Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!
Nach 9 Toren in Krieschow gemeinsames Feiern auf dem Sportplatz
01 Hin und weg:
Für mich persönlich ist die erste Runde im DFB-Pokal meist das Highlight einer langen 05-Saison mit den Männern. Wenn man seit mehr als 20 Jahren immer in dieselben Stadien düst, bietet der DFB-Pokal mit etwas Glück ein- oder zweimal jährlich die Möglichkeit, andere „Stadion“-Atmosphäre zu schnuppern. Zuletzt war das 2021 möglich, als wir bei der SV Elversberg erstmals mit der ersten Männer-Mannschaft dort im Pokal auftraten. Lübeck 2022 in der zweiten Runde lasse ich mal weg, da wir da schon mal 2009 grandios in der ersten Runde rausgeflogen sind. Gegen Lübeck oder auch Chemnitz – über 2014 möchte ich nicht sprechen – traten wir allerdings auch schon mal in der 2. Liga an.
Daher gab es letzten Sonntag tatsächlich wieder das ersehnte „Elversberg-Feeling“, sprich einen Spielort ohne Bahnhof. Genauso wie 2021 war mein Plan, zum nächstgelegenen Bahnhof zu reisen und von dort mit dem Klapprad bis in den Spielort zu radeln. Statt nach Neunkirchen ging es diesmal nach Kolkwitz-Süd. Schon mal gehört? Ich nicht!
Das ist das Grandiose am DFB-Pokal. Man lernt Landstriche kennen, von denen man vorher nie zuvor gehört hat. Ashtarak, Qäbälä oder Medias lassen grüßen. Nun also ab nach Kolkwitz-Süd! Dank „Schienenersatzverkehr“ durfte ich am frühen Sonntagmorgen das Klapprad auch gleich bis Bischofsheim einsetzen. Die S8 fuhr pünktlich (!) in die Stadt am Nebenfluss und der ICE brachte mich ebenfalls pünktlich nach Leipzig. Auf die Pünktlichkeit war ich diesmal genauso angewiesen, wie letztes Jahr in Storlien (Mittelschweden) auf dem Weg von Dresden nach Trondheim. Denn dort fuhr nur zweimal am Tag ein Zug nach Trondheim. Ab Leipzig in Richtung Niederlausitz nur alle zwei Stunden.
So ging es mit einer S-Bahn nach Falkenberg/Elster. Dort gibt es einen Turmbahnhof und insgesamt sieben Bahnlinien, die sich kreuzen. Spätestens nach dem Umstieg in die dortige Regionalbahn befand ich mich als Pendler, der den ÖPNV aus dem Rhein-Main-Gebiet gewohnt ist, in einem Paralleluniversum. Die RB war nicht überfüllt, fuhr ebenfalls pünktlich, hatte funktionierendes WLAN, Strom- und USB-Anschlüsse. Ein Novum für mich bei einem Mainz-05-Spiel dann in Kolkwitz-Süd: ich war die einzige Person, die hier ausstieg.
Ankunft in Kolkwitz-Süd, dem nächstgelegenen Bahnhof
02 (N)immer nuff:
Laut Google Maps gibt es mehrere Varianten, die 8 km zwischen dem Bahnhof Kolkwitz-Süd zum Friedhof Krieschow zurückzulegen. Friedhof deshalb, weil sich in diesem Areal der Eingang zum Auswärtsblock befindet. Alleine diese logistische Leistung, auf einem Dorf-Fußballplatz ein Konzept zu entwickeln, wie es eigentlich nur in den Profiligen üblich ist, zeigt, mit wieviel Akribie der VfB Krieschow seinen ersten DFB-Pokalauftritt auch abseits des gut gepflegten Platzes vorbereitet hat.
Für Google Maps ist es allerdings unerheblich, ob so eine Route Land- oder Kreisstraßen enthält oder Feldwege oder Waldwege, die mit Brennnesseln und Brombeeren zugewachsen sind. Letztere hießen mich 3 km vor dem Sportplatz Willkommen. Vorbei an einer Kuhweide ging es ins nächste Dorf, wo ein Trabbi am Fahrbahnrand stand. Hinter dem Dorf hörte der Asphalt auf und es ging auf Schotter bis nach Krieschow.
Dort wurde ich schon von freundlichen Sicherheitsleuten empfangen, die mir meinen Radparkplatz am Friedhof zeigten.
Ankunft in Krieschow
03 Kon-Trolle
Die Stiernacken am Einlass sahen gefährlicher aus als sie waren. Die Kontrolle erfolgte easy auf der grünen Wiese. Von dort waren es wenige Meter zu den Dixie-Klos, den mobilen Waschbecken, die per Pedal betrieben wurden und zum Gastrobereich. Das hatte alles so ein angenehmes Open-Air-Flair – herrlich.
Der Nachmittag hatte Open-Air-Festival-Charakter
04 Kampf um den Mampf
Rein prophylaktisch hatte mir in Leipzig am Hauptbahnhof beim Falafel Ali (heißt wirklich so) schon einen Falafel-Seitan-Hummus-Wrap gegönnt. Klar, Krieschow hat wirklich alle Hebel in Gang gesetzt, uns 05er*innen einen super angenehmen Nachmittag zu bereiten. Aber vegane Speisen habe ich nun wirklich nicht erwartet. Doch es gab wirklich etwas pflanzliches: extrem leckere Spreewaldgurken.
Es gab auch Pfandbecher, Bowl-Becher aus Pappe und Pflaumenkuchen. Auch Eiscafé wurde kredenzt. Das war alles nur kein Oberliga-Niveau. Was für eine Gastlichkeit in Kombi mit Nachhaltigkeit.
Spreewald-Gurken-Catering in Krieschow
05 Käfighaltung
Definiere Losglück in der ersten Runde des DFB-Pokals: Krieschow würde wohl der Hauptpreis sein. Sie haben allen Auflagen zum Trotz ihr Heimspiel zu Hause und nicht in Cottbus ausgetragen. Sie haben den Auswärtsblock so groß gestaltet, dass alle Nasen, die aus Mainz hinwollten auch hinkommen konnten. Natürlich war es das erste 05-Spiel meines Lebens, bei dem ich die ersten 5 Tore nicht wirklich mitbekam. Der „Käfig“ von Krieschow war zwar nicht ganz ebenerdig. Aber die Sperrholzkonstruktion ermöglichte etwa 20 Zentimeter höher als die ersten Reihen zu stehen. Wieso auf einmal ein Bistro-Tisch im Block auftauchte und damit Tischfußball zelebriert wurde und ebendieser als Fahnenhalter umfunktioniert wurde, bleibt ungeklärt. Aber unvergessen bleibt dieser Ausflug in die Niederlausitz, an den sich sicherlich alle, die dabei waren noch genauso lange erinnern werden, wie an die Fahrten des Internationalen Fußballsportvereins in der letzten Saison.
Abpfiff in Krieschow
Fazit:
Der Jahrgang 2026/2027 zeigt, dass auch national Pokalwettbewerbe einen zum Schwärmen bringen können.
In den ersten vier Teilen habe ich die 18 Erstligisten der Saison 2025/2026 und die drei Aufsteiger mit Hilfe von insgesamt vier KPIs analysiert und für jeden KPI eine Tabelle erstellt. In den letzten sieben Jahren, seitdem ich diese Analyse erstelle, haben sich die Ansprüche an diese Analyse verändert. Das Thema Nachhaltigkeit ist weiter in den Vordergrund gerückt. Dies gilt auch für ökonomische Aspekte. Diese Aspekte finden sich in der Abschlusstabelle 2026 in Bezug auf die Finanzen der Bundesliga-Clubs wider.
Wertvorgaben für die KPIs zur Erstellung der Abschlusstabelle in Bezug auf die Finanzen der Bundesliga-Clubs
In allen vier Teilen habe ich für die entsprechenden KPIs Wertvorgaben für finanziell nachhaltiges Verhalten recherchiert:
Ein Anlagendeckungsgrad von 60 Prozent und mehr gilt als finanzielle Stabilität
Eine Eigenkapitalquote von mehr als 20 Prozent ist in Ordnung, bei mehr als 30 Prozent gilt sie als gesund.
Eine Personalaufwandsquote, in Branchen, die auf menschliche Interaktion angewiesen sind, gelten Werte von 60 bis 70 Prozent als angemessen
Beim Verschuldungsgrad wird ein Richtwert empfohlen, bei dem das Verhältnis zwischen Fremdkapital und Eigenkapital höchstens 2:1 ist, was einem Verschuldungsgrad von 200% entspricht.
Wer in den letzten Jahren aufmerksam die Finanz-Bundesliga-Tabellenerstellung verfolgt hat, wird feststellen, dass ich bis 2023 auch die Eigenkapitalrendite und die Umsatzrentabilität mit in die Tabelle hineingenommen habe. Diese beiden KPIs sind von eher kurzfristiger Natur, da in beiden Werten der Jahresüberschuss eine entscheidende Rolle spielt. Gerade während der Pandemie haben die meisten Vereine einen Jahresfehlbetrag ausgewiesen.
Ein (einmaliger) Jahresfehlbetrag ist langfristig gesehen unproblematisch, wenn der Club finanziell nachhaltig wirtschaftet. Ferner sind zumindest eingetragene Vereine keine „normalen“ Unternehmen. Sie sollen nicht unbedingt hohe Jahresüberschüsse erwirtschaften, sondern mit ihrem vorhandenen Geld, verantwortungsbewusst umgehen. Dass damit ein Jahresüberschuss und kein dauerhafter -fehlbetrag einhergeht, ist selbstredend. Die Clubs befinden sich in einem Wettbewerb untereinander und daher sollte das Ziel dieser Analyse sein, zu prüfen, welche Clubs Financial Fairplay eher leben als andere oder es nur leben können, weil Investoren eingestiegen sind. Aus diesem Grund habe ich diese beiden KPIs Eigenkapitalrendite und Umsatzrentabilität letztes Jahr gestrichen.
Wie in den Jahren zuvor habe ich für die vier KPIs pro Verein zwischen 0 und 3 Punkten vergeben. Ich hätte natürlich auch nach Tabellenplatz bewerten können. Doch sagt ein Platz in der Tabelle nicht wirklich etwas über den finanziellen Zustand des Clubs aus. Deshalb habe ich die Bewertung in jeder Kategorie nach Punkten durchgeführt und jede Kategorie gleich gewichtet. Natürlich ist das rein subjektiv. Doch letztlich ergibt sich ein gutes Bild, wie es um das finanzielle Gebaren der Clubs untereinander aussieht.
Die Punkteverteilung im Überblick; für die Nerds (in Klammern die Punkte des Vorjahres):
Anlagendeckungsgrad (Eigenkapital zu Anlagevermögen) – Finanzierung des Vereins
Bisher galt die Abgrenzung >1, >0,5, >0, <0. Da ein Anlagendeckungsgrad von >0,6 bereits als exzellent gilt, habe ich das dieses Jahr entsprechend berücksichtigt und dann >0,3 und >0 als weitere Abstufungen gewählt.
In der alten Berechnung konnten der 1. FC Köln und der Hamburger SV einen Punkt mehr erzielen. Einen Punkt weniger hätte Werder Bremen erzielt.
In der neuen Berechnung bekamen der SC Paderborn, der FC Augsburg und Borussia Dortmund nun 3 statt 2 Punkte. 2 statt einem Punkt erhielten der 1. FC Köln, der Hamburger SV (hätten sie auch mit der alten Berechnung bekommen), der VfB Stuttgart, der VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt und RB Leipzig.
Eigenkapitalquote (Eigenkapital zu Bilanzsumme) – Chance auf Pleite des Vereins
Ein Verschuldungsgrad von unter 2 gilt als gut und ergibt 3 Punkte. Daher gibt es sehr viel mehr Punkte als unter der alten Berechungsmethode:
3 statt 0 Punkten konnte der Hamburger SV erzielen. 3 statt 1 Punkt der FC Augsburg. 3 statt 1 Punkt der FC Bayern München, Borussia Dortmund und der 1. FSV Mainz 05.
2 statt 0 Punkten konnten der 1. FC Köln, der VfL Wolfburg und Borussia Mönchengladbach erzielen.
1 statt 0 Punkten konnten der VfB Stuttgart, RB Leipzig und Eintracht Frankfurt erzielen.
Entwicklung der Punkte im Vergleich zu 2025
Ein direkter Vergleich mit den Punkten im Jahr 2025 macht keinen Sinn mehr, da ich die Punktvergabe nun danach ausgerichtet habe, ob ein Verein die jeweiligen finanziellen Nachhaltigkeitsziele (Anlagendeckungsgrad > 60 Prozent, Eigenkapitalquote > 20 Prozent ok, > 30 Prozent gesund, eine Personalaufwandsquote < 60 Prozent angemessen, ein Verschuldungsgrad < 200 Prozent) erfüllt oder nicht.
In den ersten Jahren dieser Tabelle hatte das alles noch Wettbewerbscharakter mit einem „Titel“ den keiner braucht. Im Grund geht es darum zu prüfen, wieviele der Kriterien jeder Club erfüllt. Im besten Fall wurden 12 Punkte erreicht. Dahinter ergeben sich die Abstufungen, anhand derer man die jeweiligen Clubs bewerten kann, ob sie finanziell eher nachhaltig oder weniger nachhaltig agieren.
Die Abschlusstabelle
Den Titel in der KPI-Bundesliga-Tabelle 2026 holte sich wie 2019, 2020, 2021, 2023, 2024 und 2025 der SC Freiburg. Allerding gemeinsam mit der TSG Hoffenheim, dem FC Bayern München und dem 1. FSV Mainz 05. Alle vier Clubs würden alle vier finanziellen Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.
Auf Platz 1 der Finanz-Bundesliga-Tabelle landete der SC Freiburg.
Die Abschlusstabelle 2026 in Bezug auf die Finanzen der Bundesliga-Clubs
Platzierung
Verein
Punkte 2026
Punkte 2025
Vorjahr
1.
SC Freiburg
12
12
1.
TSG Hoffenheim
12
10
2.
FC Bayern München
12
10
3.
1. FSV Mainz 05
12
9
4.
5.
Borussia Dortmund
11
9
5.
FC Augsburg
11
7
7.
7.
Bayer 04 Leverkusen
10
9
4.
8.
1. FC Köln
9
5
8.
Hamburger SV
9
5
8.
10.
VfL Wolfsburg
8
4
16.
Borussia Mönchengladbach
8
4
16.
12.
SC Paderborn
7
8
neu
VfB Stuttgart
7
5
8.
RB Leipzig
7
5
8.
Eintracht Frankfurt
7
5
8.
Werder Bremen
7
5
8.
17.
FC St. Pauli
5
5
8.
1. FC Heidenheim
5
5
8.
19.
Union Berlin
4
5
8.
SV Elversberg
4
3
neu
21.
FC Schalke 04
3
3
neu
KPI-Abschlusstabelle 2026
Das Fazit in Bezug auf die Abschlusstabelle der Finanzen der Bundesliga-Clubs
Die 21 Vereine teilen sich 9 Platzierungen. So lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Vereine auf dem Papier finanziell nachhaltig agieren und welche Clubs hier Nachholbedarf haben. „Auf dem Papier“ bedeutet, dass Clubs wie Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg in der Realität natürlich überhaupt nicht fair (aber nachhaltig) agieren, da etwaige Fehlbeträge Jahr für Jahr durch Dritte ausgeglichen werden. Allerdings muss Bayer in den vielen guten Jahren, seitdem die Kennzahlen publiziert werden, Gewinne abgeben. Anders sieht es mit RB Leipzig aus, das sich das Fremdkapital vom Brausekonzern leiht.
Die 9 Platzierungen kann man wie folgt aufteilen:
Champions League
Es gibt nur vier Clubs, die alle KPIs erfüllen würden. D.h. 17 Clubs agieren nicht in allen Bereichen finanziell komplett nachhaltig: SC Freiburg, TSG Hoffenheim, FC Bayern München, 1. FSV Mainz 05.
Champions League Qualifikation
Borussia Dortmund und der FC Augsburg sind mit 11 Punkten allerdings nahe dran, alle vier Kriterien zu erfüllen. Zwar fällt die Punktevergabe dieses Jahr großzügiger in den oberen Bereich aus, da eine Überperformance keine Bonuspunkte brachte. Aber dass Augsburg statt 7 nun 11 Punkte aufzuweisen hat, ist beachtlich. Die Steigerung beim BVB von 9 auf 11 ist auch gut.
Europa League
Bayer 04 Leverkusen fehlen nun 2 Punkte, um alle vier KPIs komplett zu erfüllen.
Conference League
Der 1. FC Köln und der Hamburger SV entwickeln sich beide sehr positiv mit 9 statt 5 Punkten.
Oberes Mittelfeld
Die Punkte von 4 auf 8 verdoppeln konnten Borussia Mönchengladbach und der VfL Wolfsburg.
Gesichertes Mittelfeld
Jeweils 7 Punkte konnten der SC Paderborn (statt 8), der VfB Stuttgart RB Leipzig, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen (je statt 5) erzielen.
Unteres Mittelfeld
Unverändert 5 Punkte haben der FC St. Pauli und der 1. FC Heidenheim.
Relegation
Jeweils 4 Punkte erzielten Union Berlin (statt 5) und die SV Elversberg (statt 3).
Abstieg
Schlusslicht ist der FC Schalke 04 mit 3 Punkten.
Die DFL-Linzenzordnung
Die DFL hat in ihren Lizenzierungskriterien zum Thema Finanzen leider keine dieser KPIs veranktert. Würde man die oben angesprochenen Werte für die KPIs:
Anlagendeckungsgrad (> 60 Prozent)
Eigenkapitalquote (> 20 Prozent)
Personalaufwandsquote (< 70 Prozent)
Verschuldungsgrad (< 200 Prozent)
als Linzenkriterien einführen, wäre es ein großer Schritt in Richtung Financial Fairplay, wenn gleichzeitig die jährliche Alimentierung bei Bayer 04 Leverkusen, dem VfL Wolfsburg und RB Leipzig beendet werden würde – so wie es auch das Bundeskartellamt in Bezug auf die 50+1-Regel fordert. Auch Dietmar Hopp müsste seine Zuschüsse zur TSG stoppen.
Welcher Verein erfüllt wieviele Kritieren
Die folgenden Vereine würden alle vier Kriterien erfüllen:
SC Freiburg
TSG Hoffenheim
FC Bayern München
1. FSV Mainz 05
Drei von vier Kriterien würde erfüllen:
FC Augsburg
Borussia Dortmund
Zwei von vier Kriterien würden erfüllen:
Bayer Leverkusen
1. FC Köln
Hamburger SV
SC Paderborn
Eins von vier Kriterien würden erfüllen:
VfL Wolfsburg
Borussia Mönchengladbach
VfB Stuttgart
Eintracht Frankfurt
Werder Bremen
Union Berlin
FC St. Pauli
1. FC Heidenheim
Union Berlin
SV Elversberg
FC Schalke 04
Diese Aufteilung der Liga zeigt ein relativ objektives Bild der finanziellen Situation aller Clubs der ersten Liga.
Alle Kriterien erfüllen nur noch vier Clubs. Letztes Jahr waren es noch sechs, vorletztes Jahr acht Clubs. Letztes Jahr haben Borussia Dortmund (jetzt 3) und Bayer Leverkusen (jetzt 2) ebenfalls noch alle Kriterien erfüllt.
Letztes Jahr hat Werder Bremen noch drei Kritierien erfüllt (jetzt 1).
Der VfL Wolfsburg, der VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt erfüllen jetzt ein statt zwei Kriterien.
Financial Fairplay?
Financial Fairplay ist weiterhin ein Fremdwort in der Bundesliga. Es gibt Vereine, die können das Geld zum Fenster rausschmeißen und das wird einfach durch Dritte ausgeglichen. Andere Vereine haben diese Möglichkeit nicht. Damit wird die Spaltung der Liga weiter verschärft und ein Wettbewerb kann so kaum noch stattfinden. Corona wirkte als Brandbeschleuniger, wenn man bedenkt, dass das Bundeskartellamt auf eine Einhaltung von 50 plus 1 drängt. Die Sonderstellung von Bayer Leverkusen, RB Leipzig und vom VfL Wolfsburg ist weiterhin kritisch zu betrachten.
Insgesamt haben viele Clubs viel zu viel Fremdkapital in der Bilanz stehen. Damit hallt die Pandemie in der Bundesliga immer noch nach. Gleichzeitig lassen immer mehr Clubs Investoren zu (VfB Stuttgart, Werder Bremen). Ob das Geld der Investoren langfristig verbrannt wird, zeigen die nächsten Jahre. Beim VfB sieht es derzeit gut aus, bei Werder weniger gut. Union Berlin, der FC St. Pauli und Eintracht Frankfurt gehen bei der Suche nach Kapital behutsam vor und binden die lokale Anhänger*innenschaft mit ein.
Es gibt weiterhin Clubs, die können sehr gut mit ihrem Geld umgehen – auch ohne Investor (der SC Freiburg). Und es gibt Clubs, die wirtschaften seriös (1. FSV Mainz 05, FC Bayern München) oder immer seriöser (Borussia Dortmund, FC Augsburg) bzw. gesunden langsam aber sicher (1. FC Köln, Hamburger SV). Der Rest wurschtelt so vor sich hin und benötigt die immensen TV-Gelder, weil er mit Geld schlichtweg nicht umgehen kann.
In der Lizenzierungsordnung der DFL kann es mittlerweile Geldstrafen und ab dieser Saison Punktabzüge für negatives Eigenkapital geben. Doch diese Maßnahme greift viel zu kurz.
Es wird auch dieses Jahr spannend sein, wie die Clubs weiter wirtschaften. Antworten darauf gibt es nächstes Jahr im Sommer, wenn der Ligaverband die Bilanzen der Clubs veröffentlicht hat.
In Teil 3 der Finanzen der Bundesliga-Clubs ging es indirekt um die Frage, ob Geld Tore schießt. Aus den beiden Finanzkennzahlen Personalaufwand und Umsatz (bzw. Rohergebnis) wurde die Personalaufwandsquote gebildet. Sie ist der dritte von vier KPIs, mit dem am Ende die „Finanz-Bundesliga-Tabelle“ ermittelt wird. Im letzten Teil der Finanzen der Bundesliga-Clubs geht es um den Verschuldungsgrad.
4. Verschuldungsgrad (Fremdkapital zu Eigenkapital)
Je höher der Verschuldungsgrad ist, desto abhängiger ist das Unternehmen von externen Gläubigern und desto riskanter agiert dieses Unternehmen. Die Finanzen der Bundesliga-Clubs werden durch den Verschuldungsgrad für alle sichtbar offengelegt.
Das Fremdkapital
Bevor wir auf den Verschuldungsgrad schauen, blicken wir erstmal auf das Fremdkapital. Es bildet das Gegenteil des Eigenkapitals und bezeichnet die Verbindlichkeiten eines Unternehmens gegenüber Dritten. Das Fremdkapital wird vom Ligaverband als Finanzkennzahl publiziert.
Club
Mio. Euro
Index
Vorjahr
Mio. Euro in 2019
Index 2025 zu 2019
1.
SC Paderborn
15
205
neu
14
107
2.
1. FSV Mainz 05
31
103
2.
41
74
3.
SC Freiburg
34
92
4.
17
202
4.
1. FC Heidenheim
43
99
5.
31
138
5.
SV Elversberg
47
124
neu
neu
neu
6.
FC Augsburg
54
76
9.
53
103
7.
FC St. Pauli
63
103
6.
41
152
8.
1. FC Köln
63
95
7.
48
130
9.
Werder Bremen
79
99
10.
52
152
10.
Hamburger SV
86
76
11.
126
68
11.
TSG Hoffenheim
87
127
8.
44
198
12.
Union Berlin
126
93
12.
45
279
13.
Borussia Mönchengladbach
132
92
13.
123
107
14.
FC Schalke 04*
183
90
neu
224
82
15.
VfL Wolfsburg
216
99
17.
221
98
16.
Eintracht Frankfurt
265
137
15.
122
217
17.
VfB Stuttgart
271
125
16.
51
527
18.
Borussia Dortmund
289
110
19.
117
247
19.
FC Bayern München
370
80
20.
167
221
20.
Bayer 04 Leverkusen
432
267
14.
96
448
21.
RB Leipzig
498
101
19.
145
343
* Beim FC Schalke 04 ist das Eigenkapital negativ, daher ist die Angabe des Fremdkapitals hier nicht aussagekräftig. Fremdkapital-Tabelle Geschäftsjahr 2024 – Quelle DFL
Die Rechnungsabgrenzungsposten
Wie letztes Jahr habe ich die passiven Rechnungsabgrenzungsposten dem Fremdkapital hinzugerechnet, da dieser Posten immer größer wird und buchhalterisch auch dem Fremdkapital zugerechnet werden sollte.
Die Entwicklung des Fremdkapitals
Während es 2024 nur 2 und 2023 7 Clubs hinbekamen ihr Fremdkapital zu senken, gelang es diesmal 11 Clubs. Allerdings sollte man den FC Schalke 04 hier rausrechnen, da der Verein negatives Eigenkapital aufweist und damit überschuldet ist. Folglich ist beim FC Schalke 04 alles fremdfinanziert.
Um jeweils 24 Prozent konnten der Hamburger SV und der FC Augsburg ihr Fremdkapital senken: Der HSV nutzte seine Überschüsse, um langfristige Stadion-Kredite vorzeitig abzulösen und vertraglich maximale Tilgungsoptionen bei ausstehenden Inhaberschuldverschreibungen (Anleihen) voll auszuschöpfen. Auch der FC Augsburg nutzte seine finanziellen Möglichkeiten, um das Stadion vollständig abzubezahlen.
Um 20 Prozent ging es beim FC Bayern München zurück. Bankkredite gibt es beim FC Bayern praktisch keine. Das Fremdkapital der Bayern besteht fast ausschließlich aus operativen, kurzfristigen Verbindlichkeiten (z. B. noch nicht ausgezahlte Gehälter, Steuern oder Verbindlichkeiten aus dem Transfergeschäft).
Borussia Mönchengladbach und der SC Freiburg konnten es je um 8 Prozent senken. Um 7 Prozent ging es bei Union Berlin zurück. Der 1. FC Köln schaffte eine Senkung um 5 Prozent. Um immerhin 1 Prozent ging es beim 1. FC Heidenheim, bei Werder Bremen und beim VfL Wolfsburg zurück.
Leicht gestiegen ist es bei RB Leipzig (1 Prozent), dem 1. FSV Mainz 05 und dem FC St. Pauli (je 3 Prozent) und Borussia Dortmund (10 Prozent).
Massiv gestiegen ist es bei der SV Elversberg (24 Prozent). Das liegt hauptsächlich am Stadionausbau und weiterer Auflagen der damaligen DFL, in die Infrastruktur zu investieren (auch ein neues Trainingszentrum in St. Ingbert wurde gebaut).
Auch beim VfB Stuttgart ging es mit dem Fremdkapital massiv nach oben (25 Prozent). Gründe sind gestiegene Personalkosten und Erfolgsprämien, die als Rückstellungen für das Folgejahr bilanziert werden. Es kam auch zu einer Explosion der Beraterhonorare von 19 auf 32 Millionen Euro, die kurzfristig finanziert werden mussten. Passive Rechnungsabgrenzungsposten (Einnahmen für die laufende Saison – da der VfB zum Jahresende bilanziert) sind ebenfalls entstanden.
Die 27 Prozent Steigerung des Fremdkapitals der TSG Hoffenheim lassen sich Personal- und Managementumbauten (Abfindungen, die kurzfristig finanziert werden mussten) sowie die Umstrukturierung von Gesellschafterhilfen erklären. Kurz gesagt, das Geld von Dietmar Hopp musste erstmal von Fremd- zu Eigenkapital umgemünzt werden.
Um 37 Prozent ging das Fremdkapital bei Eintracht Frankfurt nach oben. Hauptgründe sind die Investitionen in den Kader, die kurzfristig finanziert werden mussten, da eigene Transfereinnahmen zeitversetzt in die Bilanz flossen.
Obwohl beim SC Paderborn das Fremdkapital um 107 Prozent gestiegen ist, liegen dem keine klassischen Bankkredite zugrunde. Vielmehr wurden Rückstellungen für Prämien und Boni aufgrund des sportlichen Erfolgs gebildet. Wachstumseffekt (Sponsoren, Dauerkarten) sind monetär bereits im Geschäftsjahr 2024/2025 berücksichtig, sind aber für die neue Saison gedacht. Daher wurden passive Rechnungsabgrenzungsposten gebildet.
Durch den sportlichen Erfolg (Double und darauf resultierende Boni) ist das Fremdkapital bei Bayer 04 Leverkusen zum Bilanzstichtag 30. Juni 2025 im Vergleich zu 2024 um 167 Prozent gestiegen.
Wenn man das Fremdkapital der Clubs von 2019 (dem letzten Jahr vor der Pandemie) und von 2025 vergleicht, sieht man, dass es nur vier Clubs gibt, die ihr Fremdkapital in diesem Zeitraum senken konnten: Hamburger SV (-32 Prozent), 1. FSV Mainz 05 (-26 Prozent), FC Schalke (-18 Prozent – wobei die Überschuldung bleibt) und der VfL Wolfsburg (-2 Prozent).
Extrem gestiegen ist es beim VfB Stuttgart (über 400 Prozent), bei Bayer 04 Leverkusen (348 Prozent), RB Leipzig (243 Prozent), Union Berlin (179 Prozent), Borussia Dortmund (147 Prozent), dem FC Bayern München (121 Prozent), Eintracht Frankfurt (117 Prozent) und dem SC Freiburg (102 Prozent).
Die Relation Fremdkapital zu Eigenkapital: der Verschuldungsgrad
Die Zahl des höchsten Fremdkapitals sagt alleine wenig aus, denn es gibt viele Gründe, warum es angestiegen ist. Die Beispiele weiter oben zeigen dies deutlich.
Daher setzt man das Fremdkapital in Relation zum Eigenkapital und erhält den Verschuldungsgrad. Häufig wird ein Richtwert empfohlen, bei dem das Verhältnis zwischen Fremdkapital und Eigenkapital höchstens 2:1 ist, was einem Verschuldungsgrad von 200% entspricht. Das heißt, dass die Verbindlichkeiten höchstens doppelt so hoch sein sollten wie das Eigenkapital. Dies wäre ein finanziell nachhaltiges Lizenzierungskriterium, was auch dem Geiste von Financial Fairplay entspricht.
Der SC Freiburg hat 2024 den niedrigsten Verschuldungsgrad aufzuweisen
Die Verschuldungsgrad-Tabelle des Geschäftsjahres 2025 als Gradmesser für die Finanzen der Bundesliga-Clubs
Club
Verschuldungs- grad
Index
Vorjahr
2019
1.
SC Freiburg
21%
85
1.
20%
2.
TSG Hoffenheim
40%
99
2.
20%
3.
FC Bayern München
63%
78
5.
34%
4.
FC Augsburg
84%
55
7.
92%
5.
Borussia Dortmund
89%
110
3.
33%
6.
1. FSV Mainz 05
89%
100
6.
84%
7.
Hamburger SV
174%
69
8.
230%
8.
1. FC Köln
214%
84
9.
125%
9.
Bayer Leverkusen
216%
167
4,
48%
10.
SC Paderborn
227%
202
neu
647%
11.
VfL Wolfburg
282%
99
10.
714%
12.
Borussia Mönchengladbach
294%
100
11.
295%
13.
VfB Stuttgart
300%
94
12.
111%
14.
RB Leipzig
364%
101
14.
115%
15.
Eintracht Frankfurt
384%
103
15.
180%
16.
Werder Bremen
532%
149
13.
495%
17.
FC St. Pauli
1137%
64
18.
294%
18.
Union Berlin
1565%
34
20.
-504%
19.
1. FC Heidenheim
2202%
113
19.
1710%
20.
SV Elversberg
3405%
n/v
neu
n/v
21.
FC Schalke 04
-185%
94
neu
-1212%
Verschuldungsgrad-Tabelle Geschäftsjahr 2025 – Quelle: Meenzer on Tour
Sechs solide finanzierte Clubs
Lediglich sechs Clubs sind solide finanziert, d.h. dass ihr Eigenkapital das Fremdkapital übersteigt (SC Freiburg, TSG Hoffenheim, FC Bayern München, FC Augsburg, Borussia Dortmund und der 1. FSV Mainz 05). Fünf Clubs waren auch in der Vorsaison solide finanziert. Der FC Augsburg ist neu hinzugekommen.
Mit dem Hamburger SV hat ein weiterer Club einen Verschuldungsgrad (VG), der in der Wirtschaft als vertretbar gilt. Vor zwei Jahren waren noch acht Clubs solide finanziert. Im Umkehrschluss heißt das, dass vierzehn Clubs einen zu hohen VG aufweisen. Bayer Leverkusen war letztes Jahr noch „solide finanziert“. Aber der Club ist ein Sonderfall. Dadurch das Eigenkapital konstant gleich bleibt, floss im aktuellen Betrachtungszeitraum der extrem hohe Jahresüberschuss von 133 Mio. Euro an den Konzern ab. Daher kann man Bayer mit den anderen Clubs diesbezüglich kaum vergleichen.
Union Berlin konnte seinen VG um zwei Drittel senken. Der Club war lange überschuldet und fuhr eine riskante Strategie. Die Strategie ging auf und nun wird der Club finanziell sehr langsam solide. Denn 1565 % VG sind immer noch extrem hoch.
Der FC Augsburg konnte seinen VG fast um die Hälfte reduzieren. Er hat jetzt einen VG der dem vor der Pandemie grob entspricht. Und damit ist er wieder im elitären Club der 6 Vereine angekommen, die mehr Eigenkapital als Fremdkapital aufweisen.
Der FC St. Pauli konnte seinen VG immerhin um ein Drittel senken. Von einem Level wie vor der Pandemie ist der Club aber noch weit entfernt.
Der Hamburger SV ist der einzige Club, der neben den sechs Clubs, deren Eigenkapital höher als das Fremdkapital ist, noch als finanziell akzeptabel angesehen werden kann. Der Club hat seinen VG ebenfalls knapp um ein Drittel reduzieren können.
Um ein Viertel konnte der FC Bayern München seinen VG senken. Damit kletterte der Verein von Platz 5 auf Platz 3 in der VG-Tabelle.
Der 1. FC Köln hat auch in diesem Betrachtungszeitraum weiterhin an seiner finanziellen Solidität gearbeitet und seinen VG um 15 Prozent senken können. 214 Prozent sind etwas zu viel und im Vergleich zur Zeit vor Corona als der Club einen VG von 125 Prozent hatte, ist das noch hoch. Wenn weiter so gut gewirtschaftet wird, könnte der Club im nächsten Betrachtungszeitraum unter die 200% VG fallen.
Der SC Freiburg hatte immer schon einen extrem niedrigen VG. Im aktuellen Betrachtungszeitraum hat er ihn nochmals um 15 Prozent senken können. Nur im Jahr 2019 war der VG mit 20 Prozent unwesentlich niedriger als 2025.
Der VfB Stuttgart konnte seinen VG um 7 Prozent senken. Durch den Investor ist der VfB dabei finanziell solide zu werden. Der VG ist allerdings immer noch fast dreimal so hoch wie vor der Pandemie.
Der FC Schalke 04 ist überschuldet. D.h. alles ist fremdfinanziert. Trotzdem geht es leicht bergauf für den Verein. Letztmalig war der Verein 2018 nicht überschuldet.
Die TSG Hoffenheim konnte ihren VG leicht um 1 Prozent senken. Die 40 Prozent VG liegen aber noch doppelt so hoch wie vor der Pandemie. Und wenn es kein Geld von Herrn Hopp geben würde, sähe es wohl nicht so rosig für die TSG aus.
Der VG des VfL Wolfsburg ist um 0,7 Prozent gesunken. Die 282 Prozent liegen deutlich unter den 714 Prozent, die der Club 2019 hatte – dem Konzern sei Dank.
Bei Borussia Mönchengladbach ist der VG um 0,4 Prozent gesunken. Der VG verharrt bei 294 Prozent, im Vergleich zu 119 Prozent vor der Pandemie.
Nahezu unverändert ist der VG beim 1. FSV Mainz 05. Die 89 Prozent sind überragend und im Vergleich zu den 84 Prozent vor der Pandemie ein gutes Ergebnis. Während der gesamten Pandemie hatte der Verein jeweils mehr Eigenkapital als Fremdkapital vorzuweisen.
Leicht nach oben ging der VG bei RB Leipzig. Der VG liegt dreimal höher als vor der Pandemie (364 Prozent zu 115 Prozent). Vor der Kapitalspritze im Geschäftsjahr 2018/19 lag der VG allerdings bei 608 Prozent. Gut möglich, dass in ein paar Jahren die nächste Kapitalspritze folgt.
Ebenfalls leicht nach oben gegangen ist der VG bei Eintracht Frankfurt. Er liegt mit 384 Prozent doppelt so hoch wie vor der Pandemie (180 Prozent). 2022 lag er allerdings auch schon mal bei 538 Prozent.
Um 10 Prozent ging der VG bei Borussia Dortmund nach oben. Damit sackte der BVB von Platz 3 auf Platz 5 ab. Allerdings ist der VG immer noch extrem gut mit 89 Prozent. Vor der Pandemie lag er allerdings bei 33 Prozent.
Um 12 Prozent stieg der VG beim 1. FC Heidenheim an. Auch vor der Pandemie war der VG 1710 Prozent hoch. Die aktuellen 2202 Prozent sind natürlich noch schlechter. Es gab aber auch schon einen VG von 5984 Prozent (2020).
Um fast 50 Prozent nach oben ging der VG von Werder Bremen, obwohl im Vorjahr erst ein Investor eingestiegen ist. Die 532 Prozent liegen höher als der Wert vor der Pandemie mit 495 Prozent. Allerdings war der Club von 2020 bis 2023 auch überschuldet.
Verdoppelt hat sich der VG beim SC Paderborn, von guten 113 Prozent auf nicht mehr ganz so gute aber nicht katastrophale 227 Prozent. Vor der Pandemie lag der Wert noch bei 647 Prozent. Daran erkennt man, wie solide in Ostwestfalen in den letzten Jahren gearbeitet wurde.
Um 267 Prozent hat sich der VG bei Bayer erhöht – weil der Jahresüberschuss an den Konzern abgedrückt werden muss. Daher ist der Wert nicht aussagekräftig.
Die SV Elversberg kommt aus der Überschuldung. Die 3405 Prozent sind allerdings extrem hoch.
Der Fall RB Leipzig in Bezug auf den Verschuldungsgrad
Während RB Leipzig 2019 durch die 100 Mio. Euro, die dem Eigenkapital aus Fuschl am See damals zugeflossen sind, den Verschuldungsgrad massiv senken konnte, trat 2020 und 2021 ein kleiner Jo-Jo-Effekt ein und der Verschuldungsgrad nahm wieder zu. Er lag 2021 bei 230 Prozent und 2022 bei 220 Prozent, 2023 bei 243 Prozent und 2024 bei 360 Prozent, so dass er mittlerweile dreimal so hoch liegt wie vor der Pandemie (115 Prozent).
Das Fremdkapital von RB Leipzig stammt im Wesentlichen direkt vom Mutterkonzern, der Red Bull GmbH aus Österreich. Ein großer Teil der Verbindlichkeiten besteht gegenüber Red Bull. RB Leipzig wirtschaftet als eigenständige GmbH, die hohe Schulden (Fremdkapital) bei Red Bull aufnimmt, um handlungsfähig zu sein. Fehlt Geld für teure Neuzugänge, springt der Konzern mit einem Kredit ein. Dadurch entstehen hohe Verbindlichkeiten in der Bilanz, die jedoch zu sehr günstigen Konditionen (oder zinsfrei) intern vergeben werden.
Resümee der vier KPIs für die Ermittlung der Finanzen der Bundesliga-Clubs
Doch was zählt schon ein „Spieltag“, sprich eine Unternehmenskennzahl. Diese würde zu kurz greifen, um tatsächlich einen Club von allen Seiten finanziell abzuchecken, ihn mit den anderen Clubs zu vergleichen und Änderungen im Vergleich zum Vorjahr aufzuzeigen. Die von mir genutzten Kennzahlen spiegeln längerfristige finanzielle Kriterien wieder. Die Abschlusstabelle „lügt“ nicht, wie wir alle wissen. Diese wird in Teil 5 folgen.
In 2019, 2020, 2022, 2023, 2024 und 2025 hat der SC Freiburg den Titel geholt. Ob dem Verein dies in der „Finanz-Bundesliga-Tabelle“ 2026 wieder gelingt?