Eine historische Woche für Mainz 05

Drei Spiele, drei Siege, eine Woche voller Euphorie und neuer Stoff für die Vereinshistorie, jedoch sollte der Blick auf die Tabelle nicht vergessen werden. Der Abstiegskampf könnte schneller als gewünscht zurückkehren, meint Sebastian Schneider.

Die Krönung einer enorm erfolgreichen Saisonphase erfolgte am Sonntag: Ein knapper, aber verdienter Sieg gegen die Eintracht vom Main – getreu dem Motto „Taube schlägt Adler“. Damit setzt sich eine besondere Serie fort. In der Bundesliga wurde erst ein Heimspiel gegen die Konkurrenz aus der Nachbarschaft verloren. Eine beachtliche Bilanz.

Urs Fischer hat es geschafft, der Mannschaft neue Stabilität zu geben, insbesondere auch in Phasen, in denen der Gegner mehr Spielanteile hat und Druck macht. Das mannschaftliche Konstrukt steht wieder auf festem Untergrund. Dies ist maßgeblich die Grundlage für die sportlichen Erfolge der letzten Wochen.

Diese Leistungen sorgen nun dafür, dass die Konkurrenz im Abstiegsstrudel im Moment auf sicherem Abstand gehalten wird. Es scheint aktuell auch keine andere Mannschaft einen ähnlichen Lauf zu haben, sodass die Grundstimmung auf jeden Fall positiv sein darf. Sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz bieten ein gutes Polster, sind aber bei noch sieben verbleibenden Spielen kein Grund, entspannt auf das Saisonfinale zu blicken. Ob das letzte Spiel gegen Heidenheim als Joker gesehen werden kann, bleibt abzuwarten.

Während Siege gegen die Nachbarn aus Frankfurt stets besondere Freude bereiten, darf der Einzug ins Viertelfinale der UEFA Conference League als historisch bezeichnet werden. Abgesehen davon, dass dies noch keine andere deutsche Mannschaft geschafft hat, ist es für uns Mainzer noch um ein Vielfaches besonderer. Mitunter der größte Erfolg der Vereinsgeschichte, den wir alle zurzeit miterleben dürfen. Bedauerlich bleibt dabei die Kartenpolitik der gegnerischen Vereine, bei der trotz nicht ausverkauftem Stadion keine weiteren Tickets nach Mainz gegeben wurden. Die UEFA darf sich gerne ein Beispiel am deutschen Fußball nehmen. Hier erhalten die Gastvereine immerhin zehn Prozent der verfügbaren Tickets. Diese Praxis ist auch bei unseren europäischen Nachbarn seltener der Fall.

Rückblickend auf das Heimspiel gegen Ölmütz am vergangenen Donnerstag wird uns allen garantiert wieder eine einzigartige Atmosphäre in Erinnerung bleiben, die durch eine riesige Choreografie auf der Rheinhessentribüne eingeleitet wurde. „Lasst uns alle Zweifel vertreiben, wir werden heut Geschichte schreiben!“ war zu lesen – und genau dies ist geschehen.

Den für die Organisation verantwortlichen Fangruppen gebührt Hochachtung und großer Dank. Es ist kaum vorstellbar, wie viele Arbeitsstunden, aber auch finanzielle Mittel hier aufgebracht werden – alles komplett im Ehrenamt. Deshalb an dieser Stelle noch einmal der Appell: Sofern es möglich ist, werft gerne ein paar Münzen in die Spendeneimer oder lasst eure Pfandbecher in einer der roten Tonnen hinter der Kurve. Die Becherspenden aus den Tonnen hinter der Kurve fließen direkt wieder in Aktionen der Fans zurück. So wird gewährleistet, solche Bilder zu erzeugen, die ewig bleiben.

Spätlese Olmütz 2025/2026

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

Nach dem 0:0 wurde die Mannschaft auf das wichtige Spiel in Bremen eingeschworen

01 Hin und weg:

Von den vier möglichen Achtelfinalzielen London, Lausanne, Mostar und Olmütz war letzteres sicherlich am spannendsten, was die Möglichkeiten angeht, es mit dem Zug zu erreichen. London und Lausanne wären einfach zu leicht zu planen und nach Mostar wäre es gar nicht möglich gewesen, komplett mit der Bahn zu fahren. So habe ich mich einerseits sehr auf die Zugreise nach Olmütz gefreut, wusste aber gleichzeitig, dass es Ticketprobleme geben würde. Schließlich bietet  das Andruv-Stadion von Sigma nur etwas mehr als 12 000 Leuten Platz.

Bahnromantik in Bayern am Chiemsee


Zum Glück gab es relativ schnell den Aufruf der aktiven Fanszene, auch ohne Karte nach Olmütz zu düsen. Daher machte ich mich direkt danach an die Planung. Am Ende entschied ich mich für eine kleine, feine Rundtour durch drei Länder.

(K)ein Sieg am Prater


Los ging es mit der S-Bahn nach Mannheim und von dort mit dem ICE nach München. Früher war ja die Tour zu den Bayern eine der längsten Auswärtsfahren (wenn man mal Aue oder Burghausen außen vor lässt). Wie neulich auf dem Weg nach Posen, werden Berlin oder München gegenwärtig zu Umsteigebahnhöfen degradiert 😉

Traumstadt für Radfahrende: Wien


Zwischen München und Salzburg bin ich das letzte Mal 1995 auf dem Weg nach Kapstadt unterwegs gewesen – damals ging es mit dem Nachtzug durch Österreich. Diesmal wollte ich in Wien im Hotel übernachten. Man wird schließlich nicht jünger – wobei ich die drei Nachtzugfahrten am Stück von Dresden via Stockholm, Trondheim nach Oslo im letzten Sommer ganz gut weggesteckt hatte. Spannend machte es die Deutsche Bahn natürlich – denn in Salzburg hatte ich nur 8 Minuten Umsteigezeit.

In Mainz fast undenkbar – in Prag überall möglich: Radfahren in der Fußgängerzone


Aber raus aus Deutschland in die Schengen-Nachbarländer klappt es ja ohne Grenzkontrolle, so dass es mit dem Anschluss nach Wien gerade so funktioniert hatte. Die Fahrt in die österreichische Hauptstadt verlief problemlos und pünktlich erreichte ich Wien. Ähnlich verlief der Rest der Fahrt am nächsten Morgen ins beschauliche Olmütz.
Probleme gab es auf der Rückfahrt, denn gegenwärtig gibt es an der tschechisch-deutschen Grenze eine Kontrolle durch die Bundespolizei. Sie dauerte nur drei Minuten – wie man in dieser Kürze der Zeit tatsächlich kontrollieren möchte, weiß ich nicht. Nur sorgten diese drei Minuten dafür, dass meine fünf Minuten Umsteigezeit in Schwandof nicht reichten, um den Anschluss nach Nürnberg zu erreichen. Am Ende kam ich mit ca. 75 Minuten Verspätung zurück nach Mainz und damit zahlte letztlich die CSU mit ihrer Politik mir mein Fußballticket – den sinnbefreiten Grenzkontrollen sei Dank. Denn wer im Bayerischen Wald illegal die Grenze passieren möchte, läuft einfach über die grüne Wiese…

Deutsch-Tschechische Grenze: die grüne Wiese

02 (N)immer nuff:

Seitdem ich letztes Jahr mit dem Mietrad vom Westfalenstadion in ca. 15 Minuten mit dem Rad am Dortmunder Hauptbahnhof ankam, bin ich ein großer Fan der Nextbike-App. In dieser App sind verschiedene Rad-Anbietende gebündelt. Man muss sich so nicht in jeder Stadt für ein eigenes System registrieren. So war es auf dieser Reise möglich, in Wien, Olmütz und auf der Rückreise in Prag Radtouren durch die jeweilige Stadt zu unternehmen. In Wien war das Radeln einfach ein Hochgenuss. Es gibt sehr viele Fahrradwege – oft abseits der Straße und der Fußgängerwege. Das liegt an den riesigen Boulevards, die die Stadt bietet. Aber natürlich auch an dem entsprechenden Willen der kommunalen Entscheidenden.

Ankunft in Olmütz-Hauptbahnhof

In Olmütz gab es dann den Kampfpreis: für 10 Minuten Radfahren wurden mir 0,04 Euro in Rechnung gestellt. Diese 10 Minuten brauchte ich, um vom Bahnhof zum Fan-Treffpunkt in die schöne Altstadt zu gelangen. In Prag schließlich war das Radeln ehrlich gesagt kein großes Vergnügen. Zu viele Autos, zu viele Touris aber wenigstens genügend Fußgängerzonen. Anders als in Mainz, wo Radeln in vielen Fußgängerzonen verboten ist (wohingegen Lieferverkehr mit dem Auto erlaubt ist), darf man in Prag immer in der Fußgängerzone radeln. Natürlich kommt man dort mit dem Rad nicht schnell voran. Das sollte auch nicht das Ziel sein. Aber wenn man keine Spuren den Autos wegnehmen möchte, dann wäre es wenigstens ein feiner Move, das Radeln in allen Mainzer Fußgängerzonen zu erlauben – so wie es fast in allen Städten Usus ist. Manchmal ist Mainz einfach nur lost.

Radtour durch Olmütz

03 Kon-Trolle

Endlich gab es wieder einen zentralen Treffpunkt in der Innenstadt, an dem sich alle Einsingen konnten. In Craiova und Posen war das leider nicht möglich. Umso schön war es, mit so vielen 05-Fans bei Sonnenuntergang im historischen Stadtkern sich auf das Spiel einzustimmen. Es war beeindruckend zu sehen, wieviele Fans auch ohne Karte für den Auswärtsblock die Reise nach Olmütz angetreten haben.

Fanmarsch durch Olmütz

Gemeinsam ging es schließlich problemlos vor das Stadion. Dort wurde verhandelt, was mit denjenigen passieren soll, die nicht im Besitz einer Karte für den Auswärtsblock waren. Schließlich hatten sich so viele 05-Fans mit Tickets für den Heimbereich eingedeckt. Natürlich war das Handeln von Sigma Olmütz nicht nachvollziehbar, über das obligatorisch 5-Prozent-Kontingent keine weitere Tickets für Mainz-Fans freizugeben. Schließlich war der Zuspruch bei den bisherigen Auftritten von Sigmar in dieser Conference League-Saison eher mau. Zirka 8000 Leute zog es zum bestbesuchten Spiel gegen Lech Posen ins Stadion. Aber die Verantwortlichen behaupteten tatsächlich, dass es für dieses Spiel mehr Nachfrage gab (wahrscheinlich zum Großteil aus Mainz). Auf jeden Fall war es keine Option, die gesamte Hintertortribüne, die bei Spielen in der Liga für Clubs mit großem Auswärtsmob zur Verfügung gestellt wird, auch hier für 05-Fans komplett zu öffnen.

Blick auf das Andruv-Stadion

Nach längeren Verhandlungen wurde eine pragmatische Lösung gefunden. Alle, die kein Ticket für den Auswärtsblock hatten, durften zusammen in einen kleinen Bereich der Hintertortribüne. So standen am Ende alle über zwei benachbarte Tribünen zusammen und konnten das Spiel gemeinsam verfolgen. 9600 Zuschauende fanden sich schließlich ein – einerseits ein Rekord in dieser Saison für Sigma, andererseits war das Stadion trotzdem nur zu zirka 80 Prozent gefüllt. Aber gut, dass es diesen Kompromiss am Ende gab.

Nachkicks gab es auch keine Blocksperre, so dass sich tatsächlich alle Offizielle die Mühe gaben, ein entspanntes Stadionerlebnis allen 05-Fans zu bieten. Ein großes Dankeschön dafür!

04 Kampf um den Mampf

Auch sonst fühlte man sich im Andruv-Stadion sehr willkommen. Auf Pappdeckeln wurde handschriftlich das Angebot auf Deutsch und Tschechisch vermerkt. Es gab neben zwei Wurst-Varianten auch bengalogroße Salzstangen und Chips. Selbstverständlich konnte mit Karte gezahlt werden, so dass ich tatsächlich wie in Polen und Rumänien praktisch ohne Bargeld durchkam.

Blick auf das gastronomische Angebot

05 Käfighaltung

Natürlich überschattete die schlimme Verletzung von Silas das ganze Spiel. Hoffentlich wird er schnellstmöglich wieder gesund. Er wird in dieser Saion sicherlich kein Spiel mehr für unseren Verein bestreiten. Sein Tor gegen RB wird jedoch unvergessen bleiben!

Anders als allgemein proklamiert, war dies nicht das erste internationale KO-Spiel für unseren Verein. Ich kann mich noch gut an meine Aufenthalte in Medias und Tripolis erinnern. Dort sind wir jeweils rausgeflogen. Ein 0:0 irgendwo im Osten Tschechiens klingt nun auch erstmal nicht so prickelnd. Aber auch die beiden mitgemachten 0:0-Spiel in Sevilla und St. Etienne werde ich persönlich sicherlich nie vergessen. Trotzdem war dieser Abend historisch: Wir haben März und spielen immer noch international! Dafür ein großes Dankeschön an das Team!

Support aus dem Auswärtsblock – rechts daneben befand sich die Hintertortribüne, die teilweise als zweiter Auswärtsblock fungierte

Fazit: Der Jahrgang 2025/2026 zeigt, dass beim Bahnfahren, die CSU fürs Sponsering des Fußballtickets sorgt.

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour

Alle Wege führen nach Olmütz … irgendwie

Für den 1. FSV Mainz 05 steht in dieser Woche das erste internationale K.o.-Spiel der Vereinsgeschichte an. In ihrer Fan-Kolumne hinterfragt Felicitas Budde, ob sich Sigma Olmütz mit dem stark reduzierten Ticketverkauf einen Gefallen getan hat.

Auswärts in Europa ist für Fußballfans immer etwas Besonderes. Neue Stadt, neues Stadion, ein Gegner, den man vorher höchstens einmal bei irgendeiner Auslosung gehört hat. Eine Mischung aus Kreuz- und Klassenfahrt.

Für Mainz 05 ist das anstehende Conference League Hinspiel noch viel mehr: Das Achtelfinale der Conference League in Olmütz ist das erste internationale K.-o.-Spiel der Vereinsgeschichte. Klar also, dass viele Mainzer Fans dabei sein wollen.

Das Problem ist nur: Tickets sind schwer bis unmöglich zu ergattern. Gerade einmal rund 650 Gästekarten stehen zur Verfügung, also die fünf Prozent der Stadionkapazität, die die UEFA mindestens vorschreibt. Mehr möchte Sigma Olmütz offenbar nicht herausgeben. Entsprechend schnell waren die Karten weg.

Die Folge: Viele Fans gehen leer aus. Und trotzdem planen viele die Reise nach Tschechien. Der Q-Block hat dazu aufgerufen, auch ohne Ticket nach Olmütz zu fahren. Und wer sich in den vergangenen Tagen in der Fanszene umgehört hat, merkt schnell: Der Aufruf zeigt Wirkung. Hotels werden gebucht, Fahrgemeinschaften organisiert und natürlich wird überall versucht, auf dem Ticketwühltisch fündig zu werden – offenbar mit Erfolg.

Und genau an diesem Punkt stellt sich die Frage, wie sinnvoll solche strengen Kontingente eigentlich sind. Die Idee dahinter ist klar: möglichst wenige Gästefans im Stadion. In der Praxis führt das oft zu einem anderen Ergebnis. Denn wenn hunderte Fans ohnehin nach Olmütz reisen, werden einige von ihnen am Ende auch einen Weg ins Stadion finden. Nur eben nicht im Gästeblock, sondern irgendwo auf den anderen Tribünen – oder in den Kneipen der Innenstadt.

Der Heimverein hat dann also nicht weniger Gästefans im Stadion, sondern nur weniger Überblick darüber, wo sich die Gästefans aufhalten. Schön, dass Mainz 05 inzwischen so groß geworden ist, dass man selbst mal die gegnerische Übermacht ist. Sollte die Mannschaft ähnlich kreativ und konsequent im Auftreten sein wie die Fans in der Anreise, steht einer weiteren Klassenfahrt ins europäische Ausland nichts im Weg.