Aktuell veranstaltet Mainz 05 seine „05er Klimaverteidiger-Woche“. Mit einer dauerhaft fairen Preispolitik für pflanzliche Speisen würde der Verein seinem eigenen Anspruch gerecht werden und den CO2-Fußabdruck beim Catering tatsächlich senken meint Kolumnist Christoph Kessel.

Wir Menschen lieben Rabatte. Das konnten wir in Mainz gerade beim Schlussverkauf eines Lebensmittelmarktes beobachten. Unser Gehirn schüttet dabei den Botenstoff Dopamin aus, ein Glückshormon, das für ein Hochgefühl sorgt. Außerdem triggert ein reduzierter Preis den Urtrieb, den wir als Jäger*in und Sammler*in immer noch in uns tragen: wertvolle Ressourcen mit wenig Aufwand sichern. Etwas ähnliches ereignete sich am Samstag auf Schalke beim Mainz-05-Auswärtsspiel. Zum „Nachhaltigkeitsspieltach“ gab es einen Rabatt von 19,04 Prozent auf alle veganen Speisen. Diese waren im Auswärtsblock ruckzuck ausverkauft. Dies zeigt, dass ein günstiger Preis die Hürde für Menschen, rein pflanzliche Produkte zu probieren, senkt. Bei Mainz 05 kosten die vegane Bratwurst, das vegane Schnitzel sowie die Pommes und Wedges aktuell genauso viel wie die Wurst aus Fleisch. Der Preis für den Fleischkäse liegt sogar unter dem Preis für die pflanzlichen Produkte.
Gleichzeitig schreibt sich Mainz 05 seit Jahren den Umweltschutz auf die Fahnen und veranstaltet aktuell seine „05er Klimaverteidiger-Woche“. Eine Studie der Universität Augsburg unter dem Titel „Was kosten unsere Lebensmittel wirklich?“ hat die wahren Kosten der Nahrungsmittelproduktion ermittelt. Konventionell erzeugtes Fleisch verursacht die größten Schäden durch Treibhausgase, Stickstoffdünger, Energie und Landnutzung. Um die „wahren Kosten“ abzubilden, für die am Ende wir alle als Gesellschaft aufkommen, müsste konventionelles Fleisch 173 Prozent teurer sein. Pflanzliche Lebensmittel wie Kartoffeln schneiden mit 12 Prozent Mehrkosten deutlich besser ab.
Überträgt man diese Ergebnisse auf das Stadioncatering, bezahlen die Fans beim Kauf einer klassischen Fleisch-Bratwurst nicht die Folgeschäden, die durch die Fleischproduktion entstehen. Wenn Mainz 05 vegane Speisen also bewusst günstiger anbieten würde, gäbe der Verein den echten ökologischen und gesellschaftlichen Preisvorteil pflanzlicher Ernährung fair an die Fans weiter. Durch die steigende Nachfrage an pflanzlichen Speisen würde der CO2-Fußabdruck pro verkauftem Gericht sinken und ein dauerhafter Vegan-Rabatt tatsächlich zum Klimaschutz beitragen.

