Fußball oder Fastnacht? Wer die Wahl hat, hat die Qual!

Fan-Kolumnist Sebastian Schneider zu der Spielansetzung der Nullfünfer am Fastnachtswochenende – eine komplexe Situation.

Immer wieder kritisieren Fanbündnisse wie Unsere Kurve e. V. die Spieltagsansetzungspraktiken von DFB und DFL im Profifußball. Neben den vielen, teils unglücklichen Anstoßzeiten, spielt auch die Kurzfristigkeit der Ansetzungen eine wesentliche Rolle, die es vor allem Auswärtsfahrenden immer wieder erschwert, Reisen zu den Spielen zu planen. Ein beachtlicher Erfolg der Kritik von Fans findet sich in der Abschaffung der Montagsspiele wieder.

Mit der Terminierung des Spiels der 05er gegen den BVB am Fastnachtswochenende bekommt die Thematik bei uns in Mainz nun wieder Präsenz. Die Kritik ist dabei vielfältig. Auf der einen Seite ist da natürlich die Anreise an einem Freitagabend nach Dortmund. Für den Freitagabend gibt es zwar durchaus noch schlechter erreichbare Ziele, aber auch für das Spiel in Dortmund ist ein früher Feierabend zwingend notwendig, zumal die Verkehrssituation im Ruhrgebiet zum Start des Wochenendes stets unberechenbar ist. Also auch ohne Fastnachtswochenende schon nicht ohne Weiteres ein Leichtes, das Spiel vor Ort zu sehen.

Auf der anderen Seite ist für alle Fans der Straßenfastnacht der Rest des Wochenendes frei, um die diversen Fastnachtsumzüge in und um Mainz zu besuchen. Sicher ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Jedoch bleibt allergrößte Wunsch aller 05-Fans, einmal ein Heimspiel am Fastnachtssamstag um 15:30 Uhr zu erleben, sicher weiterhin ungehört. Dies ist extrem schade, zeigen doch die Fans oder auch die Stadionsitzungen, wie gut Fastnacht und Fußball zusammenpassen.

Was allerdings der diesjährigen Spieltagsansetzung die Krone aufsetzt, ist, dass die Partie in Dortmund parallel zur Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz – wie es singt und lacht“ stattfindet. So wie es für sehr viele Menschen in Mainz einfach zur Fastnacht dazugehört, freitags die Live-Sitzung zu verfolgen, so gehört es bei diesen auch häufig dazu, die Auswärtsspiele der 05er zu verfolgen. Nun zwingen die Planer aus Frankfurt die Fans, eine schwere Entscheidung zu treffen. Wer die Wahl hat, hat die Qual, sagt ein bekanntes Sprichwort.

An diesem Abend steht dann Kulturgut Fußball gegen Kulturgut Fastnacht. Wenn man dazu noch sieht, dass die Medienanstalten das Spiel dann im frei empfangbaren TV zeigen, wird schnell deutlich, welch perfider Plan hinter dieser Ansetzung steckt. Es geht vor allem darum, Einschaltquoten von der Fernsehsitzung abzugreifen. Leider geht dies alles wieder auf Kosten der Fußballfans – allerdings in gleichem Maße auch auf Kosten der Fastnacht. Sehr schade!

Auswärts fahren versus Spiel im TV versus Fernsehsitzung. Letztendlich werden bei vielen Menschen schwere Entscheidungen zu treffen sein. Technische Hilfe bieten die Split-Screen-Variante oder ein Zweitgerät. Für viele ist die Fernsehsitzung ein Gemeinschaftsevent mit Freunden, Nachbarn und Bekannten, welches sicher nur ungern gecancelt wird. Lassen wir uns also überraschen und appellieren erneut nach Frankfurt für mehr Rücksicht auf lokale Gegebenheiten bei der Spieltagsterminierung, wie hier bei uns in Mainz, wenn Fußball auf Fastnacht trifft.

Ticketweitergabe schadet dem 05-Gefühl

Die Ticketweitergabe schadet dem 05-Gefühl findet Alex Schulz und hofft auf ein rot-weißes Gewissen beim Vorverkauf.

Passend zur sportlichen Situation zeigte sich die Wetterlage in den letzten Tagen äußerst ungemütlich. Trotz aller Widrigkeiten war der Gästeblock in Köpenick aber wieder einmal gut gefüllt. 2500 Mainzer trotzten Eis, Schnee und dem Bahnchaos.

Die Zahlen der Auswärtsfahrenden sind weiterhin auf einem guten Niveau und auch die Heimspiele sind in der Regel gut besucht. Und das trotz weniger freudiger Erlebnisse in dieser Spielzeit.

Doch schaut man genauer hin, muss man alle Zahlen etwas korrigieren. Denn zählt man die 05er unter den Zuschauenden, ist es nicht mehr ganz so erfreulich.

Stuttgart, Köln und Gladbach waren Heimspiele, bei denen man den Anteil an Gästefans im Heimbereich deutlich erkennen konnte. Und auch im wichtigen Conference League -Spiel gegen Samsunspor irrten in allen Stadionbereichen Gäste umher.

Für München hat Mainz 05 schon ein kleines Kontingent abgerufen und doch fanden unzählige Bayernsympathiesanten und andere Fußballtouristen ihren Weg in die Mitte des Gästeanhangs. Bei Union war es am Samstag ähnlich.

Neben dem Sicherheitsaspekt ist es einfach nervig. Fansein lebt vom Gemeinschaftsgefühl. Jubeln oder leiden lässt es sich mit Gleichgesinnten besser.

Wenn dann die Gäste noch jeden Respekt verlieren, ihre Farben offen tragen und womöglich eigene Fangesänge mitträllern oder zumindest den 05-Support nicht mittragen, stören sie massiv das Mainz 05-Gefühl.

Es werden immer mehr Maßnahmen ergriffen, um dem entgegenzuwirken. Stadionordnung mit Gästefanverbot, Ticket AGB mit klaren Regeln für die Weitergabe und Vorverkaufsphasen nur an Menschen, die man für treue Seele hält. All das wirkt nicht, solange es Menschen gibt, die sich 05er nennen, dann aber der Gemeinschaft schaden, indem sie ihre Karten meist gewinnbringend weiterverkaufen.

Tatsächlich sind viele Tickets bereits heute schon personalisiert. Es wäre also problemlos möglich, die Erstkäufer zu ermitteln und zu sanktionieren.

Doch muss es soweit kommen?

Einfach Tickets nur für den Eigenbedarf kaufen, selbst zu den Spielen kommen und den FSV anfeuern. Andernfalls sollte man sich fragen, ob man wirklich 05er und Teil der 05-Familie ist.

Reinschaufeln oder einschaufeln – die letzten Spiele der Hinrunde

Den 05er-Fans steht zum Jahresbeginn eine englische Woche ins Haus. Felicitas Budde blickt in der Fan-Kolumne auf die Ausgangslage des FSV im neuen Jahr.

Kaum sind Raclettepfännchen verdaut und das neue Jahr begrüßt, geht es in Sachen Bundesligafußball in Mainz wieder los. Zwei Spiele, eine englische Woche bis zum Ende der Hinrunde: Union Berlin auswärts, Heidenheim zu Hause. Eine „Woche der Wahrheit“, die richtungsweisend für den FSV wird.

Der Verein kennt solche Situationen. In den Wundersaisons 2020/21 und 2023/24 stand Mainz im Winter ebenfalls mit dem Rücken zur Wand. Die Tabellenlage war ähnlich, der Druck vergleichbar. Doch der entscheidende Unterschied lag im „Warum“. Damals war Mainz schlechter platziert, als es spielte. Die Leistungsdaten gaben Hoffnung, die Defensive war stabiler, der Turnaround vorbereitet. Die Wende kam nicht überraschend, sondern folgerichtig.

In dieser Saison ist das Bild ein anderes. Mainz hat zwar erneut weniger Punkte erzielt, als statistisch zu erwarten war, doch der Spielraum ist kleiner geworden. Vor allem defensiv sind die Zahlen erstmals eindeutig. Zu viele Gegentore, zu viele zugelassene Chancen, zu wenig Kontrolle. Das Fundament, auf dem frühere Rettungen aufbauten, wirkt brüchig.

Vor diesem Hintergrund ist es logisch, dass Mainz handelt. Die frühe Verpflichtung von Phillip Tietz und die Aussicht auf weitere offensive Verstärkung senden ein klares Signal. 13 Tore in 15 Spielen sind die Bilanz eines Absteigers. Unterstützung vorne ist notwendig.

Und doch stellt sich eine unbequeme Frage: Ist das auch der richtige Fokus? Auffällig ist nicht, dass Mainz in die Offensive investiert, sondern dass man offenbar darauf setzt, die Defensive ohne personelle Nachjustierung zu stabilisieren. Durch den Trainerwechsel. Durch Anpassungen im Spiel. Durch Zeit. Urs Fischer hat in seinen ersten Partien Ordnung und Kontrolle gesucht. Die Frage ist, ob das ausreicht.

Der Plan wirkt klar und riskant: offensive Verstärkung, verbunden mit der Hoffnung, dass sich die defensive Anfälligkeit aus dem bestehenden Kader heraus beheben lässt. Der Blick zurück macht den Unterschied deutlich. 2020/21 ging es mit neuem Trainer und neuer sportlicher Führung gemeinsam bergauf. 2023/24 kam der Turnaround mit Bo Henriksen auf einem defensiven Fundament. Heute steht Mainz erneut vor einem Neuanfang – mit neuem Trainer, aber einer Transferstrategie, die eher an einen Aufsteiger erinnert als an einen Klub, der sich über Stabilität definiert hat. Und einer Erkenntnis muss man sich stellen: Wer in fünf Jahren dreimal ein Wunder braucht, der hat keinen funktionierenden Langzeitplan.

Union Berlin und Heidenheim werden deswegen keine finalen Antworten liefern, aber sie werden Hinweise darauf geben, ob der eingeschlagene Weg funktioniert oder diesmal zu kurz greift. Es ist wie beim Raclette, ein Pfännchen nach dem anderen.