Portugal 2013

Bom dia,

heißt „Guten Tag“ im Portugiesischen. Gerne würde ich auch auf Portugiesisch Euch ein frohes neues Jahr wünschen, doch leider lassen dies meine begrenzten Kenntnisse dieser schönen Sprache nicht zu. Gleichfalls wisst Ihr jetzt genau, wohin es uns die letzten Tage zog.

Bei der Reiseplanung sind uns natürlich mehrere Faktoren im deutschen Winter wichtig. Es soll schon ein wenig wärmer sein als bei uns, die Sonne sollte öfters erscheinen als am grauen Januar-Himmel zwischen Elbe und Isar und aufgrund der Kürze des Aufenthalts sollte die Reise nicht ans andere Ende der Welt führen. Natürlich sollte auch das Budget nicht unbedingt überstrapaziert werden, denn in vielen Ländern weltweit kam es zu massiven Preisanstiegen – auch weil der Euro im Vergleich zur jeweiligen Landeswährung an Wert verlor.

Also wieder Portugal, denn dort gefiel es uns bereits zur Jahreswende 2011/2012 sehr gut. Das Land liegt nicht weit weg von uns und die Sonne überwintert dort tatsächlich und sorgt wenigstens am Tag für wohlige Temperaturen knapp unter 20°C. Der Tourismus scheint dort allerdings sehr zyklisch zu verlaufen, denn es herrscht nach Weihnachten tiefste Nebensaison. Außer Rentnern von den britischen Inseln trifft man dort kaum andere Reisende an und der Geldbeutel wird tatsächlich sehr geschont – dem Euro sei Dank!

Denken wir an Portugal, denken manche vielleicht zum Glück noch an Cristiano Ronaldo oder Luiz Figo – die Nicht-Fußball-Fans allerdings eher an die Schuldenkrise. Dass Portugal wirklich in der Misere steckt, erkennt man eigentlich schon bei der Landung mitten in der Stadt. Der altertümliche Flughafen Portela platzt aus allen Nähten und zeigt dann doch den Unterschied zu Griechenland gleich auf: In Athen steht ein nagelneuer Flughafen und dort wurde die Notbremse, was Investitionen angeht, wohl zu spät gezogen, wenn sie überhaupt bereits gezogen wurde. Auch Portugal wollte einen neuen Airport bauen; „wollte“ ist hier wohl das wichtige Wort, das den Unterschied macht.

Allerdings trifft man auf der Fahrt durchs Land auf Projekte, die teilweise abgeschlossen sind, deren Sinn sich allerdings dem Durchreisenden nicht so ganz erschließen.Da gibt es vierspurige Straßen mit weit ausholenden Auf- und Abfahrten – aber keine Autos, die diese Straßen nutzen, obwohl diese gratis zu befahren sind. Die vormals genutzte zugegebenermaßen engere, aber schlaglochfreie Straße, wird ihrem Schicksal überlassen und dient als großer Bürgersteig. Leider trifft man auch immer wieder auf unfertige Projekte, deren Sinn sich gar nicht erschließt: Brücken ohne Zufahrten, verwaiste Brückenpfeiler und platt gewalzte Flächen für eine Autobahn (?) darben in der Landschaft dahin. Hier wurde wohl zu spät die Notbremse gezogen und man ahnt, warum das Land tatsächlich ein Problem hat und das heißt nicht „Verkehrsinfarkt“, wie zum Beispiel in vielen Ländern Asiens.

Das Reisen auf Portugals Straßen im Jahr 2013 erinnert mich fast schon an Reisen in Burma oder durch Afrika, wo es Minuten oder noch länger dauerte, ehe sich mal Gegenverkehr blicken ließ. Bei Benzinpreisen die denen in Deutschland entsprechen, kann es sich wahrscheinlich niemand mehr leisten, mal einfach so auf vier Rädern durch die Gegend zu düsen. Auf den Autobahnen, die nur gegen Gebühr zu nutzen sind, kommt man sich dann endgültig wie in der Autowerbung vor: kilometerlange vierspurig ausgebaute neue Fahrbahnen ohne jeglichen Mitbenutzer – bei 20 € für 250 km auch nicht wirklich ein Wunder. Wie sich die Kosten für diese Infrastrukturmaßnahmen je wieder einspielen lassen sollen, wage ich nicht zu beurteilen.

Außerdem schreckt dann noch die Art der Zahlung zahlungskräftigere Kunden wie uns von der Nutzung ab. Durften wir die Euros für die Nord-Süd-Trasse direkt vor Ort entrichten, wie dies auch z.B. in Frankreich üblich ist, wenn es Maut gibt, die nicht pauschal wie in der Schweiz erhoben wird, dachte man sich für die Querverbindung an der südlichen Algarve-Küste ein noch moderneres Modell aus, so wie es auf den deutschen Autobahnen für LKW vorgeschrieben ist. Dumm nur, dass viele Mietwagen gar keine Box zur Registrierung der gefahrenen Kilometer an Bord haben. So mussten wir die Maut im Postamt entrichten – allerdings nicht unmittelbar nach der Nutzung, sondern erst zwei Tage später und spätestens nach 7 Tagen, sonst begeht man eine Straftat bei Nichtzahlung! Goethes Satz „Reisen bildet“ gilt auch 2013 noch, denn so ein kompliziertes System kannte ich bisher noch nicht und es wird auch nirgends darauf hingewiesen, dass die Gebühren erst zwei Tage später der Post vorliegen. Bezahlung online? Im Offline-Land Portugal nicht möglich…

Trotzdem macht das Reisen in Portugal einen großen Spaß, gerade weil man schnell vom Fleck kommt und mit neuen Navigationsgeräten, auch sehr schnell direkt von A nach B dirigiert wird. Manche Navis sind sogar auf Feldwege programmiert, so dass wir ruckzuck von der vierspurigen jungfräulichen Schnellstraße auf eine unbefestigte Schlaglochpiste geleitet wurden, da wir die Option „ökonomischte Route“ zuvor eingegeben hatten. So wird das Reisen dann sogar noch zum kleinen Abenteuer und das in Europa.

Abgesehen von den Investitionsruinen am Fahrbahnrand oder auf der Fahrbahn finden sich kaum Anzeichen für ein nahezu bankrottes Land. Wohnhäuser scheinen nicht geräumt zu werden, wie dies in Spanien leider der Fall ist, auch die öffentliche Infrastruktur funktioniert – es fahren Busse und der Müll wird abgeholt – und die Armut ist kaum offen zu sehen. In Mainz gibt es mehr bettelnde Menschen als in allen in einer Woche bereisten portugiesischen Städten zusammen. Auch Ressentiments gegen Deutschland oder Deutsche sind überhaupt nicht zu finden – anders als die TV-Bilder beim Besuch von Kanzlerin Merkel in Lissabon suggerierten.

Für alle bezogenen Waren und Dienstleistungen erhielten wir Rechnungen auf denen die 23 % Mehrwertsteuer ausgewiesen waren, für uns eine Selbstverständlichkeit, für andere südeuropäische Länder aber anscheinend ja nicht unbedingt und für den Rest der Welt wirklich nicht üblich. Diese kleinen Zettelchen sind für mich aber auch der Hoffnungsschimmer, dass es Portugal bald wieder besser geht, denn so fließen tatsächlich Gelder in die Staatskasse und anhand der Tatsache, dass Projekte, die vielleicht nicht unbedingt wirklich durchzuführen sind, aktuell gestoppt werden, findet wohl ein Umdenken im Staate Portugal statt, der dem Land hoffentlich die Wende bringt. Denn zum Glück werden weiterhin auch Straßen und andere Infrastruktureinrichtungen repariert – was zwar auch Geld kostet aber den Menschen auch Arbeit bringt und somit auch wieder Konsum, der zu 23 % versteuert wird.

Wir planen auch Ende des Jahres wieder nach Portugal zu fahren – nicht, weil es besonders günstig ist, dort dem Winter zu entkommen, sondern weil die wunderschöne Küste, die sehr netten Menschen und das gute Essen immer wieder Gründe sind, dorthin zu fahren und wenn man mit seinem Geld ein wenig die arg gebeutelte Staatskasse aufbessert…um so besser.

Madeira 2002

Nein, nein ich bin nicht an der Meenzer Fassenacht in eine Flasche Madeira geplumpst, und gebe erst jetzt wieder ein Lebenszeichen von mir. Da aber diese fünf Tage in meiner geliebten Heimat doch äußerst anstrengend waren, und zudem mein Studium  nun hoffentlich der Vergangenheit angehört, musste es jetzt endlich wieder rausgehen, aus dem allseits geliebten deutschen Nebelregensturmwetter, auf eine kleine Insel im Atlantik, die dem berühmten Wein seinen Namen gab.  

Da das närrische Treiben natürlich auch meine grauen Zellen arg in Mitleidenschaft gezogen hat, war ich natürlich dankbar, an diesem Fleckchen Erde, rund 700 km südwestlich von Portugal gelegen, mit unserer neuen Währung zahlen zu dürfen, und damit jegliche Umrechnungsanstrengungen meinen Denkapparat zu ersparen. Die portugiesischen Euromünzen haben übrigens alle das selbe Motiv aus nicht näher identifizierbaren Zeichen.  

Beim Anflug auf diese, aus einem Unterwasservulkan entstandenen Insel, wird sofort klar, dass Ebenen hier ein Fremdwort sind. Dementsprechend ist der Flughafen auf Stelzen ins Meer gebaut worden, und die Berghänge sind mit Scheinwerfen und Blitzlichtern ausgestattet: Ein kleines Abweichen von der unmittelbar vor der Landung zu fliegenden Kurve hätte fatale Folgen. Da die Startbahn etwa halb so kurz ist, wie die in Frankfurt muss sofort nach „Touch Down“ die Schüssel eine Vollbremsung hinlegen, um nicht auf direkten Wege in die Brandung oder auf den schwarzen Lava-Strand zu rutschen. Das Anlegen von Sicherheitsgurten ist bei dieser Art von Landung ein äußerst nützlicher Ratschlag.  

Die Hauptstadt Funchal (von portugiesisch Wort für Fenchel) erinnert wegen der fehlenden Ebenen stark an ein riesiges Amphitheater, das von der Meereshöhe bis auf ca. 1.200 m empor ragt. Die anderen Dörfer der Insel sind wie mit Pattex irgendwie in die steilen Hängen geklebt. Jedes Dorf ist durch eine Straße mit der Außenwelt verbunden. Dadurch erinnern die Straßen, die sich kreuz und quer durch die Hänge mit Haarnadelkurven und nicht enden wollenden Serpentinen an Buchten und Schluchten entlang schlängeln, an einen Haufen Spaghetti.  

Die höchsten Berge dieser sogenannten Blumeninsel erreichen rund 1.800 m, aber die Gipfel liegen praktisch die ganze Zeit unter einer dichten Wolkendecke. Trotz der relativ südlichen Lage (selber Breitengrad wie Ägypten oder Marokko), wird es hier nie wärmer als 25°C, und mit Regen hauptsächlich auf der Nordwestseite ist ständig zu rechnen.

Dadurch sticht die Farbe grün überall hervor: Oben in den Bergen existiert ein Nebelwald, in dem die Bäume mit Flechten überzogen sind. Weiter unten blühen das ganze Jahr über Blumen auf Wiesen, die man hier nur als Einzelexemplare für ein paar Euro beim Floristen bekommt (Callas, Strelizien, Orchideen etc.). Aber auch Früchte, die selbst ich noch nie vorher gesehen habe (Englische Tomate, Chirimoya etc.), gedeihen  das ganze Jahr. Allerdings muss man als Landwirt auf Madeira doch relativ schwindelfrei sein. Die Äcker sind zwar alle in Terrassenform angelegt, doch meist im Steigungswinkel von mindestens 45°! Seil und Gurt wären sicherlich beim Bestellen mancher Äcker echt angebracht.

Obwohl die Insel nur 57 km lang ist, herrscht in den verschiedenen Teilen jeweils ein anderes Mikroklima. Im Nordwesten regnet es täglich, während hinter den Bergen im Süden es oft trocken ist. Da die Hauptorte mit den Feldern im Süden liegen, bauten die Bewohner Madeiras vor hunderten von Jahren sog. Levadas. Das sind Bewässerungskanäle, die um die ganze Insel herum angelegt wurden, um das Wasser aus dem Quellen- und Wasserfallreichen Nordwesten, in den trockenen Südosten zu leiten. Noch heute werden die Levadas von sog. Levadores von Gestrüpp gereinigt und repariert. Dazu wurde neben der eigentlichen Levada ein kleiner Trampelpfad angelegt, der für den Traveller aus Deutschland natürlich als perfekter Wanderweg umfunktioniert wird. An den Levadas lässt sich wunderbar und ohne große Mühe stundenlang auf gleicher Höhe um die Insel herumwandern, Schwindelfreiheit vorausgesetzt.

Oft kommt man hier zu Fuß eh schneller voran als mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Denn die Busse keuchen bergauf bergab von Dorf zu Dorf und erreichen Höchstgeschwindigkeiten von 30km/h. Dazu existieren alle 200 m Haltestellen und zwischendrin wird man natürlich auch aufgegabelt. Für die 60 km Fahrt in den äußersten Westen der Insel brauchte das alte Ungetüm dreieinhalb Stunden – von Frankfurt nach Lissabon brauchte die gute Lufthansa 2 Stunden und 40 Minuten. Aber das Bus fahren hat den Vorteil, dass man mal kurz Aussteigen kann, um ein Schwätzchen zu halten: Viele der Dörfer sind nur durch Stichstraßen zu erreichen. Dadurch zuckelt der Bus erstmal durch das ganze Kaff nach oben (oder unten), um dann am Straßen-Ende Wenden in 30 Zügen zu üben, ehe es dann in umgekehrter Richtung wieder zurück zur Hauptstraße geht. Die geschwätzigen Passagiere steigen einfach an der Hauptstraße vorher aus, halten ihren Plausch und nachdem die Neuigkeiten ausgetauscht wurden, steigen sie wieder in den Bus ein, um im nächsten Dorf diesen Vorgang zu wiederholen.  

Leider heißt es nun auch für mich: Adeus Madeira – Willkommen Mainz und der Alltag hat mich bald wieder. Doch die nächste Reise steht hoffentlich schon bald wieder vor der Tür!

Portugal 2001

Einige von Euch habe ich in letzter Zeit leider nicht mehr so häufig zu Gesicht bekommen, da ich mal wieder Klausurstress hatte! Ich hoffe, dass ich in Zukunft keine Geburtstage mehr verschlafen werden – Odie, Jochen, Peter und ??? –  und mal wieder bei Euch „offline“ auftauche.  

Wenigstens kann ich Euch heute mal wieder aus einem wunderschönen Land am linken unteren Rand unseres Heimatkontinentes berichten: Portugal ist, um es vorwegzunehmen, definitiv eine Reise wert. Allerdings solltet Ihr, wenn es Euch mal irgendwann nach Lisboa verschlägt nicht zu viele Kippen o. ä. rauchen, da diese Stadt von Euch viel Kondition abverlangt. Roma nennt sich zwar die „Stadt auf 7 Hügeln“, doch diese sind ja bekanntermaßen nicht größer als irgendwelche Maulwurfshaufen auf irgendeinem Fußballacker.  

In Lisboa gibt es nur 2 Richtungen: Bergauf oder Bergab und dies meist auf Caçadas, d. h. auf Treppen und Treppchen steil hoch und hinunter. Wenn man also als Tourist die Stadt innerhalb eines Tages erkunden will, sollten Meniskus und Kreuzbänder noch Intakt sein, sonst ist die Besichtigung schnell zu Ende, und Ihr müsst in einem der tausend Cafés den Rest des Tages genießen. Aber Ihr könnt natürlich auch die bequeme Variante durchziehen, die sich nach einer Partynacht am Besten eignet:  

Wie in Hongkong gibt es auch hier noch die gute alte Straßenbahn aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Nur kann man hier keine quadratisch praktisch gute Doppelstöckige einsetzen, da diese sofort die Wäsche von den über die Gassen gespannten Leinen reißen würde. Diese Mini-Straßenbahnen fassen gerade mal 2 Dutzend Leute, und sind äußerst kompakt, denn in den engen Gassen – schmaler als die Augustinerstraße in Mainz – parken ja die vielen Autos und die Händler müssen auch noch ihre Waren irgendwo hinstellen können. Also bleibt als Fußgänger oft nur noch der Hauseingang, um in Deckung zu gehen. Den Bahnen muss man als Passagier sehr großes Vertrauen entgegenbringen, da sie den Anschein erwecken, dass durch das permanente Geklapper die Holzvertäfelung gleich abfällt und  sich alles in Einzelteile auflöst. Die größte Sorge bereitet aber die Bremse, die sicher von ABS, ESP oder sonst so einem technischen Schnick-Schnack noch nichts gehört hat. Bei einem Gefälle von oft mehr als 10% sollte sie noch funktionieren, für den Fall, dass  man noch keine Suizidgedanken in sich trägt. An ein Wunder grenzt es mich als technisch null peilenden Mitteleuropäer, wie dieses Gefährt auch dieselben Steigungen wieder hoch ächzt und dann weiterzuckelt. Dagegen ist das Tramsurfen in Lisboa eigentlich eine sichere Sache, denn man landet höchstens in einer Gurkenkiste oder auf der Kühlerhaube eines Pkws im Falle eines Abrutschen.  

Nachdem man entweder sich die Knie beim Treppensteigen ruiniert, oder den Kater beim Tram fahren gegen Stoßgebete eingetauscht hat, kann man endlich Essen gehen, da das portugiesische Frühstück nur aus einem Espresso und einem Sandwich besteht. Hier kann BSE oder MKS durch Verzehr von getrocknetem, in Salz eingelegtem Fisch, Bacalhau genannt, ohne Probleme aus dem Weg gegangen werden. Bevor der Fisch verzehrt wird, liegt er aber mindestens 24 Stunden im Wasser, um das zu Konservierungszwecken vorhandene Salz zu entfernen und um ein permanentes am Wasserhahnhängen zu vermeiden. Der Fisch hat einen sonderbaren Geschmack, der vielleicht nicht Jedermanns Sache ist. Aber es gibt 365 (!?) Arten, ihn zuzubereiten, und die wenigen, die ich zu mir nahm, waren alle richtig lecker.    

Von Lisbao bin ich dann in die „Kulturhauptstadt Europas 2001“ mit der portugiesischen Bahn gefahren. Die Reise war recht unspektakulär, außer der Tatsache, dass hier die Bahn günstig und pünktlich ist, was man beim „Unternehmen Zukunft“ (Deutsche Bahn für Nicht-Leidensgenossen) eher nicht behaupten kann. Anscheinend hat Porto erst Anfang 2001 bemerkt, dass es Kulturhauptstadt geworden ist. Denn die gesamte Stadt ist eher zur „Großbaustelle Europas 2001“ mutiert. Man dachte wohl, es wäre an der Zeit, gleichzeitig den Flughafen zu modernisieren, eine Metro zu konstruieren und die Altstadt zu renovieren. Das Ergebnis ist nun zu bestaunen: Große Baugruben , überholte Stadtpläne, da ganze Straßen verschwunden sind, und ein Presslufthammerlärm an manchen Ecken, der mit einem Wagen der Loveparade im Takt mithalten könnte. Doch zum Glück fehlt wohl doch ein bisschen Kohle, um die Stadt vollständig aufzureißen, so dass einige Quartiers wirklich noch an vergangene Jahrhunderte erinnern und nicht an den Potsdamer Platz vor zwei bis drei Jahren.

Mitten durch die Stadt zieht sich der Douro, der ja leider vor ein paar Wochen traurige Berühmtheit erreichte, als eine Brücke in der Nähe von Porto einstürzte. Die große Brücke in Porto ist von Gustave Eiffel errichtet worden und ist sicherlich aus genauso viel Stahl, wie der berühmte Eiffelturm gebaut worden. Da das Douro-Tal sehr steil ist, und die Altstadt in den Hang gebaut wurde, hat man auf der Brücke einfach zwei Stockwerke eingerichtet. Im oberen Stockwerk kann man direkt aus der Oberstadt in rund 150 Metern Höhe über den Fluss fahren und kommt an der anderen Flussseite gleich wieder in der Oberstadt von Vila Nova (Neustadt) an. Und für die Leute aus der Unterstadt wurde das Erdgeschoß gebaut, das in rund zehn Metern Höhe verläuft. Die gesamte Konstruktion wird wie beim Eiffelturm durch einen riesigen Bogen gehalten. Läuft man im Erdgeschoß nach Vila Nova rüber, kommt man gleich im Zentrum des guten Geschmacks an, den berühmten Portweinkellern.

Ganz Vila Nova besteht eigentlich nur aus diesen Kellern, in denen der Port entweder in der Flasche als teurere Version reift oder im Holzfass für das Proletariat. Natürlich gibt es in Porto auch eine Art Hofbräuhaus für dieses Gesöff. Doch Bier mit Port zu vergleichen ist sicher genauso bescheuert, wie Meenzer Fassenacht mit Münchner Fasching. So ist das Haus des Portweins natürlich eine Quinha, ein altes Gutshaus, das mit schnieken Kellern, großen, breiten Sesseln und einem Park mit Springbrunnen bestückt ist. Natürlich schreckt ein solches Ambiente den monetär etwas angeschlagenen teutonischen Globetrotter ab, aber anscheinend soll hier durch Kampfpreise von 1,50 € pro Glas 10-jährigem Port der eingefleischte Pilsverehrer zum Portgenießer umgepolt werden. Probiert es am besten selber aus, wenn Ihr mal dort unten in der Ecke seid.