Fairtrade-Club in der Fairtrade-Stadt?

Faires Handeln ist Mainz 05 wichtig. Gleichzeitig trägt Mainz den Titel „Fairtrade-Stadt“. Zeit, dass sich die fairen Kräfte bündeln, meint Kolumnist Christoph Kessel.

Im Februar hat der Verein Fairtrade Deutschland e.V. mit seiner „Fairbruary“-Kampagne wieder dazu aufgerufen, einen Monat lang besonders fair zu konsumieren. Dadurch sollen der faire Handel weiter vorangebracht und ein Zeichen für Fairness gesetzt werden. Gleichzeitig wird in den Fußball-Bundesligen Fairplay hochgehalten. Ein Blick in seinen Nachhaltigkeitsbericht zeigt, dass sich auch Mainz 05 dem fairen Miteinander verschrieben hat: Beim Merchandising wird verstärkt Wert auf faire Produktionsbedingungen geachtet. Fairness und Respekt allen Menschen gegenüber werden großgeschrieben. Der Verein achtet auf faire Arbeitsbedingungen und garantiert eine faire Vergütung. Er ist davon überzeugt, dass ein fairer Umgang mit allen Menschen eine grundlegende Voraussetzung für eine ethisch verantwortungsvolle Unternehmensführung ist. In der Fußballschule wird Wert auf Fairplay im Spiel und als „Klimaverteidiger“ in Bezug auf die Umwelt gelegt.

Auch beim Catering wird es fairer. Sowohl Kaffee- als auch Tee-Anbieter bekennen sich zu fairen Produktionsbedingungen. Der Preis für alkoholfreies Bier wurde in dieser Saison um 20 Prozent gesenkt. Der Ausbau des pflanzenbasierten Angebots wird forciert. Natürlich gibt es Punkte, bei denen es noch hapert. Dem Team der Amputierten-Fußballer nur T-Shirts zur Meisterschaft zu schenken, ist mindestens unglücklich. Fehlende Chancengerechtigkeit zwischen Frauen- und Männerfußball ist der Historie geschuldet. Sie sollte aber möglichst schnell hergestellt werden. Unterm Strich aber bewegt sich Mainz 05 in eine sehr faire Richtung.

Umso erstaunlicher ist es, dass der Verein hier nicht den Schulterschluss mit der Stadt sucht. Schließlich trägt Mainz seit Jahren den Titel „Fairtrade-Stadt“, da es die „Fairtrade-Town“-Kriterien erfüllt. Ein Kriterium schreibt eine Liste „Faire Einkaufsmöglichkeiten“ vor. Auf ihr fehlt bisher Mainz 05, obwohl viele Fairtrade-Fanartikel angeboten werden. Das ist eine verpasste Chance sowohl für die Fairtrade-Stadt als auch den Fairtrade-Club. Und wer Fairness in diesen Zeiten belächelt, in denen scheinbar nur Macht und Ego gewinnen, der sollte an die erste Europapokal-Saison denken. Mainz 05 hatte sich 2005 nicht sportlich, sondern über die Fairplay-Tabelle fürs internationale Geschäft qualifiziert. Ohne faires Verhalten aller 05er*innen hätte es die Reisen nach Armenien, Island und Spanien nicht gegeben.

Voller Fokus auf den Abstiegskampf!

Mit dem Ende der fünften Jahreszeit liegt seit dem Heimspiel gegen den HSV der Fokus wieder voll auf dem Abstiegskampf. Die kommenden Wochen werden richtungsweisend, findet Sebastian Schneider.

Am Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei. Es endete die fünfte Jahreszeit, und die Narren haben wieder Pause bis zum 11. November. Anders ist es bei unseren Nullfünfern, die berechtigterweise eher dezimiert beim Rosenmontagszug zu sehen waren. Nun beginnt eine wirklich wichtige Phase der Saison. Bei den kommenden Heimspielen sollte mehr herauskommen als am vergangenen Freitag. Nadiem Amiri bilanzierte richtig: „Zwei verlorene Punkte!“ Die Mannschaft warf in einem hart umkämpften Spiel wirklich alles hinein. Allerdings bleibt neben dem Ärger um den unglücklichen und regelwidrigen Freistoßtreffer des HSV auch ein wenig Glück auf unserer Seite hinsichtlich möglicher, ausgebliebener Platzverweise festzuhalten.

Die Fans auf den Tribünen zeigten sich auf jeden Fall von ihrer besten Seite. Es herrschte eine absolut vorzeigbare Flutlichtatmosphäre, auch im Gästeblock – abgesehen von den unnötigen Provokationen nach Spielende. Unverständlich, warum der HSV-Anhang das nötig hat.

Wenn die Unterstützung von den Rängen auf Mainzer Seite so weitergeht und alle Fans in der Kurve so mitziehen, sollte bei den kommenden, teils sehr schweren Heimspielen der Heimvorteil klar zu spüren sein. Die ausbleibende Konkurrenz durch die unterschiedlichen Fastnachtsveranstaltungen sollte nun auch dazu führen, dass trotz ausverkauftem Stadion wirklich alle Plätze belegt sind. Zudem werden die Temperaturen nun auch wieder angenehmer, und hoffentlich wird der März auch weniger nass, sodass die gemütliche Couch nicht mehr allzu sehr lockt. Deshalb sei allen gesagt: Kommt ins Stadion, kauft Tickets, damit jedes Spiel ein Heimspiel ist.

Insgesamt bleiben noch zehn Spieltage bis zum Saisonfinale in Heidenheim. Zu hoffen wäre jedoch, dass dieses Spiel zumindest für unser Team kein Finale um die hinteren Plätze wird. Dafür wäre die Fortsetzung der positiven Heimbilanz mithilfe der euphorischen rot-weißen Fans auf der Rheinhessentribüne auf jeden Fall zu wünschen. Die Chancen stehen jedenfalls gut, dass Fans und Mannschaft als eingeschworene Gemeinschaft zu Hause weiter kräftig Punkte sammeln und die schmerzlich verlorenen zwei Punkte vom vergangenen Freitag schnell wieder wettmachen.

Eine fast perfekte Fastnachtspremiere

Am letzten Spieltag vor der Straßenfastnacht geht es bei Mainz 05 traditionell im Stadion hoch her. Nils Wöhl zieht nach einem Premierenwochenende in seiner Fan-Kolumne Bilanz.

Am Sonntagnachmittag machten sich 858 Menschen auf den Weg zum Bruchwegstadion, um sowohl das 2. Ligaspiel der 05erinnen aber auch möglicherweise den Beginn einer neuen Tradition mitzuerleben. Der AG Identifikation der Fanabteilung hatte die grandiose Idee ein Fastnachtssingen zu veranstalten. Damit wurde etwas geschaffen, was in Deutschland seines Gleichen sucht.

Angeleitet wurden die Leute auf der Tribüne von den Mainzer Hofsängern auf dem Rasen. So wurde fröhlich gesungen und geschunkelt zu absoluten Klassikern sowohl aus der Mainzer Fastnacht wie auch aus dem Mainzer Stadion. Ob das Singen oder die umkämpfte Partie zuvor gegen Viktoria Berlin anstrengender war, wird das Geheimnis der 05erinnen bleiben. Trotz der Enttäuschung, nur mit einem, statt drei Punkte aus der Partie gekommen zu sein, war die Freude beim Fastnachtssingen ungetrübt. Lediglich der Verein gab eine traurige Figur ab und stattete die Spielerinnen nicht mit Fastnachtstrikots aus.

Es bleibt zu hoffen, dass abseits des Singens, das nicht zu einer Tradition wird.

Schon während des Spiels wurden Fastnachtslieder angestimmt – einmal mehr ohne Trommel oder Megafon, denn die sind dem Anhang verboten. Und so ist guter Support teuer, Anwohner fühlen sich in ihrer Sonntagsruhe gestört und reichen Lärmbeschwerden ein. Eine Thematik, die nicht nur für Fans, sondern auch für viele Sporttreibende, ein bekanntes Ärgernis ist.

Wenigstens aber bei einem Fastnachtssingen, einem gesellschaftlichen Kulturereignis in einer Fastnachtshochburg wie Mainz, sollte auf die Pauke gehauen werden dürfen.

Die Möglichkeit eine Sondergenehmigung bei der Stadt zu beantragen, kam der Verein nicht nach. Bisher priorisiert der Verein lieber gegnerische Fans als die eigenen. Bei Heimspielen der U23 in der Regionalliga Südwest wird diese Möglichkeit für Gästefans genutzt. Gastfreundschaft ist zwar auch eine Mainzer Tugend, aber an dem Punkt geht sie dann doch zu weit.

Und so bleibt am Ende lediglich der besondere Dank an die Initiatoren des Fastnachtssingen, die den 05erinnen eine zusätzliche Bühne geschaffen zu haben. Sichtbarkeit und Hörbarkeit sind von Nöten, wollen wir, dass an Wochenenden noch mehr Fans regelmäßig an den Bruchweg tingeln, um die 05erinnen zu unterstützen. Vielleicht also war der Fastnachtsspieltag nur ein Auftakt, um mehr Aufmerksamkeit für die Fanbelange rund um die 05erinnen zu schaffen.