Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

01 Hin und weg:
„Gladbach ist nur zweimal im Jahr“ – schallte es mir vor heute vor zwei Wochen durch den Kopf. Schließlich ging es für mich am Ostersonntag schon mal zur Borussia. Die 05erinnen spielten damals ebenfalls in Mönchengladbach – aber in der eindeutig schickeren Schüssel – dem Grenzlandstadion in Rheydt. Grüße gehen an dieser Stelle raus an alle 05-Hopper*innen. Denn es gibt in dieser Saison nochmal die Gelegenheit, einen netten Ground mit 05-Beteiligung mitzunehmen: das Bresserbergstadion in Kleve am letzten Spieltag der 2. Frauen-Bundesliga am 17. Mai. Es gibt sogar einen Fanbus, der euch für 35 Euro dorthin bringt. Nähere Infos hierzu gerne per Nachfrage. Doch genug in die Zukunft geblickt, denn es gilt ja hier die 16. Fahrt zum Borussia-Park in Worte zu fassen. Der Terminierung sonntags um 19.30 Uhr sei Dank, übernachtete ich erstmals überhaupt in Mönchengladbach. Dadurch geriet die Anreise zu einem entspannten Vergnügen. Bahn pünktlich – Hotel fußläufig vom Hauptbahnhof und ein schöner Frühlingsfußballsonntag. Läuft…

02 (N)immer nuff:
Das große Problem bei Auswärtsfahrten der Männer nach Gladbach ist das „nuff kommen“ – mittlerweile habe ich so praktisch jede Möglichkeit getestet. Mit dem Auto – langer Stau schon auf der Autobahn (und nach Spielschluss noch länger). Die Kombi Shuttlebus/Zug der letzten Saison freitagsabends war auf dem Rückweg die komplette Vollkatastrophe. Nach ellenlanger Schneckentempofahrt mit dem Bus vom Stadion zum Bahnhof war der Bahnsteig bereits wegen Überfüllung von Team Blau sicherheitshalb kurzfristig gesperrt worden. So hieß es eine Stunde am Mönchengladbacher Hauptbahnhof die Zeit zu überbrücken, ehe der nächste Zug nach Düsseldorf fuhr. Diesmal konnte ich diesem ganzen Chaos entgehen. Wie beim Frauenspiel mietete ich mir ein Rad (mit derselben NextBike-App, mit der es auch in Wien, Olmütz und Prag klappte) und radelte entspannt zum Stadion hin und tatsächlich auch wieder sehr entspannt zurück zum Hotel. Der 16. Besuch in Gladbach war somit der entspannteste bisher.

03 Kon-Trolle
Durch die Übernachtung stellte sich die Frage nach der Gepäckabgabe nicht – aber bei Borussia ist diese immer unkompliziert möglich. Einfach nicht nachvollziehbar, dass das beim „Premium-Produkt Bundesliga“ nicht einfach Standard sein kann. Es ist von den 36 DFL-Mitgliedern zu viel verlangt, so etwas standardmäßig anzubieten. So ein bisschen Kreisliga-Fußball-Ambiente, das jeder Club selbst ausschmückt, muss es wohl doch noch sein. Wo kämen wir denn dahin, dass Fußballfans Planungssicherheit bei diesem Thema ligaübergreifend bekommen können?

04 Kampf um den Mampf
In Gladbach gab es „Veggie Nuggets“. „Veggie“ ist ein Begriff, den wahrscheinlich Leute kreieren, die selbst nicht wissen, was sie verkaufen geschweige denn futtern. Sind die Dinger jetzt vegetarisch, enthalten also Produkte tierischen Ursprungs wie Milch- oder Eipulver? Oder sind die Dinger auf rein pflanzlicher Basis produziert worden – also vegan? Da hilft der Blick in das PETA-Stadionranking. Das Ranking an sich ist teilweise für die Füße, da man als auswärtiger Fan nicht mit dem dort verzeichneten veganen Angebot tatsächlich rechnen kann. Schließlich weiß PETA nicht, dass es Heim- und Auswärtsbereiche gibt. Dann wird Stuttgart einerseits wegen des veganen Angebots abgefeiert (und das bei den Frauen auch zurecht) und dann gibt es bei den Männern im Auswärtsblock plötzlich gar kein vegetarisches geschweige denn veganes Angebot. Auf der PETA-Seite des Stadionrankings gibt es die PDF-Datei „Vegan-freundlichste Stadien 2025“. Da kann man auf der sechsseitigen Tabelle nach „Borussia Mönchengladbach“ suchen. Dort werden die „Veggie Nuggets“ als „Vegane Nuggets“ geführt. In dieser Tabelle wäre es seitens der Vereine auch möglich, anzugeben, wo es die jeweiligen Speisen gibt. Doch diese Arbeit machen sich leider die wenigstens Clubs (Mainz 05 allerdings schon).

05 Käfighaltung
Das Hinspiel gegen die Fohlen mit Benni Hoffmann als Trainer ging leider sehr unglücklich verloren. Das war das bisher letzte 05-Spiel ohne Urs Fischer auf der Trainerbank. Allerdings war das verkackte Spiel in Strasbourg erst drei Tage her. So hieß es auch an diesem Sonntagabend wieder „Wundertüte Mainz 05“. Wie bei den Frauen zwei Wochen vorher ging die Borussia in Führung und mir schoss „Döp döp döp ist jetzt schon zweimal im Jahr durch den Kopf“. Wie bei den Frauen hatte es sich danach aber ausgedöpt. Die Frauen schossen danach sogar drei Tore und fuhren am Ende einen ungefährdeten Auswärtssieg ein. Die Männer schafften den Ausgleich in 90 Minuten leider nicht. Doch zum Glück gibt es ja die Nachspielzeit, eine ungeschickte Aktion eines Gladbacher Verteidigers und mit Nadiem Amiri einen sicheren Elfmeterschützen. Es gab dann doch nochmal ein „Döp döp döp“ – allerdings in rheinhessischem Slang und damit in dieser Saison das lauteste der drei „Döp döp döp“, die ich miterleben durfte.

Der Jahrgang 2025/2026 zeigt, dass „Döp döp döp“ auch euphorisch wirken kann!
Rot-weiße Grüße,
Christoph – Meenzer on Tour


