Die Finanz-Bundesliga-Tabelle 2021/2022 Teil 2

Im Mai 2019 veröffentlichte die Deutsche Fußball Liga (DFL) nach dem Beschluss der Mitgliederversammlung Ende 2018 erstmals die Finanzkennzahlen der Bundesliga-Vereine. So war es vor drei Jahren erstmals möglich, eine „Finanz-Bundesliga-Tabelle 2018/19“ zu erstellen. In dieser habe ich die Finanzkennzahlen, die die DFL pro Verein veröffentlicht hat, mit Hilfe von Leistungskennzahlen, so genannten „Key Performance Indicators“, kurz KPIs, analysiert. Daraus ergaben sich für die einzelnen Vereine viele interessante Ergebnisse. Da sich die Vereine untereinander in einem Wettbewerb befinden, war es bereits 2019 extrem spannend zu sehen, wie es tatsächlich um „Financial Fairplay“ bestellt ist. 2020 wurde es noch einen Tick interessanter, weil es erstmals möglich war, Veränderungen im Vergleich zum vorangegangen Geschäftsjahr zu ermitteln . 2021 war das erste Jahr, in dem alle Vereine finanziell von der Pandemie betroffen waren, da der Bilanzstichtag der meisten Vereine der 30. Juni ist. Allerding bilanzieren Eintracht Frankfurt, Bayer 04 Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, der VfB Stuttgart und der damalige Absteiger FC Schalke 04 zum 31. Dezember. Dadurch waren die Ergebnisse im letzten Jahr verzerrt, da diese fünf Clubs 10 statt 4 Monate Corona in der Bilanz zu verarbeiten hatten. Somit sind die Ergebnisse dieses Mal wesentlich aussagekräfter, da bei allen Clubs die Pandemie durchschlägt – allerdings profitieren nun die fünf Clubs ein wenig vom abweichenden Bilanzstichtag, da sie weniger Geisterspiele zu verkraften hatten. Schließlich waren von August bis Dezember 2021 in den meisten Stadien wieder Zuschauende zugelassen. Die anderen Clubs konnten im Sommer/Herbst 2020 nur ein bis zwei Spiele mit Zuschauern austragen. Während in den vergangenen Jahren der Vergleich mit dem Vorjahr gesucht wurde, lohnt es sich diesmal auf die Zeiten vor der Pandemie zu schauen, um zu sehen, was die Corona mit der Bundesliga finanziell angestellt hat. Daher gibt es an einigen Stellen Vergleiche mit dem Bilanzierungszeitraum 1. Juli 2018 bis 30. Juni 2019 (bzw. 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2019) dem letzten Jahr, ohne Geisterspiele.

Im Bilanzzeitraum 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021 spielte der VfL Bochum und Absteiger Greuter Fürth in der 2. Liga, Aufsteiger FC Schalke 04 spielte die Hälfte seines Geschäftsjahres in der 2. Liga (vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2021). Im vorangegangen Jahr (Bilanzstichtag 30. Juni 2020) spielte Absteiger Arminia Bielefeld in der 2. Liga, der VfB Stutgart spielte die Hälfte seines Geschäftsjahres in der 2. Liga (bis zum 30. Juni 2020).

Da sich Fans zahlreicher anderer Vereine für diese Tabelle interessieren, gehe ich auf alle 18 Erstligisten der Saison 2021/2022 ein und beleuchte wie letztes Jahr die Aufsteiger also Schalke und Werder. Dadurch macht es meiner Meinung nach Sinn, dieses Thema wie in den vorangegangen Jahren in Abschnitte zu unterteilen:

Teil 1: Einführung und die KPIs Anlagendeckungsgrad und Eigenkapitalquote
Teil 2: Die KPIs Eigenkapitalrendite und Umsatzrentabilität
Teil 3: Die KPIs Personalaufwandsquote und Verschuldungsgrad
Teil 4: Die Finanz-Bundesliga-Abschlusstabelle 2021/22

In Teil 1 ging es einerseits um die „Größe“ und die „Steine“ eines Vereins und darum, wieviel Geld der eigene Club mitbringt (oder sich durch Investoren mitbringen lässt), um Bundesliga spielen zu können. Daraus haben sich die KPIs Anlagendeckungsgrad und Eigenkapitalquote ermitteln lassen, die zwei von sechs Kriterien für die „Finanz-Bundesliga-Tabelle“ bilden. Auch im zweiten Teil spielt dieses Eigenkapital eine entscheidende Rolle. Diesmal geht es aber auch um den Jahresüberschuss, sprich darum, ob der Verein einen Gewinn oder Verlust erwirtschaftet und um Umsatz, sprich die Verkaufserlöse eines Vereins. Mit diesen Kennzahlen lassen sich zwei weitere KPIs für die „Finanz-Bundesliga-Tabelle“ ermitteln: Die Eigenkapitalrendite und die Umsatzrentabilität.

3. Eigenkapitalrendite (Jahresüberschuss zu Eigenkapital)

Die Eigenkapitalrendite klärt, ob es sich für den Club finanziell lohnt, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, sprich, ob das eingesetzte Geld überhaupt Früchte trägt.

Der Jahresüberschuss

Der Jahresüberschuss bildet die Differenz zwischen Erträgen und Aufwendungen im Geschäftsjahr. Ist dieser negativ, wird vom Jahresfehlbetrag gesprochen.

Die Clubs mit Fehlbeträgen in der Historie:

2018: Hertha BSC Berlin, Borussia Mönchengladbach, Arminia Bielefeld*, VfL Bochum*, VfB Stuttgart*
2019: Hertha BSC Berlin, Schalke 04, Greuther Fürth*
2020: Hertha BSC Berlin, Union Berlin, Arminia Bielefeld, VfL Bochum, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Greuther Fürth, 1. FC Köln, Mainz 05, Borussia Mönchengladbach, VfB Stuttgart, Werder Bremen, Schalke 04
2021: FC Augsburg, Hertha BSC Berlin, Union Berlin, Arminia Bielefeld, VfL Bochum, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Greuther Fürth, TSG Hoffenheim, 1. FC Köln, Mainz 05, Borussia Mönchengladbach, VfB Stuttgart sowie die Aufsteiger Schalke 04 und Werder Bremen
* 2. Liga

Mussten 2018 und 2019 jeweils 4 bzw. 3 Vereine Jahresfehlbeträge ausweisen, waren es 2020 bereits 13 Vereine mit einem Jahresfehlbetrag. 2021 wurde es noch schlimmer, schließlich waren es nunmehr 15 Vereine (inklusive der zwei Aufsteiger). Eigentlich sind es ja noch zwei Vereine mehr, die Verluste ausweisen: Für den VfL Wolfsburg hat das aber keine Konsequenzen, da wie 2018 (-19 Mio. Euro), 2019 (-44 Mio. Euro) und 2020 (-21 Mio. Euro) der Verlust (von diesmal „nur“ 17 Mio. Euro) durch den Autokonzern ausgeglichen wird, so dass die schwarze Null in Wolfsburg stehen bleibt. Immerhin war der Verlust diesmal der geringste seit der Publikation der Zahlen 2019. Auch in Leverkusen wurde das Scheckbuch gezückt und der Fehlbetrag in Höhe von 13 Mio. Euro vom Pharmakonzern übernommen. Anders als in Wolfsburg wurde in Leverkusen vor der Pandemie seit der erstmaligen Veröffentlichung der Zahlen durch die DFL jeweils ein Gewinn erwirtschaftet, der insbesondere 2018 mit 17 Mio. Euro auch sehr hoch ausgefallen ist.

Immerhin drei Clubs schafften es in beiden Pandemiejahren Jahresüberschusse hinzulegen: Dies gelang dem SC Freiburg (2020: 0,1 Mio. Euro, 2021: 9,8 Mio. Euro), RB Leipzig (2020: 8,9 Mio. Euro, 2021: 2,8 Mio. Euro) und dem FC Bayern (2020: 9,8 Mio. Euro, 2021: 1,9 Mio. Euro). Nach Gewinnen im Vorjahr rutschen diesmal in die Verlustzone die TSG Hoffenheim (2020: 0,6 Mio. Euro, 2021: -0,1 Mio. Euro) und der FC Augsburg (2020: 1,2 Mio. Euro, 2021: -0,5 Mio. Euro).

Auf dem Papier hat die TSG Hoffenheim nur einen geringen Verlust auszuweisen. In der Bilanz steht allerdings, dass ein „atypisch stiller Gesellschafter“ dem Club 23,9 Mio. Euro zugeschustert hat.

Die Clubs mit Zu- und Abflüssen an Konzerne/atypisch stille Gesellschafter in der Historie (minus bedeutet Mittelabfluss, plus bedeutet Mittelzufluss):

  • 2018: TSG Hoffenheim -27,8 Mio. Euro, Bayer Leverkusen -18,0 Mio. Euro, VfL Wolfsburg 19,7 Mio. Euro
  • 2019: TSG Hoffenheim -18,2 Mio. Euro, Bayer Leverkusen -0,7 Mio. Euro, VfL Wolfsburg 44,8 Mio. Euro
  • 2020: TSG Hoffenheim -55,6 Mio. Euro, Bayer Leverkusen 0,8 Mio. Euro, VfL Wolfsburg 21,0 Mio. Euro
  • 2021: TSG Hoffenheim 23,9 Mio. Euro, Bayer Leverkusen 13,7 Mio. Euro, VfL Wolfsburg 17,8 Mio. Euro

Damit wurden bei der TSG Hoffenheim von 2018 bis 2021 77,7 Mio. Euro an den atypisch stillen Gesellchafter ausgeschüttet, 4,2 Mio Euro sind in den Pharmakonzern geflossen und 103,3 Mio. Euro hat der Automobilkonzern ausgeglichen.

Die drei überschuldeten Vereine (mit negativem Eigenkapital), also Union Berlin, Arminia Bielefeld und der VfL Bochum sowie die beiden Aufsteiger Werder Bremen und Schalke 04 haben auch einen Jahresfehlbetrag „erwirtschaftet“.

Den größten Jahrsfehlbetrag mit diesmal 78,0 Mio. Euro (nach dem Negativrekord 2020 in Höhe von 53,5 Mio. Euro) hat erneut Hertha BSC Berlin hingelegt. Damit hat die Hertha in allen vier Jahren, in denen die DFL die Bilanzen der Vereine publiziert, jeweils einen Fehlbetrag generiert (2018: 3,4 Mio. Euro, 2019: 26,0 Mio. Euro, 2020: 53,5 Mio. Euro, 2021: 78,0 Mio. Euro). Insgesamt ist ein Fehlbetrag in Höhe von 160,9 Mio. Euro entstanden.

Den Fehlbetrag massiv reduzieren konnten der VfB Stuttgart (2020: -28,4 Mio. Euro, 2021: -1,2 Mio. Euro) und Eintracht Frankfurt (2020: -37,1 Mio. Euro, 2021: -10,0 Mio. Euro). Eine Reduzierung gelang auch Greuther Fürth (2020: -4,0 Mio. Euro, 2021: -0,5 Mio. Euro), Arminia Bielefeld (2020: -2,0 Mio. Euro, 2021: -1,7 Mio. Euro), Borussia Mönchengladbach (2020: -16,7 Mio. Euro, 2021: -14,6 Mio. Euro), 1. FC Köln (2020: -24,7 Mio. Euro, 2021: -18,3 Mio. Euro) sowie die beiden Aufsteiger Werder Bremen (2020: -23,8 Mio. Euro, 2021: -7,1 Mio. Euro) sowie Schalke 04 (2020: -53,0 Mio. Euro, 2021: -18,7 Mio. Euro). Den Fehlbetrag massiv ausgeweitet hat Borussia Dortmund (2020: -44,0 Mio. Euro, 2021: -72,9 Mio. Euro). Mainz 05 hat seinen Verlust verfünffacht (2020: -2,1 Mio. Euro, 2021: -10,2 Mio. Euro).

Würde man die Jahresüberschüsse aller Clubs zusammenlegen, hätte die Liga 2019 einen Jahresüberschuss in Höhe von 78,7 Mio. Euro erzielt. 2020 wäre ein Fehlbetrag von 301,4 Mio. Euro entstanden und 2021 ein Fehlbetrag in Höhe von 267,0 Mio. Euro. Während der Pandemie ist also mehr als eine halbe Milliarde Euro an Fehlbeträgen aufgelaufen.

Es ergibt sich die Eigenkapitalrendite-Tabelle (in Klammern das Ergebnis vom Vorjahr)

1. SC Freiburg (5.)
2. RB Leipzig (1.)
3. FC Bayern München (3.)
4. TSG Hoffenheim (4.)
5. FC Augsburg (2.)
6. VfB Stuttgart (11.)
7. Bayer 04 Leverkusen (7.)
8. Greuther Fürth (neu)
9. Borussia Mönchengladbach (10.)
10. Eintracht Frankfurt (12.)
11. 1. FSV Mainz 05 (8.)
12. Borussia Dortmund (9.)
13. VfL Wolfsburg (6.)
14. Hertha BSC Berlin (13.)
15. 1. FC Köln (14.)
16. Arminia Bielefeld (15.)
17. Union Berlin (16.)
18. VfL Bochum (neu)

Unterhalb von Platz 15 kann von einer Eigenkapitalrendite eigentlich gar nicht gesprochen werden, da sowohl das Eigenkapital als auch der Jahresüberschuss negativ sind. Lediglich bei Platz 1 bis 3 ließ sich überhaupt eine Rendite erwirtschaften, da von Platz 4 bis 15 Jahresfehlbeträge erwirtschaftet wurden. Die positive Entwicklung des SC Freiburg ist wirklich herausragend. Aber auch ein kleiner Club wie Greuther Fürth zeigt, dass es sehr wohl möglich ist, mit bescheidenen Mitteln wenigstens finanziell gut durch die Pandemie zu kommen. Die Aufsteiger Werder Bremen und Schalke 04 wären zwischen Union und Bochum bzw. Köln und Bielefeld gelandet.

4. Umsatzrentabilität (Jahresüberschuss zu Umsatz)

Die Zahl sagt aus, wieviel Prozent des Umsatzes als Gewinn verbleiben, sprich wie effizient der Club in der Saison gewirtschaftet hat. Ich habe hier das Rohergebnis mit dem Umsatz gleichgesetzt.

Der Umsatz (bzw. das Rohergebnis)

Die DFL gibt in ihren Finanzkennzahlen das Rohergebnis statt den Umsatz an. Das Rohergebnis schließt neben Umsatzerlösen auch sonstige betriebliche Erlöse ein. Der reine Umsatz würde also niedriger ausfallen. Der Einfachheit halber wird der Umsatz mit dem Rohergebnis gleichgesetzt. Die Kunst, in der Pandemie den Umsatz innerhalb der zwei Jahre zu steigern, ist einem Drittel der Clubs 2021 gelungen. Um 37 Prozent ist er bei RB Leipzig gestiegen. Bei Union Berlin ging er um 16 Prozent nach oben, obwohl die Eisernen 2021 Einbußen von 3 Prozent hatten. Umgekehrtes Spiel beim SC Freiburg, dem eine zweijährige Steigerung von 14 Prozent gelang, allerdings 2020 erstmal Einbußen von 7 Prozent hinnehmen musste. Eine komplette Berg- und Talfahrt legte Arminia Bielefeld hin. 2020 ging es um 32 Prozent nach unten, 2021 um 62 Prozent nach oben. Das ergibt eine Steigerung um 9 Prozent über zwei Jahre. Beim 1. FC Köln gab es über zwei Jahre eine Steigerung um 8 Prozent. Eine leichte Steigerung konnte der VfL Wolfburg mit 3 Prozent erreichen.

Alle anderen Clubs mussten über zwei Jahre Umsatzrückgänge verzeichnen: Bayer 04 Leverkusen (2 Prozent), Greuter Fürth (12 Prozent), VfB Stuttgart und FC Augsburg (jeweils 14 Prozent), FC Bayern München (15 Prozent), VfL Bochum (16 Prozent), Borussia Mönchengladbach und TSG Hoffenheim (jeweils 20 Prozent). Aufsteiger Schalke 04 verbuchte 2020 Rückgänge von 36 Prozent, aber 2021 wieder Steigerungen von 18 Prozent (24 Prozent Rückgang über zwei Jahre). Für Aufsteiger Werder Bremen ging es um 25 Prozent nach unten. Jeweils 27 Prozent Umsatzrückgang verbuchen mussten Borussia Dortmund und Hertha BSC Berlin. Ebenfalls eine Berg- und Talfahrt legte Eintracht Frankfurt hin: 52 Prozent Rückgang 2020, 41 Prozent Steigerung 2021 ergibt einen Rückgang von 32 Prozent über zwei Jahre. Schlusslicht ist Mainz 05 mit 33 Prozent Umsatzrückgang.

Der Umsatzvorsprung des FC Bayern ist immer noch gewaltig. Mit 606 Mio. Euro liegen die Münchner unangefochten vorne. Platz 2 geht auch hier mittlerweile an RB Leipzig (376 Mio. Euro). Borussia Dortmund liegt nur noch auf Platz 3 mit 349 Mio. Euro. Platz 4 geht an Bayer 04 Leverkusen mit 253 Mio. Euro. Platz 5 belegt Eintracht Frankfurt mit 206 Mio. Euro. Platz 6 geht an den VfL Wolfsburg mit 198 Mio. Euro. Aufsteiger Schalke 04 würde mit 199 Mio. Euro die Wölfe auf Platz 7 verdrängen. Dieser geht an Borussia Mönchengladbach (160 Mio. Euro). Der VfB Stuttgart landet mit 143 Mio. Euro vor der TSG Hoffenheim (129 Mio. Euro) auf Platz 8 bzw. 9. Der 1. FC Köln landet mit 115 Mio. Euro auf Platz 10. Dahinter würde Aufsteiger Werder Bremen mit 113 Mio. Euro liegen. Platz 11 geht an den SC Freiburg mit 104 Mio. Euro. Platz 12 belegt Hertha BSC Berlin mit 103 Mio. Euro. Mit 96 Mio. Euro belegt Mainz 05 Platz 13. Auf Platz 14 folgt der FC Augsburg mit 82 Mio. Euro. Auf Platz 15 landet Union Berlin mit 69 Mio. Euro. 20 Mio. Euro weniger hat Arminia Bielefeld erzielt (Platz 16). Nochmals 21 Mio. Euro weniger schafft der VfL Bochum (28 Mio. Euro und Platz 17). Schlusslicht ist Greuther Fürth mit 23 Mio. Euro.

Daran erkennt man, dass die Geisterspiele keinen so großen finanziellen Einfluss hatten, wie während der Pandemie immer behauptet. Wichtiger waren Ligazugehörigkeit (Aufstieg/Abstieg sowie das internationale Geschäft, vorallem die Champions League).

Es ergibt sich die Umsatzrentabilitäts-Tabelle (in Klammern das Ergebnis vom Vorjahr)

1. SC Freiburg (5.)
2. RB Leipzig (1.)
3. FC Bayern München (2.)
4. TSG Hoffenheim (4.)
5. FC Augsburg (3.)
6. VfB Stuttgart (16.)
7. Greuther Fürth (neu)
8. Arminia Bielefeld (9.)
9. Eintracht Frankfurt (15.)
10. Bayer 04 Leverkusen (7.)
11. VfL Wolfsburg (6.)
12. Borussia Mönchengladbach (11.)
13. 1. FSV Mainz 05 (8.)
14. 1. FC Köln (14.)
15. FC Union Berlin (15.)
16. VfL Bochum (neu)
17. Borussia Dortmund (10.)
18. Hertha BSC Berlin (18.)

Wie im letzten Jahr stammt der Meister der Eigenkapital- und der Umsatzrentabilität aus einer Stadt. Sie heißt allerdings diesmal Freiburg statt Leipzig. Klar natürlich auch, dass die anderen Plätze im oberen Tabellendrittel an die Vereine gegangen sind, die einen Jahresüberschuss in der Pandemie hinbekommen haben. Hertha hat trotz Investor die rote Laterne wieder nicht abgeben können (wie 2020 und 2021). Das Geld floss also in dem Geschäftsjahr fast so schnell raus, wie es durch den Investor reingekommen ist. Die beiden Aufsteiger Werder Bremen und Schalke 04 würden zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem VfL Wolfsburg bzw. Borussia Mönchengladbach und Mainz 05 in der Tabelle landen.

Zusammenfassung: Im ersten Teil, in dem es um die KPIs Anlagendeckungsgrad und Eigenkapitalquote ging, dominierten die badischen Vereine aus Freiburg und Hoffenheim sowie der FC Bayern. Im zweiten Teil, der sich mit den KPIs Eigenkapitalrendite und Umsatzrentabilität beschäftigte, dominiert der SC Freiburg. Der VfB Stuttgart und Greuther Fürth sind positive Überraschungen. Dortmund hat unter der Pandemie mehr zu leiden als seine direkten sportlichen Konkurrenten aus München und Leipzig. Im dritten und letzten Teil geht es schließlich um die KPIs Personalaufwandsquote und Verschuldungsgrad und die Frage ob Geld Tore schießt und ob „No financial risk, no fun“ in der Bundesliga von einigen Vereinen als der wahre Claim ausgegeben wird.

Die Finanz-Bundesliga-Tabelle 2021/2022 Teil 1

Im Mai 2019 veröffentlichte die Deutsche Fußball Liga (DFL) nach dem Beschluss der Mitgliederversammlung Ende 2018 erstmals die Finanzkennzahlen der Bundesliga-Vereine. So war es vor drei Jahren erstmals möglich, eine „Finanz-Bundesliga-Tabelle 2018/19“ zu erstellen. In dieser habe ich die Finanzkennzahlen, die die DFL pro Verein veröffentlicht hat, mit Hilfe von Leistungskennzahlen, so genannten „Key Performance Indicators“, kurz KPIs, analysiert. Daraus ergaben sich für die einzelnen Vereine viele interessante Ergebnisse. Da sich die Vereine untereinander in einem Wettbewerb befinden, war es bereits 2019 extrem spannend zu sehen, wie es tatsächlich um „Financial Fairplay“ bestellt ist. 2020 wurde es noch einen Tick interessanter, weil es erstmals möglich war, Veränderungen im Vergleich zum vorangegangen Geschäftsjahr zu ermitteln . 2021 war das erste Jahr, in dem alle Vereine finanziell von der Pandemie betroffen waren, da der Bilanzstichtag der meisten Vereine der 30. Juni ist. Allerding bilanzieren Eintracht Frankfurt, Bayer 04 Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, der VfB Stuttgart und der damalige Absteiger FC Schalke 04 zum 31. Dezember. Dadurch waren die Ergebnisse im letzten Jahr verzerrt, da diese fünf Clubs 10 statt 4 Monate Corona in der Bilanz zu verarbeiten hatten. Somit sind die Ergebnisse dieses Mal wesentlich aussagekräfter, da bei allen Clubs die Pandemie durchschlägt – allerdings profitieren nun die fünf Clubs ein wenig vom abweichenden Bilanzstichtag, da sie weniger Geisterspiele zu verkraften hatten. Schließlich waren von August bis Dezember 2021 in den meisten Stadien wieder Zuschauende zugelassen. Die anderen Clubs konnten im Sommer/Herbst 2020 nur ein bis zwei Spiele mit Zuschauern austragen. Während in den vergangenen Jahren der Vergleich mit dem Vorjahr gesucht wurde, lohnt es sich diesmal auf die Zeiten vor der Pandemie zu schauen, um zu sehen, was die Corona mit der Bundesliga finanziell angestellt hat. Daher gibt es an einigen Stellen Vergleiche mit dem Bilanzierungszeitraum 1. Juli 2018 bis 30. Juni 2019 (bzw. 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2019) dem letzten Jahr, ohne Geisterspiele.

Im Bilanzzeitraum 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021 spielte der VfL Bochum und Absteiger Greuter Fürth in der 2. Liga, Aufsteiger FC Schalke 04 spielte die Hälfte seines Geschäftsjahres in der 2. Liga (vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2021). Im vorangegangen Jahr (Bilanzstichtag 30. Juni 2020) spielte Absteiger Arminia Bielefeld in der 2. Liga, der VfB Stutgart spielte die Hälfte seines Geschäftsjahres in der 2. Liga (bis zum 30. Juni 2020).

Da sich Fans zahlreicher anderer Vereine für diese Tabelle interessieren, gehe ich auf alle 18 Erstligisten der Saison 2021/2022 ein und beleuchte wie letztes Jahr die Aufsteiger also Schalke und Werder. Dadurch macht es meiner Meinung nach Sinn, dieses Thema wie in den vorangegangen Jahren in Abschnitte zu unterteilen:

Teil 1: Einführung und die KPIs Anlagendeckungsgrad und Eigenkapitalquote
Teil 2: Die KPIs Eigenkapitalrendite und Umsatzrentabilität
Teil 3: Die KPIs Personalaufwandsquote und Verschuldungsgrad
Teil 4: Die Finanz-Bundesliga-Abschlusstabelle 2021/22

Aus den folgenden von der DFL veröffentlichten Kennzahlen habe ich die unten stehenden Unternehmenskennzahlen hergeleitet:

  • Anlagevermögen
  • Eigenkapital
  • Verbindlichkeiten + Rückstellungen (=Fremdkapital)
  • Bilanzsumme
  • Jahresüberschuss
  • Personalkosten
  • Rohergebnis (als Umsatz genutzt)

Daraus habe ich die folgenden Leistungskennzahlen hergeleitet:

  • Anlagendeckungsgrad
  • Eigenkapitalquote
  • Eigenkapitalrendite
  • Umsatzrentabilität
  • Personalaufwandsquote
  • Verschuldungsgrad

Anmerkung in eigener Sache: Unter den Leser*innen dieses Blogs gibt es sicherlich versiertere „Bilanzbuchhalter*innen“ als ich es bin. Man hätte zum Beispiel die passiven Rechnungsabgrenzungsposten dem Fremdkapital hinzurechnen können. Dazu hätte ich dann allerdings auch wissen müssen, um was es sich da tatsächlich handelt. Ziel dieser Analyse ist es daher nicht, für 20 Vereine wasserdichte Finanzgutachten zu erstellen. Vielmehr soll sie Fußballfans dazu dienen, sich ein grobes Bild des eigenen Vereins in Bezug auf die finanzielle Situation zu machen – im Vergleich zum Konkurrenten genauso wie zum Vorjahr. Wie bei vielen anderen Fan-Aktionen auch, ist dieser Artikel in der Freizeit entstanden, ohne finanzielle oder sonstige Kompensation. Eine noch detaillierte Aufstellung hätte den zeitlichen Aufwand deutlich gesprengt.

1. Anlagendeckungsgrad (Eigenkapital zu Anlagevermögen)

Je höher der Deckungsgrad, desto besser steht es um die Finanzierung des Clubs.

Das Eigenkapital

Wie in allen Jahren zuvor gibt es wieder Clubs mit negativem Eigenkapital, sprich diese Clubs sind bilanziell überschuldet. Das Vermögen des Vereins deckt nicht mehr die Schulden.

Die überschuldeten Clubs in der Historie:

  • 2018: Hertha BSC Berlin, der SC Paderborn und Union Berlin
  • 2019: Union Berlin, Arminia Bielefeld und FC Schalke 04. Hertha hatte 2019 die Kurve durch den Einstieg eines Investors bekommen.
  • 2020 Union Berlin, Arminia Bielefeld und die beiden späteren Absteiger der Saison 2020/21 Werder Bremen und Schalke 04. Auch der Aufsteiger VfL Bochum hatte ein geringes negatives Eigenkapital vorzuweisen.
  • 2021 sind es Union Berlin, der VfL Bochum und Arminia Bielefeld sowie die beiden Aufsteiger Werder Bremen und Schalke 04.

    Das negative Eigenkapital ist im Vergleich zum Vorjahr bei allen fünf Clubs gewachsen. Bei Union um 71%, bei der Arminia um 54 %, beim VfL um über 21000 % (was aber „nur“ 4,9 Mio. Euro entspricht), bei Werder um 53 % und bei Schalke um 25 %.

Der FC Augsburg (16,9 Mio. Euro), RB Leipzig (29,7 Mio. Euro) und der 1. FSV Mainz 05 (2,0 Mio. Euro) haben wie im Vorjahr Investitionszuschüsse (wahrscheinlich für das jeweilige Stadion) erhalten, die man dem Eigenkapital zurechnen kann. Ich habe diese Zuschüsse weggelassen, um eine bessere Vergleichbarkeit zu erzielen. Beim FCA blieben die Zuschüsse 2021 gleich, bei RBL sind sie um 3 Mio. Euro und bei M05 um 0,3 Mio Euro gesunken.

2018 Jahr war dieser Zuschuss bei RB Leipzig größer als damals das eigentliche Eigenkapital in Höhe von 27 Mio Euro. 2019 fanden sich in der Bilanz von RB 100 Mio. Euro mehr Eigenkapital, die vermutlich vom Brausekonzern stammen. In 2020 sind nur noch 5 Mio. Euro Eigenkapital hinzugekommen und 2021 ist es nur noch um 0,3 Mio. Euro gewachsen. Die Flügel bekam diesmal wie schon 2020 die Hertha BSC Berlin: Der Eigenkapitalzuwachs beim „Big City Club“ in Höhe von 70 Mio. Euro war schon 2019 nicht „normal“ – dem Investor sei Dank! In 2020 kamen nochmals 28 Mio. Euro hinzu – das entspricht einem Zuwachs von 350 Prozent! Und in 2021 stieg es nochmals um sagenhafte 193 Prozent oder in absoluten Zahlen ausgedrückt um 70 Mio. Euro! Insgesamt sind es in drei Jahren 168 Mio. Euro.

Nachhaltige Zuwächse beim Eigenkapital gab es 2021 bei Eintracht Frankfurt (39 Prozent) nach minus 55 Prozent im Vorjahr und beim SC Freiburg (12 Prozent). Damit hat es der SC Freiburg hinbekommen trotz Pandemie sein Eigenkapital im vierten Jahr in Folge zu steigern und das ohne Investor.

Keine Veränderungen gab es wie jedes Jahr beim VfL Wolfsburg und bei Bayer 04 Leverkusen, da es bei diesen Vereinen eigentlich egal ist, wie sie wirtschaften, da am Ende alles durch den Pharmariesen bzw. den Autokonzern augeglichen wird. Kaum Veränderung gab es auch beim FC Bayern in Prozentwerten. In absoluten Zahlen handelt es sich allerdings um eine Eigenkapitalreduzierung in Höhe von 1 Mio. Euro (nach minus 5 Mio. im Vorjahr).

Leichte Rückgänge gab es beim FC Augsburg (-1 Prozent). Starke bis sehr gravierende Rückgänge gab es beim VfB Stuttgart (-7 Prozent), der TSG Hoffenheim (-10 Prozent), Greuther Fürth (-16 Prozent), Borussia Mönchengladbach (-17 Prozent), Mainz 05 (-22 Prozent) und Borussia Dortmund (-24 Prozent). Um sagenhafte 89 Prozent ist das Eigenkapital beim 1. FC Köln gesunken.

Betrachtet man an dieser Stelle die Entwicklung des Eigenkapitals während der Pandemie (2021 zu 2019) fällt folgendes in Auge: Einen wahren Booster erhielt die Hertha mit einer Steigerung um 1214 Prozent. Eine gesunde Steigerung legten der SC Freiburg (12 Prozent), die TSG Hoffenheim (11 Prozent), RB Leipzig (4 Prozent) und der FC Augsburg (1 Prozent) hin. Wie bereits erwähnt, spielt Corona bei Bayer 04 Leverkusen und beim VfL Wolfsburg keine Rolle – es bleibt einfach gleich. Beim FC Bayern ist es um 1 Prozent gesunken. Bei allen anderen Clubs kam es zu einer Eigenkapitalvernichtung: Mainz 05 (25 Prozent), Borussia Mönchengladbach (30 Prozent), Borussia Dortmund (34 Prozent), Eintracht Frankfurt (38 Prozent), VfB Stuttgart (52 Prozent), Greuther Fürth (64 Prozent), 1. FC Köln (96 Prozent). Beim VfL Bochum ist die Überschuldung während Corona eingetreten. 2019 hatte der Club noch 2,9 Mio. Euro Eigenkapital, 2021 war er mit -4,9 Mio. Euro negativem Eigenkapital überschuldet. Ähnlich erging es Aufsteiger Werder Bremen (2019: 10,5 Mio. Euro, 2021: -20,3 Mio. Euro). Bereits vor Corona waren Arminia Bielefeld (2019: -1,7 Mio. Euro, 2021: -7,1 Mio. Euro) und Union Berlin (2019: -9,0 Mio. Euro, 2021: -29,1 Mio. Euro) überschuldet. Gleiches gilt für Aufsteiger Schalke 04 (2019: -18,5 Mio. Euro, 2021: -88,8 Mio. Euro).

Addiert man das gesamte Eigenkapital aller 20 Clubs (inklusive Aufsteiger), dann hatte die Liga 2019 noch ein Eigenkapital von 1,878 Mrd. Euro. 2021 lag es nur noch bei 1,621 Mrd. Euro, was einer Kapitalvernichtung von 14 Prozent entspricht.

Das Anlagevermögen

Das Anlagevermögen sind die so genannten Steine eines Vereins, sprich diese sollen dem Verein dauerhaft dazu dienen, den Spielbetrieb durchzuführen. Dieses ist am stärksten bei RB Leipzig gestiegen (28 Prozent) und beim SC Freiburg (25 Prozent). Die Finalisten im DFB-Pokal waren also gleichzeitig die Clubs, die größten Steigerungen beim Anlagevermögen realisieren konnten.

Auch hier lohnt ein Vergleich zwischen der Zeit vor der Pandemie und dem Ende des Bilanzierungszeitraums. Hertha BSC konnte sein Anlagevermögen während der Pandemie fast verfünffachen (+424 Prozent). Der SC Freiburg (+68 Prozent) und RB Leipzig (+62 Prozent) legten ebenfalls satte Steigerungen hin. Bei den überschuldeten Clubs Arminia Bielefeld und Union Berlin ist es um 20 Prozent bzw. 7 Prozent gestiegen. Eine massive Reduzierung gab es bei Mainz 05 (-33 Prozent) und den Aufsteigern Werder Bremen (-44 Prozent) und Schalke 04 (-50 Prozent).

Es ergibt sich die Anlagendeckungsgrad-Tabelle 2020/21 (in Klammern das Ergebnis vom Vorjahr)

1. TSG Hoffenheim (1.)

2. SC Freiburg (2.)

3. FC Bayern München (3.)

4. Hertha BSC Berlin (10.)

5. 1. FSV Mainz 05 (5.)

6. Bayer 04 Leverkusen (4.)

7. Greuther Fürth (neu)

8. FC Augustburg (7.)

9. Borussia Dortmund (6.)

10. Borussia Mönchengladbach (8.)

11. Eintracht Frankfurt (11.)

12. RB Leipzig (9.)

13. VfL Wolfsburg (12.)

14. VfB Stuttgart (13.)

15. 1. FC Köln (14.)

16. VfL Bochum (neu)

17. FC Union Berlin (16.)

18. Arminia Bielefeld (18.)

Baden dominiert seit der Einführung der Finanz-Bundesliga 2019 diese Tabelle. Sowohl die TSG Hoffenheim, als auch der SC Freiburg haben einen Deckungsgrad weit über 1 – d.h. die Steine sind also mehr als vollkommen selbst finanziert und bei der TSG steigt dieser seit drei Jahren jedes Jahr sogar weiter an. Der FC Bayern hat eine leichte Überdeckung. Den größten Sprung nach vorne machte Hertha BSC, dem Investor sei Dank. RB Leipzig fällt in der Tabelle zurück und verzeichnet im dritten Jahr in Folge einen Rückgang des Anlagendeckungsgrads. Bei Platz 4 bis 9 ist die Mehrheit der Steine eigenfinanziert. Komplett fremdfinanziert, da überschuldet sind die Steine bei Platz 16 bis 18. Bei beiden Aufsteigern FC Schalke 04 und Werder Bremen sind die Steine komplett fremdfinanziert. Werder würde auf Platz 16 kommen und Schalke sich mit der Arminia die rote Laterne teilen.

2. Eigenkapitalquote (Eigenkapital zu Bilanzsumme)

Je höher die Eigenkapitalquote desto mehr finanzielles Engagement bringt der eigene Club auf, sprich desto mehr finanziert sich der Verein selber und desto geringer ist die Chance, dass der Verein pleite geht. Das sind die Rücklagen, die von den Clubs in Bezug auf die Pandemie gefordert wurden, um Krisenzeiten länger als ein paar Wochen durchzustehen.

Die Bilanzsumme

Um die „Größe“ der Clubs miteinander zu vergleichen eignet sich die Bilanzsumme ganz gut. Sie zeigt das Gesamtvermögen eines Unternehmens auf – und gleichzeitig auch das Gesamtkapital, das notwendig ist, um den Laden am Laufen zu halten. Das Verhältnis der Clubs untereinander, das sich unter anderem aus dem finanziellen Gebaren der Vorjahre herleitet, ist auch ganz interessant zu betrachten. Der größte Verein (FC Bayern) ist fast 70-mal größer als der kleinste Verein (Greuther Fürth), obwohl die Spielvereinigung im Bilanzzeitraum um ein Drittel gewachsen ist. Das hat nur Aufsteiger Werder Bremen getoppt (35 Prozent). Um fast ein Viertel sind die beiden Pokalfinalisten SC Freiburg und RB Leipzig gewachsen. Die größte Schrumpfung musste Mainz 05 hinnehmen (-30 Prozent). Aufsteiger Schalke 04 ist um ein Drittel geschrumpft. Von der Größe her übertrumpft der FC Bayern alle anderen Clubs. Mit einem Abstand von fast einem Drittel der Bilanzsumme (also mehr als 200 Mio. Euro) landet RB Leipzig erstmals auf Platz 2. Borussia Dortmund befindet sich nur noch auf Platz 3, gefolgt von Bayer 04 auf Platz 4. Platz 5 geht an die TSG Hoffenheim, die nicht mal mehr halb so groß ist wie der FC Bayern. Auf Platz 6 landet die Hertha gefolgt vom VfL Wolfburg. Beide weisen grob ein Drittel der Größe des FC Bayern auf. Auf 8 und 9 landen Borussia Mönchengladbach und die SGE, die nur unwesentlich größer ist als der VfB auf Platz 10. Der SC Freiburg und der FC Augsburg haben fast die gleiche Bilanzsumme, wobei dem SC Freiburg vor 3 Jahren noch ein Drittel fehlte, um zum FCA aufzuschließen. Der 1. FC Köln und Mainz 05 folgen auf Platz 13 und 14. Union Berlin auf Platz 15 ist halb so groß wie der Effzeh und der VfL Bochum auf Platz 16 widerum halb so groß wie die Eisernen. Auf Platz 17 und 18 folgen die Arminia und Greuther Fürth. Setzt man diese Tabelle in Relation zur Abschlusstabelle der Saison 2021/22 fällt auf, dass der Meister sowie die Absteiger identisch sind. Größe scheint also für den Erfolg wichtig zu sein. Die Aufsteiger FC Schalke 04 und Werder Bremen würden zwischen Augsburg und Köln bzw. zwischen Köln und Mainz 05 liegen, was als Aufsteiger außergewöhnlich ist. Aber die „gefühlte“ Größe der Clubs zeigt ein wenig, wieso sie in der Vorsaison abgestiegen sind.

Addiert man alle Bilanzsummen aller 20 Clubs 2019 und 2021 so fällt auf, dass diese Gesamtbilanzsumme trotz Pandemie um 1 Prozent gestiegen ist. Während in anderen Branchen Kurzarbeit herrschte, viele Arbeitsplätze wegfielen, viele Firmen pleite gingen, wurde die Bundesliga sogar einen Tick größer. Während der Pandemie hat Hertha BSC seine Größe um 66 Prozent steigern können. RB Leipzig legte um 49 Prozent zu, Bayer 04 um 29 Prozent, Arminia Bielefeld um 28 Prozent, der SC Freiburg um 27 Prozent. Um immerhin 12 Prozent wuchs Union Berlin und die TSG Hoffenheim um 5 Prozent.

Leicht geschrumpft um höchsten drei Prozent sind der 1. FC Köln, der VfL Bochum und Aufsteiger Werder Bremen. Dass der FC Bayern und Greuther Fürth etwas gemeinsam haben, klingt erstaunlich, doch beide sind um 7 Prozent geschrumpft. Jeweils um 10 Prozent ging es für Borussia Dortmund und den FC Augsburg runter. Wolfburg (-16 Prozent), Borussia Mönchengladbach (-18 Prozent) und Eintracht Frankfurt (-20 Prozent) sind erheblich geschrumpft. Am meisten ist Mainz 05 geschrumpft (-26 Prozent), bzw. Aufsteiger Schalke 04 (-45 Prozent).

Anmerkung: Bei der Bilanzsumme handelt es sich nicht um eine Finanzkennzahl, die ich erst kalkulieren musste. Sie steht auf der Seite der DFL zu Verfügung. Sie bildet nur die Basis, um die Eigenkapitalquote zu ermitteln. Groß bedeutet nicht stark, solide oder solvent. Wenn das so einfach zu ermitteln wäre, dann könnte man sich die Analyse der Kennzahlen mit KPIs auch sparen. Daher fließt die Bilanzsumme als solche nicht in die in Teil 4 zu erstellende Finanz-Bundesliga-Tabelle direkt ein, sondern nur über die Eigenkapitalquote.

Es ergibt sich die Eigenkapitalquote-Tabelle (in Klammern das Ergebnis vom Vorjahr)

1. TSG Hoffenheim (1.)

2. Bayern München (3.)

3. SC Freiburg (2.)

4. Borussia Dortmund (4.)

5. Bayer 04 Leverkusen (5.)

6. 1. FSV Mainz 05 (6.)

7. Hertha BSC Berlin (11.)

8. FC Augsburg (8.)

9. Borussia Mönchengladbach (7.)

10. RB Leipzig (9.)

11. Eintracht Frankfurt (10.)

12. Greuther Fürth (neu)

13. VfL Wolfsburg (13.)

14. VfB Stuttgart (12.)

15. 1. FC Köln (13.)

16. VfL Bochum (neu)

17. Arminia Bielefeld (16.)

18. Union Berlin (17.)

Wie beim Anlagendeckungsgrad dominieren Baden und der FC Bayern die Liga auch bei der Eigenkapitalquote. Die TSG Hoffenheim, der FC Bayern und der SC Freiburng sind finanziell weiterhin gut aufgestellt . Durch die massive Erhöhung des Eigenkapitals geht es bei der Hertha weiter nach oben. Die Tabelle der Eigenkapitalquote gibt wohl am ehesten Auskunft auf die Frage, bei welchen Vereinen die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, dass sie eine neue Einstellung des Spielbetriebs wegen Corona überleben könnten. Daher hat wahrscheinlich auch Union Berlin so auf eine Öffnung der Stadien für die Zuschauer gedrängt. Schließlich steht der Verein finanziell extrem schlecht da. Greuther Fürth steht hier wesentlich besser da als Mitabsteiger Bielefeld. Die beiden Aufsteiger Schalke und Bremen würden am unteren Ende der Tabelle landen: Schalke ganz unten, Bremen zwischen Bielefeld und Bochum.

Im zweiten Teil der Finanz-Bundesliga-Tabelle 2021/22 wird es unter anderem um die Eigenkapitalrendite (Jahresüberschuss zu Eigenkapital) gehen und zu dramatischen Resultaten wegen Corona führen.

Nur für das Trikot, fairsteht sich!

Seit Jahren ist es in der Liga üblich, das Trikot der Folgesaison am letzten Spieltag der aktuellen Spielzeit zu präsentieren. Der Hintergrund ist, wie könnte es anders sein, kommerzieller Natur. Wir Fans sollen zum Konsum animiert werden. Dass es auch anders geht, zeigt ausgerechnet ein Verein aus der Premier League. Der FC Brentford wird die Trikots der abgelaufenen Saison auch in den kommenden 12 Monaten tragen. In Zeiten knapper Kassen in den meisten Fanfamilien ist dies ein durchaus guter Move, soll aber in diesem Blogpost nicht wirklich Thema sein. Schließlich können wir selbst entscheiden, ob wir uns in diese Konsumspirale begeben oder nicht.

Vielmehr soll es hier um Inhalte gehen und Dinge, die bei unserem Verein mal wieder nicht so richtig zusammenpassen wollen. Da kreiert der Verein gemeinsam mit dem Trikotsponsor eine löbliche Friedensbotschaft und verbindet sie mit einer vergleichsweise großzügigen Spende in Höhe von 10 Euro, die vom Verkaufspreis in Höhe von fast 80 Euro an die „Better World Stiftung“ des Trikotsponsors geht. Gleichzeitig wird von limitierter Edition gesprochen, damit das oben angesprochene Konsumieren stimuliert wird. „Wer sich dieses ganz besondere Trikot sichern möchte, muss schnell sein“, ist in den Vereins News zu lesen. Warum die Auflage limitiert ist, und warum es nicht möglich ist, sich das Trikot nicht in aller Ruhe bis zum Verkaufsstart des „regulären“ Trikots Mitte Juli zu sichern, wird in den News nicht erklärt. Die Fans zu solchen Impulskäufen zu drängeln hat schon etwas von Kaffeefahrten-Charakter. Damit wird die Botschaft, Menschen zu helfen, ein wenig in den Hintergrund gedrängt.

Der Mainz 05 Kapitän Mousa Niakhaté trägt das Trikot der neuen Saison mit dem "You never walk alone" Schriftzug in den Farben der Ukraine und dem Schriftzug der Kömmerling Better World Stiftung
Screenshot von der Mainz 05-Webseite

Und genau darum geht es eigentlich in diesem Text. Denn leider wird im Rahmen der Aktion, die ja für eine bessere Welt einstehen möchte, nur die eine Seite der Medaille betrachtet: Die Friedensbotschaft auf dem Trikot symbolisiert die Solidarität mit den Menschen in der Ukraine, die völlig unverschuldet in einen Angriffskrieg hineingezogen wurden. Die 10 Euro pro Trikot sollen die Not der Menschen vor Ort lindern. Soweit so gut. Aber eine solche Aktion sollte meiner Meinung nach ganzheitlich angegangen werden. Es sollten also auch die Menschen einbezogen werden, die diese Trikots hergestellt haben. Und dazu gibt es leider überhaupt keine Information. Leider ist es als Verein bis heute extrem schwierig, fair gehandelte Trikots zu erwerben, insbesondere, wenn man an einen Ausrüstervertrag gebunden ist. Hat der Ausrüster mit Nachhaltigkeit, konkret mit der fairen Produktion seiner Textilien, nichts am Hut, bleibt einem Verein leider nur der Weg, alles selbst in die Hand zu nehmen.

Diesen Schritt ist der FC St. Pauli gegangen. Und dieser Schritt benötigt Zeit – im Falle des FC St. Pauli sage und schreibe fünf Jahre. Bernd von Geldern, Geschäftsleiter Vertrieb auf der Vereinwebseite im Jahr 2021: „Auf der Mitgliederversammlung 2016 haben wir den Auftrag bekommen, unser Merchandising fair und nachhaltig zu produzieren. Diesem Anspruch möchten wir in möglichst vielen Bereichen gerecht werden. Mit unserer eigenen Marke ‚DIIY‘ möchten wir nun zeigen, dass sich Qualität, Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen auch für Performance-Kleidung überhaupt nicht ausschließen müssen. Darum haben wir die Messlatte mit unseren selbst formulierten Ansprüchen an die neue Teamsport-Kollektion auch bewusst hochgelegt. Wir sind überzeugt davon, dass auch unsere Fans diesen Anspruch teilen und möchten sie auf unseren Weg mitnehmen. Deswegen starten wir schon jetzt in den Vorverkauf für das Heimtrikot der Saison 2021/22 – denn nur gemeinsam mit unseren Fans schaffen wir unser anspruchsvolles Ziel, die nachhaltigste Teamsport-Kollektion der Welt zu produzieren.“

Vor mehr als zwei Jahren habe ich bereits zum damaligen neuen Ausrüster etwas geschrieben („Fair Fashion for Future„) und meine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass mit dem Wechsel auch das Thema faire Trikotproduktion angegangen wird. Getan hat sich allerdings wohl nichts:

„Großes Problem der Mainzer ist die aktuell noch fehlende Transparenz. Es können beispielsweise weder Hauptproduktionsstandorte noch Angaben zur Auswahl und Überprüfung der Lieferanten gefunden werden“, lautet das ernüchternde Ergebnis der Studie „Die Vereine im Ranking – so fair sind ihre Shops“ von cum ratione im Jahr 2021. Damals arbeitete der Verein laut dieser Studie gerade intensiv daran, diese Transparenz herzustellen. Allerdings habe zumindest ich hierzu noch nichts gelesen. Aber selbst wenn diese Transparenz existiert, ist natürlich noch nicht sichergestellt, dass die Menschen, die die Trikots hergestellt haben, auch davon leben können. Auch hier gilt der FC St. Pauli als Vorbild. Er ist 2021 als erster und bisher einziger Verein weltweit Mitglied bei „Fair Wear“ geworden. Diese Organisation stellt sicher, dass die Arbeitenden freiwillig ihren Dienst verrichten, sprich, Sklaverei wird ausgeschlossen. Die Arbeitenden können Gewerkschaften gründen und Kollektivverträge vereinbaren. Diskriminierung jeder Art ist ausgeschlossen, Kinderarbeit verboten und existenzsichernde Löhne (nicht zu verwechseln mit Mindestlöhnen) werden gezahlt. Es wird sich an eine Höchstarbeitszeit gehalten und die Arbeitsumgebung entspricht Mindest-Arbeitsschutzrichtlinien. Ferner existiert ein Arbeitsvertrag mit Rechten und Pflichten. Diese Kriterien gelten für uns meist als selbstverständlich. Dass dies in anderen Ländern alles andere als ein Standard ist, wird sicherlich deutlich, wenn man sich die Sportartikelhersteller anschaut, die Mitglied bei Fair Wear sind, wie z.B. Deuter, Haglöfs, Hess Natur, Jack Wolfskin, Odlo, Salewa, Schöffel, Vaude, engelbert strauss und Mammut. Alle bekannten Ausrüster der Liga sind hier leider noch kein Mitglied.

Um in Zukunft keine halben Sachen zu machen, sollte sich Mainz 05 langfristig anders aufstellen, wenn der Ansatz ernst gemeint ist, Menschen zu helfen und nicht darauf hoffen, dass ein Ausrüster endlich sicherstellt, dass die Textilien unter fairen Bedingungen hergestellt werden. Dann würde auch die Kehrseite der Medaille für eine „Better World“ stehen.    

Quellen:

Premier League – Nachhaltigkeit: Brentford trägt Trikots auch nächste Saison – t-online.de
1. FSV Mainz 05 – News Detailansicht: Neues Heimtrikot
DIIY – Alles muss man selber machen! – FC St. Pauli
FSV Mainz 05 – cum-ratione.org
Member Brands – Fair Wear Foundation