Spätlese Posen Saison 2025/2026

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

Anpfiff zum Spiel bei Lech Posen

01 Hin und weg:

International zu spielen, muss nicht unbedingt bedeuten, dass es kompliziert ist, dorthin zu kommen. Wie schon 2016 mit Anderlecht und St. Etienne hatten wir mit Posen eine Auswärtsfahrt geschenkt bekommen, die recht einfach mit der Bahn erreichbar ist. Dass hierfür sogar ein Sonderzug organisiert wurde, ist mehr als löblich. Allerdings ziehe ich es vor, auch mir mal die Stadt anzuschauen, ehe es ins Stadion geht. Daher ging es nach einem Übernachtungsstopp in Berlin weiter in Richtung Polen. Zwischen der deutschen und der polnischen Hauptstadt gibt es mittlerweile im 2-Stunden-Takt Züge über Posen.

Abfahrt mit dem EuroCity von Berlin Hauptbahnhof

Eine Sitzplatzreservierung ist auf den internationalen Strecken obligatorisch – bei der Buchung über die Bahn war sie sogar gratis im Fahrpreis inbegriffen. Von Berlin aus bin ich praktisch schon in alle Richtungen hauptsächlich für den Fußball unterwegs gewesen: nach Norden nach Rostock, von Westen von Wolfsburg (wenn der Zug denn nicht durchfuhr), nach Süd-Osten nach Cottbus und von Süd-Westen von Magdeburg. Nur nach Osten, nach Frankfurt/Oder, das war dann wirklich Bahnneuland für mich – genauso wie Zug fahren in Polen. Anders als Rumänien, das ich schon fünfmal bereist hatte, war es tatsächlich erst mein zweiter Aufenthalt in unserem Nachbarland überhaupt.  

Fahrt über die Oder nach Polen

02 (N)immer nuff:

Pünktlich traf der Zug mittags in Posen ein – genug Zeit, um mal wieder auf Entdeckungstour zu gehen. Anders als in Craiova ist in Posen das vegane Angebot sehr vielfältig. Meine Wahl fiel auf ein kleines Café mit traditionellem polnischen Streetfood – sehr mächtig und sehr lecker. In der wunderschönen Altstadt gab es wie in Craiova Weihnachtsmärkte. Statt einem großen, gab es mehrere kleine über die Stadt verstreut.

Einer der vielen kleinen Weihnachtsmärkte in Posen

Dezent im Hintergrund sah man immer mal wieder Cops. Anders als in Craiova, wo, wie in Deutschland Barrikaden die Zufahrt zu den Märkten versperrten, waren in die Cops wahrscheinlich wegen des Fußballspiels in der Stadt unterwegs…sicherlich nicht die schlechteste Idee, denn Fußball in Polen ist…anders.

Schobbeschachtel in Posen

03 Kon-Trolle

Von Lech Posen gab es die Idee, dass sich 05-Fans auf dem Weihnachtsmarkt an der Messe treffen könnten und von dort gemeinsam mit dem Bus ins Stadion fahren sollten. Die Location war gut gewählt. Dort konnte man sich in einer Art Schobbeschachtel aufwärmen, essen und trinken und sich mit Gleichgesinnten oder Einheimischen austauschen. Immer Hintergrund immer zu sehen: Cops. Die Abfahrt war für 18 Uhr vorgesehen – dafür standen genügend Busse zur Verfügung.

Massive Polizeipräsenz vor dem Stadion

Letztlich ging es zwar erst um 19 Uhr los, aber dafür gab es für alle Sitzplätze. Statt vor dem Stadion gegebenenfalls auszuharren, war es sicherlich die bessere Idee, uns noch eine Stunde im geöffneten Bus warten zu lassen, ehe es im Polizei-Konvoi über rote Ampeln in zirka 15 Minuten zum Stadion ging. Dort wurde von den Cops erstmal der Wald abgeleuchtet, bevor es grünes Licht zum Aussteigen gab und es im Licht der unzähligen Blaulichter die wenigen Meter zum Stadion ging. Die Kontrolle war easy und unstressig.

04 Kampf um den Mampf

Dieser wurde, wie bei mir international üblich, erst gar nicht geführt. Es gab aber sogar Lech-Leicht-Bier in Einwegplastik – so eine Art BVB-Variante auf Polnisch.

Polnisch veganes Streetfood

05 Käfighaltung

Mein elftes internationales Auswärtsspiel mit Mainz 05 war sicherlich das, was von der Stimmung her einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Natürlich ist jeder internationale Auftritt von Mainz 05 ein Geschenk, aber bis auf die Fahrt zum Sevilla FC in das extrem steile Eastadio Ramón Sánchez Pizjuán und die Fahrt zur AS St. Etienne „fehlte“ diesen Begegnungen ein bisschen die knisternde Atmosphäre. Im größten Stadion der aktuellen Conference League wurde im Heimbereich schon mal eine nahezu 100-prozentige Mittmachquote erreicht – beim Hüpfen über dreieinhalb Tribünen.

Punkt geholt und auch 2026 internationale vertreten

Doch der 05-Block hielt gut dagegen, so dass es wirklich eine magische Nacht wurde. Diese konnte selbst der VAR mit seiner Nicht-Entscheidung, den Nicht-Elfmeter wieder zurückzunehmen, kaputt machen. Und mit dem Unentschieden hieß es nun mit Urs auf Kurs ins nächste Jahr internationaler Fußballsportverein von 1905!

Fazit: Der Jahrgang 2025/2026 zeigt, dass es erstmals international auch im nächsten Jahr weitergeht!

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour