Die Finanzen der Männer-Bundesliga-Clubs: Abschlusstabelle 2026

In den ersten vier Teilen habe ich die 18 Erstligisten der Saison 2025/2026 und die drei Aufsteiger mit Hilfe von insgesamt vier KPIs analysiert und für jeden KPI eine Tabelle erstellt. In den letzten sieben Jahren, seitdem ich diese Analyse erstelle, haben sich die Ansprüche an diese Analyse verändert. Das Thema Nachhaltigkeit ist weiter in den Vordergrund gerückt. Dies gilt auch für ökonomische Aspekte. Diese Aspekte finden sich in der Abschlusstabelle 2026 in Bezug auf die Finanzen der Bundesliga-Clubs wider.

Hier geht es zu:

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4

Wertvorgaben für die KPIs zur Erstellung der Abschlusstabelle in Bezug auf die Finanzen der Bundesliga-Clubs

In allen vier Teilen habe ich für die entsprechenden KPIs Wertvorgaben für finanziell nachhaltiges Verhalten recherchiert:

  • Ein Anlagendeckungsgrad von 60 Prozent und mehr gilt als finanzielle Stabilität
  • Eine Eigenkapitalquote von mehr als 20 Prozent ist in Ordnung, bei mehr als 30 Prozent gilt sie als gesund.
  • Eine Personalaufwandsquote, in Branchen, die auf menschliche Interaktion angewiesen sind, gelten Werte von 60 bis 70 Prozent als angemessen
  • Beim Verschuldungsgrad wird ein Richtwert empfohlen, bei dem das Verhältnis zwischen Fremdkapital und Eigenkapital höchstens 2:1 ist, was einem Verschuldungsgrad von 200% entspricht.

Wer in den letzten Jahren aufmerksam die Finanz-Bundesliga-Tabellenerstellung verfolgt hat, wird feststellen, dass ich bis 2023 auch die Eigenkapitalrendite und die Umsatzrentabilität mit in die Tabelle hineingenommen habe. Diese beiden KPIs sind von eher kurzfristiger Natur, da in beiden Werten der Jahresüberschuss eine entscheidende Rolle spielt. Gerade während der Pandemie haben die meisten Vereine einen Jahresfehlbetrag ausgewiesen.

Ein (einmaliger) Jahresfehlbetrag ist langfristig gesehen unproblematisch, wenn der Club finanziell nachhaltig wirtschaftet. Ferner sind zumindest eingetragene Vereine keine „normalen“ Unternehmen. Sie sollen nicht unbedingt hohe Jahresüberschüsse erwirtschaften, sondern mit ihrem vorhandenen Geld, verantwortungsbewusst umgehen. Dass damit ein Jahresüberschuss und kein dauerhafter -fehlbetrag einhergeht, ist selbstredend. Die Clubs befinden sich in einem Wettbewerb untereinander und daher sollte das Ziel dieser Analyse sein, zu prüfen, welche Clubs Financial Fairplay eher leben als andere oder es nur leben können, weil Investoren eingestiegen sind. Aus diesem Grund habe ich diese beiden KPIs Eigenkapitalrendite und Umsatzrentabilität letztes Jahr gestrichen.

Wie in den Jahren zuvor habe ich für die vier KPIs pro Verein zwischen 0 und 3 Punkten vergeben. Ich hätte natürlich auch nach Tabellenplatz bewerten können. Doch sagt ein Platz in der Tabelle nicht wirklich etwas über den finanziellen Zustand des Clubs aus. Deshalb habe ich die Bewertung in jeder Kategorie nach Punkten durchgeführt und jede Kategorie gleich gewichtet. Natürlich ist das rein subjektiv. Doch letztlich ergibt sich ein gutes Bild, wie es um das finanzielle Gebaren der Clubs untereinander aussieht.

Die Punkteverteilung im Überblick; für die Nerds (in Klammern die Punkte des Vorjahres):

Anlagendeckungsgrad (Eigenkapital zu Anlagevermögen) – Finanzierung des Vereins

AD PunkteVereine (in Klammern Punkte im Vorjahr)
>0,63SCF (3), M05 (3), FCB (3), TSG 3 (3), SCP (neu), FCA 2), BVB (2)
>0,32B04 (2), KOE (1),HSV (1), VFB (1), SVW (2), WOB (1), BMG (1), SGE (1),
RBL (1)
>01FSP (1), FCU (1), FCH (1), SVE (neu)
<00S04 (neu)
Punkte Anlagendeckungsgrad 2026

Bisher galt die Abgrenzung >1, >0,5, >0, <0. Da ein Anlagendeckungsgrad von >0,6 bereits als exzellent gilt, habe ich das dieses Jahr entsprechend berücksichtigt und dann >0,3 und >0 als weitere Abstufungen gewählt.

In der alten Berechnung konnten der 1. FC Köln und der Hamburger SV einen Punkt mehr erzielen. Einen Punkt weniger hätte Werder Bremen erzielt.

In der neuen Berechnung bekamen der SC Paderborn, der FC Augsburg und Borussia Dortmund nun 3 statt 2 Punkte. 2 statt einem Punkt erhielten der 1. FC Köln, der Hamburger SV (hätten sie auch mit der alten Berechnung bekommen), der VfB Stuttgart, der VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt und RB Leipzig.

Eigenkapitalquote (Eigenkapital zu Bilanzsumme) – Chance auf Pleite des Vereins

EQPunkteVereine (in Klammern Punkte im Vorjahr)
> 0,33SCF (3), TSG (3), FCB (2), BVB (2), M05 (2), FCA (2), KOE (1), B04 (2)
> 0,22HSV (1), SCP (neu), WOB (1), BMG (1), VFB (1), RBL (1), SGE (1), SVW (1)
> 01FSP (1), FCU (1), FCH (1), SVE (neu)
<00S04 (neu)
Punkte Eigenkapitalquote 2026

Eine Eigenkapitalquote von mehr als 0,2 ist gut von mehr als 0,3 exzellent. Daher wurde die Berechnung geändert.

Einen Punkt weniger hätte nach der alten Berechnung für Bayer 04 Leverkusen gegeben.

Nach der neuen Berechnung haben 3 statt 2 Punkten der FC Bayern München, Borussia Dortmund, der 1. FSV Mainz 05 und der FC Augsburg erhalten.

3 statt 1 Punkt erhielt der 1. FC Köln.

2 statt 1 Punkt erhielt der Hamburger SV, Borussia Mönchengladbach, der VfB Stutgart, RB Leipzig, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen.

Personalaufwandsquote (Personalaufwand zu Umsatz) – Arbeitsintensität des Vereins

PQ PunkteVereine (in Klammern Punkte im Vorjahr)
< 0,63B04 (3), SVE (neu), HSV (3), S04 (neu), KOE (3), FCA (2), SCP (neu), FCU (3), RBL (3), VFB (3), SGE (3), FCB (3), BVB (3), FSP (3), WOB (2), FCH (3), M05 (2), SCF (3), BMG (2), SVW (2), TSG (1)
<0,72
<0,81
>0,70
Punkte Personalaufwandsquote 2026

Eine PQ von unter 0,6 gilt für die Branche als gut. Daher gibt es ab diesem Wert 3 Punkte. In den Klammern stehen die Punktezahlen des Vorjahres.

Erstmals haben alle Clubs eine gute PQ und damit die volle Punktzahl bekommen.

Verschuldungsgrad (Fremdkapital zu Eigenkapital) – Abhängigkeit des Vereins

VQ PunkteVereine (in Klammern Punkte im Vorjahr)
< 23SCF (3), TSG (3), FCB (2), FCA (1), BVB (2), M05 (2), HSV (0)
< 32KOE (0), B04 (2), SCP (neu), WOB (0), BMG (0)
< 41VFB (0), RBL (0), SGE (0)
> 40SVW (0), FSP (0), FCU (0), FCH (0), SVE (0), S04 (0)
Punkte Verschuldungsgrad 2024

Ein Verschuldungsgrad von unter 2 gilt als gut und ergibt 3 Punkte. Daher gibt es sehr viel mehr Punkte als unter der alten Berechungsmethode:

3 statt 0 Punkten konnte der Hamburger SV erzielen. 3 statt 1 Punkt der FC Augsburg. 3 statt 1 Punkt der FC Bayern München, Borussia Dortmund und der 1. FSV Mainz 05.

2 statt 0 Punkten konnten der 1. FC Köln, der VfL Wolfburg und Borussia Mönchengladbach erzielen.

1 statt 0 Punkten konnten der VfB Stuttgart, RB Leipzig und Eintracht Frankfurt erzielen.

Entwicklung der Punkte im Vergleich zu 2025

Ein direkter Vergleich mit den Punkten im Jahr 2025 macht keinen Sinn mehr, da ich die Punktvergabe nun danach ausgerichtet habe, ob ein Verein die jeweiligen finanziellen Nachhaltigkeitsziele (Anlagendeckungsgrad > 60 Prozent, Eigenkapitalquote > 20 Prozent ok, > 30 Prozent gesund, eine Personalaufwandsquote < 60 Prozent angemessen, ein Verschuldungsgrad < 200 Prozent) erfüllt oder nicht.

In den ersten Jahren dieser Tabelle hatte das alles noch Wettbewerbscharakter mit einem „Titel“ den keiner braucht. Im Grund geht es darum zu prüfen, wieviele der Kriterien jeder Club erfüllt. Im besten Fall wurden 12 Punkte erreicht. Dahinter ergeben sich die Abstufungen, anhand derer man die jeweiligen Clubs bewerten kann, ob sie finanziell eher nachhaltig oder weniger nachhaltig agieren.

Die Abschlusstabelle

 Den Titel in der KPI-Bundesliga-Tabelle 2026 holte sich wie 2019, 2020, 2021, 2023, 2024 und 2025 der SC Freiburg. Allerding gemeinsam mit der TSG Hoffenheim, dem FC Bayern München und dem 1. FSV Mainz 05. Alle vier Clubs würden alle vier finanziellen Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

Auf Platz 1 der Finanz-Bundesliga-Tabelle landete der SC Freiburg.

Die Abschlusstabelle 2026 in Bezug auf die Finanzen der Bundesliga-Clubs

PlatzierungVereinPunkte 2026Punkte 2025Vorjahr
1.SC Freiburg12121.
TSG Hoffenheim12102.
FC Bayern München12103.
1. FSV Mainz 051294.
5.Borussia Dortmund1195.
FC Augsburg1177.
7.Bayer 04 Leverkusen1094.
8.1. FC Köln958.
Hamburger SV 958.
10. VfL Wolfsburg8416.
Borussia Mönchengladbach8416.
12.SC Paderborn78neu
VfB Stuttgart758.
RB Leipzig758.
Eintracht Frankfurt758.
Werder Bremen758.
17.FC St. Pauli558.
1. FC Heidenheim558.
19.Union Berlin458.
SV Elversberg43neu
21.FC Schalke 0433neu
KPI-Abschlusstabelle 2026

Das Fazit in Bezug auf die Abschlusstabelle der Finanzen der Bundesliga-Clubs

Die 21 Vereine teilen sich 9 Platzierungen. So lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Vereine auf dem Papier finanziell nachhaltig agieren und welche Clubs hier Nachholbedarf haben. „Auf dem Papier“ bedeutet, dass Clubs wie Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg in der Realität natürlich überhaupt nicht fair (aber nachhaltig) agieren, da etwaige Fehlbeträge Jahr für Jahr durch Dritte ausgeglichen werden. Allerdings muss Bayer in den vielen guten Jahren, seitdem die Kennzahlen publiziert werden, Gewinne abgeben. Anders sieht es mit RB Leipzig aus, das sich das Fremdkapital vom Brausekonzern leiht.

Die 9 Platzierungen kann man wie folgt aufteilen:

Champions League

Es gibt nur vier Clubs, die alle KPIs erfüllen würden. D.h. 17 Clubs agieren nicht in allen Bereichen finanziell komplett nachhaltig: SC Freiburg, TSG Hoffenheim, FC Bayern München, 1. FSV Mainz 05.

Champions League Qualifikation

Borussia Dortmund und der FC Augsburg sind mit 11 Punkten allerdings nahe dran, alle vier Kriterien zu erfüllen. Zwar fällt die Punktevergabe dieses Jahr großzügiger in den oberen Bereich aus, da eine Überperformance keine Bonuspunkte brachte. Aber dass Augsburg statt 7 nun 11 Punkte aufzuweisen hat, ist beachtlich. Die Steigerung beim BVB von 9 auf 11 ist auch gut.

Europa League

Bayer 04 Leverkusen fehlen nun 2 Punkte, um alle vier KPIs komplett zu erfüllen.

Conference League

Der 1. FC Köln und der Hamburger SV entwickeln sich beide sehr positiv mit 9 statt 5 Punkten.

Oberes Mittelfeld

Die Punkte von 4 auf 8 verdoppeln konnten Borussia Mönchengladbach und der VfL Wolfsburg.

Gesichertes Mittelfeld

Jeweils 7 Punkte konnten der SC Paderborn (statt 8), der VfB Stuttgart RB Leipzig, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen (je statt 5) erzielen.

Unteres Mittelfeld

Unverändert 5 Punkte haben der FC St. Pauli und der 1. FC Heidenheim.

Relegation

Jeweils 4 Punkte erzielten Union Berlin (statt 5) und die SV Elversberg (statt 3).

Abstieg

Schlusslicht ist der FC Schalke 04 mit 3 Punkten.

Die DFL-Linzenzordnung

Die DFL hat in ihren Lizenzierungskriterien zum Thema Finanzen leider keine dieser KPIs veranktert. Würde man die oben angesprochenen Werte für die KPIs:

  • Anlagendeckungsgrad (> 60 Prozent)
  • Eigenkapitalquote (> 20 Prozent)
  • Personalaufwandsquote (< 70 Prozent)
  • Verschuldungsgrad (< 200 Prozent)

als Linzenkriterien einführen, wäre es ein großer Schritt in Richtung Financial Fairplay, wenn gleichzeitig die jährliche Alimentierung bei Bayer 04 Leverkusen, dem VfL Wolfsburg und RB Leipzig beendet werden würde – so wie es auch das Bundeskartellamt in Bezug auf die 50+1-Regel fordert. Auch Dietmar Hopp müsste seine Zuschüsse zur TSG stoppen.

Welcher Verein erfüllt wieviele Kritieren

Die folgenden Vereine würden alle vier Kriterien erfüllen:

  • SC Freiburg
  • TSG Hoffenheim
  • FC Bayern München
  • 1. FSV Mainz 05

Drei von vier Kriterien würde erfüllen:

  • FC Augsburg
  • Borussia Dortmund

Zwei von vier Kriterien würden erfüllen:

  • Bayer Leverkusen
  • 1. FC Köln
  • Hamburger SV
  • SC Paderborn

Eins von vier Kriterien würden erfüllen:

  • VfL Wolfsburg
  • Borussia Mönchengladbach
  • VfB Stuttgart
  • Eintracht Frankfurt
  • Werder Bremen
  • Union Berlin
  • FC St. Pauli
  • 1. FC Heidenheim
  • Union Berlin
  • SV Elversberg
  • FC Schalke 04

Diese Aufteilung der Liga zeigt ein relativ objektives Bild der finanziellen Situation aller Clubs der ersten Liga.

Alle Kriterien erfüllen nur noch vier Clubs. Letztes Jahr waren es noch sechs, vorletztes Jahr acht Clubs. Letztes Jahr haben Borussia Dortmund (jetzt 3) und Bayer Leverkusen (jetzt 2) ebenfalls noch alle Kriterien erfüllt.

Letztes Jahr hat Werder Bremen noch drei Kritierien erfüllt (jetzt 1).

Der VfL Wolfsburg, der VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt erfüllen jetzt ein statt zwei Kriterien.

Financial Fairplay?

Financial Fairplay ist weiterhin ein Fremdwort in der Bundesliga. Es gibt Vereine, die können das Geld zum Fenster rausschmeißen und das wird einfach durch Dritte ausgeglichen. Andere Vereine haben diese Möglichkeit nicht. Damit wird die Spaltung der Liga weiter verschärft und ein Wettbewerb kann so kaum noch stattfinden. Corona wirkte als Brandbeschleuniger, wenn man bedenkt, dass das Bundeskartellamt auf eine Einhaltung von 50 plus 1 drängt. Die Sonderstellung von Bayer Leverkusen, RB Leipzig und vom VfL Wolfsburg ist weiterhin kritisch zu betrachten.

Insgesamt haben viele Clubs viel zu viel Fremdkapital in der Bilanz stehen. Damit hallt die Pandemie in der Bundesliga immer noch nach. Gleichzeitig lassen immer mehr Clubs Investoren zu (VfB Stuttgart, Werder Bremen). Ob das Geld der Investoren langfristig verbrannt wird, zeigen die nächsten Jahre. Beim VfB sieht es derzeit gut aus, bei Werder weniger gut. Union Berlin, der FC St. Pauli und Eintracht Frankfurt gehen bei der Suche nach Kapital behutsam vor und binden die lokale Anhänger*innenschaft mit ein.

Es gibt weiterhin Clubs, die können sehr gut mit ihrem Geld umgehen – auch ohne Investor (der SC Freiburg). Und es gibt Clubs, die wirtschaften seriös (1. FSV Mainz 05, FC Bayern München) oder immer seriöser (Borussia Dortmund, FC Augsburg) bzw. gesunden langsam aber sicher (1. FC Köln, Hamburger SV). Der Rest wurschtelt so vor sich hin und benötigt die immensen TV-Gelder, weil er mit Geld schlichtweg nicht umgehen kann.

In der Lizenzierungsordnung der DFL kann es mittlerweile Geldstrafen und ab dieser Saison Punktabzüge für negatives Eigenkapital geben. Doch diese Maßnahme greift viel zu kurz.

Es wird auch dieses Jahr spannend sein, wie die Clubs weiter wirtschaften. Antworten darauf gibt es nächstes Jahr im Sommer, wenn der Ligaverband die Bilanzen der Clubs veröffentlicht hat.

Die Finanzen der Männer-Bundesliga-Clubs 2026 Teil 4

In Teil 3 der Finanzen der Bundesliga-Clubs ging es indirekt um die Frage, ob Geld Tore schießt. Aus den beiden Finanzkennzahlen Personalaufwand und Umsatz (bzw. Rohergebnis) wurde die Personalaufwandsquote gebildet. Sie ist der dritte von vier KPIs, mit dem am Ende die „Finanz-Bundesliga-Tabelle“ ermittelt wird. Im letzten Teil der Finanzen der Bundesliga-Clubs geht es um den Verschuldungsgrad.

Hier geht es zu:

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 5

4. Verschuldungsgrad (Fremdkapital zu Eigenkapital)

Je höher der Verschuldungsgrad ist, desto abhängiger ist das Unternehmen von externen Gläubigern und desto riskanter agiert dieses Unternehmen. Die Finanzen der Bundesliga-Clubs werden durch den Verschuldungsgrad für alle sichtbar offengelegt.

Das Fremdkapital

Bevor wir auf den Verschuldungsgrad schauen, blicken wir erstmal auf das Fremdkapital. Es bildet das Gegenteil des Eigenkapitals und bezeichnet die Verbindlichkeiten eines Unternehmens gegenüber Dritten. Das Fremdkapital wird vom Ligaverband als Finanzkennzahl publiziert.

ClubMio. EuroIndexVorjahrMio. Euro in 2019Index 2025 zu 2019
1.SC Paderborn15205neu14107
2.1. FSV Mainz 05311032.4174
3.SC Freiburg34924.17202
4.1. FC Heidenheim43995.31138
5.SV Elversberg47124neuneuneu
6.FC Augsburg54769.53103
7.FC St. Pauli631036.41152
8.1. FC Köln63957.48130
9.Werder Bremen799910.52152
10.Hamburger SV867611.12668
11.TSG Hoffenheim871278.44198
12.Union Berlin1269312.45279
13.Borussia Mönchengladbach1329213.123107
14.FC Schalke 04*18390neu22482
15.VfL Wolfsburg2169917.22198
16.Eintracht Frankfurt26513715.122217
17.VfB Stuttgart27112516.51527
18.Borussia Dortmund28911019.117247
19.FC Bayern München3708020.167221
20.Bayer 04 Leverkusen43226714.96448
21.RB Leipzig49810119.145343
* Beim FC Schalke 04 ist das Eigenkapital negativ, daher ist die Angabe des Fremdkapitals hier nicht aussagekräftig.
Fremdkapital-Tabelle Geschäftsjahr 2024 – Quelle DFL

Die Rechnungsabgrenzungsposten

Wie letztes Jahr habe ich die passiven Rechnungsabgrenzungsposten dem Fremdkapital hinzugerechnet, da dieser Posten immer größer wird und buchhalterisch auch dem Fremdkapital zugerechnet werden sollte.

Die Entwicklung des Fremdkapitals

Während es 2024 nur 2 und 2023 7 Clubs hinbekamen ihr Fremdkapital zu senken, gelang es diesmal 11 Clubs. Allerdings sollte man den FC Schalke 04 hier rausrechnen, da der Verein negatives Eigenkapital aufweist und damit überschuldet ist. Folglich ist beim FC Schalke 04 alles fremdfinanziert.

Um jeweils 24 Prozent konnten der Hamburger SV und der FC Augsburg ihr Fremdkapital senken: Der HSV nutzte seine Überschüsse, um langfristige Stadion-Kredite vorzeitig abzulösen und vertraglich maximale Tilgungsoptionen bei ausstehenden Inhaberschuldverschreibungen (Anleihen) voll auszuschöpfen. Auch der FC Augsburg nutzte seine finanziellen Möglichkeiten, um das Stadion vollständig abzubezahlen.

Um 20 Prozent ging es beim FC Bayern München zurück. Bankkredite gibt es beim FC Bayern praktisch keine. Das Fremdkapital der Bayern besteht fast ausschließlich aus operativen, kurzfristigen Verbindlichkeiten (z. B. noch nicht ausgezahlte Gehälter, Steuern oder Verbindlichkeiten aus dem Transfergeschäft).

Borussia Mönchengladbach und der SC Freiburg konnten es je um 8 Prozent senken. Um 7 Prozent ging es bei Union Berlin zurück. Der 1. FC Köln schaffte eine Senkung um 5 Prozent. Um immerhin 1 Prozent ging es beim 1. FC Heidenheim, bei Werder Bremen und beim VfL Wolfsburg zurück.

Leicht gestiegen ist es bei RB Leipzig (1 Prozent), dem 1. FSV Mainz 05 und dem FC St. Pauli (je 3 Prozent) und Borussia Dortmund (10 Prozent).

Massiv gestiegen ist es bei der SV Elversberg (24 Prozent). Das liegt hauptsächlich am Stadionausbau und weiterer Auflagen der damaligen DFL, in die Infrastruktur zu investieren (auch ein neues Trainingszentrum in St. Ingbert wurde gebaut).

Auch beim VfB Stuttgart ging es mit dem Fremdkapital massiv nach oben (25 Prozent). Gründe sind gestiegene Personalkosten und Erfolgsprämien, die als Rückstellungen für das Folgejahr bilanziert werden. Es kam auch zu einer Explosion der Beraterhonorare von 19 auf 32 Millionen Euro, die kurzfristig finanziert werden mussten. Passive Rechnungsabgrenzungsposten (Einnahmen für die laufende Saison – da der VfB zum Jahresende bilanziert) sind ebenfalls entstanden.

Die 27 Prozent Steigerung des Fremdkapitals der TSG Hoffenheim lassen sich Personal- und Managementumbauten (Abfindungen, die kurzfristig finanziert werden mussten) sowie die Umstrukturierung von Gesellschafterhilfen erklären. Kurz gesagt, das Geld von Dietmar Hopp musste erstmal von Fremd- zu Eigenkapital umgemünzt werden.

Um 37 Prozent ging das Fremdkapital bei Eintracht Frankfurt nach oben. Hauptgründe sind die Investitionen in den Kader, die kurzfristig finanziert werden mussten, da eigene Transfereinnahmen zeitversetzt in die Bilanz flossen.

Obwohl beim SC Paderborn das Fremdkapital um 107 Prozent gestiegen ist, liegen dem keine klassischen Bankkredite zugrunde. Vielmehr wurden Rückstellungen für Prämien und Boni aufgrund des sportlichen Erfolgs gebildet. Wachstumseffekt (Sponsoren, Dauerkarten) sind monetär bereits im Geschäftsjahr 2024/2025 berücksichtig, sind aber für die neue Saison gedacht. Daher wurden passive Rechnungsabgrenzungsposten gebildet.

Durch den sportlichen Erfolg (Double und darauf resultierende Boni) ist das Fremdkapital bei Bayer 04 Leverkusen zum Bilanzstichtag 30. Juni 2025 im Vergleich zu 2024 um 167 Prozent gestiegen.

Wenn man das Fremdkapital der Clubs von 2019 (dem letzten Jahr vor der Pandemie) und von 2025 vergleicht, sieht man, dass es nur vier Clubs gibt, die ihr Fremdkapital in diesem Zeitraum senken konnten: Hamburger SV (-32 Prozent), 1. FSV Mainz 05 (-26 Prozent), FC Schalke (-18 Prozent – wobei die Überschuldung bleibt) und der VfL Wolfsburg (-2 Prozent).

Extrem gestiegen ist es beim VfB Stuttgart (über 400 Prozent), bei Bayer 04 Leverkusen (348 Prozent), RB Leipzig (243 Prozent), Union Berlin (179 Prozent), Borussia Dortmund (147 Prozent), dem FC Bayern München (121 Prozent), Eintracht Frankfurt (117 Prozent) und dem SC Freiburg (102 Prozent).

Die Relation Fremdkapital zu Eigenkapital: der Verschuldungsgrad

Die Zahl des höchsten Fremdkapitals sagt alleine wenig aus, denn es gibt viele Gründe, warum es angestiegen ist. Die Beispiele weiter oben zeigen dies deutlich.

Daher setzt man das Fremdkapital in Relation zum Eigenkapital und erhält den Verschuldungsgrad. Häufig wird ein Richtwert empfohlen, bei dem das Verhältnis zwischen Fremdkapital und Eigenkapital höchstens 2:1 ist, was einem Verschuldungsgrad von 200% entspricht. Das heißt, dass die Verbindlichkeiten höchstens doppelt so hoch sein sollten wie das Eigenkapital. Dies wäre ein finanziell nachhaltiges Lizenzierungskriterium, was auch dem Geiste von Financial Fairplay entspricht.

Der SC Freiburg hat 2024 den niedrigsten Verschuldungsgrad aufzuweisen

Die Verschuldungsgrad-Tabelle des Geschäftsjahres 2025 als Gradmesser für die Finanzen der Bundesliga-Clubs

ClubVerschuldungs-
grad
IndexVorjahr2019
1.SC Freiburg21%851.20%
2.TSG Hoffenheim40%992.20%
3.FC Bayern München63%785.34%
4.FC Augsburg84%557.92%
5.Borussia Dortmund89%1103.33%
6.1. FSV Mainz 0589%1006.84%
7.Hamburger SV174%698.230%
8.1. FC Köln214%849.125%
9.Bayer Leverkusen216%1674,48%
10.SC Paderborn227%202neu647%
11.VfL Wolfburg282%9910.714%
12.Borussia Mönchengladbach294%10011.295%
13.VfB Stuttgart300%9412.111%
14.RB Leipzig364%10114.115%
15.Eintracht Frankfurt384%10315.180%
16.Werder Bremen532%14913.495%
17.FC St. Pauli1137%6418.294%
18.Union Berlin1565%3420.-504%
19.1. FC Heidenheim2202%11319.1710%
20.SV Elversberg3405%n/vneun/v
21.FC Schalke 04-185%94neu-1212%
Verschuldungsgrad-Tabelle Geschäftsjahr 2025 – Quelle: Meenzer on Tour

Sechs solide finanzierte Clubs

Lediglich sechs Clubs sind solide finanziert, d.h. dass ihr Eigenkapital das Fremdkapital übersteigt (SC Freiburg, TSG Hoffenheim, FC Bayern München, FC Augsburg, Borussia Dortmund und der 1. FSV Mainz 05). Fünf Clubs waren auch in der Vorsaison solide finanziert. Der FC Augsburg ist neu hinzugekommen.

Mit dem Hamburger SV hat ein weiterer Club einen Verschuldungsgrad (VG), der in der Wirtschaft als vertretbar gilt. Vor zwei Jahren waren noch acht Clubs solide finanziert. Im Umkehrschluss heißt das, dass vierzehn Clubs einen zu hohen VG aufweisen. Bayer Leverkusen war letztes Jahr noch „solide finanziert“. Aber der Club ist ein Sonderfall. Dadurch das Eigenkapital konstant gleich bleibt, floss im aktuellen Betrachtungszeitraum der extrem hohe Jahresüberschuss von 133 Mio. Euro an den Konzern ab. Daher kann man Bayer mit den anderen Clubs diesbezüglich kaum vergleichen.

Union Berlin konnte seinen VG um zwei Drittel senken. Der Club war lange überschuldet und fuhr eine riskante Strategie. Die Strategie ging auf und nun wird der Club finanziell sehr langsam solide. Denn 1565 % VG sind immer noch extrem hoch.

Der FC Augsburg konnte seinen VG fast um die Hälfte reduzieren. Er hat jetzt einen VG der dem vor der Pandemie grob entspricht. Und damit ist er wieder im elitären Club der 6 Vereine angekommen, die mehr Eigenkapital als Fremdkapital aufweisen.

Der FC St. Pauli konnte seinen VG immerhin um ein Drittel senken. Von einem Level wie vor der Pandemie ist der Club aber noch weit entfernt.

Der Hamburger SV ist der einzige Club, der neben den sechs Clubs, deren Eigenkapital höher als das Fremdkapital ist, noch als finanziell akzeptabel angesehen werden kann. Der Club hat seinen VG ebenfalls knapp um ein Drittel reduzieren können.

Um ein Viertel konnte der FC Bayern München seinen VG senken. Damit kletterte der Verein von Platz 5 auf Platz 3 in der VG-Tabelle.

Der 1. FC Köln hat auch in diesem Betrachtungszeitraum weiterhin an seiner finanziellen Solidität gearbeitet und seinen VG um 15 Prozent senken können. 214 Prozent sind etwas zu viel und im Vergleich zur Zeit vor Corona als der Club einen VG von 125 Prozent hatte, ist das noch hoch. Wenn weiter so gut gewirtschaftet wird, könnte der Club im nächsten Betrachtungszeitraum unter die 200% VG fallen.

Der SC Freiburg hatte immer schon einen extrem niedrigen VG. Im aktuellen Betrachtungszeitraum hat er ihn nochmals um 15 Prozent senken können. Nur im Jahr 2019 war der VG mit 20 Prozent unwesentlich niedriger als 2025.

Der VfB Stuttgart konnte seinen VG um 7 Prozent senken. Durch den Investor ist der VfB dabei finanziell solide zu werden. Der VG ist allerdings immer noch fast dreimal so hoch wie vor der Pandemie.

Der FC Schalke 04 ist überschuldet. D.h. alles ist fremdfinanziert. Trotzdem geht es leicht bergauf für den Verein. Letztmalig war der Verein 2018 nicht überschuldet.

Die TSG Hoffenheim konnte ihren VG leicht um 1 Prozent senken. Die 40 Prozent VG liegen aber noch doppelt so hoch wie vor der Pandemie. Und wenn es kein Geld von Herrn Hopp geben würde, sähe es wohl nicht so rosig für die TSG aus.

Der VG des VfL Wolfsburg ist um 0,7 Prozent gesunken. Die 282 Prozent liegen deutlich unter den 714 Prozent, die der Club 2019 hatte – dem Konzern sei Dank.

Bei Borussia Mönchengladbach ist der VG um 0,4 Prozent gesunken. Der VG verharrt bei 294 Prozent, im Vergleich zu 119 Prozent vor der Pandemie.

Nahezu unverändert ist der VG beim 1. FSV Mainz 05. Die 89 Prozent sind überragend und im Vergleich zu den 84 Prozent vor der Pandemie ein gutes Ergebnis. Während der gesamten Pandemie hatte der Verein jeweils mehr Eigenkapital als Fremdkapital vorzuweisen.

Leicht nach oben ging der VG bei RB Leipzig. Der VG liegt dreimal höher als vor der Pandemie (364 Prozent zu 115 Prozent). Vor der Kapitalspritze im Geschäftsjahr 2018/19 lag der VG allerdings bei 608 Prozent. Gut möglich, dass in ein paar Jahren die nächste Kapitalspritze folgt.

Ebenfalls leicht nach oben gegangen ist der VG bei Eintracht Frankfurt. Er liegt mit 384 Prozent doppelt so hoch wie vor der Pandemie (180 Prozent). 2022 lag er allerdings auch schon mal bei 538 Prozent.

Um 10 Prozent ging der VG bei Borussia Dortmund nach oben. Damit sackte der BVB von Platz 3 auf Platz 5 ab. Allerdings ist der VG immer noch extrem gut mit 89 Prozent. Vor der Pandemie lag er allerdings bei 33 Prozent.

Um 12 Prozent stieg der VG beim 1. FC Heidenheim an. Auch vor der Pandemie war der VG 1710 Prozent hoch. Die aktuellen 2202 Prozent sind natürlich noch schlechter. Es gab aber auch schon einen VG von 5984 Prozent (2020).

Um fast 50 Prozent nach oben ging der VG von Werder Bremen, obwohl im Vorjahr erst ein Investor eingestiegen ist. Die 532 Prozent liegen höher als der Wert vor der Pandemie mit 495 Prozent. Allerdings war der Club von 2020 bis 2023 auch überschuldet.

Verdoppelt hat sich der VG beim SC Paderborn, von guten 113 Prozent auf nicht mehr ganz so gute aber nicht katastrophale 227 Prozent. Vor der Pandemie lag der Wert noch bei 647 Prozent. Daran erkennt man, wie solide in Ostwestfalen in den letzten Jahren gearbeitet wurde.

Um 267 Prozent hat sich der VG bei Bayer erhöht – weil der Jahresüberschuss an den Konzern abgedrückt werden muss. Daher ist der Wert nicht aussagekräftig.

Die SV Elversberg kommt aus der Überschuldung. Die 3405 Prozent sind allerdings extrem hoch.

Der Fall RB Leipzig in Bezug auf den Verschuldungsgrad

Während RB Leipzig 2019 durch die 100 Mio. Euro, die dem Eigenkapital aus Fuschl am See damals zugeflossen sind, den Verschuldungsgrad massiv senken konnte, trat 2020 und 2021 ein kleiner Jo-Jo-Effekt ein und der Verschuldungsgrad nahm wieder zu. Er lag 2021 bei 230 Prozent und 2022 bei 220 Prozent, 2023 bei 243 Prozent und 2024 bei 360 Prozent, so dass er mittlerweile dreimal so hoch liegt wie vor der Pandemie (115 Prozent).

Das Fremdkapital von RB Leipzig stammt im Wesentlichen direkt vom Mutterkonzern, der Red Bull GmbH aus Österreich. Ein großer Teil der Verbindlichkeiten besteht gegenüber Red Bull. RB Leipzig wirtschaftet als eigenständige GmbH, die hohe Schulden (Fremdkapital) bei Red Bull aufnimmt, um handlungsfähig zu sein. Fehlt Geld für teure Neuzugänge, springt der Konzern mit einem Kredit ein. Dadurch entstehen hohe Verbindlichkeiten in der Bilanz, die jedoch zu sehr günstigen Konditionen (oder zinsfrei) intern vergeben werden.

Resümee der vier KPIs für die Ermittlung der Finanzen der Bundesliga-Clubs

Doch was zählt schon ein „Spieltag“, sprich eine Unternehmenskennzahl. Diese würde zu kurz greifen, um tatsächlich einen Club von allen Seiten finanziell abzuchecken, ihn mit den anderen Clubs zu vergleichen und Änderungen im Vergleich zum Vorjahr aufzuzeigen. Die von mir genutzten Kennzahlen spiegeln längerfristige finanzielle Kriterien wieder. Die Abschlusstabelle „lügt“ nicht, wie wir alle wissen. Diese wird in Teil 5 folgen.

In 2019, 2020, 2022, 2023, 2024 und 2025 hat der SC Freiburg den Titel geholt. Ob dem Verein dies in der „Finanz-Bundesliga-Tabelle“ 2026 wieder gelingt?  

Die Finanzen der Männer-Bundesliga-Clubs 2026 Teil 3

In Teil 2 der Finanzen der Bundesliga-Clubs ging es um die finanzielle Stabilität und Unabhängigkeit der Clubs. Aus den beiden Finanzkennzahlen Eigenkapital und Bilanzsumme wurde die Eigenkapitalquote gebildet. Sie ist das zweite von vier Kriterien, aus der die „Finanz-Bundesliga-Tabelle“ ermittelt wird. Im dritten Teil der Finanzen der Bundesliga-Clubs geht es um die Personalaufwandsquote.

Hier geht es zu:

Teil 1
Teil 2
Teil 4
Teil 5

3. Personalaufwandsquote (Personalaufwand/Umsatz)

Geld schießt Tore. Ob diese These stimmt, wird sich zeigen. Hier geht es zunächst einmal um Umsatz, der mit dem vorhandenen Personal erwirtschaftet wurde. Daher gilt hier, je niedriger die Personalaufwandsquote, desto besser wirtschaftet der Club.

Der Personalaufwand

Bevor es um die Personalaufwandsquote geht, werfen wir zunächst einen Blick auf den Personalaufwand. Diese Kennzahl publiziert der Ligaverband jährlich.

ClubMio. EuroIndexVorjahr
1.SV Elversberg15114neu
2.SC Paderborn17102neu
3.1. FC Heidenheim21523.
4.FC St. Pauli441342.
5.Hamburger SV471064.
6.1. FC Köln56897.
7.FC Schalke 0459196neu
8.FC Augsburg621066.
9.1. FSV Mainz 05731108.
10.Werder Bremen751049.
11.Union Berlin809411.
12.SC Freiburg8311010.
13.Borussia Mönchengladbach959613.
14.TSG Hoffenheim9510412.
15.VfL Wolfsburg1209914.
16.VfB Stuttgart16412215.
17.Eintracht Frankfurt17712516.
18.Bayer 04 Leverkusen20810517.
19.RB Leipzig20910318.
20.Borussia Dortmund26910019.
21.FC Bayern München44310320.
Personalkosten-Tabelle 2025 – Quelle DFL

Entwicklung der Personalkosten

Prozentual die krassesten Ausschläge gab es 2025 wohl bei den Personalkosten. Prozentual haben sie sich beim FC Schalke 04 fast verdoppelt (96 Prozent). Das liegt allerdings an einem Rumpfgeschäftsjahr 2024, da man auf einen Jahresabschluss zum Saisonende umgestellt hat (30. Juni statt 31. Dezember).

Die wirklich größte Steigerung mit 34 Prozent gab es beim FC St. Pauli, da der Club 2024 aufgestiegen ist und die fälligen Prämien aber erst im Geschäftsjahr 2024/2025 ausgezahlt wurden. Mitaufsteiger war Holstein Kiel deren Personalkosten um 33 Prozent gestiegen waren.

Mit 22 bzw. 25 Prozent sind die Personalkosten beim VfB Stuttgart und bei Eintracht Frankfurt ziemlich gewachsen. Der VfB war 2024 Vizemeister und spielte in der Folgesaison Champions League. Die Eintracht spielte da „nur“ Europa League.

In der 2. Liga steigerte die SV Elversberg ihre Personalkosten um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Um 10 Prozent gingen sie beim SC Freiburg und beim 1. FSV Mainz 05 nach oben. Beide Clubs spielten in der Saison 2024/2025 nicht international.

Vergleichsweise geringe Steigerungen gab es bei Bayer 04 Leverkusen (8 Prozent – als Meister), beim FC Augsburg und dem Hamburger SV (jeweils 6 Prozent), bei der TSG Hoffenheim (spiele Europa League) und Werder Bremen (jeweils 4 Prozent), bei RB Leipzig und dem FC Bayern (jeweils 3 Prozent) und dem SC Paderborn (2 Prozent).

Gar keine Veränderungen gab es bei Borussia Dortmund.

Die Personalkosten haben mäßig bis moderat reduziert: VfL Wolfburg (1 Prozent), Borussia Mönchengladbach (4 Prozent), Union Berlin (6 Prozent).

Absteiger 2024 waren der 1. FC Köln (-11 Prozent) und Darmstadt 98.

Um sagenhafte 48 Prozent hat der 1. FC Heidenheim seine Personalkosten reduziert, obwohl der Club in der Conference League antrat. Die Prämien für den Aufstieg in der Vorsaison fielen weg.

Der Umsatz

Ich habe hier das Rohergebnis mit dem Umsatz gleichgesetzt, da diese Finanzkennzahl vom Ligaverband publiziert wird. Das Rohergebnis schließt neben Umsatzerlösen auch sonstige betriebliche Erlöse ein. Der reine Umsatz würde also niedriger ausfallen.

ClubMio. EuroIndexVorjahr2019Index 25/19
1.FC Bayern München9201021. 1.129
2.Bayer 04 Leverkusen5651464.6.218
3.Borussia Dortmund549912.2.115
4.RB Leipzig426993.4.168
5.Eintracht Frankfurt376995.3.125
6.VfB Stuttgart3611326.9.218
7.VfL Wolfsburg2391035.8.123
8.Union Berlin1851049.19.308
9.Borussia Mönchengladbach17510210.7.87
10.TSG Hoffenheim1691512.10.105
11.SC Freiburg156808.17.169
12.FC Schalke 04151217neu5.57
13.FC Augsburg14713816.16.154
14.1. FSV Mainz 0514011614.12.97
15.Werder Bremen1369713.11.90
16.1. FC Köln1369211.15.128
17.Hamburger SV12010115.14.95
18.FC St. Pauli8913219.20.179
19.1. FC Heidenheim404617.22.101
20.SC Paderborn40118neu26.149
21.SV Elversberg39138neuneuneu
Rohergebnis-Tabelle 2025 – Quelle Ligaverband

Entwicklung des Rohergebnisses

Da der FC Schalke 04 eine Rumpfbilanz 2024 vorlegte, um das Geschäftsjahr anzupassen, sind die Vergleichswerte nicht aussagekräftig. Allerdings ist das Rohergebnis 2025 im Vergleich zu 2019 um 43 Prozent gesunken.

Die prozentual größte Steigerung mit 46 Prozent konnte der Meister 2024, Bayer 04 Leverkusen, hinlegen. Im Vergleich zu 2019 ist das Rohergebnis sogar mehr als verdoppelt worden.

Dahinter kommt schon die SV Elversberg und der FC Augsburg mit je 38 Prozent zwischen 2024 und 2025. Bei Elversberg liegt es wohl an der Etablierung in der 2. Liga, also mehr TV-Gelder und an der Erweiterung des Stadions an der Kaiserlinde. Bei Augsburg lag es an historischen Spielertransfers.

Die 32 Prozent Steigerung beim VfB Stuttgart kommen durch die Bilanzierung zum Jahresende zu stande. Dadurch fielen mehr TV-Gelder durch die Vizemeisterschaft im Vorjahr und die Gelder aus der Championsleague ins selbe Geschäftsjahr. Im Vergleich zu 2019 ist das Rohergebnis mehr als verdoppelt worden, was auch am verstärktem Sponsoring liegt.

Beim FC St. Pauli sind 32 Prozent Steigerung auf den Aufstieg zurückzuführen und die daraus resultierenden Mehreinnahmen aus der TV-Vermarktung zurückzuführen. Im Vergleich zu 2019 ist das Rohergebnis um 79 Prozent gewachsen.

Große Steigerungen konnten auch der SC Paderborn (18 Prozent), der 1. FSV Mainz 05 (16 Prozent) und die TSG Hoffenheim (15 Prozent) verbuchen.

Geringe Steigerungen gab es bei Union Berlin (4 Prozent). Im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie hat Union sein Rohergebnis allerdings verdreifacht.

Auch beim VfL Wolfsburg (3 Prozent), beim FC Bayern München (2 Prozent), Borussia Mönchengladbach (2 Prozent) und dem Hamburger SV (1 Prozent) kam es zu geringen Steigerungen. Bei der Borussia ist das Rohergebnis um 13 Prozent im Vergleich zu 2019 gesunken.

Geringe Reduzierungen des Rohergebnisses gab es bei Eintracht Frankfurt und RB Leipzig (je 1 Prozent) und Werder Bremen (3 Prozent). Bei Werder ist das Rohergebnis im Vergleich zu 2019 um 10 Prozent gesunken.

Größere Reduzierungen gab es beim 1. FC Köln (8 Prozent) und bei Borussia Dortmund (9 Prozent).

Wie hart das Rohergebnis runter geht, wenn man sich nicht mehr für den Europapokal qualifiziert sieht man beim SC Freiburg. Es ging um 20 Prozent runter. Dazu gab es geringere Transfereinnahmen im Vergleich zu 2024. Auf diese ist der Sportclub aber gar nicht mehr so angewiesen, denn im Vergleich zu 2019 ist das Rohergebnis trotzdem um 69 Prozent höher ausgefallen.

Um sage und schreibe 54 Prozent ist das Rohergebnis beim 1. FC Heidenheim runtergerauscht. Das lag mehr an vergleichsweise niedrigen Transfererlösen als an den Geldern der Conference League. In 2024 gab es allerdings Aufstiegsboni durch Sponsoren.

Personalaufwandsquote: Definition

Sie gibt Verhältnis der Personalkosten zum Umsatz an. Sie gibt damit die Effizienz und Flexibilität der Clubs an.

Die Personalaufwandsquote in Bezug auf die Finanzen der Bundesliga-Clubs

Produktionsunternehmen, die in der Regel hochautomatisiert sind, sollten eine Personalaufwandsquote von ca. 30 % aufweisen. Bei Dienstleistungsanbietern, insbesondere solchen, die auf menschliche Interaktion angewiesen sind, gelten Werte von 60 – 70 % als angemessen.

Die beste Personalaufwandsquote konnte im Geschäftsjahr 2025 Bayer 04 Leverkusen verzeichnen.

Die Personalaufwandsquoten-Tabelle

ClubPersonal-
aufwandsquote
IndexVorjahr
1.Bayer 04 Leverkusen37%7412.
2.SV Elversberg38%83neu
3.Hamburger SV39%1051.
4.FC Schalke 0439%90neu
5.1. FC Köln41%974.
6.FC Augsburg42%7715.
7.SC Paderborn43%86neu
8.Union Berlin43%918.
9.RB Leipzig45%1045.
10.VfB Stuttgart45%9211.
11.Eintracht Frankfurt47%1262.
12.FC Bayern München48%1019.
13.Borussia Dortmund49%1096.
14.FC St. Pauli49%10210.
15.VfL Wolfsburg50%9614.
16.1. FC Heidenheim51%1137.
17.1. FSV Mainz 0552%9416.
18.SC Freiburg53%1383.
19.Borussia Mönchengladbach54%9417.
20.Werder Bremen55%10813.
21.TSG Hoffenheim56%9120.
Personalaufwandsquoten-Tabelle 2025 – Quelle Meenzer on Tour

Erklärung der Personalaufwandsquote in Bezug auf die Finanzen der Bundesliga-Clubs

Profifußball ist ein Dienstleistungprodukt, für das menschliche Interaktion notwendig ist. Dadurch, dass so viele Gelder in den Fußball fließen, sind die Gehälter der Profis im Durchschnitt aus finanzieller Sicht bei den meisten Clubs angemessen. 2022 fiel eigentlich nur die TSG Hoffenheim und 2020 der VfB Stuttgart mit je 75 Prozent oder Hertha BSC Berlin 2021 mit 90 Prozent aus dem Rahmen. Insgesamt lässt sich erkennen, dass die Personalaufwandsquote im Vergleich zur Pandemie-Zeit deutlich verbessert wurde. Allerdings gab es 2019 mit Eintracht Frankfurt (31 Prozent), dem 1. FSV Mainz 05 34 Prozent) und Arminia Bielefeld (35 Prozent) gleich drei Clubs, die eine noch geringere Personalaufwandsquote aufwiesen als der Club, der 2025 die niedrigste Quote zu verzeichnen hat.

Die Personalaufwandsquote (PQ) massiv senken konnte der Spitzenreiter Bayer 04 Leverkusen um mehr als ein Viertel auf 37 Prozent. Um fast ein Viertel konnte der FC Augsburg die PQ senken. Auch die SV Elversberg (-17 Prozent) und der SC Paderborn (-14 Prozent) konnten sie massiv senken.

Moderat senken konnten sie der FC Schalke 04 (-10 Prozent), Union Berlin und die TSG Hoffenheim (je -9 Prozent), der VfB Stuttgart (-8 Prozent), der 1. FSV Mainz 05 und Borussia Mönchengladbach (je -6 Prozent), der VfL Wolfsburg (-4 Prozent) und der 1. FC Köln (-3 Prozent).

Leicht nach oben ging sie beim FC Bayern München (1 Prozent), beim FC St. Pauli (2 Prozent), bei RB Leipzig (4 Prozent), beim letztjährigen Spitzenreiter Hamburger SV (5 Prozent), bei Werder Bremen (8 Prozent) und bei Borussia Dortmund (9 Prozent).

Stark gestiegen ist sie beim 1. FC Heidenheim (13 Prozent), bei Eintracht Frankfurt (26 Prozent) und dem SC Freiburg (38 Prozent).

In Teil 4 der Finanzen der Bundesliga-Clubs wird es um den Verschuldungsgrad der Clubs gehen, sprich um das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital.