Spätlese Gladbach Saison 2025/2026

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

Große Freude nach dem Ausgleich, der gleichzeitig der Abpfiff der Partie war.

01 Hin und weg:

„Gladbach ist nur zweimal im Jahr“ – schallte es mir vor heute vor zwei Wochen durch den Kopf. Schließlich ging es für mich am Ostersonntag schon mal zur Borussia. Die 05erinnen spielten damals ebenfalls in Mönchengladbach – aber in der eindeutig schickeren Schüssel – dem Grenzlandstadion in Rheydt. Grüße gehen an dieser Stelle raus an alle 05-Hopper*innen. Denn es gibt in dieser Saison nochmal die Gelegenheit, einen netten Ground mit 05-Beteiligung mitzunehmen: das Bresserbergstadion in Kleve am letzten Spieltag der 2. Frauen-Bundesliga am 17. Mai. Es gibt sogar einen Fanbus, der euch für 35 Euro dorthin bringt. Nähere Infos hierzu gerne per Nachfrage. Doch genug in die Zukunft geblickt, denn es gilt ja hier die 16. Fahrt zum Borussia-Park in Worte zu fassen. Der Terminierung sonntags um 19.30 Uhr sei Dank, übernachtete ich erstmals überhaupt in Mönchengladbach. Dadurch geriet die Anreise zu einem entspannten Vergnügen. Bahn pünktlich – Hotel fußläufig vom Hauptbahnhof und ein schöner Frühlingsfußballsonntag. Läuft…

Mönchengladbach von seiner schönsten Seite

02 (N)immer nuff:

Das große Problem bei Auswärtsfahrten der Männer nach Gladbach ist das „nuff kommen“ – mittlerweile habe ich so praktisch jede Möglichkeit getestet. Mit dem Auto – langer Stau schon auf der Autobahn (und nach Spielschluss noch länger). Die Kombi Shuttlebus/Zug der letzten Saison freitagsabends war auf dem Rückweg die komplette Vollkatastrophe. Nach ellenlanger Schneckentempofahrt mit dem Bus vom Stadion zum Bahnhof war der Bahnsteig bereits wegen Überfüllung von Team Blau sicherheitshalb kurzfristig gesperrt worden. So hieß es eine Stunde am Mönchengladbacher Hauptbahnhof die Zeit zu überbrücken, ehe der nächste Zug nach Düsseldorf fuhr. Diesmal konnte ich diesem ganzen Chaos entgehen. Wie beim Frauenspiel mietete ich mir ein Rad (mit derselben NextBike-App, mit der es auch in Wien, Olmütz und Prag klappte) und radelte entspannt zum Stadion hin und tatsächlich auch wieder sehr entspannt zurück zum Hotel. Der 16. Besuch in Gladbach war somit der entspannteste bisher.

Eine Straße als Reminiszenz an die beiden Europokalfinalspiele 1973 und 1977 gibt es auch nicht überall.

03 Kon-Trolle

Durch die Übernachtung stellte sich die Frage nach der Gepäckabgabe nicht – aber bei Borussia ist diese immer unkompliziert möglich. Einfach nicht nachvollziehbar, dass das beim „Premium-Produkt Bundesliga“ nicht einfach Standard sein kann. Es ist von den 36 DFL-Mitgliedern zu viel verlangt, so etwas standardmäßig anzubieten. So ein bisschen Kreisliga-Fußball-Ambiente, das jeder Club selbst ausschmückt, muss es wohl doch noch sein. Wo kämen wir denn dahin, dass Fußballfans Planungssicherheit bei diesem Thema ligaübergreifend bekommen können?

Ankunft mit dem Mietrad unweit des Stadions

04 Kampf um den Mampf

In Gladbach gab es „Veggie Nuggets“. „Veggie“ ist ein Begriff, den wahrscheinlich Leute kreieren, die selbst nicht wissen, was sie verkaufen geschweige denn futtern. Sind die Dinger jetzt vegetarisch, enthalten also Produkte tierischen Ursprungs wie Milch- oder Eipulver? Oder sind die Dinger auf rein pflanzlicher Basis produziert worden – also vegan? Da hilft der Blick in das PETA-Stadionranking. Das Ranking an sich ist teilweise für die Füße, da man als auswärtiger Fan nicht mit dem dort verzeichneten veganen Angebot tatsächlich rechnen kann. Schließlich weiß PETA nicht, dass es Heim- und Auswärtsbereiche gibt. Dann wird Stuttgart einerseits wegen des veganen Angebots abgefeiert (und das bei den Frauen auch zurecht) und dann gibt es bei den Männern im Auswärtsblock plötzlich gar kein vegetarisches geschweige denn veganes Angebot. Auf der PETA-Seite des Stadionrankings gibt es die PDF-Datei „Vegan-freundlichste Stadien 2025“. Da kann man auf der sechsseitigen Tabelle nach „Borussia Mönchengladbach“ suchen. Dort werden die „Veggie Nuggets“ als „Vegane Nuggets“ geführt. In dieser Tabelle wäre es seitens der Vereine auch möglich, anzugeben, wo es die jeweiligen Speisen gibt. Doch diese Arbeit machen sich leider die wenigstens Clubs (Mainz 05 allerdings schon).

Was heißt „Veggie“ – vegetarisch oder vegan…Aufklärung gibt es durch das PETA-Stadionranking

05 Käfighaltung

Das Hinspiel gegen die Fohlen mit Benni Hoffmann als Trainer ging leider sehr unglücklich verloren. Das war das bisher letzte 05-Spiel ohne Urs Fischer auf der Trainerbank. Allerdings war das verkackte Spiel in Strasbourg erst drei Tage her. So hieß es auch an diesem Sonntagabend wieder „Wundertüte Mainz 05“. Wie bei den Frauen zwei Wochen vorher ging die Borussia in Führung und mir schoss „Döp döp döp ist jetzt schon zweimal im Jahr durch den Kopf“. Wie bei den Frauen hatte es sich danach aber ausgedöpt. Die Frauen schossen danach sogar drei Tore und fuhren am Ende einen ungefährdeten Auswärtssieg ein. Die Männer schafften den Ausgleich in 90 Minuten leider nicht. Doch zum Glück gibt es ja die Nachspielzeit, eine ungeschickte Aktion eines Gladbacher Verteidigers und mit Nadiem Amiri einen sicheren Elfmeterschützen. Es gab dann doch nochmal ein „Döp döp döp“ – allerdings in rheinhessischem Slang und damit in dieser Saison das lauteste der drei „Döp döp döp“, die ich miterleben durfte.

Ein Punkt in letzter Sekunde mitzunehmen schmeckt besonders gut.

Der Jahrgang 2025/2026 zeigt, dass „Döp döp döp“ auch euphorisch wirken kann!

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour

Spätlese Mönchengladbach Saison 2024/2025

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

Ohne Mainzer*innen wär‘ hier gar nix los!

01 Hin und weg:

Der Begriff „S8“ ist im Rhein-Main-Gebiet mit „Verspätung“ konnotiert. Schließlich verkehrt die S-Bahn zwischen Mainz, Frankfurt, Offenbach und Hanau wirklich nie pünktlich. Diese negative Assoziation wird im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr allerdings nochmal getoppt. Zugegeben, Mönchengladbach liegt bereits im „Niemandsland“ zwischen Deutschland und den Niederlanden. Da kann es schon mal passieren, dass man eine Stadt, die wesentlich größer ist als Mainz, nicht richtig an das Netz des Rests des Landes anbindet. Fernverkehr gibt es praktisch nicht. Regionalexpresse fahren nur tagsüber und die S8? Sie fährt abends nur noch einmal die Stunde in Richtung „Rest-Deutschland“ aka Düsseldorf – und das natürlich auch an einem Freitagabend und natürlich auch an einem Spieltag in der Männer-Bundesliga. Das Resultat? Bereits zehn Minuten vor Abfahrt des Zugs, der hier beginnt (dahinter liegt der Wilde Westen der Bundesrepublik), muss die Bundespolizei den Bahnsteig räumen. In die S8 passt schon längst niemand mehr rein. Durch die frühzeitige Räumung wird es der Bahn wenigstens ermöglicht, die Türen zu schließen und pünktlich um 23.54 Uhr abzufahren – rund 90 Minuten nach Spielschluss. Wer es nicht in die Bahn geschafft hat, wartet bis 0.54 Uhr…

Alles im Grünen Bereich am Freitagabend

02 (N)immer nuff:

Der Begriff „Shuttle-Bus“ impliziert, dass die Reisenden ohne Halt von A nach B gelangen. Das funktioniert auch in Mönchengladbach, wenn man Halt als „Stopp zum Tür öffnen“ definiert. Denn der Shuttle-Bus hält auf den knapp sechs Kilometern zwischen Hauptbahnhof und Borussia-Park eigentlich ständig. Er muss dauernd an den Ampeln halten. Ein Priorisierung der Öffis gegenüber dem Individualverkehr gibt es in Mönchengladbach nicht. Je näher sich der Bus-Shuttle dem Stadion nähert, desto länger steht er an den Ampeln im Stau zwischen den Autos, die es auch dorthin zieht. Am Ende braucht der Bus zirka 30 Minuten für die sechs Kilometer zum Stadion, macht einen Schnitt von 12 km/h! So geht ÖPNV in Deutschland im Jahr 2025!!!

Wer gedacht hätte, dass die Fahrtzeit zurück kürzer sei, der kennt das lokale Verkehrskonzept nicht. Zwar gibt es ab dem Stadion für zirka 100 Meter eine Busspur. Diese wird aber vor der Kreuzung zur Hauptstraße wieder in die normale Spur übergeleitet, so dass, wie schon erwähnt, die Shuttle-Busse, dieselben Ampeln nutzen müssen, wie die Autos. Am Ende ist man mindestens 40 Minuten in einem Bus-Shuttle zum sechs Kilometer entfernten Hauptbahnhof unterwegs und kann dadurch tatsächlich frühestens um 23.54 Uhr den Zug in Richtung „Zivilisation aka Fernverkehrsbahnhof“ nehmen. Oder dort halt eine Stunde warten, um die nächste Bahn zu nehmen. Wer noch einmal über den Bus-Shuttle in Mainz schimpfen sollte, der hat ihn noch nicht in Mönchengladbach getestet – das ist „Binger-Straßen-Feeling“ hoch 1905!

03 Kon-Trolle

Rolltore sind schon etwas Feines. Diese kann man hin und her schieben und Menschenmassen damit im Zaum halten. Wenn man diese allerdings nur so weit öffnet, dass genau eine vollschlanke Person durchkommt, dann können Rolltore auch ziemlich kontraproduktiv sein, um eben diese Massen von A nach B zu bewegen. Warum nach dem Abpfiff das Rolltor zwischen Gästeblock und Stadionvorplatz nur einen Spalt weit geöffnet wurde, weiß wohl nur der Ordnungsdienst. Entweder möchte man eine Blocksperre durchsetzen, weil man eine Fantrennung nachkicks zum Ziel hat. Dann bleibt das Tor einfach geschlossen. Oder man öffnet das Rolltor komplett und lässt die Menschen aus dem Stadion raus, damit sie sich zu zerstreuen. Das hat die letzten Male in Gladbach so auch immer funktioniert. Es nur ein Stück weit zu öffnen, macht vielleicht noch Sinn, wenn man Personen identifizieren möchte. Das gelingt aber nur, wenn es nur einen Durchgang gibt – es gibt allerdings einen großen ohne Rolltor zum Gästebusparkplatz. Außerdem müsste dann die Cops am Rolltor stehen, was sie allerdings nicht taten. Vielleicht war es eine Schikane aus Frust, da der Gästeblock das Liedgut gekapert hat? Dazu mehr weiter unten…  

Die Meenzer Metzger hatten ihre Blockfahne von 2007 dabei – sehr fein!

04 Kampf um den Mampf

Kurz nach Aschermittwoch nach Gladbach? Haddermerscho! Und damals war in der Halbzeitpause das alkoholfreie Bier bereits ausverkauft. Ob es dieses Mal länger gehalten hat, lässt sich nicht mehr verifizieren, da der Gästestehblock diesmal ausverkauft war und es unmöglich gewesen wäre, in der Halbzeit aus dem Block zum Getränkestand und zurückzukommen. Da schaute ich mir dann doch lieber Domes Tor kurz nach Anpfiff an 😉 Aber der Move, erstens alkoholfreies Bier in Halbliter-Gebinden anzubieten, zweitens die herbe Version von Bitburger zu kredenzen (die mit Grün statt Blau) und das ganze zum selben Preis wie Bier mit Alkohol zu verkaufen, war schon fein. Das ist in der Liga alles andere als selbstverständlich. Man muss nur mal im Stadion am Europakreisel vorbeischauen…

5 Veggie-Nugget für 5 Euro…

05 Käfighaltung

Ein Fanblock ist immer ein Stück weit wildes Gebilde. Ein Auswärts-Stehblock sowieso. Die Capos stimmen in der Regel die Gesänge an und der Rest des Blocks stimmt mehr oder weniger ein. Manchmal gibt es aber auch ein kollektives Gefühl, auf etwas zu reagieren und einen ganz speziellen Chant anzustimmen. Nach der 2:0 Führung durch Paul und Dome, gelang der Borussia mehr schlecht als recht der Anschlusstreffer. Was danach kam, wissen alle, die mal in Gladbach ein Heimtor der Fohlen mitbekommen mussten. Es wird die 2003er Cover-Version „Maria (I like it loud)“ von Scooter angestimmt – besser bekannt als das nervige „Döp döp döp dödödöp döp döp“, das einem für den Rest des Wochenendes im Kopf als Ohrwurm eine bleibende Erinnerung an den Borussia-Park verschaffen kann. Im Nachklang wird im Hintergrund noch „Tor für die Borussia“ eingeflüstert. Kaum hatte es sich an Freitagabend ausgedöpt, schoss Nadiem das dritte Tor für Mainz und der Gästeblock eskalierte… mit „Döp döp döp dödödöp döp döp“ in einer ohrenbetäubenden Lautstärke, die statt eines Ohrwurms eher zu einem Tinitus für den Rest des Wochenendes führte. Diese Momente sind es, die eine Spielübertragung nie so rüberbringen kann. So ein Gefühl erlebt man nur in einem Gästeblock in einem Fußballstadion – und das ist auch gut so.

Und plötzlich landen wir auf Platz 3!

Fazit: Der Jahrgang 2024/2025 kündigt mit „„Döp döp döp dödödöp döp döp“ ein Tor für die Nullfünfer an!

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour

Finanzielle Nachhaltigkeit Borussia Mönchengladbach Saison 2023/2024

Im Profifußball spielt Geld eine immer größere Rolle. Daher geht es in diesem Blogplost um die finanzielle Nachhaltigkeit des heutigen Gasts von Mainz 05, Borussia Mönchengladbach.

Einleitung
Vergleich der KPIs von Borussia Mönchengladbach und Mainz 05
Analyse: Finanzielle Nachhaltigkeit von Borussia Mönchengladbach
Fazit: Finanzielle Nachhaltigkeit von Borussia Mönchengladbach

Mainz 05-Fans im Borussia-Park

Einleitung

Im Mai 2019 veröffentlichte die Deutsche Fußball Liga (DFL) erstmals die Finanzkennzahlen der Bundesliga-Vereine. Seither erstelle ich jährlich eine „Finanz-Bundesliga-Tabelle“. Mit Hilfe dieser Kennzahlen lassen sich so genannte Key Performance Indicators, kurz KPIs, ermitteln, die klar herausstellen, welche Vereine finanziell nachhaltig agieren.

Die DFL hat in ihren Lizenzierungskriterien zum Thema Finanzen leider keine dieser KPIs verankert. Würde man die KPIs:

  • Anlagendeckungsgrad (> 60 Prozent)
  • Eigenkapitalquote (> 20 Prozent)
  • Personalaufwandsquote (< 70 Prozent)
  • Verschuldungsgrad (< 200 Prozent)

als Lizenz-Kriterien einführen, wäre es ein großer Schritt in Richtung Financial Fairplay getan, wenn gleichzeitig die jährliche Alimentierung bei der TSG Hoffenheim, bei Bayer 04 Leverkusen und dem VfL Wolfsburg beendet werden würde – genauso wie die österreichische Brause-Alimentierung in Leipzig.

Vergleich der KPIs von Borussia Mönchengladbach und Mainz 05

Anlagendeckungsgrad (Eigenkapital zu Anlagevermögen)

Je höher der Deckungsgrad, desto besser steht es um die Finanzierung des Clubs:

20182019202020212022
Borussia Mönchengladbach50%51%49%42%32%
Mainz 0586%79%74%88%127%
Entwicklung des Anlagendeckungsgrads 2018-2022

Eigenkapitalquote (Eigenkapital zu Bilanzsumme)

Je höher die Eigenkapitalquote desto mehr finanzielles Engagement bringt der eigene Club auf, sprich desto mehr finanziert sich der Verein selber und desto geringer ist die Chance, dass der Verein pleite geht.

20182019202020212022
Borussia Mönchengladbach42%43%43%36%26%
Mainz 0544%50%45%51%60%
Entwicklung der Eigenkapitalquote 2018-2022

Personalaufwandsquote (Personalaufwand/Umsatz)

Je niedriger die Personalaufwandsquote, desto besser wirtschaftet der Club.

20182019202020212022
Borussia Mönchengladbach51%49%67%61%62%
Mainz 0539%34%46%50%46%
Entwicklung der Personalaufwandsquote 2018-2022

Verschuldungsgrad (Fremdkapital zu Eigenkapital)

Je höher der Verschuldungsgrad ist, desto abhängiger ist das Unternehmen von externen Gläubigern und desto riskanter agiert dieses Unternehmen.

20182019202020212022
Borussia Mönchengladbach119%119%121%154%207%
Mainz 0598%84%97%64%41%
Entwicklung des Verschuldungsgrads 2018-2022

* Borussia Mönchengladbach bilanziert zum 31. Dezember statt wie die meisten Clubs zum 30. Juni, daher beziehen sich die Zahlen auf den Bilanzstichtag 31. Dezember 2022.

Quelle: DFL

Weitere Finanzkennzahlen können bei der DFL eingesehen werden. Mit Hilfe dieser lassen sich Leistungskennzahlen ermitteln, die in die Finanz-Bundesliga-Tabelle 2022/2023 einfließen. Pro Leistungskennzahl ist die jeweilige Platzierung im 20er-Feld der Clubs der Saison 2022/2023 angegeben (inklusive Aufsteiger).

Analyse: Finanzielle Nachhaltigkeit von Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach würde zwei von vier Kriterien erfüllen, wenn die DFL ihr Nachhaltigkeitsbekenntnis ernst nehmen würde und dieses auf die finanzielle Nachhaltigkeit anwenden würde. Damit belegt die Borussia Platz 7 in der Finanz-Bundesliga-Tabelle 2022/2023, sprich mit 50 % erfüllter Nachhaltigkeitskriterien schafft es die Borussia in die Conference League. Da hat man keine Fragen mehr, wenn es darum geht, ob die DFL, sprich die Clubs, mit Geld umgehen können.

Die Eigenkapitalquote liegt mit 26 Prozent noch über den geforderten 20 Prozent. Sie hat sich in den letzten Jahren allerdings negativ entwickelt. Die Borussia bilanziert zum Jahresende, sprich, sie war 2020 schon mitten in der Pandemie, hatte diese aber auch 2022 komplett hinter sich gelassen. Daher wiegt es wirklich schwer, dass die Eigenkapitalquote (und auch die anderen Finanzkennzahlen) nach der Pandemie noch schlechter wurde als während der Pandemie. Mit den 26 Prozent liegt die Borussia auf Platz 10 zwischen RB Leipzig und der Hertha – also zwischen zwei Clubs, die es trotz Investor nicht hinbekommen, eine höhere Eigenkapitalquote zu erreichen als die Borussia. Auch ist es ein Zeichen, dass ein Investor nicht unbedingt ein Garant dafür ist, dass es finanziell töfte läuft.

Die Personalaufwandsquote der Borussia liegt mit 62 Prozent unter der geforderten maximalen Quote von 70 Prozent. Allerdings lag sie 2019 noch bei vergleichsweise guten 49 Prozent. 2020 war sie aber auch schon mal bei 67 Prozent angelangt, sprich die Borussia reagierte auf die Auswirkungen der Pandemie und hat sie wieder senken können. Trotzdem ist die Quote im Vergleich zu den anderen Clubs viel zu hoch. Noch schlechter sieht es nur bei Hoffenheim und der Hertha aus, die ja mittlerweile in der 2. Liga kickt.

Der geforderte Anlagendeckungsgrad von 60 Prozent wird mit 32 Prozent deutlich verfehlt. Selbst vor der Pandemie lag er nur bei 50 Prozent, sprich selbst in „guten“ Zeiten war die Borussia nicht in der Lage, möglichst viel selbst zu finanzieren. Mit den 32 Prozent liegt die Borussia auf Platz 11 zwischen RB Leipzig und der SGE.

Der Verschuldungsgrad in Höhe von 207 Prozent liegt knapp über den geforderten 200 Prozent. Damit belegt die Borussia Platz 9. Lediglich 8 Clubs (TSG, FCB, M05, SCF, BVB, B04, FCA und SVD) schaffen es unter den 200 Prozent zu bleiben – interessanterweise schaffen es diese 8 Clubs sogar unter 100 Prozent zu bleiben – so wird eine extreme Kluft sichtbar zwischen Vereinen, die es schaffen, mit eigenen Kapital (bzw. dem vom Bayer-Konzern) den Spielbetrieb zu finanzieren und Clubs, die verstärkt auf Fremdkapital angewiesen sind, um in der Bundesliga mitzuspielen. Hatte die Borussia die Verschuldung während der Pandemie noch gut im Griff (2020: 121 % und 2021: 154 %) sieht die Lage Ende 2022 nicht wirklich rosig aus. Man darf auf den Jahresabschluss 2023 gespannt sein.

Fazit: Finanzielle Nachhaltigkeit von Borussia Mönchengladbach

Die Borussia ist irgendwie die Graue Maus der Liga, wenn es um die Finanzen geht. Sie fällt weder extrem positiv noch extrem negativ auf. Sie fällt allerdings nur nicht so negativ auf, weil es einfach so viele andere Clubs gibt, die finanziell noch so viel schlechter aufgestellt sind.

Bei der Borussia knallte die Pandemie mit Verzögerung rein. Nach Aussage von Geschäftsführer Stephan Schippers haute sie mit 10 Millionen Euro rein. 30 Millionen Euro TV-Gelder gab es zudem 2022 für die Borussia weniger und dann musste man noch Adi Hütter abfinden. Da der Umsatz allerdings trotzdem gestiegen ist, hat es die Borussia hinbekommen, sich von dem Tropf der TV-Gelder etwas unabhängiger zu machen. Vielleicht sollten unsere Verantwortlichen mal bei der Borussia nachfragen, wie sie das gemacht hat, denn unsere Vorstände tragen ja mantra-artig vor, dass Mainz 05 komplett abhängig von Fernsehgeldern sei. Die Borussia hat natürlich einen komplett anderen Hintergrund wie Mainz 05. Viele ältere Semester halten es noch mit der Borussia aus Zeiten der Fohlen-Elf. Das zeigt aber, dass es durchaus möglich ist, mit einem geschärften Profil wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Wenn man allerdings mit den Großen für einen Investoren-Deal stimmt und gegen Aufsichtsrat und Mitglieder votiert, dann schärft man kein Profil, sondern man wird austauschbar. Das hat man bei uns im Vorstand noch nicht verstanden. Eigentlich haben wir mit unserem Leitbild gute Voraussetzungen, unser Profil zu schärfen – der Vorstand müsste es nur mal tun .  

Die Borussia ist übrigens sehr stolz darauf „über das zweitgrößte Eigenkapital aller eigenständigen Bundesligisten, die keine Anteilseigner haben“ mit 47 Mio. Euro zu verfügen (hinter dem SC Freiburg mit 95 Mio. Euro). Mainz 05 folgt mit 40 Mio. Euro. Das wäre doch eigentlich auch für uns mal ein Grund, stolz zu sein, dass wir das als Verein 2022 geschafft haben. Stattdessen wird im Vorstand nur darüber geredet, dass wir uns nichts leisten könnten. Mit so einer Attitüde begeistert man die Mitglieder sicherlich nicht. Die meisten 05er*innen glauben wahrscheinlich, dass wir kurz vor der Pleite stehen. Daher sollten die Verantwortlichen die Situation nicht schlimmer reden, als sie ist und etwas mehr Optimismus ausstrahlen. Den haben sie sich ja mit „Bo 2“ gerade eingekauft.

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour

Quelle: Borussia Mönchengladbach – Schippers ordnet Geschäfszahlen ein