Egal, was andere erzählen

Wann hattet Ihr gestern Euren emotionalen Tiefpunkt? Nach 5 Minuten, als das Glück der Diva vom Main mal wieder hold war? Nach dem zweiten oder dritten Treffer oder dem Führungstor in Hamburg? Bei mir war es irgendwo da in der genannten Phase. Ja, Abstiegskampf ist unangenehm, macht wenig Spaß und dann ist da jetzt auch noch die Fastenzeit, in der ich persönlich versuche, wenn ich nicht auf Reisen bin, auf Gerstensaft zu verzichten. Das Leben ist schön – nur aktuell nicht so wirklich, wenn man sich ausschließlich auf die gegenwärtige Lage unseres Vereins fokussiert.

05 bleibt mein Verein
05 bleibt mein Verein

Aber nach jedem Tiefpunkt geht es bekanntlich wieder aufwärts. Bei mir persönlich zunächst, als ich mich köstlich über das hochwertig hergestellte Plakat auf der Gegenseite amüsieren durfte. „05er sind die größten Flaschen!“ – you made my day, liebe Diva vom Main. Die Meenzer Metzger haben nüchtern auf Twitter festgestellt „1-Liter-Flaschen sind größer“. Und wenn die schwarz-weiße Kreativität nicht weiter entwickelt ist, dann ist „bunter Scheiß“ halt doch vielleicht der geilere „Scheiß“? Wenn man sich auf’s rein Sportliche beschränkt (hüstel), dann wurde der Tiefpunkt spätestens durchschritten, als weitere zwei Tore in Hamburg fielen und im Waldstadion nix mehr passierte. Dass dann die Truppe vom Don noch durch ein Eigentor gewinnt – nein es ist nicht alles schlecht gelaufen gestern. Und dass man sich für die Hertha und S04 freut – so what, das ist Abstiegskampf…und der ist unangenehm, macht wenig Spaß und Jever Fun bleibt Jever Fun.

„Egal was andere erzählen, 05 nur Du bist mein Verein“ wurde im Block sehr gut passend auf das Flaschenplakat intoniert. Und so lautete auch mein Post nachkicks in den sozialen Netzwerken. Denn da ging es mir tatsächlich irgendwie schon wieder besser. Die letzten Gegentore waren bereits mehr als eine Stunde her und wir haben, Stand Sonntag Morgen, nur in der Tordifferenz zwei Tore gegenüber Hamburg (und Wolfsburg) verloren. Dass die Saison hart wird, war doch irgendwie klar. Es gab kein Paderborn, Fürth, Darmstadt oder Tasmania Berlin in der Liga. Wer soll denn da in einer solchen Liga bitteschön eher in den Abstiegskampf gezogen werden? Freiburg – bewirbt sich gerade. Augsburg – geht erst jetzt die Luft aus. Dass es Köln (Europapokal), Wolfsburg (Deutscher Meister 2009) und der HSV (unabsteigbar) wurden, zeigt doch schon, wie die Liga aktuell besetzt ist. 

Da ich vom rein sportlichen Geschehen keine Ahnung habe, wundere ich mich immer wieder, wie in den sozialen Netzwerken so viele Leute, den handelnden Personen Unfähigkeit vorwerfen können. Bin ich wirklich der einzige, der keine Ahnung hat (außer Rouven und Sandro natürlich)? Den Trainer rauszuschmeißen hat in Hamburg ja nicht wirklich was gebracht. Und in Köln auch noch nicht komplett. Und auch in Wolfsburg hat die Demission von Martin bei denen noch nichts bewirkt. Und was haben Sandro und Kloppo gemein? Richtig, sind beide schon mal als Trainer mit 05 abgestiegen. Dass Sandro mit einer neu formierten Jugendmannschaft in einer so stark besetzen Profi-Liga mit Vereinen wie Jahn Regensburg und Holstein Kiel abgestiegen ist? Hat wohl noch keiner mitbekommen. Und dass einer dieser beiden Vereine jetzt womöglich eine Relegation zum Aufstieg in die Bundesliga (!) spielt? Zeigt hoffentlich allen virtuellen Rausschmeißern, in welcher Liga Sandros Team da letztes Jahr fast nicht abgestiegen wäre. 

Was wohl seit dem Pokalspiel in Frankfurt gewirkt hat, und das finde ich wirklich gut, ist die Reaktion von Rouven. Bereits beim Schalke Heimspiel hat er sich gezeigt und entsprechende Zeichen Richtung Tribüne gegeben. Und auch gestern war seine Reaktion in Ordnung. Er musste sicher auch erstmal lernen, dass Sportdirektor mehr ist, als das Wirken im Hintergrund. Und sein Zitat in Richtung Per Mertesacker gilt auch für alle Protagonsten bei 05. Es sind hier immer noch Menschen am Werk. Und die haben Schwächen und  machenFehler. Auch das sollten wir alle bitte nicht vergessen.

Auch in Ordnung war  gestern die Tatsache, dass der Großteil der Leute im Block blieb, trotz angekündigter Blocksperre bis 18 Uhr durch die Ordnungshüter. Das ist die richtige Richtung: Den Verein unterstüzten, auch wenn man dazu eigentlich keine Lust mehr hat, einem das Zweikampfverhalten auf den Sack geht, die Spieler zu wenig laufen, der Torhüter einen Ball durchlässt. Oder will man nach dem Ende der Saison einfach nur Recht haben und sagen, „das habe ich doch schon am zweiten Spieltag gesagt“, „war eh klar“, „sag‘ ich doch“ etc. Wenn einem die Genugtuung tatsächlich wichtiger ist als der Verein, dann „habe ich fertig“ – ein Zitat, das auch noch nach 20 Jahren gilt. 

Aber wer jetzt immer noch weiterliest, bei dem ist wohl die 05-Liebe noch vorhanden. In diesem Sinne finde ich für uns alle den Termin am Mittwoch eine sehr gute Sache. Ich möchte mich bei denen bedanken, die dieses Treffen möglich gemacht haben – die immer noch die Energie haben, den Bock, zumindest außerhalb des Platzes, umzustoßen. Hoffentlich werden da die Themen angesprochen, die beide Seiten bewegen, und Lösungsansätze gefunden, damit wir danach emotional gestärkt in die entscheidenden Wochen gehen und wir alle sagen können „Egal, was andere erzählen, 05 nur Du bist mein Verein, mein Verein!“

Früher war alles…anders

„Vielleicht ist es nicht die schlechteste Idee, nach Fastnacht mal auf eine Insel zu fahren, den Kopf frei zu bekommen und aus der Ferne den Status Quo rund um unseren geliebten Fußballsportverein zu analysieren. Allerdings wird dies kein weiterer „Meilenstein“, der sich mit der sportlichen Situation im Fußball in Liga 1 auseinander setzt. Schließlich weiß ich ganz genau, wovon ich keine Ahnung habe. Und es gibt da Menschen im Verein, die das sicher besser beurteilen können.

Niki Zimling nach dem Spiel in Regensburg
Niki Zimling nach dem Spiel in Regensburg

Was ich hoffe, beurteilen zu können, ist die Situation neben dem Platz, in der wir uns aktuell befinden: Wir, das bedeutet für mich Vereinsverantwortliche, Spieler, Fans. Interessanterweise wird von Sandro oft die gute alte Zeit beschworen, in der bei Mainz 05 alle zusammenhielten. Doch damals gab es noch kein Internet aber bereits Leute, die alles besser wussten als Trainer und Manager. Diese Leute gibt’s wohl, seitdem Fußball als so attraktiv erscheint, dass dem Spiel passiv beigewohnt wird. Matthias Sammer hat natürlich Recht, wenn er behauptet, Fußball gab es vor den Fans. Allerdings sollte er überlegen, warum er soviel Kohle in seiner Karriere gescheffelt hat. Fußball um des Fußball willens funktioniert…in der Kreisliga. Ohne Zuschauer gibt’s letztlich kein Geld zu verdienen. Er sollte vielleicht mal bei den OlympionikInnen nachfragen, wie die sich zwischen den Spielen vier Jahre lang finanziell durchschlagen und nun wieder bis Beijing 2022 medial in der Versenkung verschwinden.
Aber zurück zur angeblich guten alten Zeit bei unserem Verein. Für Motzer und Meckerer war früher nur Platz am Stammtisch und für diese Leute ist das WWW wahrlich ein Geschenk des Himmels, wurde doch schließlich die ganz persönliche Meinung durch einen Mausklick nun für die gesamte Netzgemeinde weltweit lesbar – was vorher höchstens noch der Nachbartisch mitbekommen hat.
Auch heute glaube ich, dass wir wie anno dazumal alle ein Ziel haben: Den maximalen Erfolg unseres Vereins. Ich glaube nicht, dass es eine Gruppe im Umfeld des Vereins gibt, die bewusst quertreiben möchte. Das ist für mich schon ein starkes Pfund im Abstiegskampf. Hier trifft niemand kühne Entscheidungen im Alleingang. Auch muss einem Kind kein Spielzeug weggenommen werden. Aber es gibt seit den Tagen als die alten Helden Jürgen und Don das Schiff Mainz 05 verlassen haben einfach ein Vakuum, das bisher nicht gefüllt wurde. Es handelt sich dabei genau um das, was Sandro mit „früher“ bezeichnet. Früher wurde sich zusammengesetzt, disputiert und eine Lösung gefunden. Das funktionierte oft am Zaun von Lübeck, Kiel und Medias, gefühlt hundert Mal in Fürth und vielleicht auch in Velbert aber sicher hinter den Kulissen, weil sich die Protagonisten auch lange genug kannten, um tiefer liegende Ursachen für Missstimmungen anzugehen. Dieses Vakuum müsste halt jemand füllen, der auf der Trainerbank während der Spiele Platz nimmt und direkt „eingreifen“ kann, also Kuhni, Sandro oder Rouven. Das funktioniert aber natürlich nicht von jetzt auf gleich und wenn man sich dazu nicht in der Lage fühlt oder sieht, dann klappt das halt nicht so wie früher. Wäre zwar kacke, ist dann aber halt so. Aber das ist meiner Meinung nach die sooft beschworene 05-Identität.
Seit geraumer Zeit habe ich aber ohnehin schon ein ganz klein wenig das Gefühl, dass man als aktiver 05-Fan oft nur lästiges Beiwerk beim Geschäft Profifußball ist. Es kommt jetzt allerdings keine DFB-Schelte, denn die großen Probleme sind ohnehin bekannt.Es sind die kleinen Mainz-bezogenen Dinge, die mich da nachdenklich stimmen. Dass z.B. die Mannschaft in Hoffenheim nicht zum Zaun kam, ist für mich ein Déjà vu, fuhr ich doch in Liga 3 häufig auch mal auswärts – zuletzt im April 2017 nach Regensburg, dienstags abends zur U23. Insgesamt hatten sich rund 10 05er aufgemacht, die Jungs im Abstiegskampf zu unterstützen. Wir waren als Gästefans eindeutig erkennbar und die Jungs machten sich auch vor uns warm. Nach dem verlorenen Spiel kam genau eine Person zum Block: Niki Zimling – der Rest der jungen 05er machte sich frustriert mitsamt dem Trainer-Team ab in die Kabine. Nein, man muss nicht zu den Gästefans gehen, da hat Philipp Köster von „11 Freunde“ Recht (allerdings hat er von unserer Situation leider wenig Ahnung).
Aber es ist halt schon ein Statement, das man abgibt: Uns sind die mitgereisten Fans egal. Oder wird man als Fan erst wahrgenommen, wenn man in der großen Masse auftritt? Denn hier zählt das Argument des Schmähgesangs nicht. Natürlich kann man mit 10 Leuten keinen Mega-Support leisten, aber angeblich bekommen das die Spieler ja eh während des Spiels nicht mit. Also frage ich mich schon, warum die höchste Ausbildungsmannschaft der 05er einfach nach dem Spiel abhaut. Den Jungs wird doch neben dem Fußball so viel vermittelt. Das wäre für mich ein Ansatzpunkt für die 05-Identität: Geht nicht nur zusammen in der Halbzeitpause vom Platz, sondern nachkicks im wahrsten Sinne des Wortes auf die Fans zu – egal ob es 5, 50, 500 oder 5.000 sind. Wollen die euch nur beleidigen, dreht einfach ab – das habe ich im Stadion am Europakreisel in sportlich besseren Zeiten öfters beim Gästeteam beobachtet – denn Beleidigungen braucht wirklich niemand und sie motivieren Spieler bestimmt nicht. Aber partout keinen Schritt in Richtung eigener Fans zu machen, ist und bleibt eine nicht hilfreiche Aktion, wenn es eh an allen Ecken und Enden brennt. Das wirkt dann wie ein Brandbeschleuniger.
Zurück zu Niki Zimling. Der alte Leader wusste was sich in Regensburg gehört, dabei war er es, der schon vor weit mehr als 10 Fans auswärts gespielt hat – anders als seine jungen Mitspieler. Und da sind wir beim nächsten Punkt, den Spielern selbst. Früher bei Sandro war die Verweildauer der Spieler bei Mainz 05 wesentlich länger als heute. Junge, talentierte Spieler zu holen, aufzubauen und teuer zu verkaufen, ist für unseren Verein eine gute Idee für das Haifischbecken Bundesliga mit dem Kollateralschaden, dass diese Jungs keine Bindung zum Verein und keinen Bezug zur Stadt aufbauen. Auch hier ist der Verein gefordert, die Jungs in die lokale Kultur einzuführen. Selbst die großen Bayern zwängen Weltstars zum Oktoberfest in die Lederhose. Da sollte es doch möglich sein, den Spielern etwas über die politisch, literarische Fastnacht beizubringen, die eine gewisse Selbstironie mit einschließt. Dann hätten die verantwortlichen 05er in Hoffenheim vielleicht verstanden, dass der Block, der halt einen an der Waffel hat, das nicht bierernst gemeint hat. Oder definiert man im Verein Fastnacht nur mit einem verkleideten Bajazz?
Und wir Fans? Was haben wir verbockt? In Hoffenheim sicherlich nach dem zweiten Tor von Emil nicht nochmal richtig Gas zu geben. Aber Fans sind halt auch nur Menschen, die nicht auf Knopfdruck supporten. Und jeder hat das Recht, zu supporten oder es sein zu lassen oder auch so zu supporten, wie es einem gefällt, so lange es keine Beschimpfungen sind. Ich habe natürlich leicht reden, hocke ich ja gerade fernab auf einer Insel, aber dennoch hoffe ich für Samstag auf eine große Unterstützung der Mannschaft in Hamburg und hoffe ferner, dass diejenigen, die sich seit geraumer Zeit missverstanden oder nicht ernst genommen fühlen, differenzieren zwischen der aktuellen sportlichen Lage unseres Vereins und der von ihnen so wahrgenommenen Situation, die es mittelfristig mit den Vereinsvertretern zu lösen gilt.
Denn wir alle sind gerade in der glücklichen Lage, einen neuen, unverbrauchten Präsidenten, einen allseits anerkannten, gewählten Fanvertreter im Aufsichtsrat, eine handlungsfähige Fanabteilung, einen kompletten Vorstand und rührige Supporters zu haben, die sich hoffentlich alle auf Augenhöhe begegnen und die Gräben zuschütten, die mit der Zeit entstanden sind.

Quo vadis Mainz 05? Vol. 2

„Wen wählst Du am Sonntag?“ war sicherlich die am häufigsten gestellte Frage beim gestrigen Stuttgart-Spiel. Während ich am Freitag mehr auf die Umstände rund um die Wahl eingegangen bin, geht es mir heute eher um die Kandidatin und die Kandidaten. Dankenswerterweise hatten hierfür die Supporters uns die Möglichkeit gegeben, sich vor dem Spiel unter dem A-Block ein Bild von ihnen zu machen. Gewinner waren eindeutig die Supporters, denn das Angebot mit den vieren ins Gespräch zu kommen, ist rege von Jung und Alt angenommen worden. 

Stadion am Europakreisel in Mainz
Stadion am Europakreisel in Mainz


Eine Wahlempfehlung auszusprechen ist immer eine schwierige Sache. Alle vier Kandidaten haben in ihren Präsentationen davon gesprochen, wieder Ruhe in den Verein bringen zu wollen. Bevor es später zur Wahl des Vorstandsvorsitzenden kommt, steht zunächst wohl noch ein Antrag auf eine Satzungsänderung an. In dieser geht es darum, zukünftig einen hauptamtlichen Vorstandsvorsitzenden zu wählen. Damit wäre die Wahl zum ehrenamtlichen Vorstandsvorsitzenden hinfällig und Ruhe würde bei Mainz 05 sicherlich nicht einkehren. Daher sollte man diese Änderung sicherlich im Hinterkopf behalten. Ob sich diese Änderung für heute empfiehlt, sei dahingestellt.

Rouven Schröder hat einmal sinngemäß gesagt, das wichtigste bei Mainz 05 sei der Verein und nicht die Köpfe. Die vier Köpfe, die das neue Aushängeschild von unserem Verein werden wollen, haben alle einen unterschiedlichen Wahlkampf in der Kürze der Zeit geführt. Gestern sah ich auf der Seite 17 der AZ eine Anzeige der „Interessengemeinschaft Mainz 05“. Wer diese Interessengemeinschaft ist, bleibt im Nebel. Es ist aber anzunehmen, dass diese mit dem Wissen von Herrn Doetz die Anzeige platziert hat. In dieser duzt sie alle Leserinnen und Leser der AZ zunächst und fordert diese auf, ins Stadion zu kommen. Wenn es um die Wahl geht, verfällt der Verfasser der Anzeige ins Sie und befiehlt „Wählen Sie Jürgen Doetz!“. Danach werden seine vermeintlichen USP (nicht Ultras Sankt Pauli – sondern Unique Selling Points) aufgezeigt: Er hätte Erfahrung. Frau Federhenn und Herr Hofmann sind bei Mainz 05 allerdings auch schon sehr lange im Geschäft. Er sei der Kandidat, den man kennt, „überall dort wo es hilft“ – das Komma fehlt tatsächlich – ob es an der heißen Nadel lag, mit der sie gestrickt wurde? Herr Hofmann hatte das Nachwuchsleistungszentrum aufgebaut und 12 Jahre geführt – dadurch ist er sicherlich gut mit DFB und DFL vernetzt. Herr Doetz sei der Kandidat mit klarem Programm „für unsere Probleme“. Von Lösungen ist nicht die Rede – denn diese hätte er ja in seiner Funktion bis Sommer auch präsentieren können. Schließlich sei Herr Doetz der Kandidat, „der dem Verein rund um die Uhr zur Verfügung stehen wird“. Die maximale Wochenarbeitszeit in Deutschland beträgt 48 Stunden – mehr möchte ich persönlich einem Ehrenamtler auch nicht zumuten. Schließlich arbeitet dieser in einem Team und die vorgestern angesprochenen Alphamännchen, die alles alleine entscheiden, befinden sich auf dem absteigenden Ast. Trotzdem ist der letzte Punkt sehr wichtig, wenn man an die oben genannte Satzungsänderung denkt, die im Raume steht. Womöglich wäre er ein Kandidat für einen zukünftig zu wählenden hauptamtlichen Vorstand.

„Der Plan ist perfekt“ so lautet das Intro zu einem „investigativen“ Artikel des Fachmagazins für Torkanonen. Eigentlich soll es um die Kandidatur von Frau Federhenn gehen. Diese wird in der Online-Ausgabe als „letztes Puzzleteil“ bezeichnet. Im Artikel selbst geht es um den Puzzlespieler, den Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Herrn Höhne. Heldenhaft sind die Torkanonen-Journalisten Herrn Höhne auf die Schliche gekommen, als dieser die Mitgliedslisten durchforstete und feststellte, dass 30% der Nullfünfer, ja eigentlich Nullfünferinnen sind. Daher fiel seine Wahl auf das Aufsichtsratsmitglied Frau Federhenn, die er angeblich inthronisieren möchte. Dass dieses dem Aufsichtsrats zustehende Vorschlagsrecht auf einer Entscheidung des Gremiums beruhte und nicht die eines Alpamännchsens mit Allmachtphantasien war, haben die Torkanonen-Kolumnisten ignoriert. Und dass Herr Höhne, „wie aus sicheren Quellen zu erfahren war“, Frau Federhenns Reden und Interviews aufpimpte, zeigt vielleicht eher die Qualitäten von Frau Federhenn, die anders als viele Männer, nicht beratungsresistent ist, sondern sich helfen lässt. An seinen Schwächen zu arbeiten war sicherlich noch nie ein Fehler – aber ein Männer dominiertes Redaktionsteam macht natürlich keine Fehler und ist auf so etwas nie und nimmer angewiesen. Es wäre allerdings besser gewesen, Frau Federhenn hätte zum Zeitpunkt der Bekanntgabe ihrer Kandidatur ihr Mandat im Aufsichtsrat niedergelegt. Denn wenn sie nachher nicht gewinnt, wird sie zukünftig die Person, gegen die sie unterlag, kontrollieren. Wie war das noch mit Mainz 05, der Wichtigkeit, dem Verein und den Köpfen?

Ich nahm gerne vor dem Spiel das Angebot der Supporters an, um den Ausführungen des dritten Kandidaten, Herrn Hofmann zu lauschen, da ich ihn nicht kenne. Er stand vielen Leuten aus der aktiven Fanszene Rede und Antwort. Glücklicherweise wurden ihm auch in aller Ausführlichkeit kritische Fragen gestellt, z.B. zum Thema Motivation. Hofmann erklärte, dass er diesen Begriff im Sommer im Zusammenhang mit Mainz 05 gar nicht benutzt hat. Bei mir kam es damals so an, als sei er aufgrund von fehlender Motivation aus seiner Tätigkeit im Nachwuchsleistungszentrum ausgeschieden. Hofmann stellt die Sache gerade. Auf seine Ausführungen hin, die er gegenüber einem Journalisten tätigte, warum er nach 12 Jahren in dieser Funktion, in der er im Bereich Nachwuchsförderung sicherlich alles miterlebt hatte, die tägliche Routine vielleicht nicht mehr als so den Burner empfand, sprach der Journalist von Motivationsproblemen. Das ganze erinnerte mich ein wenig an den Don, der auch nicht sein Leben lang die Lebensversicherung von Mainz 05 spielen wollte. Hofmann selbst blieb vielmehr Mainz 05 eng verbunden, in dem er z.B. für Sandro die kommenden Gegner beobachtete – unmotiviert kann man eine solche Arbeit sicherlich nicht verrichten. Und ihm war wichtig klarzustellen, dass er seit drei Jahren Thomas Krücken im Nachwuchsleistungszentrum aufgebaut hat und praktisch eine fließende Übergabe ermöglichte. Hier merkt man, dass dieser Mann Aufgaben ernst nimmt und sich entsprechend engagiert.

Interessant waren auch Hofmanns Ausführungen über das Amt, auf das er sich heute bewirbt. Langfristig sieht er auch die Notwendigkeit, einen hauptamtlichen Vorstandsvorsitzenden zu installieren. Allerdings nicht heute, damit der Verein endlich zur Ruhe kommt. Und auf die Frage, wie er Amt und Job miteinander verbinden kann, erklärte er seinen Beamten-Status, der es ihm ermöglichen kann, kürzer zu treten und die notwendige Zeit für das Amt aufzubringen.

Ich wünsche mir vorallem, dass eine möglichst große Zahl an Nullfünfern nachher in die Halle 45 kommt – mit Perso und Mitgliedsausweis, damit unser neues Aushängeschild eine größtmögliche Legitimation erfährt.

In diesem Sinne, gute Nacht und bis später in der Halle 45!