Den 05er-Fans steht zum Jahresbeginn eine englische Woche ins Haus. Felicitas Budde blickt in der Fan-Kolumne auf die Ausgangslage des FSV im neuen Jahr.
Kaum sind Raclettepfännchen verdaut und das neue Jahr begrüßt, geht es in Sachen Bundesligafußball in Mainz wieder los. Zwei Spiele, eine englische Woche bis zum Ende der Hinrunde: Union Berlin auswärts, Heidenheim zu Hause. Eine „Woche der Wahrheit“, die richtungsweisend für den FSV wird.
Der Verein kennt solche Situationen. In den Wundersaisons 2020/21 und 2023/24 stand Mainz im Winter ebenfalls mit dem Rücken zur Wand. Die Tabellenlage war ähnlich, der Druck vergleichbar. Doch der entscheidende Unterschied lag im „Warum“. Damals war Mainz schlechter platziert, als es spielte. Die Leistungsdaten gaben Hoffnung, die Defensive war stabiler, der Turnaround vorbereitet. Die Wende kam nicht überraschend, sondern folgerichtig.
In dieser Saison ist das Bild ein anderes. Mainz hat zwar erneut weniger Punkte erzielt, als statistisch zu erwarten war, doch der Spielraum ist kleiner geworden. Vor allem defensiv sind die Zahlen erstmals eindeutig. Zu viele Gegentore, zu viele zugelassene Chancen, zu wenig Kontrolle. Das Fundament, auf dem frühere Rettungen aufbauten, wirkt brüchig.
Vor diesem Hintergrund ist es logisch, dass Mainz handelt. Die frühe Verpflichtung von Phillip Tietz und die Aussicht auf weitere offensive Verstärkung senden ein klares Signal. 13 Tore in 15 Spielen sind die Bilanz eines Absteigers. Unterstützung vorne ist notwendig.
Und doch stellt sich eine unbequeme Frage: Ist das auch der richtige Fokus? Auffällig ist nicht, dass Mainz in die Offensive investiert, sondern dass man offenbar darauf setzt, die Defensive ohne personelle Nachjustierung zu stabilisieren. Durch den Trainerwechsel. Durch Anpassungen im Spiel. Durch Zeit. Urs Fischer hat in seinen ersten Partien Ordnung und Kontrolle gesucht. Die Frage ist, ob das ausreicht.
Der Plan wirkt klar und riskant: offensive Verstärkung, verbunden mit der Hoffnung, dass sich die defensive Anfälligkeit aus dem bestehenden Kader heraus beheben lässt. Der Blick zurück macht den Unterschied deutlich. 2020/21 ging es mit neuem Trainer und neuer sportlicher Führung gemeinsam bergauf. 2023/24 kam der Turnaround mit Bo Henriksen auf einem defensiven Fundament. Heute steht Mainz erneut vor einem Neuanfang – mit neuem Trainer, aber einer Transferstrategie, die eher an einen Aufsteiger erinnert als an einen Klub, der sich über Stabilität definiert hat. Und einer Erkenntnis muss man sich stellen: Wer in fünf Jahren dreimal ein Wunder braucht, der hat keinen funktionierenden Langzeitplan.
Union Berlin und Heidenheim werden deswegen keine finalen Antworten liefern, aber sie werden Hinweise darauf geben, ob der eingeschlagene Weg funktioniert oder diesmal zu kurz greift. Es ist wie beim Raclette, ein Pfännchen nach dem anderen.
Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!
Anpfiff zum Spiel bei Lech Posen
01 Hin und weg:
International zu spielen, muss nicht unbedingt bedeuten, dass es kompliziert ist, dorthin zu kommen. Wie schon 2016 mit Anderlecht und St. Etienne hatten wir mit Posen eine Auswärtsfahrt geschenkt bekommen, die recht einfach mit der Bahn erreichbar ist. Dass hierfür sogar ein Sonderzug organisiert wurde, ist mehr als löblich. Allerdings ziehe ich es vor, auch mir mal die Stadt anzuschauen, ehe es ins Stadion geht. Daher ging es nach einem Übernachtungsstopp in Berlin weiter in Richtung Polen. Zwischen der deutschen und der polnischen Hauptstadt gibt es mittlerweile im 2-Stunden-Takt Züge über Posen.
Abfahrt mit dem EuroCity von Berlin Hauptbahnhof
Eine Sitzplatzreservierung ist auf den internationalen Strecken obligatorisch – bei der Buchung über die Bahn war sie sogar gratis im Fahrpreis inbegriffen. Von Berlin aus bin ich praktisch schon in alle Richtungen hauptsächlich für den Fußball unterwegs gewesen: nach Norden nach Rostock, von Westen von Wolfsburg (wenn der Zug denn nicht durchfuhr), nach Süd-Osten nach Cottbus und von Süd-Westen von Magdeburg. Nur nach Osten, nach Frankfurt/Oder, das war dann wirklich Bahnneuland für mich – genauso wie Zug fahren in Polen. Anders als Rumänien, das ich schon fünfmal bereist hatte, war es tatsächlich erst mein zweiter Aufenthalt in unserem Nachbarland überhaupt.
Fahrt über die Oder nach Polen
02 (N)immer nuff:
Pünktlich traf der Zug mittags in Posen ein – genug Zeit, um mal wieder auf Entdeckungstour zu gehen. Anders als in Craiova ist in Posen das vegane Angebot sehr vielfältig. Meine Wahl fiel auf ein kleines Café mit traditionellem polnischen Streetfood – sehr mächtig und sehr lecker. In der wunderschönen Altstadt gab es wie in Craiova Weihnachtsmärkte. Statt einem großen, gab es mehrere kleine über die Stadt verstreut.
Einer der vielen kleinen Weihnachtsmärkte in Posen
Dezent im Hintergrund sah man immer mal wieder Cops. Anders als in Craiova, wo, wie in Deutschland Barrikaden die Zufahrt zu den Märkten versperrten, waren in die Cops wahrscheinlich wegen des Fußballspiels in der Stadt unterwegs…sicherlich nicht die schlechteste Idee, denn Fußball in Polen ist…anders.
Schobbeschachtel in Posen
03 Kon-Trolle
Von Lech Posen gab es die Idee, dass sich 05-Fans auf dem Weihnachtsmarkt an der Messe treffen könnten und von dort gemeinsam mit dem Bus ins Stadion fahren sollten. Die Location war gut gewählt. Dort konnte man sich in einer Art Schobbeschachtel aufwärmen, essen und trinken und sich mit Gleichgesinnten oder Einheimischen austauschen. Immer Hintergrund immer zu sehen: Cops. Die Abfahrt war für 18 Uhr vorgesehen – dafür standen genügend Busse zur Verfügung.
Massive Polizeipräsenz vor dem Stadion
Letztlich ging es zwar erst um 19 Uhr los, aber dafür gab es für alle Sitzplätze. Statt vor dem Stadion gegebenenfalls auszuharren, war es sicherlich die bessere Idee, uns noch eine Stunde im geöffneten Bus warten zu lassen, ehe es im Polizei-Konvoi über rote Ampeln in zirka 15 Minuten zum Stadion ging. Dort wurde von den Cops erstmal der Wald abgeleuchtet, bevor es grünes Licht zum Aussteigen gab und es im Licht der unzähligen Blaulichter die wenigen Meter zum Stadion ging. Die Kontrolle war easy und unstressig.
04 Kampf um den Mampf
Dieser wurde, wie bei mir international üblich, erst gar nicht geführt. Es gab aber sogar Lech-Leicht-Bier in Einwegplastik – so eine Art BVB-Variante auf Polnisch.
Polnisch veganes Streetfood
05 Käfighaltung
Mein elftes internationales Auswärtsspiel mit Mainz 05 war sicherlich das, was von der Stimmung her einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Natürlich ist jeder internationale Auftritt von Mainz 05 ein Geschenk, aber bis auf die Fahrt zum Sevilla FC in das extrem steile Eastadio Ramón Sánchez Pizjuán und die Fahrt zur AS St. Etienne „fehlte“ diesen Begegnungen ein bisschen die knisternde Atmosphäre. Im größten Stadion der aktuellen Conference League wurde im Heimbereich schon mal eine nahezu 100-prozentige Mittmachquote erreicht – beim Hüpfen über dreieinhalb Tribünen.
Punkt geholt und auch 2026 internationale vertreten
Doch der 05-Block hielt gut dagegen, so dass es wirklich eine magische Nacht wurde. Diese konnte selbst der VAR mit seiner Nicht-Entscheidung, den Nicht-Elfmeter wieder zurückzunehmen, kaputt machen. Und mit dem Unentschieden hieß es nun mit Urs auf Kurs ins nächste Jahr internationaler Fußballsportverein von 1905!
Fazit: Der Jahrgang 2025/2026 zeigt, dass es erstmals international auch im nächsten Jahr weitergeht!
Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!
Anpfiff im Stadionul Ion Oblemenco
01 Hin und weg:
Möchte man manche Reisen möglichst „nachhaltig“ gestalten, muss man halt mal „vor fahren“. So fuhr ich die Strecke Mainz – Bukarest bereits 1995 mit dem Zug (auf dem Weg mit Öffis nach Kapstadt). Damals ging es in zwei Nachtfahrten mit ungarischem und rumänischem Visum in die Hauptstadt von Rumänien. Diesmal konnte ich die Reise ohne Reisepass und Visum antreten. Dem Schengen-Raum sei Dank reichte diesmal ein Perso. Leider musste ich diesmal den Flieger nehmen. Schließlich hatte ich praktisch keine Urlaubstage mehr. Daher ging es mit der Bahn nur vom Flughafen Bukarest bis nach Craiova.
Unterwegs mit dem Zug durch die Walachei
Das Zugticket war 28 Tage vor Reiseantritt schnell über die App gebucht. Tatsächlich konnte ich die Zugfahrt bereits am Flughafen antreten, denn seit 2023 hat er Bahnanschluss. Das sah bei meinem Medias-Besuch 2011 noch anders aus. Am Bukarester Nordbahnhof angekommen, konnte ich keine großen Unterschiede zu meinen bisherigen Besuchen 1995 und 2003 feststellen. 2003 ging es von hier ebenfalls über Budapest und Österreich mit dem Zug nach Mainz zurück. Das war damals das Ende meiner einjährigen Weltreise mit Öffis rund um unseren verrückten Planeten.
Retro-Anzeigetafel in Bukarest-Nord
Die Zugfahrt nach Craiova selbst war komplett unspektakulär und alles andere als Hochgeschwindigkeitsverkehr. Für die 204 Kilometer brauchte der Zug laut Fahrplan über 4 Stunden. Vorbei ging es durch die vollkommen flache Walachei im Hochnebel in Richtung Spielort. Mit ein paar Minuten Verspätung erreichte ich schließlich Craiova.
Flughafen-Bahn am Bukarester Airport
02 (N)immer nuff:
Der Weg vom Bahnhof zum Hotel führte mich zwei Kilometer weit an grauen Plattenbauten entlang. Auf grauen Straßen und bei grauem Himmel erreichte ich das einzig großen Hotel der Stadt. Dort erstrahlte in herrlichem Rot-Weiß der Bus von Mainz 05. Dieser musste durch halb Europa hierher gurken. Schließlich kann das Team vom Flughafen ins Hotel und von dort ins Stadion nur in diesem Bus fahren. Gewohnte Abläufe…so wichtig im Profifußball.
Mannschaftsbus vor dem Teamhotel
Zu unserem Erfahrungsschatz gehört es mittlerweile, dass so ein Bus Idiot*innen auf den Plan ruft. In Trondheim wurden schön die Reifen demoliert. Und es ist halt alles andere als nachhaltig, solche Leerfahrten zu veranstalten. Gut, dass die CO2-Emissionen, die ein solches Handeln nach sich zieht, nicht im Nachhaltigkeitsbericht des Vereins thematisiert werden.
Weihnachtsmarkt in Craiova
Und wer sagt, das wird halt so auf Europapokalfahrten gemacht, der war 2005 wohl nicht in Reykjavik dabei. Damals stiegen Klopp und Co. aus einem isländischen Bus aus und standen dann mit uns vor verschlossenem Stadion. Das ist aber eine andere Geschichte 😉
03 Kon-Trolle
Der Weg vom Hotel ins Stadion führte praktisch nonstop durch einen Weihnachtsmarkt. Craiova ist den Älteren unter uns sicherlich nur durch den Fußball bekannt. Aber tatsächlich befindet sich in der Stadt der größte Weihnachtsmarkt Europas. Laut Travelbook hat dieser die Ausmaße von 40 Fußballfeldern. Er ist übrigens noch bis zum 4. Januar 2026 geöffnet – falls noch jemand hin möchte.
Engel am Rande des Weihnachtsmarktes
Für den Lichterzauber muss sicher ein ganzes Atomkraftwerk herhalten. Aber es sah halt auch echt verdammt kitschig hübsch aus. Hinter zwei, drei Straßenecken war auch schon das Stadion erreicht. Anders als bei vielen anderen Stadien befand sich der Eingang für uns direkt auf dem Hauptplatz. Es waren keine mega Umwege nötig, um hineinzugelangen. Und die lockere Security sorgte für einen entspannten Weg in den Block.
04 Kampf um den Mampf
Außer in Stuttgart lebt man als auswärtsfahrende Person, die pflanzliche Kost zu sich nimmt, in der Bundesliga in einem Schlaraffenland. Es gibt eigentlich immer etwas zu futtern. Aber international sieht das meist nicht ganz so toll aus.
Vegane Törtchen aus Craiova
Daher stattete ich vorkicks zwischen Weihnachtsmarkt und Stadion dem einzigen veganen Café der Stadt einen Besuch ab. Dort schlug ich meinen Magen mit veganen Törtchen voll. Schließlich sah ich auch auf dem Weihnachtsmarkt nicht wirklich etwas pflanzliches – mit Ausnahme von Glühwein vielleicht…
05 Käfighaltung
Das Schöne an internationalen Auswärtsfahrten sind oft die Begegnungen vor dem Spiel. Und natürlich ergebnisunabhängig nach dem Spiel (diesmal vorallem an der Hotelbar des Teamhotels). Zu den unangenehmen Erscheinungen hingegen zählen bizarre Elfmeter, mit denen es in Craiova startete und dieser das Spiel entschied. Auch ellenlange Videobeweise sind einfach nur noch gestört. Warum man 5 Minuten braucht, um etwas zu entdecken? Das Abseits von Kacper sollte sich mit einem Blick entdecken lassen. Oder das „Foul“, das zum Elfer führte. Anonsten ist das einfach nur noch abstoßend – genauso wie komplett überflüssige Blocksperren.
Blocksperre im Stadion nach Abpfiff
Fast eine Stunde durften wir den Block nicht verlassen. Am Ende fanden sich im weiten rund keine Heimfans mehr. Die Craiova-Ultras hatten in der Zwischenzeit sogar die Reste ihrer Choreo abgebaut. Am Ende verblieb der Mainzer Mob und eine Hundertschaft Polizist*innen im weiten Rund. So glotzte man sich eine Stunde lang an. Dann wurde auf Kommando die Blocksperre aufgehoben. Wir konnten zurück auf den Weihnachtsmarkt trotten. Dieser war schließlich auch um 22 Uhr noch geöffnet und belebt – dem tristen Grau als Kontrastprogramm zum Trotz.
Fazit: Der Jahrgang 2025/2026 zeigt, dass man international viel Zeit mitbringen muss. Für den elenden VAR, die Blocksperre und das Entdecken des größten Weihnachtsmarkt Europas.