Während des Veganuarys „mehr Kohr wagen“

Dominik Kohr steht für eine kompromisslose Spielweise. Mainz 05 sollte diese Spielphilosophie während des Veganuarys auf das Catering übertragen, meint Fan-Kolumnist Christoph Kessel.

Im letzten Jahr hat Mainz 05 seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht publiziert. Zugegebenermaßen sind die 64 Seiten des Berichts nicht unbedingt leichtverdauliche Kost. Womit wir auch gleich beim Thema Catering wären. Auf Seite 13 gibt der Verein das Ziel aus, bis 2030 mindestens die Hälfte des Caterings in vegetarischer Form anzubieten.

Eine Möglichkeit, Menschen pflanzliche Kost näher zu bringen, ist der alljährliche Veganuary. Diese Wortschöpfung stammt aus den Wörtern „vegan“ und „January“, also Januar. Von einer gemeinnützigen Organisation 2014 in England gegründet, wurde in Deutschland erstmals 2019 für den Veganuary geworben. Ziel des Veganuarys ist es, Menschen im ersten Monat des Jahres die Möglichkeit zu geben, pflanzenbasierte Produkte zu probieren.

Zwar hat Mainz 05 gemeinsam mit dem Caterer im letzten Jahr das Angebot an veganen Speisen auf dem Papier erweitert: Gegenüber des M-Blocks gibt es mittlerweile ein veganes Knusperschnitzel. Es werden zwei vegane Pommes-Street-Food-Varianten hinter der Westtribüne und die vegane Bratwurst hinter dem R-Block angeboten. Allerdings wird niemand um das halbe Stadion laufen, um vegane Wurst oder Schnitzel zu kaufen – und im Auswärtsblock gibt es ohnehin nur Brezeln als vegane Option.

Wo keine flächendeckende Verfügbarkeit existiert, wird auch die Nachfrage nicht anziehen. Konterkariert wird das Nachhaltigkeitsziel noch durch Fleischkäse, der 0,50 Euro günstiger ist als alle anderen Hauptspeisen wie Wurst, Schnitzel, Pommes oder Wedges – aber gleich an vier Kiosken angeboten wird.

Ins Fußballdeutsch übersetzt spielt Mainz 05 „Angsthasenfußball“ und verteidigt so viel zu zaghaft das Klima. Der Verein sollte gerade während des Veganuarys in Zukunft „mehr Kohr wagen“, was Verfügbarkeit und Preisgestaltung von pflanzlicher Kost angeht. Ansonsten ist der Verein vom selbst gesteckten Ziel von 50 Prozent Veggie-Catering weiterhin so weit weg, wie das Männer-Profifußball-Team von der Qualifikation für die Champions League.