Über die Herausforderungen im Ticketing bei steigender Nachfrage und kleinen Kontingenten berichtet Alex Schulz in der aktuellen Ausgabe der Fankolumne.

…Nur nicht so einfach!
Wenn in dieser Saison viele 05er ein Thema neben dem Geschehen auf dem Rasen interessiert, dann ist es wahrscheinlich der Vorverkauf und die Vergabe der Eintrittskarten.
Ein steigendes Interesse in den letzten Jahren führte bereits dazu, dass sich Vereins- und Fanvertretungen intensiv ausgetauscht hatten und Regelungen entwickelten, die Treue und regelmäßige Beteiligung bei Auswärtsspielen wertschätzen. So hat es jeder selbst in der Hand, sich im Ranking hochzuarbeiten.
Für viele Stadien mussten diese Spielregeln im Vorverkauf nicht angewandt werden, da das Angebot die Nachfrage deutlich übertraf.
Lediglich das Saisonende in der Bundesliga mit der verbleibenden Spannung im Abstiegskampf führt dazu, dass einige 05er leer ausgehen werden. Mit Sankt Pauli und Heidenheim geht es in zwei der kleinsten Stadien der Liga.
In der Conference League sieht es dann anders aus. Kleine Stadien mit 5 statt 10 Prozent verbindlichem Gästekontingent treffen in jeder weiteren Runde auf eine steigende Nachfrage. Während sich einige Hartgesottene davon nicht abhalten lassen, auch über Umwege in Heimblöcken dabei zu sein, schimpfen andere lieber frustriert darüber, dass sie leer ausgingen. Sollten wir am Donnerstag die Leistung aus dem Hinspiel bestätigen, dürfte es in der nächsten Runde für sehr viele 05er erneut sehr frustrierend werden, da der Gästeblock in Madrid nur wenige Plätze bietet.
Alle dürfen dann aber gerne am Sonntag mit nach Mönchengladbach fahren, denn da gibt es noch reichlich Tickets.
Aber auch für Heimspiele gibt es Verkaufsphasen und das aus gutem Grund. Mit dem begrenzten Vorverkauf soll sichergestellt werden, dass erst einmal 05-Fans das Stadion voll machen. Mitglieder haben früher Zugriff und so einen Bonus für die Mitgliedschaft. Bei nun 30000 Mitgliedern könnte jedes Heimspiel schnell ausverkauft sein.
Doch hat der vergangene Sonntag gegen Freiburg gezeigt, dass zwischen Theorie und Wirklichkeit Welten liegen. Am Mitgliederspieltag zeigte die heimische Arena doch einige leere Plätze.
Anders ist es dann gegen den großen FC Bayern. Da war nach wenigen Minuten die Hütte restlos ausverkauft. Ob es vielen dann um 05 geht, ist zumindest fraglich.
Dass wir bei ausgewählten Spielen Probleme mit Gästefans im Heimbereich haben, liegt auch am Missbrauch des Vorkaufsrechts. Eine Mitgliedschaft alleine zeigt offenbar leider nicht ausreichend die Treue zum und den Respekt vor dem eigenen Verein.
Bei Spielen in der Ferne, in denen dank großem Gästekontingent auch mit weniger Beschränkungen Karten verfügbar sind, wird das Vorkaufsrecht gerne missbraucht. Heimfans oder Stadionhopper im rot-weißen Gästeblock sind gerade in München oder Dortmund immer ein leidiges Thema.
Und zuletzt gibt es leider auch immer wieder begehrte Tickets zu überteuerten Preisen auf Drittanbieterseiten. Viele Bundesligisten haben diesen den Kampf angesagt. Wer hier kauft, kommt womöglich nicht ins Stadion und verliert so viel Geld. Für Verkäufer kann es auch teuer werden, da diese Verstöße anwaltlich verfolgt werden.
Mainz 05 kommt irgendwann an den Punkt, an dem es notwendig wird, die bestehenden Regeln zu überarbeiten. Dann diskutiert man womöglich über zunehmende Personalisierung und Sanktionierung bei Missbrauch.
Bis dahin fährt man mit dem Fokus auf die Treue und Beteiligung sehr gut, wenn die derzeitigen Regeln sicher auch Schwachstellen aufweisen.
Letztlich sind es alles Luxusprobleme, die erfreulicherweise zeigen, dass immer mehr Menschen Bock auf Fußball und Mainz 05 haben.

