Spätlese Freiburg Saison 2024/2025

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

Zwei eingetragene Vereine unter sicht

01 Hin und weg:

Wie vor einem halben Jahr fand das Auswärtsspiel im Breisgau wieder an einem Sonntag statt. Gnädigerweise bzw. dem DFB-Pokal sei Dank wurde es nicht wieder um 19.30 Uhr, sondern um 15.30 Uhr angepfiffen. So sollte man meinen, dass es eine entspannte Auswärtsfahrt werden würde. Denn dank der Riedbahn-Baustelle fahren ja aktuell sogar mehr ICE über Mainz Hauptbahnhof – theoretisch wohlgemerkt. Denn sonntags morgens um sechs Uhr hockt man in Hamburg eher auf dem Fischmarkt, als dass man sich um das Bereitstellen der Züge kümmert. Der ICE, der mich von Mainz nach Freiburg bringen sollte, wurde mit zirka 40 Minuten Verspätung in Hamburg bereitgestellt. Daher entschloss man sich bei der Bahn, nicht in Mainz zu halten, sondern von Frankfurt direkt nach Mannheim zu düsen. Glücklicherweise wurde dies zwei Stunden vorher angekündigt, so dass ich mit meinem Klapprad nach Bodenheim statt nach Mainz-Hauptbahnhof fuhr, um die S-Bahn, die wegen besagter Riedbahn-Baustelle gerade in Laubenheim durchfährt, zu erreichen. Flexibel muss man bei der Bahn halt sein – sonst macht es keinen Spaß. Den ICE erreichte ich in Mannheim und so kam ich mit lediglich 20 Minuten Verspätung in Freiburg an.

02 (N)immer nuff:

6934 vs. 1000 – das war der Unterschied zwischen den Radelnden in Freiburg und in Mainz bei jeweils knapp 34000 bzw. 33000 Zuschauenden bei den letzten beiden Liga-Heimspielen. Ja, Mainz hat Hügel – Freiburg ist flacher. Aber in Freiburg scheint es der Wille der Entscheidungstragenden zu sein, den Radverkehr fördern – und ihn vor allem möglichst überall eigene Spuren zuzuweisen. Denn auch Leute, die zu Fuß unterwegs sind, finden es nicht so schön, sich den Raum mit den Radfahrenden zu teilen. Und auch in Freiburg wird noch Auto gefahren – und Öffis gibt es auch. Es gibt aber halt einfach eine wesentlich bessere Radinfrastruktur. Wenn man jetzt hört, dass das alles kommen soll, dann denke ich nur an die Großsporthalle, die seit Jahrzehnten in Mainz in der Planung ist. In solchen Momenten finde ich unsere schöne Stadt schon ein wenig hinterwäldlerisch und altbacken.

Taschenaschenbecher zu verteilen

03 Kon-Trolle

Auch in Freiburg gab es vor der Einlasskontrolle wieder 05-Taschenaschenbecher. Die verteilte der Verein im Rahmen des Klimaverteidiger-Spieltags gegen Gladbach, damit die Kippen nach dem Abpfiff nicht auf dem Boden, sondern im Müll landen. Da noch Aschenbecher übrig waren, erhielt ich vom Verein einen Teil der übrig gebliebenen Exemplare zum Verteilen. Wer noch ein Exemplar möchte, kann sich gerne bei mir melden. Es findet sich sicherlich eine Übergabemöglichkeit und die Umwelt wird sich freuen. Leider haben bei einer nicht-repräsentativen Umfrage auf meinem Insta-Kanal 85 Prozent der Teilnehmenden angegeben, dass sie von dieser Aktion gar nichts wussten. Dies ist wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass der Verein in den sozialen Netzwerken manchmal einfach „überperformt“ und man bei den ganzen Inhalten gar nicht mehr solche Sachen mitbekommt.

Blick auf das Mooswaldstadion an einem „grauen“ November-Sonntag

04 Kampf um den Mampf

Dieser Punkt müsste diesmal in „Kampf um das Trinkwasser“ geändert werden. Schließlich wird das in Freiburg durch einen Trinkwasserspender gratis angeboten. In Mainz sieht man sich nicht in der Lage, so etwas umzusetzen und ist der Meinung, dass 3,50 Euro für einen halben Liter Mineralwasser auch an Hitzespieltagen jenseits der 30 Grad-Celsius-Marke ein angemessener Preis ist. Wie bei der Radinfrastruktur denke ich, dass zu Mainz anscheinend eine Art Bockigkeit gehört. Wer braucht schon Radwege, wenn es doch Autos gibt, wer braucht schon Trinkwasser, wenn es doch Schorle gibt? Ach so, und vegane Empanadas gab es natürlich auch. Bei uns ist es das höchste der Gefühle, dass es jetzt vegane Wurst an einem Verkaufsstand zwischen Q und R gibt – aber sicherlich nicht im Gästeblock. Und nein, Menschen, die sich pflanzenbasiert ernähren, stehen nicht den ganzen Tag darauf, sich von Brezeln und/oder Pommes zu ernähren. Aber gut Mainz ist halt…ach lassen wir das.

Trinkwasserspender im Gästeblock

05 Käfighaltung

Eingetragener Verein gegen eingetragener Verein! Gibt es etwas Schöneres in diesem Fußball-Kosmos? Wahrscheinlich nicht, denn mittlerweile weiß wohl auch ein Christian Streich nicht mehr so genau, warum viele Menschen das RB-Konstrukt ablehnen. Er redet von fehlender Tradition. Dabei geht es gar nicht um Tradition, sondern darum, dass RB mit seinem Kanal Servus TV Rechtspopulisten stärkt – dabei hat er sich immer gegen diese positioniert. Er ignoriert, dass RB einfach mal eine 100 Millionen Eigenkapitalspritze erhielt. Dass Spieler hin- und her transferiert werden, ist wohl auch egal. Dass Extremsportler bei RB-Events ums Leben kamen? Und dass es nur 23 Auserwählte gibt, die RB-Mitglied werden dürfen? Ignoriert er einfach.

Anscheinend haben sich alle handelnden Personen im Profifußball mit dem Konstrukt abgefunden und alle springen allen bei, wenn sie irgendwie mit dem Konstrukt in Kontakt kommen. Um so wichtiger ist es, dass sich aktive Fans weiterhin um Aufklärung bemühen, denn die meisten Menschen denken immer noch, dass RB ein ganz normaler Club sei. Gut, dass es kritische Fans gibt, gut, dass es noch „echte“ Vereine gibt, in denen die Mitglieder das Sagen haben – zumindest auf dem Papier. Denn wieso von 25 Menschen, die sich für den Aufsichtsrat bei Mainz 05 haben aufstellen lassen wollen, 9 aussortiert wurden, hinterlässt sehr große Fragezeichen. Wird damit den 05-Mitgliedern attestiert, nicht die „richtige“ Entscheidung treffen zu können?

Formaljuristisch ist dieses Aussortieren aufgrund der existierenden Satzung korrekt. Komischerweise muss sich eine 05-Wahlkommission nach ihrer Entscheidung schon zum zweiten Mal im Nachgang rechtfertigen. Wäre es nicht für das Wohl des Vereins besser, wenn die Wahlkommission sich auf das beschränkt, für was sie eigentlich da ist? Also zu prüfen, ob die formalen Voraussetzungen für eine Kandidatur gegeben sind? Warum kostet die Wahlkommission ihre Macht dergestalt aus, dass sie mit ihren Entscheidungen Unruhe in den Verein bringt? Und nein, es sind nicht Journalist:innen, die diese Unruhe reinbringen, wie schon wieder von einigen Social-Media-Lautsprecher:innen verkündet wird.

Dass diesmal eine bereits abgegebene Erklärung vom Sprecher der Wahlkommission sogar nochmals konkretisiert werden muss, zeigt, wie hier herumgeeiert wird. Er spricht vom Nicht-Verschaffen von Lebenszeitstellung, wenn es darum geht, warum drei aktuelle Mitglieder, die wieder kandidieren wollten, nicht berücksichtigt werden. Andere aktuelle Mitglieder wurden aber sehr wohl wieder akzeptiert. Das ist ein Widerspruch in sich. Die Mitglieder sollten in der Lage sein, zu bewerten, ob sich ein Aufsichtsratsmitglied bewährt hat oder nicht.

Vegane Empanadas im Gästeblock

Vielleicht sollte man da mal in Zukunft über eine Satzungsänderung nachdenken… Aber alleine der Gedanke daran, so etwas theoretisch anleiern zu können zeigt, was dann doch in Mainz (und Freiburg) möglich ist – anders als in Leipzig, Salzburg, New York oder in welcher RB-Filiale auch immer.

Fazit: Der Jahrgang 2024/2025 zeigt, dass Mainz ziemlich viel von Freiburg lernen kann und dass auch in einem eingetragenen Verein ziemlich viel falsch laufen kann, wenn es um Demokratie geht.

Punkt geholt beim Duell der beiden eingetragenen Vereine

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour

Spätlese Augsburg Saison 2024/2025

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

Rund 1000 Fans des FSV unterstützten am Freitagabend das Team

01 Hin und weg:

Freitagabend Augsburg hieß mal wieder Bahn fahren. Und da das Augsburger Stadion tatsächlich gefühlt am Ende der Welt liegt, ging es wieder mit dem Klapprad an den Mainzer Hauptbahnhof. Ich war eigentlich viel zu früh am Gleis, aber entdeckte gleich zwei ICE an den beiden gegenüberliegenden Bahnsteigen 4 und 5, von denen Züge in der Regel nach Süden weiterdüsen. Da war die Chance groß, dass einer der beiden in Richtung Augsburg fahren würde. Dem war auch so, nur saßen in dem Zug bereits die Menschen im Gang – selbst in der 1. Klasse ,und es tat sich erstmal nichts. Es stellte sich kurz darauf heraus, dass der Zug wegen Überfüllung nicht weiterfahren durfte. Leider sind wir Menschen so programmiert, dass wir immer alle im Rudel in den Zug steigen – schließlich war am Ende des Zuges in der 2. Klasse laut Ansage tatsächlich noch Platz. Irgendwann bewegte sich die träge Masse Mensch so durch den Zug, dass die menschliche Fracht besser verteilt war und der Zug losfahren konnte. Nachdem sich das Theater in Mannheim wiederholte, stiegen gefühlt alle Menschen in Stuttgart aus, und der Zug war plötzlich als angenehm leer zu bezeichnen. Dass ich überhaupt in den Zug einsteigen konnte, war der Aufhebung der Zugbindung geschuldet, die mir bereits Tage zuvor mitgeteilt wurde. Warum wusste ich nicht, denn mein gebuchter Zug war nicht gestrichen. So kam ich mit rund 30 Minuten Verfrühung in Augsburg an – immer diese unpünktliche Bahn 😉

Das Klapprad ging mal wieder mit auf Auswärtsfahrt

02 (N)immer nuff:

In Augsburg ließ sich die gewonnene Zeit gut nutzen, zum Beispiel durch eine schicke Fahrradtour am Lech flussaufwärts. Anders als in Mainz gibt in Augsburg gute Radwege in der Stadt, die ins Grüne führen. Und natürlich wird in Augsburg auch der Verkehr zwischen Fußgänger:innen und Radfahrenden getrennt. Das ist eigentlich in fast ganz Deutschland möglich – nur nicht am Mainzer Rheinufer. Und natürlich gibt es am Lech-Ufer auch traditionelle Biergärten mit Selbstbedienung,  die zu einer Pause einladen, zum Beispiel auf eine pflanzenbasierte Currywurst. Radwege und vegane Wurst – willkommen im tiefschwarzen Söder-Land!

Das Lechufer südlich von Augsburg ist ein idealer Zwischenstopp zwischen Innenstadt und Stadion

03 Kon-Trolle

Anders als viele andere Vereine ermöglicht es der FC Augsburg immer noch, Gästetickets am Spieltag vor Ort zu erwerben. Leider ist das bei vielen Clubs seit der Pandemie nicht mehr möglich. Spontan zu entscheiden, auswärts zu fahren, wird so fast ein Ding der Unmöglichkeit. Und dass es eine kostenlose Aufbewahrungsstelle gibt, ist ebenfalls sehr fanfreundlich. So lassen sich Fahrradlampe, Powerbank und Trinkflaschen easy abgeben. Nachdem ich vor zwei Jahren noch mit dem Rad zum Gästeblock fahren durfte, musste ich es im letzten Jahr schieben – auf einer zweispurigen Straße, die mit Autos und Bussen zu befahren ist. Dieses Jahr durfte ich mein Fahrrad erst gar nicht zum Gästeblock mitnehmen. So ein bisschen Schikane muss wohl immer sein.

Das Klapprad durfte dieses Mal nicht mit zum Gästeblock genommen werden – Schikanen gibt es halt immer…

04 Kampf um den Mampf

Das kulinarische Angebot wurde in Augsburg um eine Wurst-Semmel erweitert und die sinnbefreite FCA-Bezahlkarte endlich abgeschafft. Was waren das noch für Zeiten so kurz vor der Pandemie, als jeder Club seine eigene Karte entworfen hatte, die man zunächst erwerben musste, um dann damit Speis und Trank zu bezahlen und später vergaß das Restgeld wieder zurückbuchen zu lassen? Zum Glück bekam Fußballdeutschland diese Karten-Pandemie relativ schnell in den Griff und die Dinger landeten über kurz oder lang auf dem Müll.

Es hatte auch den Anschein, dass alle Catering-Stationen geöffnet waren und somit längere Schlangen vermieden wurden. Das ist ja mittlerweile auch eher eine Seltenheit. Und die Herzlichkeit des Personals war ebenfalls wirklich hervorzuheben.

Bis kurz vor Anpfiff war das Stadion relativ leer

05 Käfighaltung

Bis kurz Anpfiff herrschte im Gästeblock gähnende Leere – schließlich gab es eine Autobahn-Vollsperrung und freitags nachmittags am Tag vor dem Start des Münchner Oktoberfests in Richtung südliches Bayern zu reisen, ist halt schon schwierig. Zu spät kam dann wohl trotzdem niemand, um 05 plötzlich 2:0 auswärts führen zu sehen. Wann es das das letzte Mal gab? Keine Ahnung, um ehrlich zu sein. Dass es trotzdem noch ein nervenaufreibender Abend wurde, liegt sicher an der Mainz 05-DNA, die ja vielleicht durch den Einstieg von Biontech jetzt dergestalt verändert werden könnte, dass Zuschauende nicht ständig Gefahr laufen, vom Adrenalinkick umgehauen zu werden 😉

Wenn man nach über 20 Jahren Auswärtsfahrt meint, alles erlebt zu haben, gibt es aber immer noch einen oben drauf. Bizarrer Elfmeterpfiff vor dem Gästeblock in Augsburg? Haddemer scho. Aber schlimmer geht halt immer und es ist einfach ein megaätzendes Gefühl, 10 Sekunden vor dem Ende der Nachspielzeit so einen Pfiff zu hören und dann gefühlt 10 Minuten warten zu müssen, bis dieser Pfiff wieder zurückgenommen wird.

Aber egal – Auswärtssieg in Augsburg schmeckt – in welcher Form auch immer…

Auswärtssieg eingesackt…

Fazit: Der Jahrgang 2024/2025 zeigt, dass Auswärtsfahrten nach Augsburg auch schön sein können – das entsprechende Nervenkostüm vorausgesetzt.

Rot-weiße Grüße,

Christoph

Die Finanzen der Bundesliga-Clubs 2024 Teil 1

Interessieren Dich die Finanzen der Bundesliga-Clubs? Wenn ja, dann bist Du hier genau richtig. Mit Hilfe von Finanzkennzahlen der Bundesliga-Vereine, die die DFL öffentlich verfügbar macht, lassen sich finanzielle Entwicklungen der Clubs erkennen. So ist es möglich, zu analysieren, wie finanziell nachhaltig Vereine wirtschaften, welche Vereine finanziell gut aufgestellt sind, welche Clubs finanziell eher Verbesserungspotential haben und wie FinancialFairplay gelebt wird.

Einleitung
Einführung Key Performance Indicators (KPIs)
KPI Anlagendeckungsgrad

Hier geht es zu:
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5 (Abschlusstabelle)

Einleitung

Im Mai 2019 veröffentlichte die Deutsche Fußball Liga (DFL) erstmals die Finanzkennzahlen der Bundesliga-Vereine. Dies geht zurück auf den Beschluss der Mitgliederversammlung Ende 2018. So war es 2019 erstmals möglich, eine „Finanz-Bundesliga-Tabelle 2019“ zu erstellen. Ferner lässt sich erkennen, welche Vereine finanziell nachhaltig agieren.

Basis sind Finanzkennzahlen, die die DFL pro Verein veröffentlicht hat. Mit Hilfe von Leistungskennzahlen, so genannten „Key Performance Indicators“, kurz KPIs, analysiere ich diese Finanzkennzahlen und ermittele seit 2019 jährlich die Finanz-Bundesliga-Tabelle.

Daraus ergaben sich für die einzelnen Vereine viele interessante Ergebnisse: Da sie sich untereinander in einem Wettbewerb befinden, war es bereits 2019 extrem spannend zu sehen, wie es tatsächlich um „Financial Fairplay“ bestellt ist. 2020 wurde es noch interessanter, weil es möglich war, Veränderungen im Vergleich zum vorangegangen Geschäftsjahr (2019 zu 2018) zu ermitteln . 2021 war das erste Jahr, in dem alle Vereine finanziell von der Pandemie betroffen waren (Geschäftsjahr 2020). 2022(Geschäftsjahr 2021) war das Jahr, in dem teilweise wieder Zuschauende wieder im Stadion zugelassen waren. 2023 (Geschäftsfahr 2022) war das Jahr, in dem sich langsam der Gechäftsbetrieb in der Bundesliga nach der Pandemie wieder normalisierte.

Vergleichbarkeit der Vereine

Um die Vereine besser vergleichen zu können, sind in der Finanz-Bundesliga-Tabelle 2024 alle Erstliga-Clubs der Saison 2023/2024 und der Saison 2024/2025 vertreten. Allerdings bilanzieren Bayer 04 Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, der VfB Stuttgart und der 1. FC Heidenheim zum 31. Dezember. Eintracht Frankfurt publizierte ein Rumpfgeschäftsjahr vom 1. Jnaur bis zum 30. Juni 2023, da der Club seine Bilanz umgestellt hat.

Wie 2023 lohnt es sich auf die Zeiten vor der Pandemie zu schauen, um zu sehen, was Corona mit der Bundesliga finanziell angestellt hat. Daher gibt es an einigen Stellen Vergleiche mit dem Geschäftsjahr 2019, dem letzten Jahr, ohne Geisterspiele.

Im Bilanzzeitraum 1. Juli 2022 bis 30. Juni 2023 spielten Darmstadt 98, der 1. FC Heidenheim, und die beiden diesjährigen Aufsteiger FC St. Pauli und Holstein Kiel in der 2. Liga.

Die Analyse wird in verschiedene Bereiche unterteilt:

Einführung und der Key Performance Indicators (KPIs)

Ich habe die folgenden von der DFL veröffentlichten Finanzkennzahlen genutzt:

  • Anlagevermögen
  • Eigenkapital
  • Verbindlichkeiten + Rückstellungen + passive Rechnungsabgrenzungsposten (=Fremdkapital)
  • Bilanzsumme
  • Personalkosten
  • Rohergebnis (als Umsatz genutzt)

Daraus habe ich die folgenden Leistungskennzahlen hergeleitet:

  • Anlagendeckungsgrad
  • Eigenkapitalquote
  • Personalaufwandsquote
  • Verschuldungsgrad

Anmerkung in eigener Sache: Unter den Lesenden dieses Blogs gibt es sicherlich versiertere „Bilanzbuchhalter*innen“ als ich es bin. Da die passiven Rechnungsabgrenzungsposten immer größer werden, habe ich diese erstmals mit ins Fremdkapital hinein genommen. Gleichzeitig habe ich die gesamte Analyse verschlankt. Der Jahresüberschuss fehlt ab sofort in dieser Aufstellung, da er nur kurzfristig für das Geschäftsjahr aussagekräftig ist. Dementsprechend fehlen nun auch die KPIs Eigenkapitalrendite und Umsatzrentabilität. Ziel dieser Finanz-Bundesliga ist es nicht, für 20 Vereine wasserdichte Finanzgutachten zu erstellen. Vielmehr soll sie Fußballfans dazu dienen, sich ein grobes Bild des eigenen Vereins in Bezug auf die langfristige finanzielle Situation zu machen – im Vergleich zu Konkurrenten genauso wie zum Vorjahr. Wie bei vielen anderen Fan-Aktionen auch, ist dieser Artikel in der Freizeit entstanden, ohne finanzielle oder sonstige Kompensation. Eine noch detaillierte Aufstellung hätte den zeitlichen Aufwand deutlich gesprengt.

1. Anlagendeckungsgrad (Eigenkapital zu Anlagevermögen)

Je höher der Deckungsgrad, desto besser steht es um die Finanzierung des Clubs.

Das Eigenkapital

Wie in allen Jahren zuvor, seitdem die Finanzkennzahlen publiziert werden, gibt es Clubs mit negativem Eigenkapital, sprich diese Clubs sind bilanziell überschuldet. Das Vermögen des Vereins deckt nicht mehr die Schulden.

ClubMio. Euro
1.FC Bayern München536
2.Borussia Dortmund283
3.Bayer 04 Leverksuen201
4.TSG Hoffenheim198
5.RB Leipzig139
6.SC Freiburg111
7.FC Augsburg54
8.Borussia Mönchengladbach51
9.1. FSV Mainz 0538
10.VfL Wolfsburg31
11.Eintracht Frankfurt25
12.Darmstadt 9817
13.1. FC Köln16
14.VfB Stuttgart12
15.VfL Bochum9
16.Holstein Kiel7
17.FC St. Pauli3
18.Union Berlin2
19.1. FC Heidenheim2
20.Werder Bremen-18
Eigenkapital-Tabelle Geschäftsjahr 2023 – Quelle DFL

Die überschuldeten Clubs in der Historie

Die überschuldeten Clubs in der Historie (negatives Eigenkapital) seit der Publikation der Finanzkennzahlen durch die DFL:

  • 2018:
    • Hertha BSC Berlin
    • SC Paderborn
    • Union Berlin
  • 2019:
    • Union Berlin
    • Arminia Bielefeld
    • FC Schalke 04
  • 2020:
    • Union Berlin
    • Arminia Bielefeld
    • Werder Bremen
    • Schalke 04
    • VfL Bochum1
  • 2021:
    • Union Berlin
    • VfL Bochum
    • Arminia Bielefeld2
    • Werder Bremen3
    • Schalke 043
  • 2022:
    • Union Berlin
    • Werder Bremen1
    • Schalke 041
  • 2023:
    • Werder Bremen
    • Schalke 044

1: Aufsteiger; 2: Arminia Bielefeld ist 2022 nicht mehr in der Liste enthalten, da der Club 2022 abstiegen ist. Das Eigenkapital ist allerdings weiterhin negativ; 3: Absteiger 4: der FC Schalke 04 ist 2024 nicht mehr in der Liste enthalten, da der Club 2023 abgestiegen ist. Das Eigenkapital ist allerdings weiterhin negativ.

Entwicklung des Eigenkapitals

Das negative Eigenkapital ist im Geschäftsjahr 2023 bei Werder Bremen um 3 Mio. Euro gestiegen. Damit ist der Club der einzige überschuldete Club der Bundesliga. Union Berlin hat erstmals seit der Veröffentlichung der Zahlen im Jahr 2019 geschafft, die Überschuldung zu beenden.

Der FC Augsburg (16,9 Mio. Euro), Holstein Kiel (1,3 Mio. Euro) und der 1. FSV Mainz 05 (1,3 Mio. Euro) haben wie im Vorjahr Investitionszuschüsse (wahrscheinlich für das jeweilige Stadion) erhalten, die man dem Eigenkapital zurechnen kann. Ich habe diese Zuschüsse weggelassen, um eine bessere Vergleichbarkeit zu erzielen. RB Leipzig hat in den Vorjahren ebenfalls Zuschüsse erhalten, seit 2022 aber nicht mehr. 2018 Jahr war dieser Zuschuss bei RBL größer als damals das eigentliche Eigenkapital in Höhe von 27 Mio. Euro. 2019 fanden sich in der Bilanz von RBL 100 Mio. Euro mehr Eigenkapital, die vermutlich vom Brausekonzern stammen. Seit 2020 ist das Eigenkapital wieder „normal“ gewachsen (zwischen 0,3 Mio. und 6 Mio Euro).

Den prozentual größten Zuwachs des Eigenkapitals legte 2023 der VfL Bochum hin. Es wurde mehr als verachtfacht, allerdings auf relativ niedrigem Niveau (von 1 auf 9 Mio Euro). Der 1. FC Köln hat sein Eigenkapital vervierfacht, ebenfalls auf eher niedrigem Niveau (von 3 auf 16 Mio. Euro). Beide Clubs fahren seit dem Ende der Pandemie einen beachtlichen finanziellen Konsolidierungskurs. Auch für Union Berlin geht es bergauf. Die Überschuldung (2022: -16,3 Mio. Euro) ist mit 1,8 Mio. Euro Eigenkapital 2023 Geschichte.

Der SC Freiburg hat es hinbekommen trotz Pandemie sein Eigenkapital im sechsten Jahr in Folge zu steigern und das ohne Investor (von 76 auf 111 Mio. Euro).

Moderate Steigerungen des Eigenkapitals haben Borussia Mönchengladbach (9 Prozent), der FC Bayern München (6 Prozent), der VfB Stuttgart (5 Prozent), RB Leipzig und Borussia Dortmund (1 Prozent) hinbekommen.

Die Ausnahmen Bayer 04 Leverkusen und der VfL Wolfsburg

Keine Veränderungen gab es wie jedes Jahr beim VfL Wolfsburg und bei Bayer 04 Leverkusen, da es bei diesen Vereinen eigentlich egal ist, wie sie wirtschaften, da am Ende alles durch den Pharmariesen bzw. den Autokonzern ausgeglichen wird.

Bei allen anderen Clubs kam es zu einer Eigenkapitalverringerung: TSG Hoffenheim (-2 Prozent), 1. FSV Mainz 05 (-6 Prozent), FC Augsburg und Darmstadt 98 (-7 Prozent), Eintracht Frankfurt (-12 Prozent).

Auch bei den beiden Aufsteigern verringerte sich das Eigenkapital (Holstein Kiel -18 Prozent; FC St. Pauli – 60 Prozent).

Werder Bremen hatte vor der Pandemie noch 11 Mio. Eigenkapital in der Bilanz stehen. Jezt steht dort ein Minus von fast 18 Mio. Euro. Es ist im letzten Jahr um 27 Prozent gestiegen.

Fazit: Die massive Kapitalvernichtung während der Pandemie, bei der viele Clubs teilweise die Hälfte des Eigenkapital vernichtet haben, ist glücklicherweise zu Ende. Es gibt nur noch einen Verein, der überschuldet ist. So wenig überschuldete Clubs gab es noch nie. 2021 waren es noch fünf Clubs.

Das Anlagevermögen

Das Anlagevermögen bezeichnet die so genannten Steine eines Vereins, sprich diese sollen dem Verein dauerhaft dazu dienen, den Spielbetrieb durchzuführen. Als Steine des Vereins gelten auch die Beine des Vereins, sprich der Spielerwert.

ClubMio. Euro
1.FC Bayern München469
2.RB Leipzig370
3.Borussia Dortmund363
4.Bayer 04 Leverkusen257
5.Borussia Mönchengladbach160
6. VfL Wolfsburg139
7.TSG Hoffenheim132
8.VfB Stuttgart118
9.Eintracht Frankfurt103
10.FC Augsburg85
11.SC Freiburg63
12.Union Berlin61
13.1. FC Köln55
14.FC St. Pauli42
15.Darmstadt 9838
16.1. FSV Mainz 0531
17.1. FC Heidenheim27
18.Werder Bremen21
19.VfL Bochum19
20.Holstein Kiel9
Anlagevermögen-Tabelle 2023 – Quelle DFL

Das Anlagevermögen ist am stärksten bei Darmstadt 98 (65 Prozent), bei Union Berlin (45 Prozent), der TSG Hoffenheim (40 Prozent), dem VfL Bochum (23 Prozent), dem VfB Stuttgart (14 Prozent) und dem 1. FC Heidenheim (13 Prozent) gestiegen.

Moderate Steigerungen gab es bei Bayer 04 Leverkusen (9 Prozent), Borussia Mönchengladbach (8 Prozent), dem FC Bayern, dem SC Freiburg, dem FC St. Pauli (6 Prozent), RB Leipzig und Borussia Dortmund (2 Prozent).

Leichte Verluste im Anlagevermögen mussten Werder Bremen (1 Prozent), der 1. FSV Mainz 05 (2 Prozent), 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt (6 Prozent) und der VfL Wolfsburg (7 Prozent) hinnehmen.

Lediglich der FC Augsburg und Holstein Kiel mussten mit 12 Prozent vergleichsweise relativ große Verluste im Anlagevermögen hinnehmen.

Fazit: Insgesamt ist das Anlagevermögen erstmals nach der Pandemie nicht mehr rapide gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr fallen diese Zahlen moderat aus. Dass Absteiger Darmstadt 98 die prozentual größte Zunahme hat, überrascht.

Der Anlagendeckungsgrad (AD)

Der AD zeigt an, inwieweit das Anlagevermögen durch das Eigenkapital gedeckt ist, sprich inwieweit die Mannschaft eigenfinanziert ist und somit unter FinancialFairplay-Bedingungen finanziert wird. Ein AD von 50% bedeutet, dass das Anlagevermögen zu 50% mit Eigenkapital gedeckt ist. Damit finanzielle Stabilität gewährleistet ist, sollte der AD zwischen 60 und 100% liegen. Ein AD von mindestens 60% könnte beispielsweise ein Lizenzierungskriterium der DFL in Bezug auf finanzielle Nachhaltigkeit sein. Dieses würden 2023 7 Clubs plus Holstein Kiel erfüllen. Daran erkennt man die finanzielle Schieflage vieler Clubs. Damit ergibt sich trotz dem Ende der Pandemie keine höhere Zahl an Clubs, die das Ziel erreichen.

Finanz-Bundesliga-Teil 1: Der SC Freiburg hat den besten Anlagendeckungsgrad im Geschäftsjahr 2023
Der SC Freiburg hat den besten Anlagendeckungsgrad im Geschäftsjahr 2023

Die Anlagendeckungsgrad-Tabelle 2023

ClubAnlagen-
deckungsgrad
1.SC Freiburg177 %
2.TSG Hoffenheim150 %
3.1. FSV Mainz 05121 %
4.FC Bayern München114 %
5.Bayer 04 Leverkusen78 %
6.Borussia Dortmund78 %
7.Holstein Kiel73%
8.FC Augsburg64 %
9.VfL Bochum48 %
10.Darmstadt 9845 %
11.RB Leipzig38 %
12.Borussia Mönchengladbach32 %
13.1. FC Köln29 %
14.Eintracht Frankfurt24 %
15.VfL Wolfsburg22 %
16.VfB Stuttgart10 %
17.FC St. Pauli8%
18.1. FC Heidenheim6 %
19.Union Berlin3 %
20.Werder Bremenn/a
Anlagendeckungsgrad-Tabelle Geschäftsjahr 2023 – Quelle Meenzer-on-Tour.de

Baden dominiert seit der Einführung der Finanz-Bundesliga 2019 diese Tabelle. Sowohl der SC Freiburg als auch die TSG Hoffenheim haben einen Deckungsgrad weit über 1 – d.h. die Steine und Beine sind also mehr als vollkommen selbst finanziert. Gleiches gilt wieder für den 1. FSV Mainz 05, der es 2023 wie 2022 wieder geschafft hat, nachdem es 2021 nicht ganz gereicht hat. Beim FC Bayern München hat sich die Überdeckung nicht verändert.

Bayer 04 Leverkusen, Borussia Dortmund, Holstein Kiel und der FC Augsburg haben alle einen Anlagendeckungsgrad von über 60 Prozent, was als finanziell nachhaltig gilt. Den größten Sprung nach vorne machte der VfL Bochum, der mittlerweile 48 Prozent (Vorjahr 7 Prozent) vorzuweisen hat. Auch der 1. FC Köln hat seinen Anlagendeckungsgrad massiv erhöhen können (von 6 auf 29 Prozent). Erstmals kann Union Berlin mit 3 Prozent überhaupt einen Anlagendeckungsgrad ausweisen.

Darmstadt 98 hingegen hat seinen guten Anlagendeckungsgrad von 80 Prozent auf 45 Prozent fast halbiert.

Im zweiten Teil der Finanz-Bundesliga-Tabelle 2024 geht es um die Eigenkapitalquote.