Spätlese Craiova Saison 2025/2026

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

Anpfiff im Stadionul Ion Oblemenco

01 Hin und weg:

Möchte man manche Reisen möglichst „nachhaltig“ gestalten, muss man halt mal „vor fahren“. So fuhr ich die Strecke Mainz – Bukarest bereits 1995 mit dem Zug (auf dem Weg mit Öffis nach Kapstadt). Damals ging es in zwei Nachtfahrten mit ungarischem und rumänischem Visum in die Hauptstadt von Rumänien. Diesmal konnte ich die Reise ohne Reisepass und Visum antreten. Dem Schengen-Raum sei Dank reichte diesmal ein Perso. Leider musste ich diesmal den Flieger nehmen. Schließlich hatte ich praktisch keine Urlaubstage mehr. Daher ging es mit der Bahn nur vom Flughafen Bukarest bis nach Craiova.

Unterwegs mit dem Zug durch die Walachei

Das Zugticket war 28 Tage vor Reiseantritt schnell über die App gebucht. Tatsächlich konnte ich die Zugfahrt bereits am Flughafen antreten, denn seit 2023 hat er Bahnanschluss. Das sah bei meinem Medias-Besuch 2011 noch anders aus. Am Bukarester Nordbahnhof angekommen, konnte ich keine großen Unterschiede zu meinen bisherigen Besuchen 1995 und 2003 feststellen. 2003 ging es von hier ebenfalls über Budapest und Österreich mit dem Zug nach Mainz zurück. Das war damals das Ende meiner einjährigen Weltreise mit Öffis rund um unseren verrückten Planeten.

Retro-Anzeigetafel in Bukarest-Nord

Die Zugfahrt nach Craiova selbst war komplett unspektakulär und alles andere als Hochgeschwindigkeitsverkehr. Für die 204 Kilometer brauchte der Zug laut Fahrplan über 4 Stunden. Vorbei ging es durch die vollkommen flache Walachei im Hochnebel in Richtung Spielort. Mit ein paar Minuten Verspätung erreichte ich schließlich Craiova.

Flughafen-Bahn am Bukarester Airport

02 (N)immer nuff:

Der Weg vom Bahnhof zum Hotel führte mich zwei Kilometer weit an grauen Plattenbauten entlang. Auf grauen Straßen und bei grauem Himmel erreichte ich das einzig großen Hotel der Stadt. Dort erstrahlte in herrlichem Rot-Weiß der Bus von Mainz 05. Dieser musste durch halb Europa hierher gurken. Schließlich kann das Team vom Flughafen ins Hotel und von dort ins Stadion nur in diesem Bus fahren. Gewohnte Abläufe…so wichtig im Profifußball.

Mannschaftsbus vor dem Teamhotel

Zu unserem Erfahrungsschatz gehört es mittlerweile, dass so ein Bus Idiot*innen auf den Plan ruft. In Trondheim wurden schön die Reifen demoliert. Und es ist halt alles andere als nachhaltig, solche Leerfahrten zu veranstalten. Gut, dass die CO2-Emissionen, die ein solches Handeln nach sich zieht, nicht im Nachhaltigkeitsbericht des Vereins thematisiert werden.

Weihnachtsmarkt in Craiova

Und wer sagt, das wird halt so auf Europapokalfahrten gemacht, der war 2005 wohl nicht in Reykjavik dabei. Damals stiegen Klopp und Co. aus einem isländischen Bus aus und standen dann mit uns vor verschlossenem Stadion. Das ist aber eine andere Geschichte 😉

03 Kon-Trolle

Der Weg vom Hotel ins Stadion führte praktisch nonstop durch einen Weihnachtsmarkt. Craiova ist den Älteren unter uns sicherlich nur durch den Fußball bekannt. Aber tatsächlich befindet sich in der Stadt der größte Weihnachtsmarkt Europas. Laut Travelbook hat dieser die Ausmaße von 40 Fußballfeldern. Er ist übrigens noch bis zum 4. Januar 2026 geöffnet – falls noch jemand hin möchte.

Engel am Rande des Weihnachtsmarktes

Für den Lichterzauber muss sicher ein ganzes Atomkraftwerk herhalten. Aber es sah halt auch echt verdammt kitschig hübsch aus. Hinter zwei, drei Straßenecken war auch schon das Stadion erreicht. Anders als bei vielen anderen Stadien befand sich der Eingang für uns direkt auf dem Hauptplatz. Es waren keine mega Umwege nötig, um hineinzugelangen. Und die lockere Security sorgte für einen entspannten Weg in den Block.

04 Kampf um den Mampf

Außer in Stuttgart lebt man als auswärtsfahrende Person, die pflanzliche Kost zu sich nimmt, in der Bundesliga in einem Schlaraffenland. Es gibt eigentlich immer etwas zu futtern. Aber international sieht das meist nicht ganz so toll aus.

Vegane Törtchen aus Craiova

Daher stattete ich vorkicks zwischen Weihnachtsmarkt und Stadion dem einzigen veganen Café der Stadt einen Besuch ab. Dort schlug ich meinen Magen mit veganen Törtchen voll. Schließlich sah ich auch auf dem Weihnachtsmarkt nicht wirklich etwas pflanzliches – mit Ausnahme von Glühwein vielleicht…

05 Käfighaltung

Das Schöne an internationalen Auswärtsfahrten sind oft die Begegnungen vor dem Spiel. Und natürlich ergebnisunabhängig nach dem Spiel (diesmal vorallem an der Hotelbar des Teamhotels). Zu den unangenehmen Erscheinungen hingegen zählen bizarre Elfmeter, mit denen es in Craiova startete und dieser das Spiel entschied. Auch ellenlange Videobeweise sind einfach nur noch gestört. Warum man 5 Minuten braucht, um etwas zu entdecken? Das Abseits von Kacper sollte sich mit einem Blick entdecken lassen. Oder das „Foul“, das zum Elfer führte. Anonsten ist das einfach nur noch abstoßend – genauso wie komplett überflüssige Blocksperren.

Blocksperre im Stadion nach Abpfiff

Fast eine Stunde durften wir den Block nicht verlassen. Am Ende fanden sich im weiten rund keine Heimfans mehr. Die Craiova-Ultras hatten in der Zwischenzeit sogar die Reste ihrer Choreo abgebaut. Am Ende verblieb der Mainzer Mob und eine Hundertschaft Polizist*innen im weiten Rund. So glotzte man sich eine Stunde lang an. Dann wurde auf Kommando die Blocksperre aufgehoben. Wir konnten zurück auf den Weihnachtsmarkt trotten. Dieser war schließlich auch um 22 Uhr noch geöffnet und belebt – dem tristen Grau als Kontrastprogramm zum Trotz.

Fazit: Der Jahrgang 2025/2026 zeigt, dass man international viel Zeit mitbringen muss. Für den elenden VAR, die Blocksperre und das Entdecken des größten Weihnachtsmarkt Europas.

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour

Wir fahr’n zu Mainz 05, weil wir alle einen an der Waffel haben

Der 1. FSV Mainz 05 steckt sportlich tief in der Krise. Für Felicitas Budde wird aber gerade in solchen Phasen deutlich, wo das Herz von Mainz 05 am lautesten schlägt.

Mainz 05 steht sportlich gesehen mit dem Rücken zur Wand. Tabellenletzter, acht Bundesligaspiele ohne Sieg, fünf Platzverweise in zwölf Partien, ein 0:4 in Freiburg ohne eigenen Torschuss bis zur 82. Minute. Und davor ein 0:1 in Craiova – gegen die Mannschaft mit den meisten Ballverlusten in der gesamten Conference League. Mainz 05 steht nicht nur unter Druck, der Verein blickt als Tabellenletzter auf den Scherbenhaufen der Leistungen aus der vergangenen Saison. Die sportliche Leitung hat bis Dienstagmittag nicht öffentlich reagiert, Signale sucht man vergebens. Bis jetzt ist unklar, wer am Freitag überhaupt an der Seitenlinie stehen wird.

Trotz der seit Wochen überschaubaren Leistungen sind die Fans am Donnerstag nach Craiova gefahren. Trotzdem war der Auswärtsblock in Freiburg gefüllt. Nicht, weil der Fußball sie gerade begeistert, sondern weil Mainz 05 mehr Gründe bietet, da zu sein als nur die Tabelle. Der Verein funktioniert auch dort, wo keine Kameras stehen. In den U-Mannschaften des NLZ, in der erfolgreichen Frauenmannschaft, als gelebter eingetragener Verein auf der Mitgliederversammlung. Der Fußball ist der Anlass, nicht die Ursache.

Wir fahren nicht nach Craiova, weil wir eine Topleistung erwarten. Wir fahren, weil wir uns treffen, weil diese Gemeinschaft existiert, weil dieser Verein ein Ort ist, den man nicht nur wegen Ergebnissen aufsucht. Auf Europas größtem Weihnachtsmarkt standen Mainzer zusammen mit Menschen aus Craiova, die 05-Fans als freundlich und offen wahrgenommen haben. Es war eine Auswärtsfahrt, auf der alles gestimmt hat – außer dem Fußball.

Natürlich ist man enttäuscht, sauer, ratlos. Sportlich läuft es katastrophal. Aber wenn Mainz 05 in dieser Zeit überhaupt noch etwas Stabilität hat, dann dort, wo die Menschen den Verein tragen. Nicht im Tabellenbild, sondern in der Art wie man zusammen unterwegs ist.

Am Donnerstag Craiova, am Sonntag Freiburg. Null Punkte, zwei Niederlagen, 0:5 Tore und trotzdem sind die Leute da. Nicht, weil alles gut ist, sondern weil Mainz 05 eben mehr ist als das, was gerade auf dem Platz schiefläuft. Wir gehen zu Mainz 05, weil wir alle einen an der Waffel haben.

Geduld ist eine Tugend!

Nach den letzten Ergebnissen beginnt es mancherorts zu Rumoren. Alex Schulz erinnert in seiner Fan-Kolumne an das Erreichte und hofft auf Ruhe und Zusammenhalt.

Wir haben eine Mini-Krise. Zumindest ist dies das Fazit nach dem 16. Tabellenplatz in der Bundesliga und einer Reihe verlorener Spiele. Die 3 Punkte in Europa helfen uns beim Kerngeschäft leider nicht weiter.

Unbestritten haben es sich alle anders erhofft. Doch die mangelnde Chancenerarbeitung und -ausbeute lassen den Verein dort stehen, wo er aktuell ist.

„Man sollte halt nicht europäisch spielen!“ und „Der Kader wurde falsch zusammengestellt!“ fassen wohl gut zusammen, was an vielen Stammtischen und auf diversen sozialen Medien aktuell geäußert wird.

OK, den Trainer möchte man auch noch loswerden.

Wirklich niemand, der Mainz 05 kennt, hat doch geglaubt, dass wir die Liga in dieser Saison wieder so aufmischen?! Allen sollte klar gewesen sein, dass es eine Herausforderung für einen kleinen Verein wie Mainz 05 ist. Genug Stimmen fordern seit Jahren, dass man mutiger sein müsse. Mal nicht nur Mittelmaß.

Nun steht Mainz 05 in der Conference League gut da, hat aber ein schweres Pokallos vor der Brust und in der Liga wird man ernst genommen.

Dinge, die in der vergangenen Saison lange Zeit einfach liefen, klappen derzeit nicht mehr. Das Team und allen voran die Trainer suchen nach Lösungen.

Welcher Spieler im Sommer eine Torgarantie mitgebracht hätte, wird man nie herausfinden. Ich erinnere mich an viele große Namen, die woanders plötzlich zu Helden wurden, nachdem sie bei uns kein Scheunentor trafen und im Zweifel die Bank wärmten. Aber auch andersrum.

Wir tanzen noch auf 3 Hochzeiten! Wir alle erleben etwas, was man in Mainz 10 Jahre nicht mehr hatte und wenn immer nur kurze Zeit genießen konnte. Erreicht haben wir das in einer Saison, die aus einer unfassbaren Rückrunde entstand. Fast abgestiegen sind wir mit dem heute noch fast identischen Team  nach Europa marschiert. Gemeinsam. Schulter an Schulter.

Und jetzt? Natürlich darf man kritisieren. Natürlich darf man Entscheidungen hinterfragen. Aber am Ende müssen wir uns auf unsere Stärke besinnen: die Ruhe und den Zusammenhalt!

Noch sind wir weit davon entfernt in Panik verfallen zu müssen und allen, die so vieles richtig gemacht haben, jedwedes Vertrauen abzusprechen.

Gegen Leverkusen ist eine neue Chance. Und auch wenn sie ungenutzt bliebe, hieße es: gemeinsam weiterkämpfen!