Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

01 Hin und weg:
Zugreisen von Mainz ins Ruhrgebiet lassen sich sehr günstig mit der Bahn buchen. Dabei gilt es zu beachten, dass man die Verbindung über Koblenz wählt und in Köln Hbf. umsteigen muss. Der Fahrplan der Deutschen Bahn ist so konzipiert, dass bei dieser Verbindung nur 4 Minuten Umsteigezeit existieren. Dadurch, dass der Zug meist schon vor Mainz mehr als 4 Minuten Verspätung angesammelt hat, ist der Anschluss nicht mehr erreichbar und die Zugbindung ist aufgehoben. Dadurch kann man sich am Spieltag trotz Sparpreises und eigentlich vorhandener Zugbindung sehr flexibel den Zug aussuchen, der passt. Und das Beste: Man kann auch die ICE-Schnellstrecke von Frankfurt/Flughafen-Fernbahnhof nach Köln wählen, die wesentlich teuer ist. Das Aufheben der Zugbindung schließt eine Änderung der gewählten Strecke nicht aus, sofern man am Ende so auch zum gewünschten Zielbahnhof kommt. Selbstredend hat das am Fastnachtsfreitag natürlich auch mal wieder geklappt.

02 (N)immer nuff:
Nachdem ich das letzte Mal in Dortmund zum Stadion gelaufen und von dort mit dem Mietrad zurück zum Hauptbahnhof unterwegs war, hatte ich diesmal keine Lust, mich allzu lange der Kälte Deutschlands auszusetzen. Ihr werdet jetzt sicherlich lachen, denn die letzten Wochen war es wohl deutlich kälter – aber wenn man direkt aus Südafrika und dem Südsommer hier aufschlägt, dann war das in Dortmund schon ein Kälteschock. Auch auf die RB vom Dortmunder Hauptbahnhof zum Stadion verzichtete ich diesmal – aus Rücksicht auf Reisende ins Sauerland. Diese RB verkehrt vom Hauptbahnhof in nur vier Minuten zum Stadion, fährt aber dann weiter Richtung Osten in die Heimat von Kanzler Merz. Und es soll ja Leute geben, die mit Fußball nichts am Hut haben und abends einfach nur nach Hause wollen. Diese kommen aber oft gar nicht in die überfüllte RB rein, da viele Fans das Ding nutzen, um schnell zum Stadion zu gelangen. Also ab in die U-Bahn. Zwei Stunden vor Spielbeginn war sie vergleichsweise leer. Klar, man braucht zirka 15 Minuten zum Stadion, aber was sind schon 11 Minuten Unterschied im Vergleich zu Rücksicht auf andere Zugreisende?
03 Kon-Trolle
Die Kombination Fastnacht und Fußball artet beim Sicherheitsdienst in der Regel in extreme Mehrarbeit aus, da ja die ganzen Kostüme gecheckt werden müssen. In Dortmund lief das allerdings recht entspannt ab – zumindest was ich mitbekommen habe. Da darf man auch mal Danke sagen.

04 Kampf um den Mampf
Man bekommt in der letzten Zeit den Eindruck, dass Nachhaltigkeit mittlerweile nicht mehr wirklich viele Menschen interessiert. Das sieht man auf der großen Weltbühne der Politik aber auch im Fußball. Vor ein paar Jahren gab es praktisch keinen Club, der Einwegbecher im Stadion nutzte. Der Trend hat sich zwar nicht komplett umgekehrt, aber wie auch schon in München im Dezember, so gab es auch in Dortmund teilweise Pfandbecher und teilweise Einwegbecher. Wenigstens gibt es neue vegane Speisen im Umfeld des Auswärtsblocks. Während es vor ein paar Jahren noch die leckere Rügenwalder vegane Currywurst gab, fand ich letzte Saison außer Brezeln gar nichts veganes. Jetzt gab es auf einmal einen eigenen Stand mit libanesischen Teigtaschen (Manakisch) und Falafel-Wraps. Der Zuspruch war ziemlich groß. So bleibt zu hoffen, dass es das Angebot auch noch nächste Saison geben wird.

05 Käfighaltung
Der Auswärtsblock in Dortmund ist der nervigste der Liga. Das liegt nicht daran, dass man wie früher in Freiburg nichts sieht, sondern daran, dass sich jedes Mal Hopper*innen vorzugsweise aus dem europäischen Ausland sich im oberen Bereich aufhalten. Sie filmen wild durch die Gegend, ergötzen sich am Team des BVBs und haben halt so rein gar nichts mit dem Internationalen Karnevalsverein am Hut. Diesmal fielen sie natürlich besonders auf, da sie mit die einzigen waren, die nicht kostümiert oder mit 05-Utensilien ankamen. Selbstverständlich kann sich jeder Mensch im Auswärtsblock aufhalten – aber eine gewisse Rücksichtnahme auf die Auswärtsfans wäre schon wünschenswert. Das klappt ja auch in den meisten anderen Blöcken der Republik einwandfrei – selbst in München ist es nicht so krass.
Krass war die Choreo, die die aktive Fanszene auf die Beine stellte und die zumindest anfangs die Hopper*innen vertrieb, da das Spruchband „Internationaler Karnevalsverein“ bis in den Stehblock hinunterhing und komplett die Sicht im oberen Stehplatz-Bereich versperrte.
Wie es sich für ein Fastnachtsspiel gehört, war die Mitmachquote bei „Rucki Zucki“ oder beim Schunkeln am besten. Trotz der klaren Niederlage wurde die vierfarbbunte Fastnacht auf wunderbare Weise ins Westfalenstadion transportiert und es war schön zu sehen, dass wir halt doch eine Jahreszeit mehr haben, als der große Rest der Republik.

Der Jahrgang 2025/2026 zeigt, wie man anstrengende Hopper*innen aus dem Block vertreiben kann.
Rot-weiße Grüße,
Christoph – Meenzer on Tour



