Stadionverbot, ja bitte!

In diesen Wochen spielen die Frauen- und Männerteams von Mainz 05 in der Fußball-Bundesliga gegen Clubs mit den lebenden Maskottchen, die in volle Fußballstadien gekarrt werden. Die Tiere werden dabei unnötigem Stress ausgesetzt. Diese Tradition sollte überdacht werden, meint Christoph.

Es gibt Dinge bei Mainz 05, die ich besonders mag, gerade weil Mainz 05 sie nicht hat. Maskottchen sollen Emotionen wecken und eine Marken-Bindung aufbauen. Es dürfte bei Fußballfans Konsens sein, dass ein grünes Stoffkrokodil oder eine runde, kuschelige Plüschbiene nicht unbedingt die Auslöser sind, die dafür sorgen, dass wir uns mit unserem Club verbunden fühlen und seine Teams im Stadion bestmöglich unterstützen. Daher bin ich froh, dass Mainz 05 bisher auf diesen Trend nicht aufgesprungen ist. Zwar hat der Verein mit „Johannes“ einen Clown, der aber nur für Kinder im Einsatz ist. Er besucht Schulen und ist bei Aktionen des KidsClubs dabei. Das Clownskostüm mag helfen, die jüngsten 05er*innen an den Verein zu binden.  

In diesen Wochen spielen die 05er*innen allerdings gegen Clubs, deren Maskottchen nicht aus Stoff und Plüsch bestehen. Beim 1. FC Köln müssen Geißbock Hennes IX. und bei der Eintracht Steinadler Attila bei jedem Männer-Heimspiel ins Stadion gekarrt werden. Ein Fußballstadion ist vieles, nur kein artgerechter Lebensraum für Böcke und Adler. Die Geräuschkulisse, das Flutlicht und die unnatürliche Umgebung führen zu vollkommen unnötigem Stress. Sie bedeuten eine erhebliche Belastung für die Tiere. 2015 wurde Hennes VIII. im emotionalen Rausch nach einem Tor von einem Spieler von hinten an den Hörnern gepackt und nach oben gerissen.

Daher plädiert nicht nur die Tierschutzorganisation PETA für ein Stadionverbot von Attila, Hennes und auch Esel Andile in Großaspach. Tierethiker*innen kritisieren, dass Tiere als reine „Objekte“ zur Markenbindung eingesetzt werden.

Und die Vereine? Sie verweisen auf artgerechte Haltung außerhalb der Auftritte und sprechen von Tradition und Identifikationsfiguren. Angeblich hätte Attila bei den Geisterspielen während der Pandemie die Fans vermisst. Auch klassischer Whataboutism (Polizeipferde, Nutztiere etc.) wird vom jeweiligen Club-Umfeld genutzt, um die Kritik zu entkräften.

Der Tierschutz ist seit August 2002 als Staatszielbestimmung in Artikel 20a des Grundgesetzes (GG) verankert. Die Vereine sollten sich an das GG halten. Und wir Fans sollten wie bei Investoreneinstiegen und Montagsspielen auch bei diesem Thema Sichtbarkeit für die Problematik schaffen – gerade, wenn manche Clubs dieses Thema aussitzen möchten. Denn Tiere haben auf dem Papier zwar Rechte aber weder eine Stimme noch eine starke Lobby.

(Hoffentlich nur) ein kleiner Euphorie-Dämpfer

Die alljährliche Euphorie hat am letzten Samstag einen kleinen Dämpfer erlitten, kann aber mit 3 Punkten heute in Hamburg neu befeuert werden, findet Alex Schulz .


Endlich läuft die neue Saison und gestartet ist sie erfreulicher Weise mit einem Heimspiel. 

Schön war es, endlich wieder viele 05er wiederzusehen, denen man in der langen Sommerpause nicht begegnet war. So gibt es rund um so einen ersten Spieltag immer viel zu erzählenund fachzusimpeln. Aber auch im und ums Stadion gab es allerhand zu entdecken. Das Angebot auf der Promofläche in Rahmen des Familienspieltags, Ladesäulen für das VIP-Parken und einige neue Gemälde, die den Stadionumlauf verschönern.

Wenn man genauer hingesehen hat, konnte man auch auf vielen Beinen und Armen allerhand neue Farbe mit 05- oder Stadtbezug erkennen. Der Sommer wurde also ausgiebig genutzt, um vieles zu verbessern oder zu verändern.

Was aber geblieben ist, ist die alljährliche Euphorie, mit der man in so eine Saison startet. Gerade die Ergebnisse in der Vorbereitung, der deutliche Sieg im Pokal und der Verbleib vieler Leistungsträger haben den Glauben an eine entspannte bis herausragende Saison befeuert.

Diese Euphorie merkte man am Samstag auch deutlich auf den Rängen. Die Mitmachquote in allen 4 Stehblöcken war super, die Sitzplätze stiegen auch oft mit ein und das eigene Team ließ sich gerade zu Beginn des Spiels davon tragen. Nur leider ohne etwas Zählbares.

Denn auch das ist so geblieben, wie wir es kennen: Gegen Aufsteiger tun wir uns einfach schwer. 

Das 0:0 war zähe Kost und drückte nach Abpfiff merklich auf die erwähnte Euphorie. 

Doch wer weiß, wozu der eine Punkt gut ist. Am Sonntag steht der nächste unangenehme Gegner im Kalender. Und auch dort wird einem nichts geschenkt werden. Das Team hat die nächste Chance, den Saisonstart positiv zu gestalten. Mit einem Sieg heute gegen den HSV und dann nächste Woche gegen die SGE sähe der Punkt vom Wochenende ganz anders aus.

Zahlreiche 05er werden auch heute im hohen Norden die rot-weißen Fahnen hochhalten und gemeinsam mit den Jungs auf dem Platz alles dafür geben, die Euphorie wieder ordentlich zu befeuern.

Spätlese Krieschow Saison 2026/2027

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

Nach 9 Toren in Krieschow gemeinsames Feiern auf dem Sportplatz

01 Hin und weg:

Für mich persönlich ist die erste Runde im DFB-Pokal meist das Highlight einer langen 05-Saison mit den Männern. Wenn man seit mehr als 20 Jahren immer in dieselben Stadien düst, bietet der DFB-Pokal mit etwas Glück ein- oder zweimal jährlich die Möglichkeit, andere „Stadion“-Atmosphäre zu schnuppern. Zuletzt war das 2021 möglich, als wir bei der SV Elversberg erstmals mit der ersten Männer-Mannschaft dort im Pokal auftraten. Lübeck 2022 in der zweiten Runde lasse ich mal weg, da wir da schon mal 2009 grandios in der ersten Runde rausgeflogen sind. Gegen Lübeck oder auch Chemnitz – über 2014 möchte ich nicht sprechen – traten wir allerdings auch schon mal in der 2. Liga an.

Daher gab es letzten Sonntag tatsächlich wieder das ersehnte „Elversberg-Feeling“, sprich einen Spielort ohne Bahnhof. Genauso wie 2021 war mein Plan, zum nächstgelegenen Bahnhof zu reisen und von dort mit dem Klapprad bis in den Spielort zu radeln. Statt nach Neunkirchen ging es diesmal nach Kolkwitz-Süd. Schon mal gehört? Ich nicht!

Das ist das Grandiose am DFB-Pokal. Man lernt Landstriche kennen, von denen man vorher nie zuvor gehört hat. Ashtarak, Qäbälä oder Medias lassen grüßen. Nun also ab nach Kolkwitz-Süd! Dank „Schienenersatzverkehr“ durfte ich am frühen Sonntagmorgen das Klapprad auch gleich bis Bischofsheim einsetzen. Die S8 fuhr pünktlich (!) in die Stadt am Nebenfluss und der ICE brachte mich ebenfalls pünktlich nach Leipzig. Auf die Pünktlichkeit war ich diesmal genauso angewiesen, wie letztes Jahr in Storlien (Mittelschweden) auf dem Weg von Dresden nach Trondheim. Denn dort fuhr nur zweimal am Tag ein Zug nach Trondheim. Ab Leipzig in Richtung Niederlausitz nur alle zwei Stunden.

So ging es mit einer S-Bahn nach Falkenberg/Elster. Dort gibt es einen Turmbahnhof und insgesamt sieben Bahnlinien, die sich kreuzen. Spätestens nach dem Umstieg in die dortige Regionalbahn befand ich mich als Pendler, der den ÖPNV aus dem Rhein-Main-Gebiet gewohnt ist, in einem Paralleluniversum. Die RB war nicht überfüllt, fuhr ebenfalls pünktlich, hatte funktionierendes WLAN, Strom- und USB-Anschlüsse. Ein Novum für mich bei einem Mainz-05-Spiel dann in Kolkwitz-Süd: ich war die einzige Person, die hier ausstieg.

Ankunft in Kolkwitz-Süd, dem nächstgelegenen Bahnhof

02 (N)immer nuff:

Laut Google Maps gibt es mehrere Varianten, die 8 km zwischen dem Bahnhof Kolkwitz-Süd zum Friedhof Krieschow zurückzulegen. Friedhof deshalb, weil sich in diesem Areal der Eingang zum Auswärtsblock befindet. Alleine diese logistische Leistung, auf einem Dorf-Fußballplatz ein Konzept zu entwickeln, wie es eigentlich nur in den Profiligen üblich ist, zeigt, mit wieviel Akribie der VfB Krieschow seinen ersten DFB-Pokalauftritt auch abseits des gut gepflegten Platzes vorbereitet hat.

Für Google Maps ist es allerdings unerheblich, ob so eine Route Land- oder Kreisstraßen enthält oder Feldwege oder Waldwege, die mit Brennnesseln und Brombeeren zugewachsen sind. Letztere hießen mich 3 km vor dem Sportplatz Willkommen. Vorbei an einer Kuhweide ging es ins nächste Dorf, wo ein Trabbi am Fahrbahnrand stand. Hinter dem Dorf hörte der Asphalt auf und es ging auf Schotter bis nach Krieschow.

Dort wurde ich schon von freundlichen Sicherheitsleuten empfangen, die mir meinen Radparkplatz am Friedhof zeigten.

Ankunft in Krieschow

03 Kon-Trolle

Die Stiernacken am Einlass sahen gefährlicher aus als sie waren. Die Kontrolle erfolgte easy auf der grünen Wiese. Von dort waren es wenige Meter zu den Dixie-Klos, den mobilen Waschbecken, die per Pedal betrieben wurden und zum Gastrobereich. Das hatte alles so ein angenehmes Open-Air-Flair – herrlich.

Der Nachmittag hatte Open-Air-Festival-Charakter

04 Kampf um den Mampf

Rein prophylaktisch hatte mir in Leipzig am Hauptbahnhof beim Falafel Ali (heißt wirklich so) schon einen Falafel-Seitan-Hummus-Wrap gegönnt. Klar, Krieschow hat wirklich alle Hebel in Gang gesetzt, uns 05er*innen einen super angenehmen Nachmittag zu bereiten. Aber vegane Speisen habe ich nun wirklich nicht erwartet. Doch es gab wirklich etwas pflanzliches: extrem leckere Spreewaldgurken.

Es gab auch Pfandbecher, Bowl-Becher aus Pappe und Pflaumenkuchen. Auch Eiscafé wurde kredenzt. Das war alles nur kein Oberliga-Niveau. Was für eine Gastlichkeit in Kombi mit Nachhaltigkeit. 

Spreewald-Gurken-Catering in Krieschow

05 Käfighaltung

Definiere Losglück in der ersten Runde des DFB-Pokals: Krieschow würde wohl der Hauptpreis sein. Sie haben allen Auflagen zum Trotz ihr Heimspiel zu Hause und nicht in Cottbus ausgetragen. Sie haben den Auswärtsblock so groß gestaltet, dass alle Nasen, die aus Mainz hinwollten auch hinkommen konnten. Natürlich war es das erste 05-Spiel meines Lebens, bei dem ich die ersten 5 Tore nicht wirklich mitbekam. Der „Käfig“ von Krieschow war zwar nicht ganz ebenerdig. Aber die Sperrholzkonstruktion ermöglichte etwa 20 Zentimeter höher als die ersten Reihen zu stehen. Wieso auf einmal ein Bistro-Tisch im Block auftauchte und damit Tischfußball zelebriert wurde und ebendieser als Fahnenhalter umfunktioniert wurde, bleibt ungeklärt. Aber unvergessen bleibt dieser Ausflug in die Niederlausitz, an den sich sicherlich alle, die dabei waren noch genauso lange erinnern werden, wie an die Fahrten des Internationalen Fußballsportvereins in der letzten Saison.

Abpfiff in Krieschow

Fazit:

Der Jahrgang 2026/2027 zeigt, dass auch national Pokalwettbewerbe einen zum Schwärmen bringen können.

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour