Die Finanzen der Männer-Bundesliga-Clubs 2026 Teil 4

In Teil 3 der Finanzen der Bundesliga-Clubs ging es indirekt um die Frage, ob Geld Tore schießt. Aus den beiden Finanzkennzahlen Personalaufwand und Umsatz (bzw. Rohergebnis) wurde die Personalaufwandsquote gebildet. Sie ist der dritte von vier KPIs, mit dem am Ende die „Finanz-Bundesliga-Tabelle“ ermittelt wird. Im letzten Teil der Finanzen der Bundesliga-Clubs geht es um den Verschuldungsgrad.

Hier geht es zu:

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 5

4. Verschuldungsgrad (Fremdkapital zu Eigenkapital)

Je höher der Verschuldungsgrad ist, desto abhängiger ist das Unternehmen von externen Gläubigern und desto riskanter agiert dieses Unternehmen. Die Finanzen der Bundesliga-Clubs werden durch den Verschuldungsgrad für alle sichtbar offengelegt.

Das Fremdkapital

Bevor wir auf den Verschuldungsgrad schauen, blicken wir erstmal auf das Fremdkapital. Es bildet das Gegenteil des Eigenkapitals und bezeichnet die Verbindlichkeiten eines Unternehmens gegenüber Dritten. Das Fremdkapital wird vom Ligaverband als Finanzkennzahl publiziert.

ClubMio. EuroIndexVorjahrMio. Euro in 2019Index 2025 zu 2019
1.SC Paderborn15205neu14107
2.1. FSV Mainz 05311032.4174
3.SC Freiburg34924.17202
4.1. FC Heidenheim43995.31138
5.SV Elversberg47124neuneuneu
6.FC Augsburg54769.53103
7.FC St. Pauli631036.41152
8.1. FC Köln63957.48130
9.Werder Bremen799910.52152
10.Hamburger SV867611.12668
11.TSG Hoffenheim871278.44198
12.Union Berlin1269312.45279
13.Borussia Mönchengladbach1329213.123107
14.FC Schalke 04*18390neu22482
15.VfL Wolfsburg2169917.22198
16.Eintracht Frankfurt26513715.122217
17.VfB Stuttgart27112516.51527
18.Borussia Dortmund28911019.117247
19.FC Bayern München3708020.167221
20.Bayer 04 Leverkusen43226714.96448
21.RB Leipzig49810119.145343
* Beim FC Schalke 04 ist das Eigenkapital negativ, daher ist die Angabe des Fremdkapitals hier nicht aussagekräftig.
Fremdkapital-Tabelle Geschäftsjahr 2024 – Quelle DFL

Die Rechnungsabgrenzungsposten

Wie letztes Jahr habe ich die passiven Rechnungsabgrenzungsposten dem Fremdkapital hinzugerechnet, da dieser Posten immer größer wird und buchhalterisch auch dem Fremdkapital zugerechnet werden sollte.

Die Entwicklung des Fremdkapitals

Während es 2024 nur 2 und 2023 7 Clubs hinbekamen ihr Fremdkapital zu senken, gelang es diesmal 11 Clubs. Allerdings sollte man den FC Schalke 04 hier rausrechnen, da der Verein negatives Eigenkapital aufweist und damit überschuldet ist. Folglich ist beim FC Schalke 04 alles fremdfinanziert.

Um jeweils 24 Prozent konnten der Hamburger SV und der FC Augsburg ihr Fremdkapital senken: Der HSV nutzte seine Überschüsse, um langfristige Stadion-Kredite vorzeitig abzulösen und vertraglich maximale Tilgungsoptionen bei ausstehenden Inhaberschuldverschreibungen (Anleihen) voll auszuschöpfen. Auch der FC Augsburg nutzte seine finanziellen Möglichkeiten, um das Stadion vollständig abzubezahlen.

Um 20 Prozent ging es beim FC Bayern München zurück. Bankkredite gibt es beim FC Bayern praktisch keine. Das Fremdkapital der Bayern besteht fast ausschließlich aus operativen, kurzfristigen Verbindlichkeiten (z. B. noch nicht ausgezahlte Gehälter, Steuern oder Verbindlichkeiten aus dem Transfergeschäft).

Borussia Mönchengladbach und der SC Freiburg konnten es je um 8 Prozent senken. Um 7 Prozent ging es bei Union Berlin zurück. Der 1. FC Köln schaffte eine Senkung um 5 Prozent. Um immerhin 1 Prozent ging es beim 1. FC Heidenheim, bei Werder Bremen und beim VfL Wolfsburg zurück.

Leicht gestiegen ist es bei RB Leipzig (1 Prozent), dem 1. FSV Mainz 05 und dem FC St. Pauli (je 3 Prozent) und Borussia Dortmund (10 Prozent).

Massiv gestiegen ist es bei der SV Elversberg (24 Prozent). Das liegt hauptsächlich am Stadionausbau und weiterer Auflagen der damaligen DFL, in die Infrastruktur zu investieren (auch ein neues Trainingszentrum in St. Ingbert wurde gebaut).

Auch beim VfB Stuttgart ging es mit dem Fremdkapital massiv nach oben (25 Prozent). Gründe sind gestiegene Personalkosten und Erfolgsprämien, die als Rückstellungen für das Folgejahr bilanziert werden. Es kam auch zu einer Explosion der Beraterhonorare von 19 auf 32 Millionen Euro, die kurzfristig finanziert werden mussten. Passive Rechnungsabgrenzungsposten (Einnahmen für die laufende Saison – da der VfB zum Jahresende bilanziert) sind ebenfalls entstanden.

Die 27 Prozent Steigerung des Fremdkapitals der TSG Hoffenheim lassen sich Personal- und Managementumbauten (Abfindungen, die kurzfristig finanziert werden mussten) sowie die Umstrukturierung von Gesellschafterhilfen erklären. Kurz gesagt, das Geld von Dietmar Hopp musste erstmal von Fremd- zu Eigenkapital umgemünzt werden.

Um 37 Prozent ging das Fremdkapital bei Eintracht Frankfurt nach oben. Hauptgründe sind die Investitionen in den Kader, die kurzfristig finanziert werden mussten, da eigene Transfereinnahmen zeitversetzt in die Bilanz flossen.

Obwohl beim SC Paderborn das Fremdkapital um 107 Prozent gestiegen ist, liegen dem keine klassischen Bankkredite zugrunde. Vielmehr wurden Rückstellungen für Prämien und Boni aufgrund des sportlichen Erfolgs gebildet. Wachstumseffekt (Sponsoren, Dauerkarten) sind monetär bereits im Geschäftsjahr 2024/2025 berücksichtig, sind aber für die neue Saison gedacht. Daher wurden passive Rechnungsabgrenzungsposten gebildet.

Durch den sportlichen Erfolg (Double und darauf resultierende Boni) ist das Fremdkapital bei Bayer 04 Leverkusen zum Bilanzstichtag 30. Juni 2025 im Vergleich zu 2024 um 167 Prozent gestiegen.

Wenn man das Fremdkapital der Clubs von 2019 (dem letzten Jahr vor der Pandemie) und von 2025 vergleicht, sieht man, dass es nur vier Clubs gibt, die ihr Fremdkapital in diesem Zeitraum senken konnten: Hamburger SV (-32 Prozent), 1. FSV Mainz 05 (-26 Prozent), FC Schalke (-18 Prozent – wobei die Überschuldung bleibt) und der VfL Wolfsburg (-2 Prozent).

Extrem gestiegen ist es beim VfB Stuttgart (über 400 Prozent), bei Bayer 04 Leverkusen (348 Prozent), RB Leipzig (243 Prozent), Union Berlin (179 Prozent), Borussia Dortmund (147 Prozent), dem FC Bayern München (121 Prozent), Eintracht Frankfurt (117 Prozent) und dem SC Freiburg (102 Prozent).

Die Relation Fremdkapital zu Eigenkapital: der Verschuldungsgrad

Die Zahl des höchsten Fremdkapitals sagt alleine wenig aus, denn es gibt viele Gründe, warum es angestiegen ist. Die Beispiele weiter oben zeigen dies deutlich.

Daher setzt man das Fremdkapital in Relation zum Eigenkapital und erhält den Verschuldungsgrad. Häufig wird ein Richtwert empfohlen, bei dem das Verhältnis zwischen Fremdkapital und Eigenkapital höchstens 2:1 ist, was einem Verschuldungsgrad von 200% entspricht. Das heißt, dass die Verbindlichkeiten höchstens doppelt so hoch sein sollten wie das Eigenkapital. Dies wäre ein finanziell nachhaltiges Lizenzierungskriterium, was auch dem Geiste von Financial Fairplay entspricht.

Der SC Freiburg hat 2024 den niedrigsten Verschuldungsgrad aufzuweisen

Die Verschuldungsgrad-Tabelle des Geschäftsjahres 2025 als Gradmesser für die Finanzen der Bundesliga-Clubs

ClubVerschuldungs-
grad
IndexVorjahr2019
1.SC Freiburg21%851.20%
2.TSG Hoffenheim40%992.20%
3.FC Bayern München63%785.34%
4.FC Augsburg84%557.92%
5.Borussia Dortmund89%1103.33%
6.1. FSV Mainz 0589%1006.84%
7.Hamburger SV174%698.230%
8.1. FC Köln214%849.125%
9.Bayer Leverkusen216%1674,48%
10.SC Paderborn227%202neu647%
11.VfL Wolfburg282%9910.714%
12.Borussia Mönchengladbach294%10011.295%
13.VfB Stuttgart300%9412.111%
14.RB Leipzig364%10114.115%
15.Eintracht Frankfurt384%10315.180%
16.Werder Bremen532%14913.495%
17.FC St. Pauli1137%6418.294%
18.Union Berlin1565%3420.-504%
19.1. FC Heidenheim2202%11319.1710%
20.SV Elversberg3405%n/vneun/v
21.FC Schalke 04-185%94neu-1212%
Verschuldungsgrad-Tabelle Geschäftsjahr 2025 – Quelle: Meenzer on Tour

Sechs solide finanzierte Clubs

Lediglich sechs Clubs sind solide finanziert, d.h. dass ihr Eigenkapital das Fremdkapital übersteigt (SC Freiburg, TSG Hoffenheim, FC Bayern München, FC Augsburg, Borussia Dortmund und der 1. FSV Mainz 05). Fünf Clubs waren auch in der Vorsaison solide finanziert. Der FC Augsburg ist neu hinzugekommen.

Mit dem Hamburger SV hat ein weiterer Club einen Verschuldungsgrad (VG), der in der Wirtschaft als vertretbar gilt. Vor zwei Jahren waren noch acht Clubs solide finanziert. Im Umkehrschluss heißt das, dass vierzehn Clubs einen zu hohen VG aufweisen. Bayer Leverkusen war letztes Jahr noch „solide finanziert“. Aber der Club ist ein Sonderfall. Dadurch das Eigenkapital konstant gleich bleibt, floss im aktuellen Betrachtungszeitraum der extrem hohe Jahresüberschuss von 133 Mio. Euro an den Konzern ab. Daher kann man Bayer mit den anderen Clubs diesbezüglich kaum vergleichen.

Union Berlin konnte seinen VG um zwei Drittel senken. Der Club war lange überschuldet und fuhr eine riskante Strategie. Die Strategie ging auf und nun wird der Club finanziell sehr langsam solide. Denn 1565 % VG sind immer noch extrem hoch.

Der FC Augsburg konnte seinen VG fast um die Hälfte reduzieren. Er hat jetzt einen VG der dem vor der Pandemie grob entspricht. Und damit ist er wieder im elitären Club der 6 Vereine angekommen, die mehr Eigenkapital als Fremdkapital aufweisen.

Der FC St. Pauli konnte seinen VG immerhin um ein Drittel senken. Von einem Level wie vor der Pandemie ist der Club aber noch weit entfernt.

Der Hamburger SV ist der einzige Club, der neben den sechs Clubs, deren Eigenkapital höher als das Fremdkapital ist, noch als finanziell akzeptabel angesehen werden kann. Der Club hat seinen VG ebenfalls knapp um ein Drittel reduzieren können.

Um ein Viertel konnte der FC Bayern München seinen VG senken. Damit kletterte der Verein von Platz 5 auf Platz 3 in der VG-Tabelle.

Der 1. FC Köln hat auch in diesem Betrachtungszeitraum weiterhin an seiner finanziellen Solidität gearbeitet und seinen VG um 15 Prozent senken können. 214 Prozent sind etwas zu viel und im Vergleich zur Zeit vor Corona als der Club einen VG von 125 Prozent hatte, ist das noch hoch. Wenn weiter so gut gewirtschaftet wird, könnte der Club im nächsten Betrachtungszeitraum unter die 200% VG fallen.

Der SC Freiburg hatte immer schon einen extrem niedrigen VG. Im aktuellen Betrachtungszeitraum hat er ihn nochmals um 15 Prozent senken können. Nur im Jahr 2019 war der VG mit 20 Prozent unwesentlich niedriger als 2025.

Der VfB Stuttgart konnte seinen VG um 7 Prozent senken. Durch den Investor ist der VfB dabei finanziell solide zu werden. Der VG ist allerdings immer noch fast dreimal so hoch wie vor der Pandemie.

Der FC Schalke 04 ist überschuldet. D.h. alles ist fremdfinanziert. Trotzdem geht es leicht bergauf für den Verein. Letztmalig war der Verein 2018 nicht überschuldet.

Die TSG Hoffenheim konnte ihren VG leicht um 1 Prozent senken. Die 40 Prozent VG liegen aber noch doppelt so hoch wie vor der Pandemie. Und wenn es kein Geld von Herrn Hopp geben würde, sähe es wohl nicht so rosig für die TSG aus.

Der VG des VfL Wolfsburg ist um 0,7 Prozent gesunken. Die 282 Prozent liegen deutlich unter den 714 Prozent, die der Club 2019 hatte – dem Konzern sei Dank.

Bei Borussia Mönchengladbach ist der VG um 0,4 Prozent gesunken. Der VG verharrt bei 294 Prozent, im Vergleich zu 119 Prozent vor der Pandemie.

Nahezu unverändert ist der VG beim 1. FSV Mainz 05. Die 89 Prozent sind überragend und im Vergleich zu den 84 Prozent vor der Pandemie ein gutes Ergebnis. Während der gesamten Pandemie hatte der Verein jeweils mehr Eigenkapital als Fremdkapital vorzuweisen.

Leicht nach oben ging der VG bei RB Leipzig. Der VG liegt dreimal höher als vor der Pandemie (364 Prozent zu 115 Prozent). Vor der Kapitalspritze im Geschäftsjahr 2018/19 lag der VG allerdings bei 608 Prozent. Gut möglich, dass in ein paar Jahren die nächste Kapitalspritze folgt.

Ebenfalls leicht nach oben gegangen ist der VG bei Eintracht Frankfurt. Er liegt mit 384 Prozent doppelt so hoch wie vor der Pandemie (180 Prozent). 2022 lag er allerdings auch schon mal bei 538 Prozent.

Um 10 Prozent ging der VG bei Borussia Dortmund nach oben. Damit sackte der BVB von Platz 3 auf Platz 5 ab. Allerdings ist der VG immer noch extrem gut mit 89 Prozent. Vor der Pandemie lag er allerdings bei 33 Prozent.

Um 12 Prozent stieg der VG beim 1. FC Heidenheim an. Auch vor der Pandemie war der VG 1710 Prozent hoch. Die aktuellen 2202 Prozent sind natürlich noch schlechter. Es gab aber auch schon einen VG von 5984 Prozent (2020).

Um fast 50 Prozent nach oben ging der VG von Werder Bremen, obwohl im Vorjahr erst ein Investor eingestiegen ist. Die 532 Prozent liegen höher als der Wert vor der Pandemie mit 495 Prozent. Allerdings war der Club von 2020 bis 2023 auch überschuldet.

Verdoppelt hat sich der VG beim SC Paderborn, von guten 113 Prozent auf nicht mehr ganz so gute aber nicht katastrophale 227 Prozent. Vor der Pandemie lag der Wert noch bei 647 Prozent. Daran erkennt man, wie solide in Ostwestfalen in den letzten Jahren gearbeitet wurde.

Um 267 Prozent hat sich der VG bei Bayer erhöht – weil der Jahresüberschuss an den Konzern abgedrückt werden muss. Daher ist der Wert nicht aussagekräftig.

Die SV Elversberg kommt aus der Überschuldung. Die 3405 Prozent sind allerdings extrem hoch.

Der Fall RB Leipzig in Bezug auf den Verschuldungsgrad

Während RB Leipzig 2019 durch die 100 Mio. Euro, die dem Eigenkapital aus Fuschl am See damals zugeflossen sind, den Verschuldungsgrad massiv senken konnte, trat 2020 und 2021 ein kleiner Jo-Jo-Effekt ein und der Verschuldungsgrad nahm wieder zu. Er lag 2021 bei 230 Prozent und 2022 bei 220 Prozent, 2023 bei 243 Prozent und 2024 bei 360 Prozent, so dass er mittlerweile dreimal so hoch liegt wie vor der Pandemie (115 Prozent).

Das Fremdkapital von RB Leipzig stammt im Wesentlichen direkt vom Mutterkonzern, der Red Bull GmbH aus Österreich. Ein großer Teil der Verbindlichkeiten besteht gegenüber Red Bull. RB Leipzig wirtschaftet als eigenständige GmbH, die hohe Schulden (Fremdkapital) bei Red Bull aufnimmt, um handlungsfähig zu sein. Fehlt Geld für teure Neuzugänge, springt der Konzern mit einem Kredit ein. Dadurch entstehen hohe Verbindlichkeiten in der Bilanz, die jedoch zu sehr günstigen Konditionen (oder zinsfrei) intern vergeben werden.

Resümee der vier KPIs für die Ermittlung der Finanzen der Bundesliga-Clubs

Doch was zählt schon ein „Spieltag“, sprich eine Unternehmenskennzahl. Diese würde zu kurz greifen, um tatsächlich einen Club von allen Seiten finanziell abzuchecken, ihn mit den anderen Clubs zu vergleichen und Änderungen im Vergleich zum Vorjahr aufzuzeigen. Die von mir genutzten Kennzahlen spiegeln längerfristige finanzielle Kriterien wieder. Die Abschlusstabelle „lügt“ nicht, wie wir alle wissen. Diese wird in Teil 5 folgen.

In 2019, 2020, 2022, 2023, 2024 und 2025 hat der SC Freiburg den Titel geholt. Ob dem Verein dies in der „Finanz-Bundesliga-Tabelle“ 2026 wieder gelingt?