Alle Wege führen nach Olmütz … irgendwie

Für den 1. FSV Mainz 05 steht in dieser Woche das erste internationale K.o.-Spiel der Vereinsgeschichte an. In ihrer Fan-Kolumne hinterfragt Felicitas Budde, ob sich Sigma Olmütz mit dem stark reduzierten Ticketverkauf einen Gefallen getan hat.

Auswärts in Europa ist für Fußballfans immer etwas Besonderes. Neue Stadt, neues Stadion, ein Gegner, den man vorher höchstens einmal bei irgendeiner Auslosung gehört hat. Eine Mischung aus Kreuz- und Klassenfahrt.

Für Mainz 05 ist das anstehende Conference League Hinspiel noch viel mehr: Das Achtelfinale der Conference League in Olmütz ist das erste internationale K.-o.-Spiel der Vereinsgeschichte. Klar also, dass viele Mainzer Fans dabei sein wollen.

Das Problem ist nur: Tickets sind schwer bis unmöglich zu ergattern. Gerade einmal rund 650 Gästekarten stehen zur Verfügung, also die fünf Prozent der Stadionkapazität, die die UEFA mindestens vorschreibt. Mehr möchte Sigma Olmütz offenbar nicht herausgeben. Entsprechend schnell waren die Karten weg.

Die Folge: Viele Fans gehen leer aus. Und trotzdem planen viele die Reise nach Tschechien. Der Q-Block hat dazu aufgerufen, auch ohne Ticket nach Olmütz zu fahren. Und wer sich in den vergangenen Tagen in der Fanszene umgehört hat, merkt schnell: Der Aufruf zeigt Wirkung. Hotels werden gebucht, Fahrgemeinschaften organisiert und natürlich wird überall versucht, auf dem Ticketwühltisch fündig zu werden – offenbar mit Erfolg.

Und genau an diesem Punkt stellt sich die Frage, wie sinnvoll solche strengen Kontingente eigentlich sind. Die Idee dahinter ist klar: möglichst wenige Gästefans im Stadion. In der Praxis führt das oft zu einem anderen Ergebnis. Denn wenn hunderte Fans ohnehin nach Olmütz reisen, werden einige von ihnen am Ende auch einen Weg ins Stadion finden. Nur eben nicht im Gästeblock, sondern irgendwo auf den anderen Tribünen – oder in den Kneipen der Innenstadt.

Der Heimverein hat dann also nicht weniger Gästefans im Stadion, sondern nur weniger Überblick darüber, wo sich die Gästefans aufhalten. Schön, dass Mainz 05 inzwischen so groß geworden ist, dass man selbst mal die gegnerische Übermacht ist. Sollte die Mannschaft ähnlich kreativ und konsequent im Auftreten sein wie die Fans in der Anreise, steht einer weiteren Klassenfahrt ins europäische Ausland nichts im Weg.

Fairtrade-Club in der Fairtrade-Stadt?

Faires Handeln ist Mainz 05 wichtig. Gleichzeitig trägt Mainz den Titel „Fairtrade-Stadt“. Zeit, dass sich die fairen Kräfte bündeln, meint Kolumnist Christoph Kessel.

Im Februar hat der Verein Fairtrade Deutschland e.V. mit seiner „Fairbruary“-Kampagne wieder dazu aufgerufen, einen Monat lang besonders fair zu konsumieren. Dadurch sollen der faire Handel weiter vorangebracht und ein Zeichen für Fairness gesetzt werden. Gleichzeitig wird in den Fußball-Bundesligen Fairplay hochgehalten. Ein Blick in seinen Nachhaltigkeitsbericht zeigt, dass sich auch Mainz 05 dem fairen Miteinander verschrieben hat: Beim Merchandising wird verstärkt Wert auf faire Produktionsbedingungen geachtet. Fairness und Respekt allen Menschen gegenüber werden großgeschrieben. Der Verein achtet auf faire Arbeitsbedingungen und garantiert eine faire Vergütung. Er ist davon überzeugt, dass ein fairer Umgang mit allen Menschen eine grundlegende Voraussetzung für eine ethisch verantwortungsvolle Unternehmensführung ist. In der Fußballschule wird Wert auf Fairplay im Spiel und als „Klimaverteidiger“ in Bezug auf die Umwelt gelegt.

Auch beim Catering wird es fairer. Sowohl Kaffee- als auch Tee-Anbieter bekennen sich zu fairen Produktionsbedingungen. Der Preis für alkoholfreies Bier wurde in dieser Saison um 20 Prozent gesenkt. Der Ausbau des pflanzenbasierten Angebots wird forciert. Natürlich gibt es Punkte, bei denen es noch hapert. Dem Team der Amputierten-Fußballer nur T-Shirts zur Meisterschaft zu schenken, ist mindestens unglücklich. Fehlende Chancengerechtigkeit zwischen Frauen- und Männerfußball ist der Historie geschuldet. Sie sollte aber möglichst schnell hergestellt werden. Unterm Strich aber bewegt sich Mainz 05 in eine sehr faire Richtung.

Umso erstaunlicher ist es, dass der Verein hier nicht den Schulterschluss mit der Stadt sucht. Schließlich trägt Mainz seit Jahren den Titel „Fairtrade-Stadt“, da es die „Fairtrade-Town“-Kriterien erfüllt. Ein Kriterium schreibt eine Liste „Faire Einkaufsmöglichkeiten“ vor. Auf ihr fehlt bisher Mainz 05, obwohl viele Fairtrade-Fanartikel angeboten werden. Das ist eine verpasste Chance sowohl für die Fairtrade-Stadt als auch den Fairtrade-Club. Und wer Fairness in diesen Zeiten belächelt, in denen scheinbar nur Macht und Ego gewinnen, der sollte an die erste Europapokal-Saison denken. Mainz 05 hatte sich 2005 nicht sportlich, sondern über die Fairplay-Tabelle fürs internationale Geschäft qualifiziert. Ohne faires Verhalten aller 05er*innen hätte es die Reisen nach Armenien, Island und Spanien nicht gegeben.

Voller Fokus auf den Abstiegskampf!

Mit dem Ende der fünften Jahreszeit liegt seit dem Heimspiel gegen den HSV der Fokus wieder voll auf dem Abstiegskampf. Die kommenden Wochen werden richtungsweisend, findet Sebastian Schneider.

Am Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei. Es endete die fünfte Jahreszeit, und die Narren haben wieder Pause bis zum 11. November. Anders ist es bei unseren Nullfünfern, die berechtigterweise eher dezimiert beim Rosenmontagszug zu sehen waren. Nun beginnt eine wirklich wichtige Phase der Saison. Bei den kommenden Heimspielen sollte mehr herauskommen als am vergangenen Freitag. Nadiem Amiri bilanzierte richtig: „Zwei verlorene Punkte!“ Die Mannschaft warf in einem hart umkämpften Spiel wirklich alles hinein. Allerdings bleibt neben dem Ärger um den unglücklichen und regelwidrigen Freistoßtreffer des HSV auch ein wenig Glück auf unserer Seite hinsichtlich möglicher, ausgebliebener Platzverweise festzuhalten.

Die Fans auf den Tribünen zeigten sich auf jeden Fall von ihrer besten Seite. Es herrschte eine absolut vorzeigbare Flutlichtatmosphäre, auch im Gästeblock – abgesehen von den unnötigen Provokationen nach Spielende. Unverständlich, warum der HSV-Anhang das nötig hat.

Wenn die Unterstützung von den Rängen auf Mainzer Seite so weitergeht und alle Fans in der Kurve so mitziehen, sollte bei den kommenden, teils sehr schweren Heimspielen der Heimvorteil klar zu spüren sein. Die ausbleibende Konkurrenz durch die unterschiedlichen Fastnachtsveranstaltungen sollte nun auch dazu führen, dass trotz ausverkauftem Stadion wirklich alle Plätze belegt sind. Zudem werden die Temperaturen nun auch wieder angenehmer, und hoffentlich wird der März auch weniger nass, sodass die gemütliche Couch nicht mehr allzu sehr lockt. Deshalb sei allen gesagt: Kommt ins Stadion, kauft Tickets, damit jedes Spiel ein Heimspiel ist.

Insgesamt bleiben noch zehn Spieltage bis zum Saisonfinale in Heidenheim. Zu hoffen wäre jedoch, dass dieses Spiel zumindest für unser Team kein Finale um die hinteren Plätze wird. Dafür wäre die Fortsetzung der positiven Heimbilanz mithilfe der euphorischen rot-weißen Fans auf der Rheinhessentribüne auf jeden Fall zu wünschen. Die Chancen stehen jedenfalls gut, dass Fans und Mannschaft als eingeschworene Gemeinschaft zu Hause weiter kräftig Punkte sammeln und die schmerzlich verlorenen zwei Punkte vom vergangenen Freitag schnell wieder wettmachen.