Lädt Mainz 05 gerade die falsche Batterie?

Während die Sommerpause so dahin dümpelt, die WM stattfindet und zahlreiche Spielertransfers über die Bühne gehen, hat Mainz 05 diese Woche mit einem Neuzugang aufgewartet, den viele von uns sicherlich nicht auf dem Zettel hatten: eine chinesische E-Auto-Marke.

Die Fans des FSV supporten die ideelle Organisation Mainz 05

Wenn wir an Sponsoring und China denken, dann fällt sicherlich vielen von uns der chinesische Wettanbieter ein, der mal Ärmelsponsor war. Wer mehr dazu erfahren möchte, klickt mal auf meinen Blogpost aus der Corona-Sommerpause 2020.

Hauptkritikpunkt damals war das Geschäftsmodell des chinesischen Partners. Wetten sind in Asien sehr beliebt und ruinieren leider viele Menschen. E-Mobilität ist da eine ganz andere Geschichte. Während die deutschen Autobauer die E-Mobilität verpennt haben, ist man in China schon weiter. Allerdings kennt kaum jemand den neuen Partner von Mainz 05. Von daher passt diese Marke erstmal ganz gut zu unserem Verein. Beides sind Herausforderer in ihrer jeweiligen Branche. Während andere chinesische E-Auto-Marken komplett steil gehen und die EM sponserten, ist die Strategie des neuen Partners bei Mainz 05 anzuheuern, grundsätzlich sympathisch.

Dass der neue Partner allerdings einen Milliardenverlust in diesem Jahr verzeichnet, ist alles andere als finanziell nachhaltig. Zudem kam die EU zu dem Schluss, dass die gesamte Wertschöpfungskette für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) in China von unfairen staatlichen Subventionen profitiert. Die EU sieht darin eine aktute wirtschaftliche Bedrohung für die heimische Automobilindustrie. Daher hat sie entsprechende Zölle erhoben. Allerdings gilt der neue Kooperationspartner von 05 als „kooperativer Hersteller“. Er nimmt an den Preisverhandlungen der EU teil. Dadurch hat er einen niedrigeren Strafzoll zu entrichten. Zudem ist das bekannte Unternehmen aus Wolfsburg an dem chinesischen Hersteller beteiligt. Gemeinsam möchte man gegebenfalls dafür sorgen, dass in Europa produziert wird.

Alles in allem macht diese Kooperation für beide Partner Sinn. Allerdings hätte man eventuell bei der Präsentation ein etwas anderes Wording erwarten können. Bei der Vorstellung des neuen Partners sprach Jochen Röttgermann von „Unternehmen, die von ihren Werten, ihrem Wertegerüst sehr gut zueinander passen.“. Als Vorstand Marketing & Vertrieb sollte er wissen, dass er in einem eingetragenen Verein (e.V.) arbeitet. Ein e.V. ist eine ideelle Organisation und kein klassisches Wirtschaftsunternehmen. Natürlich darf Mainz 05 wirtschaftliche Aktivitäten betreiben – sonst würde der ganze Kram mit dem Fußball ja gar nicht funktionieren. Im Vertragsrecht ist ein e.V. ein Unternehmer, der zum Beispiel Verträge abschließt. Juristisch ist Röttgermanns Aussage sicherlich nicht verkehrt. Allerdings sollte er schon wissen, was Fans und Mitgliedern dieses eingetragenen Vereins eben jene ideelle Organisation bedeutet – von der gerade in der Männer- und auch der Frauen-Fußball-Bundesliga ja die meisten Konstrukte mittlerweile meilenweit entfernt sind.

Gerade aus Marketing- und Vertriebssicht sollte dieser „Unique Selling Point“ e.V. nicht durch solche unbedachten Äußerungen auf’s Spiel gesetzt werden. Denn wenn Fans und Mitglieder den Eindruck bekommen, dass der e.V. nur noch reine Fassade ist, würde wahrscheinlich die ideelle Organisation Mainz 05 sehr schnell sehr viele Risse bekommen. Eventuell wäre sie dann auch für Unternehmen aus dem Reich der Mitte nicht mehr so richtig attraktiv. Mit einem Klatschpappenpublikum lässt es sich weniger gut werben, wenn es um Emotionen geht, als mit einer der unzähligen grandiosen Choreos der vergangenen Saison des internationalen Fußballsportvereins.

Quellen:

Schockzahlen aus China: Milliardenverlust trotz E-Auto-Boom: Was bei XPeng schiefläuft

E-Autos aus China: EU erhebt Ausgleichszölle, setzt Gespräche fort