Spätlese Elversberg Saison 2026/2027

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

Flutlichliebe an der Kaiserlinde

01 Hin und weg:

Nach Elversberg zu gelangen ist aus Mainz ziemlich einfach. Mit dem Auto sowieso – aber auch mit dem Zug ist es eigentlich ein Kinderspiel. Schließlich verkehrt stündlich und ohne Umsteigen ein Zug zwischen der goldenen Stadt und Neunkirchen. Aber aufgrund der Spielansetzung am Freitagabend gibt es leider keine Verbindung mehr nach 22 Uhr zurück nach Rheinhessen. Während es bei Spielen zum Pfälzer Multi-Club-Ownership-Konstrukt immer einen Sonderzug gab, hat man es bei dieser Begegnung verschlafen, möglichst viele Menschen relativ günstig zum Spiel zu bringen. Wenn man schon die Marktwirtschaft außer Kraft setzt und ein knappes Gut wie Benzin rabattiert, dann könnte man auch einen Sonderzug einsetzen. Damit wären wahrscheinlich viele Autos in Mainz stehen geblieben. Keine Strategie, egal, in 100 Jahren gibt es vielleicht dann auch für dieses Auswärtsspiel einen Sonderzug – die Hoffnung stirbt zuletzt. So fuhren sehr wenig 05er*innen am Freitagnachmittag die Nahe flussaufwärts und die Saar wieder flussabwärts – dem Deutschland-Ticket sei Dank dann wenigstens für 0 Euro.

Schienenromantik im Nahe-Tal

02 (N)immer nuff:

Als ich vor 5 Jahren zum Pokalspiel nach Elversberg mit dem Zug anreiste, gab es nicht wirklich eine gute Verbindung vom Neunkirchener Hauptbahnhof zum Waldstadion an der Kaiserlinde in Elversberg. Damals radelte ich den Buckel mit dem Klapprad hoch und auf der anderen Seite wieder runter zum Stadion. Diesmal standen Shuttle-Busse bereit, die Busfahrer waren freundlich und erklärten, dass sie noch einen Zug abwarten wollen, um dann loszufahren. Die Fahrt führte über die Autobahn, mehr oder weniger am Stau in Stadionnähe vorbei direkt vor das Stadion ohne ellenlanges Laufen zum Eingang. Es war die entspannteste Shuttles-Bus-Fahrt ever – so etwa das komplette Gegenteil von Fahrten ab/nach Mönchengladbach Hbf.

Bus-Shuttle wie er sein sollte: nicht überfüllt, am Stau vorbei und kurze Distanz

03 Kon-Trolle

Wahnsinn, wie sich ein Stadion in fünf Jahren während des regulären Spielbetriebs ändern kann. Den Parkplatz direkt am Auswärtsblock gibt es immer noch, aber den darf man wohl als Fan der Gastmannschaft nicht mehr nutzen. Damals gab es aber eigentlich gar keine richtige Infrastruktur, kein Dach und es hatte alles ein wenig Krieschow-Charakter. Diesmal gestaltete sich der Einlass schon extrem professionell. Wenn es schon keine richtigen Eintrittskarten mehr gibt, dann macht es doch bitte alle wie Elversberg: Entweder Speichermöglichkeit im Wallet oder Ausdruck. Leider gibt es noch viele Vereine wie zum Beispiel Bochum, die offiziell darauf bestehen, die Print-at-Home-Tickets unbedingt auszudrucken. Warum bekommt es ein kleiner Club wie Elversberg hin, Tickets im Wallet speichern zu können und der Traditionsverein Bochum nicht…  

Knastwelt Elversberg – dahinter gab es leckere Chili sin Carne

04 Kampf um den Mampf

Vor fünf Jahren gab es beim Pokalspiel kein vegetarisches geschweige denn ein veganes Angebot an Speisen auf der Karte. Da musste meine 2014 erstmals in Chemnitz beim Pokalspiel angewandte Strategie des Verhandelns herhalten: Ich konnte mich auch in Elversberg mit dem Caterinpersonal auf 2 Brötchen für einen Euro einigen – was übrigens letzte Saison beim VfB Stuttgart nicht möglich war, da bei denen die Brötchen angeblich abgezählt waren.

Und diesmal? Der komplette Game Changer: Chili sin Carne vegan! Im Pappbecher mit Holzlöffel und von der Konsistenz dick genug, so dass der Inhalt nicht verschütt gegangen ist. Außerdem gab es eine warme Laugenbrezel für 2 Euro – an anderen Bundesligastandorten zahlt man für etwas größere Brezeln auch gerne mal vier bis fünf Euro.

Vielleicht steht die Veränderung beim Catering sinnbildlich für die sportliche Entwicklung der „Elv“?!

Championsleague-reife vegane Verpflegung

05 Käfighaltung

Die Parallelen zu Bochum waren frappierend. Links vom Block schaute man auf eine Baustelle aus Beton und auf dem Platz auf eine Baustelle in der Abwehr. Wurde in Bochum am Ende „Kein Titel, egal“ angestimmt, erklang aus vielen rot-weißen Kehlen im Saarland am Ende „Weil wir einen an der Waffel ha’m“. Ich kann mich daran erinnern, dieses Lied mindestens schon einmal in Leverkusen, Wolfsburg und letzte Saison in Freiburg gehört zu haben. Aber ich geh‘ eh immer nuff, von da daher wissen wir alle, dass es mit Mainz 05 immer steil bergauf und steil bergab geht. Mittelfeld ist ja auch viel zu öde… In diesem Sinne alles für unseren FSV!

Abpfiff in Elversberg

Fazit:

Der Jahrgang 2026/2027 zeigt, dass es in Deutschland noch echt krass nach vorne gehen kann – das Saarland macht es vor!  

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour

Spätlese Bochum Saison 2026/2027

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

Flutlicht-Liebe im Ruhrstadion

01 Hin und weg:

Ein neuer Bahnhof ist wie ne neue Liga. Da mal wieder irgendeine Baustelle den Bochumer Hauptbahnhof vom ICE-Netz abschnitt, durfte ich den Hagener Hauptbahnhof kennenlernen. Um es kurz zu machen – man muss ihn nicht gesehen haben. Die Kabel aus der Wand erinnerten mich an frühere Indienreisen. Dass ich am Rande des Ruhrgebiets Urlaubsgefühle bekomme, hätte ich auch nicht erwartet. Pünktlich brachte mich die Regionalbahn bei herrlichem Sonnenschein und bestem Wetter durch Wetter an Ruhr in die Ruhrmetropole Bochum.

Bahnhofsromantik in Hagen-Hbf.

02 (N)immer nuff:

Keine Ahnung, wie oft ich die Castroper Straße vom Hauptbahnhof kommend schon hochgelaufen bin. Die letzten Jahre war sie eine große Baustelle, da die ehemals vierspurige Straße auf zwei Autospuren plus zwei breite Radwegspuren umgebaut wurde. Wenn man bei uns in Mainz auf die Idee käme, eine vierspurige Straße auf zwei Spuren plus zwei Radwege-Spuren umzuwidmen, würden die Facebook-User bei AZ, Merkurist und BYC News komplett eskalieren. Das machen sie ja eigentlich schon beim Modalfilter auf der Großen Bleiche – aber das hätte nochmal extra Sprengkraft. Diese Energie müsste man eigentlich nutzen, damit Mainz schneller klimaneutral wird. Denn das schafft die Stadt bis 2035 nicht, weil…das mit dem Autoverkehr nicht so klappen will.

Aus einer 4-spurigen Autostraße wurde ein Zwei-Plus-Zwei-Straße (Auto+Rad)

03 Kon-Trolle

In Bochum vor dem Auswärtsblock steht man immer lange an. Ist man einmal drin, dann wird einem während des Kicks das Hüpfverbot auf der Osttribüne über die Anzeigetafel angekündigt. Dieses Verbot existiert seit diesem Monat und liegt übrigens nicht an einer möglichen Einsturzgefahr. Die Bauaufsichtsbehörde hat durch ein Gutachten ermittelt, dass es „durch gemeinsames, rhythmisches Hüpfen oder Springen, also synchronisierte Bewegungen vieler Menschen, zum sogenannten Trampolineffekt kommen kann, der einen Unwohlsein-Effekt hervorruft“. Beim dritten Nicht-Stopp sieht die Regelung übrigens einen Spielabbruch vor. Dass wir am Ende auf diesen hätten hoffen müssen…ist halt Mainz 05.

Eine neue Regel ist wie ein neues Leben…

04 Kampf um den Mampf

Seit diesem Jahr bietet die Tierrechtsorganisation PETA neben ihrem veganen Stadionranking auch eine Übersicht über das pflanzliche Speisenangebot im Auswärtsblock an. Für Bochum stand dort, dass es vegane Wurst und Currywurst sowie Brezeln geben sollte. Es war auch die Catering-Stand-Angabe hinterlegt. Mit letzterer kann man als Außenstehende*r so lange nicht wirklich etwas anfangen, bis man im Block angelangt ist. Letztlich bezogen sich alle Auswärtsblock-Angaben auf den Stehblock. Der Catering-Stand im Sitzblock hatte eine andere Nummer und tatsächlich gab es da keine vegane Wurst. Die Brezeln gab es – und überraschenderweise auch vegane Franzbrötchen. Sie schmeckten wirklich lecker, passten aber nicht wirklich zum kredenzten Leichtbier.

Statt veganer Currywurst gab es veganes Franzbrötchen

05 Käfighaltung

Die Idee, wieder auf die Sitztribüne zu ziehen, wird in Bochum nie alt. Der Stehblock erinnert in seiner Unmöglichkeit an das Ding im Dreisamstadion (also dem alten Stadion) in Freiburg. Von der Sitztribüne aus hat man einen guten Blick auf das Geschehen. Gut, es gab nicht wirklich etwas zu sehen auf Mainzer Seite. Aber egal – im Pokal haben wir bis auf 2009 eh nie etwas gerissen. Das wird wohl auch so bleiben und mit dem „kein Titel egal, in 100 Jahr’n hol’n wir den Pokal“ die diesjährige Pokalsaison zu beenden, passte zu diesem eigentlich ganz netten Abend im Pott, wenn man das Ergebnis mal ausblendet.

Abpfiff in Bochum

Fazit:

Der Jahrgang 2026/2027 zeigt, dass Mainz 05 immer noch nicht Pokal kann, bei gleichzeitig grandiosem Torverhältnis von +7…

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour

Spätlese Gladbach Saison 2025/2026

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

Große Freude nach dem Ausgleich, der gleichzeitig der Abpfiff der Partie war.

01 Hin und weg:

„Gladbach ist nur zweimal im Jahr“ – schallte es mir vor heute vor zwei Wochen durch den Kopf. Schließlich ging es für mich am Ostersonntag schon mal zur Borussia. Die 05erinnen spielten damals ebenfalls in Mönchengladbach – aber in der eindeutig schickeren Schüssel – dem Grenzlandstadion in Rheydt. Grüße gehen an dieser Stelle raus an alle 05-Hopper*innen. Denn es gibt in dieser Saison nochmal die Gelegenheit, einen netten Ground mit 05-Beteiligung mitzunehmen: das Bresserbergstadion in Kleve am letzten Spieltag der 2. Frauen-Bundesliga am 17. Mai. Es gibt sogar einen Fanbus, der euch für 35 Euro dorthin bringt. Nähere Infos hierzu gerne per Nachfrage. Doch genug in die Zukunft geblickt, denn es gilt ja hier die 16. Fahrt zum Borussia-Park in Worte zu fassen. Der Terminierung sonntags um 19.30 Uhr sei Dank, übernachtete ich erstmals überhaupt in Mönchengladbach. Dadurch geriet die Anreise zu einem entspannten Vergnügen. Bahn pünktlich – Hotel fußläufig vom Hauptbahnhof und ein schöner Frühlingsfußballsonntag. Läuft…

Mönchengladbach von seiner schönsten Seite

02 (N)immer nuff:

Das große Problem bei Auswärtsfahrten der Männer nach Gladbach ist das „nuff kommen“ – mittlerweile habe ich so praktisch jede Möglichkeit getestet. Mit dem Auto – langer Stau schon auf der Autobahn (und nach Spielschluss noch länger). Die Kombi Shuttlebus/Zug der letzten Saison freitagsabends war auf dem Rückweg die komplette Vollkatastrophe. Nach ellenlanger Schneckentempofahrt mit dem Bus vom Stadion zum Bahnhof war der Bahnsteig bereits wegen Überfüllung von Team Blau sicherheitshalb kurzfristig gesperrt worden. So hieß es eine Stunde am Mönchengladbacher Hauptbahnhof die Zeit zu überbrücken, ehe der nächste Zug nach Düsseldorf fuhr. Diesmal konnte ich diesem ganzen Chaos entgehen. Wie beim Frauenspiel mietete ich mir ein Rad (mit derselben NextBike-App, mit der es auch in Wien, Olmütz und Prag klappte) und radelte entspannt zum Stadion hin und tatsächlich auch wieder sehr entspannt zurück zum Hotel. Der 16. Besuch in Gladbach war somit der entspannteste bisher.

Eine Straße als Reminiszenz an die beiden Europokalfinalspiele 1973 und 1977 gibt es auch nicht überall.

03 Kon-Trolle

Durch die Übernachtung stellte sich die Frage nach der Gepäckabgabe nicht – aber bei Borussia ist diese immer unkompliziert möglich. Einfach nicht nachvollziehbar, dass das beim „Premium-Produkt Bundesliga“ nicht einfach Standard sein kann. Es ist von den 36 DFL-Mitgliedern zu viel verlangt, so etwas standardmäßig anzubieten. So ein bisschen Kreisliga-Fußball-Ambiente, das jeder Club selbst ausschmückt, muss es wohl doch noch sein. Wo kämen wir denn dahin, dass Fußballfans Planungssicherheit bei diesem Thema ligaübergreifend bekommen können?

Ankunft mit dem Mietrad unweit des Stadions

04 Kampf um den Mampf

In Gladbach gab es „Veggie Nuggets“. „Veggie“ ist ein Begriff, den wahrscheinlich Leute kreieren, die selbst nicht wissen, was sie verkaufen geschweige denn futtern. Sind die Dinger jetzt vegetarisch, enthalten also Produkte tierischen Ursprungs wie Milch- oder Eipulver? Oder sind die Dinger auf rein pflanzlicher Basis produziert worden – also vegan? Da hilft der Blick in das PETA-Stadionranking. Das Ranking an sich ist teilweise für die Füße, da man als auswärtiger Fan nicht mit dem dort verzeichneten veganen Angebot tatsächlich rechnen kann. Schließlich weiß PETA nicht, dass es Heim- und Auswärtsbereiche gibt. Dann wird Stuttgart einerseits wegen des veganen Angebots abgefeiert (und das bei den Frauen auch zurecht) und dann gibt es bei den Männern im Auswärtsblock plötzlich gar kein vegetarisches geschweige denn veganes Angebot. Auf der PETA-Seite des Stadionrankings gibt es die PDF-Datei „Vegan-freundlichste Stadien 2025“. Da kann man auf der sechsseitigen Tabelle nach „Borussia Mönchengladbach“ suchen. Dort werden die „Veggie Nuggets“ als „Vegane Nuggets“ geführt. In dieser Tabelle wäre es seitens der Vereine auch möglich, anzugeben, wo es die jeweiligen Speisen gibt. Doch diese Arbeit machen sich leider die wenigstens Clubs (Mainz 05 allerdings schon).

Was heißt „Veggie“ – vegetarisch oder vegan…Aufklärung gibt es durch das PETA-Stadionranking

05 Käfighaltung

Das Hinspiel gegen die Fohlen mit Benni Hoffmann als Trainer ging leider sehr unglücklich verloren. Das war das bisher letzte 05-Spiel ohne Urs Fischer auf der Trainerbank. Allerdings war das verkackte Spiel in Strasbourg erst drei Tage her. So hieß es auch an diesem Sonntagabend wieder „Wundertüte Mainz 05“. Wie bei den Frauen zwei Wochen vorher ging die Borussia in Führung und mir schoss „Döp döp döp ist jetzt schon zweimal im Jahr durch den Kopf“. Wie bei den Frauen hatte es sich danach aber ausgedöpt. Die Frauen schossen danach sogar drei Tore und fuhren am Ende einen ungefährdeten Auswärtssieg ein. Die Männer schafften den Ausgleich in 90 Minuten leider nicht. Doch zum Glück gibt es ja die Nachspielzeit, eine ungeschickte Aktion eines Gladbacher Verteidigers und mit Nadiem Amiri einen sicheren Elfmeterschützen. Es gab dann doch nochmal ein „Döp döp döp“ – allerdings in rheinhessischem Slang und damit in dieser Saison das lauteste der drei „Döp döp döp“, die ich miterleben durfte.

Ein Punkt in letzter Sekunde mitzunehmen schmeckt besonders gut.

Der Jahrgang 2025/2026 zeigt, dass „Döp döp döp“ auch euphorisch wirken kann!

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour