.
Wurst in allen Variationen – als vegetarische Alternative gibt es eine überteuerte Brezel

Das muss man sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen: Auf der einen Seite ein Produkt, für das ein Lebewesen mehrere Monate gegrast hat und die ähnlichen Zutaten wie für die Brezel tagaus tagein gefressen hat, bevor es auf der Schlachtbank landet und auf der anderen Seite ein Teigprodukt für das lediglich eine Ladung an Weizen geerntet werden musste, um es herzustellen. Am Ende beträgt der Preisunterschied läppische 30 Cent. Schon eine ziemlich verrückte Welt, in der wir leben und wir uns das Leben unnötig schwermachen. Schließlich werden rund 60 Prozent der Ackerfläche aktuell für Tierfutter verwendet, statt darauf direkt Brezeln, Brot und indirekt auch Burgerpattys herzustellen.

05 Käfighaltung

Anders als in Gladbach und in Augsburg war der Gästeblock diesmal proppevoll. Geht doch! Es gab zwar keine Maskenpflicht, aber dass Masken prinzipiell im Stadion eine gute Idee sind, zeigte sich während des Einmarsch der Spieler. Der rote Feinstaub, der sich dabei entwickelte wurde von der FFP2-Maske wunderbar gefiltert. Was wir danach zu sehen bekamen, sind wieder die zwei Gesichter von Mainz 05 – nur dass wir diesmal die besser Hälfte am Anfang sahen.

Eine FFP2-Maske ist mit rotem Feinstaub belegt.
Die Maske am Tag nach dem Stadionbesuch

Aber wer nach einer Zwei-zu-Null-Führung von Nullfünf auf fremden Platz in der 60. Minute „Auswärtssieg“ gröhlt, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Ich erinnere mich noch an eine Zwei-zu-Null-Führung in Hannover in der 85. Minute, bei der ebenfalls „Auswärtssieg“ angestimmt wurde – das Spiel ging 2:2 aus. Auswärtsspiele von Mainz 05 sind mit Ausnahme der Aufstiegssaison 2008/2009 einfach Momente, an denen man wachsen kann. Meist gibt es einen auf den Deckel, aber man lernt unweigerlich, mit Niederlagen umzugehen. Solch ein Training haben Fans des FC Bayern zum Beispiel meist nur ein oder zweimal pro Saison – wir hingegen haben es gefühlt jetzt innerhalb von sechs Tagen dreimal erlebt (danke Yann Sommer). Das nennt man Lebenserfahrung.

Fußballfans im Müngersdorfer Stadion mit Fahnen und einer Choreographie mit dem Logo des 1. FC Köln.
Endlich wieder bunte Kurven auf beiden Seiten

Fazit: Der Jahrgang 2021/2022 bietet altbewährtes – in Köln mit Fans im Gästeblock gibt es keinen Auswärtssieg in Liga 1.

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour

Die Finanz-Bundesliga-Tabelle 2020/21 Teil 4

Im Mai 2019 veröffentlichte die DFL nach dem Beschluss der Mitgliederversammlung Ende 2018 erstmals die Finanzkennzahlen der Bundesliga-Vereine. Da wir bei der Bundesliga nicht erst seit den Geisterspielen wissen, dass es nur ums Geschäft geht, hatte ich im vorletzten Jahr die „Finanz-Bundesliga-Tabelle 2018/19“ veröffentlicht. In dieser habe ich die Finanzkennzahlen, die die DFL pro Verein veröffentlicht hat, mit Hilfe von Leistungskennzahlen, so genannten „Key Performance Indicators“, kurz KPIs, analysiert. Daraus ergaben sich für die einzelnen Vereine viele interessante Ergebnisse. Da sich die Vereine untereinander in einem Wettbewerb befinden, war es bereits 2019 extrem spannend zu sehen, wie es tatsächlich um „Financial Fairplay“ bestellt ist. Im letzten Jahr wurde es noch einen Tick interessanter, weil es erstmals möglich war, Veränderungen im Vergleich zum vorangegangen Geschäftsjahr zu ermitteln und die „Finanz-Bundesliga-Tabelle 2019/20“ zu veröffentlichen. Im Sommer 2020 befand sich die Pandemie noch in einem frühen Stadium, so dass Corona bei den meisten Bundesligisten die Bilanz nur zu einem Drittel (4 Monate) verhageln sollte, da der Bilanzstichtag der 30. Juni 2020 ist. Allerding bilanzieren Eintracht Frankfurt, Bayer 04 Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, der VfB Stuttgart und der FC Schalke 04 zum 31. Dezember 2020. Dadurch sind die Ergebnisse in diesem Jahr ziemlich verzerrt, da diese fünf Clubs 10 Monate Corona in der Bilanz stehen haben.

Zum Bilanzstichtag 30. Juni 2020 spielte Arminia Bielefeld in der 2. Liga, der VfB Stutgart spielte die Hälfte seines Geschäftsjahres in der 2. Liga (bis zum 30. Juni 2020). Im vorangegangen Jahr (Bilanzstichtag 30. Juni 2019) spielten der 1. FC Köln, Arminia Bielefeld und Union Berlin in der 2. Liga.

Da sich Fans zahlreicher anderer Vereine für diese Tabelle interessieren, gehe ich auf alle 18 Erstligisten der Saison 2020/21 ein und beleuchte am Rande in diesem Jahr auch erstmals die Aufsteiger also Spielvereinigung Greuther Fürth und den VfL Bochum. Dadurch macht es meiner Meinung nach Sinn, dieses Thema in Abschnitte zu unterteilen:

Teil 1: Einführung und die KPIs Anlagendeckungsgrad und Eigenkapitalquote
Teil 2: Die KPIs Eigenkapitalrendite und Umsatzrentabilität
Teil 3: Die KPIs Personalaufwandsquote und Verschuldungsgrad
Teil 4: Die Finanz-Bundesliga-Abschlusstabelle 2020/21

In den ersten drei Teilen habe ich die 18 Erstligisten mit Hilfe von insgesamt sechs KPIs analysiert und für jeden KPI eine Tabelle erstellt. In diesem Teil habe ich nun pro KPI pro Verein zwischen 0 und 3 Punkten vergeben. Ich hätte natürlich auch nach Tabellenplatz bewerten können. Doch sagt ein Platz in der Tabelle nicht wirklich etwas über den finanziellen Zustand des Clubs aus. Deshalb habe ich die Bewertung in jeder Kategorie nach Punkten durchgeführt und jede Kategorie gleich gewichtet. Natürlich ist das rein subjektiv. Doch letztlich ergibt sich ein gutes Bild, wie es um das finanzielle Gebaren der Clubs untereinander aussieht, wer gut wirtschaftet, wer mit Geld zugeschüttet wird und wer sogar Geld abdrücken muss, weil er vorher jahrelang sehr großzügig alimentiert wurde – und ist es auch möglich, Vergleiche zwischen dem aktuellen Geschäftsjahr und dem Vorjahr herzustellen, und so die Auswirkungen der Pandemie auf den Fußball aus finanzieller Sicht zu erkennen.

Die Punkteverteilung im Überblick für die Nerds (in Klammer jeweils die Punkte im Vorjahr):

Anlagendeckungsgrad (Eigenkapital zu Anlagevermögen) – Finanzierung des Vereins
> 1 3 Punkte für: SCF, TSG. FCB
> 0,5 2 Punkte für: FCA, BVB, B04, M05,
>0 1 Punkt für: BSC, SGE, KOE, RBL, BMG, VFB, WOB
<0 0 Punkte für: FCU, DSC, SVW, S04

Eigenkapitalquote (Eigenkapital zu Bilanzsumme) – Chance auf Pleite des Vereins
> 0,66 3 Punkte für: SCF, TSG, FCB
> 0,33 2 Punkte für: FCA. BVB, RBL, B04, M05, BMG,
> 0 1 Punkte für: BSC, SGE, KOE, VFB, WOB
< 0 0 Punkte für: FCU, DSC, SVW, S04

Eigenkapitalrendite (Jahresüberschuss zu Eigenkapital)- Macht der Spielbetrieb finanziell Sinn?
> 0,5 3 Punkte für: –
> 0,1 2 Punkte für: –
> 0 1 Punkte für: FCA, SCF, TSG, RBL, FCB,
< 0 oder nicht berechenbar 0 Punkte für: BSC, FCU, DSC, BVB, SGE, KOE. B04, M05, BMG, VFB, WOB, SVW, S04

Vorletztes Jahr gab es die 3 Punkte erst bei einer Eigenkapitalrendite von > 1. Schalke hatte damals (in seinen besseren Zeiten) den sagenhaften Wert 5,23 erzielt. Das beste Ergebnis erzielte im letzten betrachteten Geschäftsjahr Eintracht Frankfurt mit 0,54. Der Zweite SV Werder Bremen erzielte damals 0,33. Damit war genügend Abstand vorhanden, um 3 Punkte an die SGE zu verteilen. Dieses Jahr sind die Ergebnisse pandemiebedingt alle sehr schlecht. Daher gab es diesmal nur 1 und 0 Punkte. Natürlich hätte ich das auch anpassen können – aber damit wäre der Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr verwässert worden.

Umsatzrentabilität (Jahresüberschuss zu Umsatz) – Effizienz des Vereins
> 0,1 3 Punkte für: –
> 0,01 2 Punkte für: –
> 0 1 Punkt für: FCA, SCF, TSG, RBL, FCB
< 0 0 Punkte für: BSC, FCU, DSC, BVB, SGE, KOE, B04, M05, BMG, VFB, WOB, SVW, S04

Personalaufwandsquote (Personalaufwand zu Umsatz) – Arbeitsintensität des Vereins
< 0,4 3 Punkte für: TSG
< 0,5 2 Punkte für: FCA, BVB, RBL, M05,
< 0,6 1 Punkte für: FCU, SGE, SCF, B04, FCB, WOB
>  0,6 0 Punkte für:  BSC, DSC, KOE, BMG, VFB, SVW, S04

Verschuldungsgrad (Fremdkapital zu Eigenkapital) – Abhängigkeit des Vereins
< 0.33 3 Punke für: SCF, TSG
< 0.66 2 Punkte für: FCB
< 1 1 Punkt für: BVB, B04, M05
> 1 bzw. negativ 0 Punkte für: FCA, BSC, FCU, DSC, SGE, KOE, RBL, BMG, VFB, WOB, SVW, S04

 Meister in der KPI-Bundesliga-Tabelle ist damit die TSG Hoffenheim

Der Meister der „Finanz-Bundesliga“ 2020/21 kommt aus Hoffenheim – Glückwunsch in den Kraichgau!

KPI-Bundesliga-Abschlusstabelle 2020/21 – in Klammer jeweils die Platzierung und die erzielten Punkt im Vorjahr.

1. TSG Hoffenheim (2.) 14 Punkte (13)
2. SC Freiburg (1.) 12 Punkte (14)
3. FC Bayern München (2.) 11 Punkte (13)
4. FC Augsburg (6.) 8 Punkte (6)
5. Borussia Dortmund (6.) 7 Punkte (12)
5. RB Leipzig (9.) 7 Punkte (9)
5. 1. FSV Mainz 05 (2.) 7 Punkte (13)
8. Bayer 04 Leverkusen* (9.) 6 Punkte (9)
9. Eintracht Frankfurt* (2.) 3 Punkte (13)
9. Borussia Mönchengladbach* (8.) 3 Punkte (10)
9. VfL Wolfsburg (17.) 3 Punkte (2)
12. Hertha BSC Berlin (14.) 2 Punkte (4)
12. 1. FC Köln (9.) 2 Punkte (9)
12. VfB Stuttgart* (neu) 2 Punkte
15. FC Union Berlin (15.)1 Punkt (3)
16. Arminia Bielefeld (neu) 0 Punkte
16. SV Werder Bremen (12.) 0 Punkte (8)
16. FC Schalke 04* (17.) 0 Punkte (2) 
* Bilanzstichtag 31. Dezember statt 30. Juni

Fazit: Nachdem der SC Freiburg 2019 und 2020 gewinnen konnte, ging der Titel erstmals an die TSG Hoffenheim. Von 18 möglichen Punkten hat die TSG 14 Punkte erzielt und damit sogar einen Punkt mehr geholt als letztes Jahr. Danach folgt auf Platz 2 mit 12 Punkten der ehemalige Meister SC Freiburg, der nur zwei Punkte weniger als letztes Jahr eingefahren hat und damit die ersten 4 Monate der Pandemie hervorragend gemeistert hat.

In diesem Jahr hinkt die Tabelle besonders, da es fünf Clubs gibt, die 10 Monate Pandemie zu bilanzieren hatten, da ihr Geschäftsjahr am 31. Dezember endet. Dennoch konnte Bayer 04 Leverkusen sich von Platz 9 auf Platz 8 verbessern – verlor aber gleichzeitig 3 von 9 Punkten. Daran erkennt man, wie heftig sich die Pandemie auf die Bilanzen ausgewirkt hat.

Die positive Überraschung ist diesmal der FC Augsburg, der seine Punktezahl sogar steigern konnte (von 6 auf 8). Fast schon erschütternd, dass 3 Punkte dieses Mal für Rang 9 reichten. Hier landete die Eintracht, die letztes Jahr noch Platz 2 mit 13 Punkten belegte. Diesen Platz teilte sie sich damals mit dem FC Bayern, der diesmal 11 Punkte erzielen konnte und mit dem 1. FSV Mainz 05, der immerhin noch 7 Punkte einheimste und einen guten 5. Platz erreichte.

Diesmal teilt sich die Eintracht Platz 9 mit Borussia Mönchengladbach, das ebenfalls mächtig Punkte (7) einbüßen musste. Platz 9 geht auch an den VfL Wolfsburg, der seine Punkteausbeute erhöhen konnte (von 2 auf 3) und von Platz 17 hochkletterte. Es geht also nicht nur sportlich in Wolfsburg positiv voran.

Die Vereine, die in der Tabelle dahinter liegen, haben tatsächlich ein Seuchenjahr hinter sich und kamen mit der Pandemie überhaupt nicht klar. Trotz der Millionen des Investors kam die Hertha nur 2 statt 4 Punkte. Das riecht nach extremer Geldverbrennung in der Hauptstadt. Der 1. FC Köln und der VfB Stuttgart kamen ebenfalls auf Rang 12 mit 2 Punkten – ohne Investor und Big City Club-Ambitionen.

Union Berlin erzielte gerade noch 1 Punkt, durch eine relativ niedrige Personalaufwandsquote. Selbst hier konnten weder Arminia Bielefeld, noch Werder Bremen oder der FC Schalke 04 einen Punkt erzielen und gingen somit komplett leer aus.

Financial Fairplay ist weitrhin ein Fremdwort in der Bundesliga. Es gibt Vereine, die können das Geld zum Fenster rausschmeißen und das wird einfach durch Dritte ausgeglichen. Andere Vereine haben diese Möglichkeit nicht. Damit wird die Spaltung der Liga weiter verschärft und ein Wettbewerb kann so kaum noch stattfinden. Corona wirkt gerade als Brandbeschleuniger, wenn man bedenkt, dass das Bundeskartellamt auf eine Einhaltung von 50 plus 1 drängt. Bei der TSG Hoffenheim wäre das womöglich finanziell kaum spürbar, da der Club mittlerweile gut aufgestellt ist und keine Alimentierung mehr notwendig hat.

RB Leipzig hat sich in den letzten Jahren über 100 Mio. Euro zusätzlich aus Österreich besorgt und hält ja formal auch die 50 plus 1 Kriterien ein. Bleiben Bayer 04 Leverkusen und der VfL Wolfsburg. Erstere wirtschaften in der Regel gut und könnten sicherlich auch ohne den Pharmakonzern bestehen. Anders sieht das aktuell noch in Wolfsburg aus. Durch die gute sportliche Platzierung in der abgelaufenen Saison sollte zumindestes das Geschäftsjahr 2021/22 gut laufen, da ja Gelder aus der Championsleague hierher fließen. Denn aktuell wäre der Club ohne Gelder vom Autokonzern wohl nicht wirklich überlebensfähig. Und die Hertha zeigt, dass Geld alleine nicht reicht, um finanziell erfolgreich zu sein. Hier bleibt es spannend zu sehen, wie die neue Riege im Club das Ruder herumreisen möchte.

Der Abstieg von Werder und Schalke war in der Nachbetrachtung wie diese Finanz-Analyse zeigt, praktisch schon eingepreist. Ob die Vereine sportlich so schnell wieder auf die Beine kommen, bleibt fraglich, da finanziell eigentlich überhaupt kein Spielraum besteht, da beide Club komplett überschuldet sind.

Es wird extrem spannend sein, wie die Clubs das zweite Pandemiejahr verkraften werden. Vielleicht gibt es bei den Clubs, die ihr Geschäftsjahr zum 31. Dezember abschließen, bereits ein Licht am Ende des Pandemietunnels. Antworten darauf gibt es dann nächstes Jahr im Sommer, wenn die DFL die Bilanzen der Clubs veröffentlicht hat und sich hoffentlich eindeutig zu 50 plus 1 positioniert hat.

Die Finanz-Bundesliga-Tabelle 2020/21 Teil 3

Im Mai 2019 veröffentlichte die DFL nach dem Beschluss der Mitgliederversammlung Ende 2018 erstmals die Finanzkennzahlen der Bundesliga-Vereine. Da wir bei der Bundesliga nicht erst seit den Geisterspielen wissen, dass es nur ums Geschäft geht, hatte ich im vorletzten Jahr die „Finanz-Bundesliga-Tabelle 2018/19“ veröffentlicht. In dieser habe ich die Finanzkennzahlen, die die DFL pro Verein veröffentlicht hat, mit Hilfe von Leistungskennzahlen, so genannten „Key Performance Indicators“, kurz KPIs, analysiert. Daraus ergaben sich für die einzelnen Vereine viele interessante Ergebnisse. Da sich die Vereine untereinander in einem Wettbewerb befinden, war es bereits 2019 extrem spannend zu sehen, wie es tatsächlich um „Financial Fairplay“ bestellt ist. Im letzten Jahr wurde es noch einen Tick interessanter, weil es erstmals möglich war, Veränderungen im Vergleich zum vorangegangen Geschäftsjahr zu ermitteln und die „Finanz-Bundesliga-Tabelle 2019/20“ zu veröffentlichen. Im Sommer 2020 befand sich die Pandemie noch in einem frühen Stadium, so dass Corona bei den meisten Bundesligisten die Bilanz nur zu einem Drittel (4 Monate) verhageln sollte, da der Bilanzstichtag der 30. Juni 2020 ist. Allerding bilanzieren Eintracht Frankfurt, Bayer 04 Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, der VfB Stuttgart und der FC Schalke 04 zum 31. Dezember 2020. Dadurch sind die Ergebnisse in diesem Jahr ziemlich verzerrt, da diese fünf Clubs 10 Monate Corona in der Bilanz stehen haben.

Zum Bilanzstichtag 30. Juni 2020 spielte Arminia Bielefeld in der 2. Liga, der VfB Stutgart spielte die Hälfte seines Geschäftsjahres in der 2. Liga (bis zum 30. Juni 2020). Im vorangegangen Jahr (Bilanzstichtag 30. Juni 2019) spielten der 1. FC Köln, Arminia Bielefeld und Union Berlin in der 2. Liga.

Da sich Fans zahlreicher anderer Vereine für diese Tabelle interessieren, gehe ich auf alle 18 Erstligisten der Saison 2020/21 ein und beleuchte am Rande in diesem Jahr auch erstmals die Aufsteiger also Spielvereinigung Greuther Fürth und den VfL Bochum. Dadurch macht es meiner Meinung nach Sinn, dieses Thema in Abschnitte zu unterteilen:

Teil 1: Einführung und die KPIs Anlagendeckungsgrad und Eigenkapitalquote
Teil 2: Die KPIs Eigenkapitalrendite und Umsatzrentabilität
Teil 3: Die KPIs Personalaufwandsquote und Verschuldungsgrad
Teil 4: Die Finanz-Bundesliga-Abschlusstabelle 2020/21

In den ersten beiden Teilen ging es um das Vermögen der Vereine, das bei einigen Vereinen durch Dritte kurzerhand erhöht wird, um Gewinne, die die Vereine erzielen und wenn sie diese nicht erzielen, dass diese bei einigen Vereinen (oft den selben) einfach mal so ausgeglichen werden. Daraus resultierten bisher vier KPIs. Im letzten Teil kommen zwei weitere KPIs hinzu: Die Personalaufwandsquote und der Verschuldungsgrad.

5. Personalaufwandsquote (Personalaufwand/Umsatz)

Geld schießt Tore. Hier geht es allerdings um Umsatz, der mit dem vorhandenen Personal erwirtschaftet wurde. Daher gilt hier, je niedriger die Personalaufwandsquote, desto besser wirtschaftet der Club.

Bevor es um die Quote geht, werfen wir zunächst einen Blick auf den Personalaufwand. Dieser sollte in der Pandemie möglichst gesenkt werden. Dass es da zu Verstimmungen kommen kann, hat das Beispiel Mainz 05 im Sommer 2020 gezeigt, als die Spieler nicht trainieren wollten, da unter anderem nicht klar war, ob sie auf Gehalt verzichten oder nur auf die Auszahlung von Geld länger warten sollten.

Hatten es im vorangegangenen Geschäftsjahr lediglich zwei Vereine geschafft, die Personalkosten zu senken (Schalke um 1 Prozent und der 1. FC Köln um 27 Prozent in Liga 2), gelang es diesmal 6 Vereinen an dieser Ausgabenschraube erfolgreich zu drehen: Sowohl der FC Schalke 04 als auch Eintracht Frankfurt haben die Personalkosten um 10 Prozent senken können (allerdings bis zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2020). Kleinere Einsparungen gelangen auch dem VfB Stuttgart (trotz Aufstieg, aber Stichtag 31. Dezember 2020), dem VfL Wolfsburg, dem FC Bayern München und dem SV Werder Bremen. Nahezu unveränderte Personalkosten hatte Bayer 04 Leverkusen (bei 10 Monaten Pandemie in der Bilanz). Lediglich moderate Steigerungen (< 10 Prozent) gab es bei Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach (ebenfalls 10 Monate Pandemie in der Bilanz), dem 1. FSV Mainz 05 (7 Prozent), der TSG Hoffenheim und beim SC Freiburg. Trotz Pandemie sind die Personalkosten bei Arminia Bielefeld (als Zweitligist!), bei RB Leipzig, beim FC Augsburg, bei der Hertha und bei den damaligen Aufsteigern Union Berlin und 1. FC Köln massiv gestiegen – bei den beiden letztgenanntem um fast 50 Prozent. Während Greuther Fürth seine Personalkosten stabil halten konnte, stiegen sie beim VfL Bochum um 15 Prozent – jeweils in der 2. Liga.

Die Personalaufwandsquoten-Tabelle (in Klammern das Ergebnis vom Vorjahr)

1. TSG Hoffenheim (13.)
2. RB Leipzig (8.)
3. Borussia Dortmund (5.)
4. 1. FSV Mainz 05 (2.)
5. FC Augsburg (3.)
6. FC Bayern München (15.)
7. Bayer 04 Leverkusen (17.)
8. FC Union Berlin (4.)
9. Eintracht Frankfurt (1.)
10. SC Freiburg (14.)
11. VfL Wolfsburg (18.)
12. SV Werder Bremen (11.)
13. Arminia Bielefeld (neu)
14. 1. FC Köln (7.)
15. FC Schalke 04 (10.)
16. Borussia Möchengladbach (13.)
17. Hertha BSC Berlin (6.)
18. VfB Stuttgart (neu)

Während bei vielen anderen Kennzahlen, diejenigen Clubs einen „Nachteil“ haben, die zum 31. Dezember (statt zum 30. Juni) bilanzieren und damit die Einnahme-Seite 10 Monate unter Corona zu leiden hatte, bietet sich bei der Personalaufwandsquote theoretisch die Möglichkeit, besonders lange gegenzusteuern und die Personalkosten zu senken. Diese lassen sich eher innerhalb von 10 Monaten (Bilanzstichtag 31. Dezember) als innerhalb von 4 Monaten (Bilanzstichtag 30. Juni) senken – wohingegen Umsatzverluste direkt nach dem ersten Geisterspiel im März zu verkraften waren.

Allerdings tauchen diese Vereine erst auf den Plätzen 7 (Bayer 04), 9 (Eintracht Frankfurt), 15 (Schalke 04), 16 (Borussia Mönchengladbach) und 18 (VfB Stuttgart) auf. Sprich gerade die letzten drei Vereine haben es nicht hinbekommen, hier an der Ausgabenseite gegenzusteuern. Das ist dann eher den Spitzenteams in diesem Geschäftsjahr gelungen, also der TSG Hoffenheim und RB Leipzig. Mainz 05 hat sich hier wacker geschlagen – ob wegen oder trotz des Streiks, wage ich nicht zu beurteilen. Der VfL Bochum würde in der Tabelle vor der Eintracht, Greuther Fürth hinter der Eintracht liegen. Bei der Hertha fließt anscheinend ein Teil der Investorengelder direkt in die Spielergehälter, die aber nicht den entsprechenden Umsatz generieren.

Insgesamt haben sich die Quoten alle nach oben geschoben (2018: 0,35 (FC Augsburg) bis 0,67 SC Paderborn, 2019: 0,31 (Eintracht Frankfurt) bis 0,68 (VfL Wolfsburg), 2020: 0,37 (TSG Hoffenheim) bis 0,75 (VfB Stuttgart). In Zeiten, in denen viele Menschen Existenzängste haben, Kurzarbeitergeld beziehen und sicherlich keine extremen Lohnsteigerungen erzielen, steigen in der Bundesliga die Gehälter bei gleichzeitiger Stagnierung des Umsatzes. Das unterlegt die These, dass sich der Profi-Fußball in einer eigenen Blase bewegt. Es bleibt abzuwarten, ob nächstes Jahr diese Quote bei den Vereinen wieder gesenkt wird, oder ob sich diese Blase weiter von der Realität abkoppelt.

Die Quote in der Pandemie gesenkt bekommen haben die TSG Hoffenheim (0,48 auf 0,37), RB Leipzig (0,46 auf 0,45), Bayer 04 Leverkusen (0,53 auf 0,52) und der VfL Wolfsburg (0,68 auf 0,58). Die Quote fast verdoppelt hat Eintracht Frankfurt (0,31 auf 0,58), aber auch bei Arminia Bielefeld ist sie völlig aus dem Ruder gelaufen (0,35 auf 0,60) und bei Hertha BSC (0,44 auf 0,72). Mainz 05 (0,34 auf 0,46) hat hier noch die Kurve bekommen.

6. Verschuldungsgrad (Fremdkapital zu Eigenkapital)

Je höher der Verschuldungsgrad ist, desto abhängiger ist das Unternehmen von externen Gläubigern und desto riskanter agiert dieses Unternehmen. Ist selbst das Eigenkapital negativ, wie bei den Sorgenkindern Schalke 04, Union Berlin, SV Werder Bremen, Arminia Bielefeld (und dem VfL Bochum) ist das eigentlich gar nicht messbar. Für die Lizenzerteilung hat das aber wie immer anscheinend keine Rolle gespielt.

Bevor wir auf den Grad der Verschuldung schauen, blicken wir erstmal auf das Fremdkapital. Konnten zwischen 2018 und 2019 noch sechs Vereine ihr Fremdkapital senken (FC Bayern, RB Leipzig, Schalke 04, VfL Wolfsburg, Bayer 04 Leverkusen, FC Union Berlin), gelang dies zwischen 2019 und 2020 nur noch drei Vereinen: Eintracht Frankfurt (-7 Prozent), Borussia Mönchengladbach (-15 Prozent) und dem VfL Wolfsburg (-14 Prozent). Das Fremdkapital fast verdoppelt haben der VfB Stuttgart (91 Prozent) und Arminia Bielefeld (89 Prozent). Bei Mainz 05 hat sich das Fremdkapital um 11 Prozent erhöht. Beim VfL Bochum und bei Greuther Fürth hat das Fremdkapital ebenfalls stark zugenommen (26 bzw. 44 Prozent). Das meiste Fremdkapital hat der FC Schalke 04 mit 244Mio. Euro angehäuft. Dahinter folgt RB Leipzig mit 217 Mio. Euro. Allerdings sagt die Zahl des meisten Fremdkapitals alleine wenig aus. Daher setzt man das Fremdkapital in Relation zm Eigenkapital und erhält den Verschuldungsgrad.

Den geringsten Verschuldungsgrad und die niedrigste Personalaufwandsquote weist die TSG Hoffenheim auf –das zieht natürlich Scheichs an.

Die Verschuldungsgrad-Tabelle (in Klammern das Ergebnis vom Vorjahr)

1. TSG Hoffenheim (1.)
2. SC Freiburg (2.)
3. FC Bayern München (4.)
4. Borussia Dortmund (3.)
5. Bayer 04 Leverkusen (5.)
6. 1. FSV Mainz 05 (6.)
7. FC Augsburg (6.)
8. Borussia Mönchengladbach (9.)
9. RB Leipzig (8.)
10. Eintracht Frankfurt (11.)
11. Hertha BSC Berlin (16.)
12. VfB Stuttgart (neu)
13. 1. FC Köln (10.)
14. VfL Wolfsburg (15.)
15. FC Schalke 04 (18.)
16. FC Union Berlin (17.)
17. Arminia Bielefeld (neu)
18. SV Werder Bremen (13.)

Wie im letzten Jahr, gab es auf den vorderen Plätzen keine großen Änderungen. Ein risikoarmes Geschäftsgebaren legen also Hoffenheim und Freiburg weiterhin an den Tag. Der Verschuldungsgrad blieb bei der TSG seit Einführung der Bilanzpublikation konstant auf einem niedrigen Niveau (0,20). Das bekommt kein anderer Bundesligist hin. Bis Corona hat sich der SC Freibug auf ähnlichem Niveau bewegt, aber der Verschuldungsgrad hat um fast 50 Prozent zugenommen (von 0,20 auf 0,29) – jedoch ebenfalls auf sehr niedrigem Niveau. Der FC Bayern hatte seinen Verschuldungsgrad letztes Jahr senken können und ihn in diesem Geschäftsjahr fast gehalten.

Beim BVB hat sich der Verschuldungsgrad verdoppelt (0,33 -> 0,68). Bayer 04 Leverkusen und Mainz 05 sind die weiteren Vereine, die noch einen Veschuldungsgrad unter 1 aufweisen, d.h. bei denen das Eigenkapital noch größer als das Fremdkapital ist.

Trotz Pandemie gelang es Clubs den Verschuldungsgrad zu senken. Durch den Investor senkte ihn Hertha von über 12 auf unter 4 und der VfL Wolfsburg von 7 auf 6. Umgekehrt hat sich der Verschuldungsgrad beim 1. FC Köln vervierfacht, beim VfB verdreifacht. Während RB Leipzig im letzten Geschäftsjahr durch die sagenhaften 100 Mio. Euro, die dem Eigenkapital aus Fuschl am See damals zugeflossen sind, massiv senken konnte, trat jetzt ein kleiner Jo-Jo-Effekt ein und der Verschuldungsgrad nahm wieder zu.

Für die Plätze 15 bis 18 lässt sich der Verschuldungsgrad gar nicht richtig kalkulieren, da die vier Vereine negatives Eigenkapital aufweisen. Gleiches gilt aktuell für den VfL Bochum. Der Verschuldungsgrad nahm auch bei Greuther Fürth zu – aber auf vergleichsweise niedrigem Niveau, so dass hier Platz 9 herausspringen würde.

Doch was zählt schon ein „Spieltag“, sprich eine Unternehmenskennzahl. Diese würde zu kurz greifen, um tatsächlich einen Club von allen Seiten finanziell abzuchecken, ihn mit den anderen Clubs zu vergleichen und Änderungen im Vergleich zum Vorjahr aufzuzeigen. Die von mir genutzten Kennzahlen spiegeln kurzfristige und längerfristige finanzielle Kriterien wieder. Die Abschlusstabelle „lügt“ nicht, wie wir alle wissen. Diese folgt dann in Teil 4. In 2019 und 20020 hat der SC Freiburg den Titel geholt. Ob dem Verein dies in der „Finanz-Bundesliga-Tabelle“ 2020/21 wieder gelingt?