Umzug am Bruchweg in M-Steh!

Die aktive Fanszene der Mainz-05-Frauen zieht zum Start der ersten Erstliga-Bundesliga-Saison der Mainz 05-Frauen überhaupt von der Haupttribüne auf die Gegengerade um. Dort hing bisher bereits das große „Mainz 05 Frauen“-Banner. Durch den Umzug ist es Fans weiterhin möglich, bei jedem Heimspiel spontan zur aktiven Fanszene hinzuzustoßen. Schließlich gibt es im Sitzbereich auf der Haupttribüne keine freie Platzwahl mehr.

Blick von der Haupttribüne auf die Gegengerade vom 2.-Liga-Spiel der 05-Frauen gegen den VfL Bochum

Seit heute ist es allerdings auch möglich, eine Dauerkarte für die Saison 2026/2027 der Mainz 05-Frauen zu erwerben. Für den M-Stehblock kostet diese für Inhaber*innen einer Dauerkarte für die Männerbundesliga nur 39 Euro. Dieses sehr faire Angebot führt hoffentlich zu noch mehr Zuspruch bei den Heimspielen der Mainz-05-Frauen. Es gibt auch die Möglichkeit, eine Dauerkarte für die U23 der Frauen und ein Bündel für beide Teams zu erwerben.

Sowohl die Dauerkarte für die Frauen als auch für die der Männer gibt es weiterhin sowohl in digitaler als auch in physischer Form (aus Plastik). Die Dauerkarten der Frauen stellen kein Abo dar. Sie müssen jedes Jahr aktiv verlängert werden.

DFB-Diktat: Wenn ‚Soll‘ zum ‚Ist‘ wird

Zum Thema „Warum steigt die Repression?“ lud die USM im Rahmen ihres Soli-Cups 2026 zu einer hochkarätig besetzten Runde an Diskutant:innen ein: Politikwissenschaftlerin Lara Schauland, Fananwalt René Lau, USM-Mitglied Kevin und Journalist Felix Tamsut stellten sich den Fragen der Wortpiratin.

Das Stadion am Europakreisel in der Sommerpause

Da zu erwarten war, dass es wenig Konflikte zwischen den Diskutant:innen geben würde, konnte sehr tief in die Thematik eingestiegen werden. Auf die Eingangsfrage, wem diese Steigerung der Repression nützt, obwohl laut ZIS-Jahresbericht eigentlich rückläufige Verletzten- und Gewaltzahlen im deutschen Profifußball zu verzeichnen sind, wurde auf unter anderem auf die Innenminster:innen verwiesen, die unter dem Druck, Wahlkämpfe zu bestreiten, Handlungsfähigkeit und „Law and Order“ zu demonstrieren, populistische, medienwirksame Forderungen nach härteren Strafen politisch oft attraktiver finden als das Verweisen auf sinkende Zahlen.

Journalist Tamsut ließ wenig gutes Haar an seiner Zunft. Es gäbe eine Spezialisierung der Sportjournalist:innen – allerdings nur im Bereich spieltaktischer Maßnahmen – für Fans, Fanszenen, Fankultur, Fanvereinigungen und Fanprojekte fehlt diese Spezialisierung fast flächendeckend. Obwohl die Polizei oft mitten im Geschehen ist, werden seitens der Presse viel zu oft Pressemitteilungen der Polizei eins zu eins übernommen. Das widerspricht jeglichem journalistischen Grundsatz, der eigentlich vorsieht, auch eben jene Fanvereinigungen zu Wort kommen zu lassen, bevor ein Artikel publiziert wird.

Oftmals wird von Presse und Politik bemerkt, dass Stadien keine rechtsfreien Räume sind. Anwalt René Lau drehte den Spieß um, und bemerkte, dass auch vor den Stadiontoren Freiheitsrechte für Fans gelten sollten, etwa bei der Anreise. Diese Rechte werden oft unterbunden, wenn Fans das Recht auf freie Bewegung durch vorgeschriebene Anreisewege versagt wird.

Lau zeigte auch die Konsequenzen auf, die die Konkretisierung der DFB-Stadionverbotsrichtlinie mit sich führt. Es kommt zu einer Entmachtung der Stadionverbotskommissionen vor Ort. Fanprojekte, die hervorragende Präventionsarbeit machen, verlieren an Einfluss. Wiedersetzen sich Vereine den DFB-Vorgaben drohen empfindliche Strafen bis zum Punktabzug.

Während einige Clubs sich mit den Fans solidarisierten, von Verlust von Vertrauen und Prävention sowie von Einmischung von oben sprechen und besonders die Maxime von „soll“ zu „ist“ in Bezug auf Stadionverbote anprangern, kritisiert der Q-Block insgesamt das Wegducken von Mainz 05.

Zum Ende der Diskussion blickte Lara Schauland jedoch positiv nach vorne. Trotz ihrer Marginalisierung haben Fußballfans einige Stärken. Sie halten zum Beispiel clubübergreifend zusammen, was viele erfolgreiche Proteste gezeigt haben. Der Ausspruch „Getrennt in den Farben, vereint in der Sache“ ist keine hohle Phrase und sollte Fans auch in Zukunft animieren, gemeinsam für ihre Rechte einzustehen.  

Mainz 05-Markenbildung

Diese Woche gab Mainz 05-Vorstand Jochen Röttgermann ein aufschlussreiches Interview zu vielen Themen rund um Mainz 05 in der Allgemeinen Zeitung Mainz. Als Marketing- und Vertriebsspezialist sieht er naturgemäß die Dinge etwas anders als wir Fußballfans. Allerdings darf man nicht vergessen, dass es sich bei Mainz 05 immer noch um einen eingetragenen Verein mit Mitgliedern handelt und nicht um ein Wirtschaftsunternehmen.

Mainz 05-Trikotfahrt am letzten Spieltag der Saison 2016/2017 nach Köln

Die meiner Meinung nach wichtigsten Aspekte des Interviews:

Röttgermann über Trikots

Sie dienen der Mainz 05-Markenbildung. Mit ihrem Verkauf ließ sich bisher bei Mainz 05 kein Gewinn machen.

Röttgermann über Erlöse aus dem Trikotverkauf

Sie deckten bisher bei Mainz 05 die Kosten nicht. Er räumt mit dem Gerücht auf, dass Spielertransfers durch Trikotverkäufe realisierbar wären.

Röttgermann über verkaufte Trikots

Erstmals werden in dieser Saison 25 000 Trikots verkauft werden, im Vergleich zu etwa 8 000 Trikots in der Saison 2022/2023. Dieses Jahr werden erstmals schwarze Zahlen bei Trikotverkäufen geschrieben.

Röttgermann über die Dauerkarte aus Plastik

Sie wird weiterhin ohne Zuschlag ausgegeben. Er war über den Sturm der Entrüstung überrascht, als der Verein dafür 10 Euro Aufpreis zu Beginn der aktuellen Saison verlangen wollte.

Röttgermann über den ehemaligen chinesischen Wettanbieter als Ärmelsponsor

Das würde der Verein so heute nicht mehr machen.

Fazit: Das Wort Nachhaltigkeit fiel in dem Interview lediglich bei der Dauerkarte aus Plastik. Dass die Steigerung des Trikotverkaufs unterm Strich nur dazu führt, dass dreimal so viele Ressourcen wie 2022/2023 verschwendet werden, wird nicht erwähnt. Die Trikot-Herstellung ist extrem energieintensiv. Jedes Trikot ist am Ende seines Lebenszyklus ein Stück Sondermüll. Wer ein Trikot kauft, füllt damit nicht die Kassen beim Verein, sondern bei anderen Unternehmen in der Lieferkette. Sicherlich nicht bei denjenigen, die den Kram herstellen müssen, sondern hauptsächlich beim Ausrüster, beim Hersteller in Südasien, beim Logistiker. Sprich der ganze Trikot-Hype, der in der Sommerpause, an Fastnacht und zum Vereinsjubiläum angefacht wurde, ist ökonomisch ein Nullsummenspiel, ökologisch eine Katastrophe und nur eine Marketing-Aktion. Die begrenzte Verfügbarkeit von Aufmerksamkeit in der Social Media-Welt wird bei Mainz 05 für Marketing genutzt. Leidtragende sind die anderen Abteilungen des Vereins, die auf X, Threads, BlueSky während der Trikot-Vermarktung gar nicht zum Zuge kommen – aber auch bei Instagram und Facebook fast nicht mehr präsent sind. Aber auch die Mitglieder-Aktionen erhalten kaum mehr Sichtbarkeit. Sprich Markenbildung ist Mainz 05 wichtiger als Vereinsidentität.

Und damit wären wir bei den anderen beiden Punkten. Der Verein muss gemäß DFL-Statuten einen Club-Fan-Dialog führen. Würde dieser bei Mainz 05 mit entsprechender Ernsthaftigkeit durchgezogen, wäre die Überraschung bei dem geplanten Dauerkarten-Aufschlag für die haptische Version ausgeblieben. Wir haben Fans, die sehr wohl wissen, wie die Menschen ticken, die alles für den FSV geben, den Verein auch unterstützen, wenn es mal nicht so gut läuft und am Ende auch die eindrucksvollen Choreos vorbereiten, mit dem sich der Verein so gerne schmückt.

Auch beim Sponsoring, Stichwort chinesischer Wettanbieter, hätte man sich viel Unruhe ersparen können, wenn man die entsprechenden Fan-Vertreter*innen ernst genommen hätte  – vom DFL-Investoren-Deal mal ganz zu schweigen.

Der Verein sollte endlich den Club-Fan-Dialog dazu nutzen, gemeinsam Mainz 05 nach vorne zu bringen. Und wir sollten uns vielleicht mal überlegen, wem wir nutzen, wenn wir unser Geld in das xte Trikot investieren. Umwelt, Verein und Näher*innen sind es jedenfalls nicht.