Respekt an die 12. Mainzerin!

Als 12. Mainzerin, die entscheidend Einfluss auf das Spielgeschehen in Bremen nahm,  hat sich die Taube den Status als Mainz-05-Maskottchen redlich verdient, meint Kolumnist Christoph Kessel.

Wenn wir im Sommer auf die Bundesliga-Saison der Männer zurückblicken, werden wir uns sicher wieder an die 12. Mainzerin in Bremen erinnern. Beim Spiel im Weserstadion ging es darum, sich für den Endspurt im Abstiegskampf bei Werder in eine möglichst gute Ausgangslage zu bringen. Dabei half eine Taube auf dem Spielfeld entscheidend mit, lenkte sie doch mit ihrem Auftritt im entscheidenden Moment ihre „Gegenspieler“ ab, so dass Philipp Mwene eine Traumflanke für Paul Nebels Flugkopfballtor schlagen konnte.

Auch nach dem Tor lief die Taube weiter über den Platz. Dabei bestand permanent die Gefahr, dass sie durch einen Ball getroffen werden würde. Nach einem beherzten Marsch in Richtung Mittelkreis flog sie irgendwann über das Dach aus dem Stadion raus. Glücklicherweise begegneten alle Spieler der Taube mit Respekt. Keiner versuchte, sie mit dem Ball abzuschießen oder sie in die Enge zu treiben.

Mit diesem Respekt Tauben gegenüber schließt sich für Mainz 05 ein Kreis. Denn schon 2019 setzte sich der damalige 05-Kapitän Danny Latza für Tauben ein. Zusammen mit Mainz 05 und vielen Spielern des Profi-Kaders hatte der Tierschutzverein Mainz und Umgebung e.V. damals einen Kalender aufgelegt, in dem die 05er mit Tieren abgelichtet wurden. Auf einem Kalenderblatt hält Danny Latza eine verletzte Taube in den Händen. An seinem Arm hängt das Armband „Taubenfreund“. Dies ist eine Initiative des Tierschutzbunds, der mit der Aktion #RespektTaube in uns mehr Verständnis für diese Tiere ohne Lobby wecken möchte.

Es wäre eine schöne Möglichkeit für Mainz 05, die Taube in den Stand eines Maskottchens zu heben. Anders als bei Steinadler Attila in Frankfurt oder Ziege Hennes IX. in Köln muss dafür auch kein unnötiges Tierleid produziert werden, indem Tiere ins Stadion gekarrt werden. Vielmehr wäre jetzt die passende Gelegenheit, das Leben der Tauben, die zum Mainzer Stadtbild dazugehören, über die Stadttaubenhilfe Mainz e.V. nachhaltig zu verbessern. Zum Beispiel könnte die Errichtung betreuter Taubenschläge, gerne auch in rot-weiß-gold, finanziert werden. So würde die 12. Mainzerin und ihr „Team Taube“ unseren Verein dauerhaft in der Stadt genauso präsentieren, wie andere 05er*innen beim Marktfrühstück oder Glühweinausschank auf dem Weihnachtsmarkt.

Spätlese Bremen 2025/2026

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

Pure Freude im Auswärtsblock nach dem Spiel im Weserstadion

01 Hin und weg:

Zurück im Ligaalltag musste ich mich wieder an die Deutsche Bahn gewöhnen. Schließlich fahren in Österreich und Tschechien die Züge eigentlich alle mehr oder weniger pünktlich durch die Gegend. Aber es sind ja schließlich die kleinen Freuden im Leben, die so wichtig sind. Daher war ich positiv überrascht, dass die S8 am Sonntagmorgen zur Abwechslung mal wieder zwischen Mainz und Frankfurt verkehrte (am Sonntagabend natürlich nicht). Um nach Bremen zu gelangen, gibt es grob gesagt zwei Möglichkeiten. Einmal über Hannover, einmal über das Ruhrgebiet. Bei der Fahrt über Hannover muss man in der Regel umsteigen. Über das Ruhrgebiet gibt es mittlerweile eine direkte Verbindung.

Game Changer: Aufhebung der Zugbindung

Ich wählte für die Hinfahrt die Variante über Hannover, da sie teilweise mit dem neuen Schweizer ECE durchgeführt werden sollte – und sogar noch ein wenig günstiger war. Allerdings sollte man bei der Bahn immer zweigleisig fahren. Um kurz vor 9 bekam ich kurz vor dem Flughafen die Push-Mitteilung, dass jener ECE 15 Minuten Verspätung hatte und ich somit meinen Anschluss in Hannover verpassen würde. Somit war die Zugbindung aufgehoben. Ein kurzer Blick in die DB App, die mir anzeigte, dass der ICE der übers Ruhrgebiet fuhr, pünktlich war. So stieg ich kurzerhand am Regionalbahnhof aus und lief schnellen Schrittes zum Fernbahnhof. Das Gute am Aufheben der Zugbindung ist, dass die Tickets komplett flexibel werden, was die Route angeht. Somit konnte ich den ICE übers Ruhrgebiet nehmen.

Wäre er bis Bremen pünktlich gewesen, wäre ich sogar 30 Minuten früher dort gewesen. Leider gab es im Ruhrgebiet den fast schon obligatorischen Stau, so dass der ICE 1 Stunde Verspätung hatte, ich aber „nur“ zirka 30 Minuten im Vergleich zu meiner ursprünglichen Verbindung. Lustiger Nebeneffekt – der angeblich verspätete ECE war am Ende doch wieder pünktlich und ich hätte auch den Anschluss in Hannover bekommen…

Traumhafte Trennung des öffentlichen Raums in Wege für Fußgänger*innen, Radfahrende und Autos

02 (N)immer nuff:

Während ich mittwochs in Wien, am donnerstags in Olmütz und freitags in Prag mehr oder weniger nur zum Spaß die Mieträder über die Nextbike-App in Anspruch nahm, war das Mieten des Rads am Bremer Hauptbahnhof ein wirklicher Anti-Stress-Faktor. In elf Minuten schaffte ich es mit dem Rad zum Weserstadion, so dass ich ein wenig Zeit aufholen konnte.  

Traumradtour vom Hauptbahnhof zum Weserstadion

03 Kon-Trolle

Eigentlich wollte ich meinen Rucksack am Hauptbahnhof in ein Schießfach stellen. Doch leider waren die über 200 Fächer alle belegt. Ohne die Verspätung wäre es mir vielleicht noch möglich gewesen, ein Schließfach zu ergattern. Gut, dass der Verein mittlerweile Fan-Infos zum Auswärtsspiel bekannt gibt. Dort wurde auch auf eine Abgabestelle am Stadion hingewiesen, die allerdings angeblich nur begrenzte Kapazitäten hatte. Natürlich sind solche Kapazitäten endlich, aber in Bremen gibt es dafür ein riesiges Turnzimmer kurz vor dem Eingang. Man muss an ein Fenster klopfen, um sein Gepäck abzugeben. Natürlich werden hier keine 10 000 Taschen Platz finden, aber so viel Platz für einen Abgabebereich habe ich noch nie gesehen. Mit 2 Euro ist die Abgabe sogar einen 1 Euro günstiger als das Schließfach im Hauptbahnhof.

Traum-Speisekarte im Weserstadion – gut, die Brezel wird wohl niemand kaufen 😉

04 Kampf um den Mampf

Durch die Verspätung bei der Bahn hatte ich auch keine Möglichkeit. unterwegs noch etwas zu essen. Dementsprechend war  ich sehr positiv angetan, was das Angebot an Speis und Trank anging. Die vegane Wurst war sogar 30 Cent günstiger als die Fleischvariante – sehr löblich, denn wir alle wissen, dass pflanzenbasierte Kost klimafreundlicher ist – vom vermiedenen Tierleid ganz zu schweigen. Die Pfandbecher im Auswärtsbereich wurden für die Pokal-Aktion des „Es war einmal Fanzines“ gesammelt. Wer mehr über diese Aktion erfahren möchte, klickt hier.

Becherspende zugunsten der Anschaffung eines Replikats des Pokals von 1982

05 Käfighaltung

Am Donnerstag in Olmütz überschattete die schreckliche Verletzung von Silas das Spiel. Was für eine schöne Geste von Paul und dem Team, direkt nach dem Führungstreffer, sich die #26 auf der Bank zu schnappen, vor den Auswärtsblock zu rennen und ihm das Tor zu widmen. Die direkte Interaktion mit uns Fans war im Weserstadion endlich wieder möglich. Vor dem ersten Umbau lag der Auswärtsblock etwas links vom Tor, bevor er in den Oberrang wanderte und zu einem der schlimmsten Auswärtsblöcke der Liga mutierte. Nach dem zweiten Umbau wanderte der Block wieder nach unten rechts vom Tor. Eine sehr gute Entwicklung – danke Werder!

Vor dem Führungstreffer lenkte eine Taube womöglich einen Bremer Spieler ab, weil sie störrisch auf dem Spielfeld hin und her marschierte und sich nicht fangen ließ. Ich empfand die Gesamtsituation nicht lustig, denn hätte die Taube den Ball abbekommen, wäre sie sicherlich verstorben. Glücklicherweise entschied sie sich irgendwann vom Mittelkreis übers Stadiondach wegzufliegen. Einen Tag vor dem 121. Geburtstag von Mainz 05 so ein wichtiges Spiel zu gewinnen, war natürlich der perfekte Start in die Feierlichkeiten.

Tolle Geste des Teams gegenüber des verletzten Silas

Fazit: Der Jahrgang 2025/2026 zeigt, dass es möglich ist, ein sehr fanfreundliches, nachhaltiges Stadionerlebnis Auswärtsfahrenden zu bieten – Werdergeil!

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour

Finanzielle Nachhaltigkeit Werder Bremen 2024/2025

Im Profifußball spielt Geld eine immer größere Rolle. Daher geht es in diesem Blogplost um die finanzielle Nachhaltigkeit unseres morgigen Gasts von Mainz 05, Werder Bremen.

Einleitung
Vergleich der KPIs von Werder Bremen und Mainz 05
Analyse: Finanzielle Nachhaltigkeit von Werder Bremen
Fazit: Finanzielle Nachhaltigkeit von Werder Bremen

Mainz 05-Fans im Weserstadion

Einleitung

Im Mai 2019 veröffentlichte die Deutsche Fußball Liga (DFL) erstmals die Finanzkennzahlen der Bundesliga-Vereine. Seither erstelle ich jährlich eine „Finanz-Bundesliga-Tabelle“. Mit Hilfe dieser Kennzahlen lassen sich so genannte Key Performance Indicators, kurz KPIs, ermitteln, die klar herausstellen, welche Vereine finanziell nachhaltig agieren.

Die DFL hat in ihren Lizenzierungskriterien zum Thema Finanzen leider keine dieser KPIs verankert. Würde man die KPIs:

  • Anlagendeckungsgrad (> 60 Prozent)
  • Eigenkapitalquote (> 20 Prozent)
  • Personalaufwandsquote (< 70 Prozent)
  • Verschuldungsgrad (< 200 Prozent)

als Lizenz-Kriterien einführen, wäre es ein großer Schritt in Richtung Financial Fairplay getan, wenn gleichzeitig die jährliche Alimentierung bei Bayer 04 Leverkusen und dem VfL Wolfsburg beendet werden würde – genauso wie der österreichische Brause-Support in Leipzig.i der TSG Hoffenheim, bei Bayer 04 Leverkusen und dem VfL Wolfsburg beendet werden würde – genauso wie die österreichische Brause-Alimentierung in Leipzig.

Vergleich der KPIs von Werder Bremen und Mainz 05

Anlagendeckungsgrad (Eigenkapital zu Anlagevermögen)

Je höher der Deckungsgrad, desto besser steht es um die Finanzierung des Clubs:

201820192020202120222023
Werder Bremen18%22%-32%-77%-67%-86%
Mainz 0586%79%74%88%127%121%
Entwicklung des Anlagendeckungsgrads 2018-2022

Eigenkapitalquote (Eigenkapital zu Bilanzsumme)

Je höher die Eigenkapitalquote desto mehr finanzielles Engagement bringt der eigene Club auf, sprich desto mehr finanziert sich der Verein selber und desto geringer ist die Chance, dass der Verein pleite geht.

201820192020202120222023
Werder Bremen13%14%-24%-27%-22%-31%
Mainz 0544%50%45%51%60%55%
Entwicklung der Eigenkapitalquote 2018-2022

Personalaufwandsquote (Personalaufwand/Umsatz)

Je niedriger die Personalaufwandsquote, desto besser wirtschaftet der Club.

201820192020202120222023
Werder Bremen51%47%60%60%45%50%
Mainz 0539%34%46%50%46%48%
Entwicklung der Personalaufwandsquote 2018-2022

Verschuldungsgrad (Fremdkapital zu Eigenkapital)

Je höher der Verschuldungsgrad ist, desto abhängiger ist das Unternehmen von externen Gläubigern und desto riskanter agiert dieses Unternehmen.

201820192020202120222023
Werder Bremen417%495%-484%-417%-482%-422%
Mainz 0598%84%97%64%41%77%
Entwicklung des Verschuldungsgrads 2018-2022

Weitere Finanzkennzahlen können bei der DFL eingesehen werden. Mit Hilfe dieser lassen sich Leistungskennzahlen ermitteln, die in die Finanz-Bundesliga-Tabelle 2023/2024 einfließen. Pro Leistungskennzahl ist die jeweilige Platzierung im 18er-Feld der Clubs der Saison 2023/2024 angegeben.

Analyse: Finanzielle Nachhaltigkeit von Werder Bremen

Werder Bremen würde eines von vier Kriterien erfüllen, wenn die DFL ihr Nachhaltigkeitsbekenntnis ernst nehmen würde und dieses auf die finanzielle Nachhaltigkeit anwenden würde.

Die Personalaufwandsquote von Werder liegt mit zuletzt 50 Prozent deutlich unter der geforderten maximalen Quote von 70 Prozent. Die lag im gesamten Vergleichszeitraum von 2018 bis 2023 unter diesem Wert, war aber 2020 und 2021 mit 60 Prozent relativ hoch. Werder liegt 2023 bei der Personalaufwandsquote auf Platz 11. Die niedrigste Personalaufwandsquote verzeichnet Eintracht Frankfurt mit 42 Prozent, die höchste Holstein Kiel mit 57 Prozent als Aufsteiger bzw. Darmstadt 98 mit ebenfalls 57 Prozent als Absteiger.

Bei den drei anderen Kriterien verfehlt Werder die Nachhaltigkeitsziele deutlich. Und da wären wir schon beim größten Problem von Werder: denn der Club war zum Stichtag 30. Juni 2023 bilanziell überschuldet, da sämtliche Werte des Vereins fremdfinanziert waren. Kein anderer Club der Liga befindet sich in einer solch prekären Situation. Selbst Union Berlin hat den Turnaround geschafft und wies zum Sommer 2023 positives Eigenkapital wenn auch auf sehr niedrigem Niveau auf.

Wenn das Eigenkapital negativ ist, sind auch die verschiedenen KPIs, wie bspw. der Anlagendeckungsgrad negativ.

Der Anlagendeckungsgrad in Höhe von -86 Prozent ist schlimm, und im Vergleich zum Vorjahr (-67 Prozent), in dem man aufstieg, nochmal verschlimmert. Damit liegt Werder auf dem letzten Platz. Den vorletzten Platz nimmt Union mit 3 Prozent ein. Platz 1 geht an den SC Freiburg mit 177 Prozent.

Die Eigenkapitalquote ist mit -31 Prozent natürlich auch alles andere als finanziell nachhaltig. Im Vergleich zum Vorjahr (-22 Prozent) hat sie sich nochmal verschlechtert. Sie ist die schlechteste der Liga. Auf dem vorletzten Platz liegt Union Berlin mit 2 Prozent. Auf dem ersten Platz liegt die TSG Hoffenheim mit 87 Prozent.

Der Verschuldungsgrad in Höhe von -422 Prozent ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Trotzdem ist Werder letzter hinter Union (5289 Prozent). Auf Platz 1 liegt die TSG Hoffenheim mit 15 Prozent.

Fazit: Finanzielle Nachhaltigkeit von Werder Bremen

Werder wurschtelt sich weiterhin so durch. Waren Union und Schalke lange Jahre Wegebegleiter beim negativen Eigenkapitel, befindet sich Werder jetzt alleine in dieser Paria-Position, weil Union das Ruder herumgerissen hat und Schalke abgestiegen ist. Das Eigenkapital betrug 2023 -17 Mio. Euro nach -14 Mio. (2022), – 20 Mio. (2021) und -13 Mio. Euro (2020). Dass mit diesen Zahlen der Wiederaufstieg gelang, ist das Wunder der Weser. Und dass der Verein 38 Mio. Euro des Investors bitter nötig hatte, um überhaupt wieder auf die Füße zu kommen, ist mehr als logisch.

Es bleibt spannend zu sehen, wie sich die 38 Mio. Euro des Investors auf das Eigenkapital auswirken. Laut Zwischenkonzernabschluss zum 31. Dezember 2023 hat sich das negative Eigenkapitel auf 6,9 Mio. Euro reduziert. Schade, dass Werder so früh in der Saison in Mainz zu Gast ist, denn es wäre schon spannend zu sehen, ob der Verein es im Geschäftsjahr 2023/2024 tatsächlich geschafft hat, die Überschuldung hinter sich zu lassen. Diese Zahlen werden allerdings in der Regel erst im November 2024 publiziert.

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour