Mainz 05 – traditionsfrei seit 1905!

In der aktuellen Fankolumne schaut Alex Schulz auf 121 Jahre zurück und fragt, was es für einen Traditionsverein benötigt.

In dieser Woche feiern wir 121 Jahre Mainz 05. Und dennoch werden wir von vielen Menschen nicht als „Traditionsverein“ wahrgenommen. Dieser Claim zählt offenbar nur für Vereine mit einer entsprechenden Mitgliederstärke.

Dabei können wir auf 121 turbulente Jahre zurückblicken. Gestartet im Café Neuf mit einer Idee als wildes Gebilde. Erste Spiele und dann die dunklen Jahre mit der Ermordung vieler verdienter Vereinsmitglieder durch die Nazis.

Danach ein wirtschaftliches Auf und Ab, aber immer relativ hochklassig.

Der erste große Erfolg mit der Amateurmeisterschaft 1982. Ein gerne vergessener Titel, weshalb aktuell für eine Replika der Trophäe gesammelt wird. Wer das Projekt unterstützen will, kann das hier tun.

Auch Handball war in all den Jahren eine wichtige Sparte im Verein. Damals nur Männer, heute eine Abteilung mit einer erfolgreichen Damenmannschaft.

Auch im Tischtennis wurden Titel eingefahren und wir 05er können stolz sein, diese Sparten im Verein zu führen.

In der jüngsten Vergangenheit wuchs Mainz 05 weiter und nun dürfen auch endlich Frauen und Mädchen in Rot und Weiß gegen den Ball treten.

Und nicht zu vergessen sind deutsche Meisterschaften der U19 mit einem unvergesslichen Gastspiel in der Youth League. Der Nachwuchs ist sowieso unser Faustpfand.

Für die männlichen Fußballprofis folgten viele Jahre in der 2. Liga bevor wir 1997 erstmals an der Tür zum Oberhaus anklopften. Doch es sollte noch nicht sein.

2004 war es dann endlich soweit. Mainz 05 zählt seit dem mit einer kurzen Unterbrechung zu den 18 Top Clubs des Landes.

Dabei durfte man auch immer mal wieder europäische Luft schnuppern.

In dieser Woche können wir einen historischen Meilenstein setzen. Wir spielen das Achtelfinale in der Conference League und die nächste Runde ist in greifbarer Nähe.

Sportlich wurde in 121 Jahren also einiges geboten. Aber auch das Drumherum entwickelte sich stetig. Die Marke von 20000 Mitglieder wurde längst geknackt und mit tollen Events und der Gründung einer Fanabteilung auch Möglichkeiten geschaffen, über die wichtige Mitbestimmung hinaus am Vereinsleben zu partizipieren.

Ob uns also andere als Traditionsverein sehen oder nicht, kann uns ziemlich egal sein. Wir haben eine Geschichte und sind wirtschaftlich seriöser aufgestellt, als viele andere.

Am Donnerstag feiern wir alle zusammen Geburtstag, unsere Geschichte und schreiben zusammen ein weiteres Kapitel!

Alle Wege führen nach Olmütz … irgendwie

Für den 1. FSV Mainz 05 steht in dieser Woche das erste internationale K.o.-Spiel der Vereinsgeschichte an. In ihrer Fan-Kolumne hinterfragt Felicitas Budde, ob sich Sigma Olmütz mit dem stark reduzierten Ticketverkauf einen Gefallen getan hat.

Auswärts in Europa ist für Fußballfans immer etwas Besonderes. Neue Stadt, neues Stadion, ein Gegner, den man vorher höchstens einmal bei irgendeiner Auslosung gehört hat. Eine Mischung aus Kreuz- und Klassenfahrt.

Für Mainz 05 ist das anstehende Conference League Hinspiel noch viel mehr: Das Achtelfinale der Conference League in Olmütz ist das erste internationale K.-o.-Spiel der Vereinsgeschichte. Klar also, dass viele Mainzer Fans dabei sein wollen.

Das Problem ist nur: Tickets sind schwer bis unmöglich zu ergattern. Gerade einmal rund 650 Gästekarten stehen zur Verfügung, also die fünf Prozent der Stadionkapazität, die die UEFA mindestens vorschreibt. Mehr möchte Sigma Olmütz offenbar nicht herausgeben. Entsprechend schnell waren die Karten weg.

Die Folge: Viele Fans gehen leer aus. Und trotzdem planen viele die Reise nach Tschechien. Der Q-Block hat dazu aufgerufen, auch ohne Ticket nach Olmütz zu fahren. Und wer sich in den vergangenen Tagen in der Fanszene umgehört hat, merkt schnell: Der Aufruf zeigt Wirkung. Hotels werden gebucht, Fahrgemeinschaften organisiert und natürlich wird überall versucht, auf dem Ticketwühltisch fündig zu werden – offenbar mit Erfolg.

Und genau an diesem Punkt stellt sich die Frage, wie sinnvoll solche strengen Kontingente eigentlich sind. Die Idee dahinter ist klar: möglichst wenige Gästefans im Stadion. In der Praxis führt das oft zu einem anderen Ergebnis. Denn wenn hunderte Fans ohnehin nach Olmütz reisen, werden einige von ihnen am Ende auch einen Weg ins Stadion finden. Nur eben nicht im Gästeblock, sondern irgendwo auf den anderen Tribünen – oder in den Kneipen der Innenstadt.

Der Heimverein hat dann also nicht weniger Gästefans im Stadion, sondern nur weniger Überblick darüber, wo sich die Gästefans aufhalten. Schön, dass Mainz 05 inzwischen so groß geworden ist, dass man selbst mal die gegnerische Übermacht ist. Sollte die Mannschaft ähnlich kreativ und konsequent im Auftreten sein wie die Fans in der Anreise, steht einer weiteren Klassenfahrt ins europäische Ausland nichts im Weg.

Fairtrade-Club in der Fairtrade-Stadt?

Faires Handeln ist Mainz 05 wichtig. Gleichzeitig trägt Mainz den Titel „Fairtrade-Stadt“. Zeit, dass sich die fairen Kräfte bündeln, meint Kolumnist Christoph Kessel.

Im Februar hat der Verein Fairtrade Deutschland e.V. mit seiner „Fairbruary“-Kampagne wieder dazu aufgerufen, einen Monat lang besonders fair zu konsumieren. Dadurch sollen der faire Handel weiter vorangebracht und ein Zeichen für Fairness gesetzt werden. Gleichzeitig wird in den Fußball-Bundesligen Fairplay hochgehalten. Ein Blick in seinen Nachhaltigkeitsbericht zeigt, dass sich auch Mainz 05 dem fairen Miteinander verschrieben hat: Beim Merchandising wird verstärkt Wert auf faire Produktionsbedingungen geachtet. Fairness und Respekt allen Menschen gegenüber werden großgeschrieben. Der Verein achtet auf faire Arbeitsbedingungen und garantiert eine faire Vergütung. Er ist davon überzeugt, dass ein fairer Umgang mit allen Menschen eine grundlegende Voraussetzung für eine ethisch verantwortungsvolle Unternehmensführung ist. In der Fußballschule wird Wert auf Fairplay im Spiel und als „Klimaverteidiger“ in Bezug auf die Umwelt gelegt.

Auch beim Catering wird es fairer. Sowohl Kaffee- als auch Tee-Anbieter bekennen sich zu fairen Produktionsbedingungen. Der Preis für alkoholfreies Bier wurde in dieser Saison um 20 Prozent gesenkt. Der Ausbau des pflanzenbasierten Angebots wird forciert. Natürlich gibt es Punkte, bei denen es noch hapert. Dem Team der Amputierten-Fußballer nur T-Shirts zur Meisterschaft zu schenken, ist mindestens unglücklich. Fehlende Chancengerechtigkeit zwischen Frauen- und Männerfußball ist der Historie geschuldet. Sie sollte aber möglichst schnell hergestellt werden. Unterm Strich aber bewegt sich Mainz 05 in eine sehr faire Richtung.

Umso erstaunlicher ist es, dass der Verein hier nicht den Schulterschluss mit der Stadt sucht. Schließlich trägt Mainz seit Jahren den Titel „Fairtrade-Stadt“, da es die „Fairtrade-Town“-Kriterien erfüllt. Ein Kriterium schreibt eine Liste „Faire Einkaufsmöglichkeiten“ vor. Auf ihr fehlt bisher Mainz 05, obwohl viele Fairtrade-Fanartikel angeboten werden. Das ist eine verpasste Chance sowohl für die Fairtrade-Stadt als auch den Fairtrade-Club. Und wer Fairness in diesen Zeiten belächelt, in denen scheinbar nur Macht und Ego gewinnen, der sollte an die erste Europapokal-Saison denken. Mainz 05 hatte sich 2005 nicht sportlich, sondern über die Fairplay-Tabelle fürs internationale Geschäft qualifiziert. Ohne faires Verhalten aller 05er*innen hätte es die Reisen nach Armenien, Island und Spanien nicht gegeben.