Spätlese Düsseldorf 2019/2020

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

01 Hin und weg:

Die treuen Leser*innen der „Spätlese“ werden es schon erahnen. Natürlich ging es mit der Deutschen Bahn nach Düsseldorf. Die Strecke durch das Rheintal nach Koblenz gehört meiner Meinung nach zu den schönsten Bahnfahrten weltweit. Das tief eingeschnittene Tal sorgt allerdings dafür, dass es in einem Technik-Entwicklungsland wie Deutschland nicht möglich ist, mobiles Internet zu ermöglichen. Da in den Faninfos für Auswärtsfahrer*innen von Mainz 05 auch nichts über eine Aufbewahrungsmöglichkeit für Taschen (mit Laptop) geschrieben stand, entschloss ich mich, mit sehr leichtem Gepäck rheinabwärts zu düsen. Smartphone, Geldbeutel, kleine Kamera, Haustürschlüssel und die Fanhaustasche gefüllt mit Zeitungen, für die ich in der Woche einfach keine Zeit finde, um sie zu lesen und fertig war das Packen.

Vor dem Verlassen der Wohnung hatte ich mir die „Wahltober“ Podcastfolgen von Mainz Gehört mit den Kandidat*innen zur OB-Wahl heruntergeladen. Was Julia und Nadine Tabea Rößner, Martin Ehrhardt (bereits vorab gehört), Michael Ebling und Nino Haase entlockt haben, war tatsächlich sehr interessant. Am Sonntag Morgen wurde schließlich die fünfte und letzte Folge mit Martin Malcharek veröffentlicht. Mit etwas Abstand betrachtet sind mir alternative Wohnformen, die Spieltheorie, der wirtschaftliche Aspekt, warum sich Mainz um eine Eingemeindung von AKK kümmern sollte, eine Fahrradstraße durch die Hintere Bleiche und eine ehrliche Aussage zur Fluglärmproblematik in Erinnerung geblieben. Übrigens wurden die fünf genannten Themen nicht unbedingt durch die/den zu erwartende(n) Kandidatin/Kandidaten angesprochen. In der Samstag-Ausgabe der AZ stritten die Lokalredakteure darüber, ob der Wahlkampf bisher spannend oder langweilig gewesen sei. Es spricht für alle fünf Kandidat*innen, dass es keine Schlammschlachten gab. Mehr oder weniger „gute“ Gelegenheiten gab es dafür einige. Ja, Demokratie lebt von der Streitkultur. Aber vielleicht tut es in Zeiten einer gespaltenen Gesellschaft auch einfach mal gut, dass da fünf Menschen antreten, die die Grundwerte der Demokratie nicht mit Füßen treten und die alle für ein weltoffenes Mainz eintreten. In den sozialen Netzwerken gibt es auch bei diesem Wahlkampf ja genug Lokal-Trolle, die die Meinung der anderen nicht akzeptieren und Andersdenkende beleidigen. Dass zu manchen Veranstaltungen nur drei von fünf Kandidat*innen eingeladen wurden, geht meiner Meinung allerdings gar nicht. Das wäre etwa genauso, wenn Spiele von Mainz gegen Bayern nicht mehr stattfinden, da eh die Bayern (mittlerweile) uns jedes Mal mit einer Klatsche nach Hause schicken, sprich vorher klar ist, wer gewinnt. Daher an dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an die Podcastmacherinnen, die ihren „Wahltober“ in ihrer Freizeit gewupt haben.

Mainz Gehört Podcast
Im Funkloch Rheintal lässt sich der Podcast „Mainz gehört“ auf dem Weg nach Düsseldorf hören.

Wo wir zum Glück keine Wahl haben, ist die, bei der Besetzung des Trainerpostens von Mainz 05 – auch wenn sich das wohl einige eher wünschen würden, darüber und nicht über das Stadtoberhaupt am nächsten Sonntag entscheiden zu dürfen. Gut, dass in einer Demokratie nicht immer alles zur Wahl steht, und manche Entscheidungen von denen gefällt werden, die dafür entsprechend qualifiziert sind. Denn im Internet haben viele eine Meinung (mich eingeschlossen) und die lässt sich wunderbar, ohne Konsequenzen in die Welt posaunen.

Das Thema Nachhaltigkeit ist ja mittlerweile in aller Munde. Neben ökologischen und ökonomischen Aspekten schließt dieses die soziale Nachhaltigkeit ein. Nachhaltigkeit wird häufig als solche definiert, dass wir nicht auf Kosten anderer leben sollten. Meist sind dabei nachfolgende Generationen gemeint. Vielleicht sollten wir uns alle mal in den sozialen Netzwerken an die eigene Nase fassen und überlegen, ob das, was wir da aktuell absondern, andere schädigt, verletzt und negativ beeinflusst. Klar ist Fußball die schönste Nebensache der Welt und für manche das ein und alles. Aber muss man sein Ego oder seinen Frust damit befriedigen, andere kaputt zu kommentieren? Außerdem gilt für die Pöblel-Crew: die Mehrheit der Menschen in den sozialen Netzwerken teilt nicht unbedingt die Meinung der vermeintlichen lautesten Krawall-Fraktion. Von daher noch einmal: gut so, dass sich die OB-Kandidat*innen diesem Trend allesamt verschließen. Und dann ist es halt ein langweiliger Wahlkampf, weil man sich nicht in aller Öffentlichkeit zerfleischt – was übrigens nicht heißen soll, dass es einfach so weitergehen soll – diese Entscheidung soll dann jede(r) für sich treffen.

02 (N)immer nuff:

Was haben die drei Fastnachtsstädte Mainz, Köln und Düsseldorf gemeinsam? Richtig, ihr Stadion liegt relativ weit vom Hauptbahnhof entfernt. Allerdings klappt das in Mainz mit den Shuttle-Bussen vom Hauptbahnhof richtig gut, während in Köln und Düsseldorf die Fahrt mit der Straßenbahn doch recht nervig ist. Daher wurde Auswärtsfans geraten, bis zum Düsseldorfer Flughafen mit der Bahn zu reisen und von dort in die Shuttle-Busse zu steigen, die direkt zum Gästeblock fahren würden. Das ist aber von Düsseldorf Hbf. aus ein ziemlicher Umweg. Daher habe ich mich auf dem Hinweg lieber in die Straßenbahn gequetscht, die dann im Stop & Go Richtung Stadion zuckelte und mit 30 Minuten etwa die doppelte Zeit brauchte, als im Fahrplan veranschlagt war. Dafür konnte ich direkt an der Stadionhaltestelle Richtung Gästeblock abdrehen.

Rheinbahn Rheinstadion
Schön gequetscht in der Rheinbahn zum Rheinstadion unterwegs

03 Kon-Trolle

Nachkicks war dieser Durchgang versperrt. Warum einem Menschen ohne jegliche Fanmontur der Durchgang untersagt wird, bleibt Geheimnis der Sicherheitskräfte. Gut, dann probiere ich halt den Shuttlebus zum Flughafen aus, dachte ich mir. Dieser war recht schnell gefüllt, die Türen wurden verschlossen und nichts passierte. Da sah ich dann die Polizeistaffel und ahnte schon, dass der Bus wohl im Konvoi mit den anderen Bussen der Gästefans zum Flughafen gebracht werden sollte. Als nach zehn Minuten immer noch nichts passierte, wurde die Ansage gemacht, dass man nicht losfahren könne, da sich irgendwelche Leute mit irgendwelchen anderen Leuten am Flughafenbahnhof eine Auseinandersetzung liefern würden. Glücklicherweise wurden die Türen geöffnet und ich machte mich per Pedes auf den Weg in Richtung Düsseldorf Hbf. – denn zurück in Richtung Stadion war ja alles abgesperrt, um Fantrennung durchzusetzen. Dank Google Maps gelang es mir, über kleine Fußgängerwege zur nächsten Straßenbahnhaltestelle einer Linie zu gelangen, die nicht vom Stadion hierher führte, so dass mich eine relative leere Bahn ruckzuck zum Hauptbahnhof brachte…

Mist-Situation am Gästeblock

Die Kontrolle vor dem Betreten des Stadions selbst durch die Ordner verlief komplett stressfrei und war nicht der Rede wert.

04 Kampf um den Mampf

Das Futterangebot war einfach nur durchschnittlich. Wurst, Brezeln, feddisch. Beim Bier gab es mit Schumacher Altbier etwas Regionales und das aus der ältesten Altbierbrauerei der Stadt – lecker. Dieses Angebot stand im krassen Gegensatz zu dem globalen dänischen Bieranbieter, dessen Gerstensaft ebenfalls ausgeschenkt wurde. Dazu gab es noch Holsten alkoholfrei. Die Preise, die für den ganzen Kram abgerufen wurden, waren leider extrem grenzwertig. Wenigstens wurden Mehrwegbecher genutzt, die es, wie beim Auswärtsspiel in München, ermöglichten, den Q-Block mit einer Choreo-Spende zu unterstützen.

8,50 € für ein 0,5 Liter Schumacher-Altbier und eine recht große Käsebrezel…

05 Käfighaltung

Der Gästeblock bietet eine gute Sicht aufs Spielfeld. Währen der 90 Minuten hielt die Düsseldorfer Fanszene fast dauerhaft Spruchbänder zu den Ereignissen in Halle und in Nord-Syrien hoch. Politik und Sport ließen sich noch nie trennen – dafür wird dem Fußball in unserer Gesellschaft viel und vielleicht auch zu viel Aufmerksamkeit eingeräumt. Wenigstens kann man diese Aufmerksamkeit auch für Themen nutzen, die eher unpolitisch sind – weil es um Lebewesen geht, die gar keine oder eine geringe Lobby haben: Tauben zum Beispiel.

Mehrwegbecher in Düsseldorf ermöglichen Choreo-Spenden für den Q-Block

Denn da geht ein ganz fettes Lob an Danny Latza raus. Ja, wir wissen um seine Vorliebe für Katzen und Hunde. Aber er setzt sich auch für andere Tiere ein. Zusammen mit Mainz 05 und vielen Spielern des Profi-Kaders hat der Tierschutzverein Mainz und Umgebung e.V. wieder einen Kalender für das nächste Jahr aufgelegt, in dem Nullfünfer*innen mit Tieren gemodelt haben und abgelichtet wurden. Die Kalender gibt es u.a. in den Fanshops von Mainz 05 zu kaufen. Der Erlös geht komplett an den Tierschutzverein. Auf einem Kalenderblatt hält Danny Latza eine verletzte Taube in den Händen. An seinem Arm hängt das Armband „Taubenfreund“. Dies ist eine Initiative des Tierschutzbunds, der mit der Aktion #RespektTaube für mehr Verständnis für diese Tiere ohne Lobby bei uns wecken möchte. Und nein, Tauben verbreiten keine für uns gefährlichen Krankheiten!

RespektTaube, Tierschutzbund
#RespektTaube – eine prima Aktion vom Tierschutzbund. Sie wird u.a. von Danny Latza unterstützt.

Fazit: Der Jahrgang 2019/2020 besticht durch die Erkenntnis, dass mehr Respekt anderen Lebewesen gegenüber ein gutes Fazit dieser Auswärtsfahrt ist!

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour

Die Finanz-Bundesliga-Tabelle 2018/19

Erinnert Ihr Euch noch an die Traumbundesliga? In dieser hauptsächlich auf Twitter gezwitscherten Zusammenstellung füllten Fußballfans die 18 Plätze mit ihren Wunschvereinen. Daher auch der Name Traum…

Jetzt wissen wir alle, dass es bei der Bundesliga nur ums Geschäft geht. Um finanzielles Fairplay geht es dabei relativ wenig. Die DFL schaut in ihrer Lizenzierung hauptsächlich darauf, dass der Spielbetrieb in der nächsten Saison durch die sich sportlich qualifizierten Teilnehmer garantiert ist. Allerdings hat die Mitgliederversammlung der DFL im Dezember 2018 beschlossen, Club-Finanzkennzahlen zu veröffentlichen. Diese stehen seit 29. Mai 2019 öffentlich zur Verfügung. In der Wirtschaft also auch in der 1. Liga sollten Kennzahlen eine wichtige Rolle spielen, wenn es um Entscheidungen geht, die den Club beeinflussen. Kaufe ich den Spieler A, verkaufe ich den Spieler B, investiere ich in Steine etc.? Wichtig ist auch immer diese Kennzahlen im Vergleich zu anderen Clubs zu sehen, um zu erkennen, wie man so dasteht, als Verein, rein finanziell gesehen. Um eine solche Finanz-Bundesliga-Tabelle zu erstellen habe ich die Daten aller 18 Bundesligisten der Saison 2018/19 sowie der drei Aufsteiger, die 2019/20 dabei sind, analysiert. Bilanzstichtag war entweder der 30. Juni oder der 31. Dezember 2018.

Aus den folgenden von der DFL veröffentlichten Kennzahlen habe ich die weiter unten stehenden Unternehmenskennzahlen hergeleitet.

Finanzkennzahlen der DFL, u.a.

  • Anlagevermögen
  • Eigenkapital
  • Verbindlichkeiten + Rückstellungen (=Fremdkapital)
  • Bilanzsumme
  • Jahrsüberschuss
  • Personalkosten
  • Rohergebnis (als Umsatz genutzt)
100 % Einsatz für finanziell solides Wirtschaften zeigt der 1. FSV Mainz 05
100 % Einsatz für finanziell solides Wirtschaften zeigt der 1. FSV Mainz 05

Daraus habe ich die folgenden Unternehmenskennzahlen hergeleitet und Tabellen erstellt – jeweils die vier ersten Vereine (CL-Teilnehmer) und die drei letzten Vereine (Absteiger – Relegation ist Mist) habe ich genannt und natürlich Mainz 05. Wer die Excel-Tabelle sehen möchte, einfach Bescheid sagen:

Anlagendeckungsgrad (Eigenkapital zu Anlagevermögen)

Je höher der Deckungsgrad, desto besser steht es um die Finanzierung des Clubs. Der 1. FC Nürnberg und Hertha BSC haben negatives Eigenkapital, sprich die Clubs sind eigentlich überschuldet (gleiches gilt für die Aufsteiger Union Berlin und SC Paderborn). Der FC Augsburg (17 Mio. Euro), RB Leipzig (36 Mio. Euro) und der 1. FSV Mainz 05 (3 Mio. Euro) haben Investitionszuschüsse (wahrscheinlich für das jeweilige Stadion) erhalten, die man dem Eigenkapital zurechnen kann. Ich habe diese Zuschüsse weggelassen, um eine bessere Vergleichbarkeit zu erzielen. Dass allerdings der Zuschuss bei RB Leipzig größer ist als das restliche Eigenkapital von 27 Mio. lässt aufhorchen:

1. SC Freiburg
2. TSG Hoffenheim
3. Borussia Dortmund
4. FC Bayern München

6. 1. FSV Mainz 05

16. FC Schalke 04
17. 1. FC Nürnberg
18. Hertha BSC

Eigenkapitalquote (Eigenkapital zu Bilanzsumme)

Je höher die Quote desto mehr finanzielles Engagement bringt der eigene Club auf.

1. TSG Hoffenheim
2. SC Freiburg
3. Borussia Dortmund
4. Bayer 04 Leverkusen

6. 1. FSV Mainz 05

16. FC Schalke 04
17. 1. FC Nürnberg
18. Hertha BSC

Eigenkapitalrendite (Jahresüberschuss zu Eigenkapital)

Die Kennzahl klärt, ob es sich für den Club finanziell lohnt, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Da Schalke den größten Jahresüberschuss zu verzeichnen hat, liegt der Club ganz vorne. Mit fast 40 Mio. Überschuss überflügelt Schalke den FC Bayern um 10 Mio. Euro. Dass Christian Heidel alles falsch gemacht hat auf Schalke ist somit aus finanzieller Sicht widerlegt. Interessant sind die Jahresüberschüsse von 0 Euro von Bayer 04 Leverkusen und dem VfL Wolfsburg. Während die knapp 18 Mio. Überschuss von Bayer 04 an so genannte „andere Gesellschafter“ gewandert sind, haben diese „anderen Gesellschafter“ beim VfL Wolfsburg den Verlust von 19 Mio. einfach ausgeglichen. Interessant auch die „Ergebnisabführung an atypisch stillen Gesellschafter“ bei der TSG Hoffenheim in Höhe von 27 Mio. Euro. Einen Verlust haben Hertha BSC, Borussia Mönchengladbach, der SC Paderborn und der VfB Stuttgart erwirtschaftet:

1. FC Schalke 04
2. Fortuna Düsseldorf
3. FC Augsburg
4. Eintracht Frankfurt

7. 1. FSV Mainz 05

16. Borussia Mönchengladbach
17. VfB Stuttgart
18. 1. FC Nürnberg

Personalaufwandsquote (Personalaufwand/Umsatz)

Geld schießt Tore. Hier geht es allerdings um Umsatz, der mit dem vorhandenen Personal erwirtschaftet wurde. Daher gilt hier, je niedriger die Quote, desto besser wirtschaftet der Club. Da ich auch die Aufsteiger mit in die Analyse hinein genommen habe, zeigt sich, dass der SC Paderborn hier ganz schlecht abschneidet, sogar schlechter als der VfL Wolfsburg. D.h. finanziell ist der Aufstieg von der 3. in die 2. Liga gar nicht so ein Zufall gewesen. Die Frage, ob der Aufstieg in Liga 1 auch kein finanzieller Zufall war, lässt sich erst nächstes Jahr beantworten, wenn die Bilanz 18/19 veröffentlicht ist:

1. FC Augsburg
2. Borussia Dortmund
3. FC Schalke 04
4. 1. FSV Mainz 05

16. Hannover 96
17. VfB Stuttgart
18. VfL Wolfsburg

Umsatzrentabilität (Jahresüberschuss zu Umsatz)

Die Zahl sagt aus, wieviel Prozent des Umsatzes als Gewinn verbleiben, sprich wie finanziell erfolgreich der Club in der Saison war:

1. FC Schalke 04
2. SC Freiburg
3. FC Augsburg
4. 1. FC Nürnberg

10. 1. FSV Mainz 05

16. Borussia Mönchengladbach
17. Hertha BSC
18. VfB Stuttgart

Verschuldungsgrad (Fremdkapital zu Eigenkapital)

Je höher der Grad ist, desto abhängiger ist das Unternehmen von externen Gläubigern. Bei negativem Eigenkapital, wie es beim Glubb, bei Union, bei Hertha und bei Paderborn der Fall ist, lässt sich das gar nicht messen. Daher fallen diese Clubs hier raus:

1. TSG Hoffenheim
2. SC Freiburg
3. Borussia Dortmund
4. FC Bayern München

7. 1. FSV Mainz 05

15. RB Leipzig
16. VfL Wolfsburg
17. FC Schalke 04

Doch was zählt schon ein „Spieltag“, sprich eine Unternehmenskennzahl. Der Kicker hat bspw. nur den Jahresüberschuss analysiert. Dieser ist kurzfristig. Die von mir genutzten Kennzahlen spiegeln kurzfristige und längerfristige finanzielle Kriterien wieder. Die Abschlusstabelle „lügt“ nicht, wie wir alle wissen 😉

Daher habe ich die sechs Unternehmenskennzahlen jeweils mit 0 bis 3 Punkten bewertet. Natürlich ist das ganze rein subjektiv. Doch letztlich ergibt sich ein gutes Bild, wie es um das finanzielle Gebaren der Clubs untereinander aussieht, wer gut wirtschaftet, wer mit Geld zugeschüttet wird und wer sogar Geld abdrücken muss, weil er vorher jahrelang sehr großzügig alimentiert wurde.

Anlagendeckungsgrad
> 1 3 Punkte für: SCF, TSG, BVB, FCB
> 0,5 2 Punkte für: B04, M05, FCA, SGE, KOE, F95, H96, BMG
>0 1 Punkt für: VFB, WOB, SVW, RBL, S04
<0 0 Punkte für: FCU, FCN, BSC, SCP

Eigenkapitalquote
> 0,66 3 Punkte für: TSG, SCF, BVB
> 0,33 2 Punkte für: B04, FCB, M05, BMG, KOE, FCA
> 0 1 Punkte für: H96, SGE, VFB, F95, SVW, WOB, RBL, S04
< 0 0 Punkte für: FCU, FCN, BSC, SCP

Eigenkapitalrendite
> 1 3 Punkte für: S04
> 0,1 2 Punkte für: KOE, F95, FCA, SGE, RBL, SCF
> 0 1 Punkte für: M05, BVB, SVW, FCB, H96,
= 0 1 Punkt für B04 da Gewinn nach Steuern vor Ermittlung des Jahresüberschusses
< 0 oder nicht berechenbar 0 Punkte für: SCP, BSC, TSG, WOB, FCU, BMG, VFB, FCN

Personalaufwandsquote
< 0,4 2 Punkte für: FCA, BVB, S04, M05
< 0,5 1 Punkte für: KOE, FCU, SCF, SGE, RBL, B04, BSC, F95, FCN, TSG
< 0,6 0 Punkte für: BMG, FCB, SVW, H96, VFB, WOB, SCP

Umsatzrentabilität
> 0,1 3 Punkte für: S04, SCF, FCA, KOE
> 0,01 2 Punkte für: FCN, BVB, FCB, F95, SGE, M05, RBL
> 0 1 Punkt für: H96, FCU, SVW, TSG
= 0 1 Punkt: B04 da Gewinn nach Steuern vor Ermittlung des Jahresüberschusses
< 0 0 Punkte für: WOB, BMG, BSC, VFB, SCP

Verschuldungsgrad
< 0.33 3 Punke für: SCF, TSG
< 0.66 2 Punkte für: B04, FCB, BVB
< 1 1 Punkt für: FCA, M05
> 1 bzw. negativ 0 Punkte für: BMG, KOE, F95, H96, SGE, VFB, SVW, RBL, WOB, S04, SCP, BSC, FCN, FCU

Meister in der KPI-Bundesliga-Tabelle: SC Freiburg
Meister in der KPI-Bundesliga-Tabelle: SC Freiburg

KPI-Bundesliga-Abschlusstabelle

1. SC Freiburg 15 Punkte
2. Borussia Dortmund 13 Punkte
3. FC Augsburg 12 Punkte
4. TSG Hoffenheim 11 Punkte
5. FC Bayern München 10 Punkte
5. 1. FSV Mainz 05 10 Punkte
5. FC Schalke 04 10 Punkte
8. Bayer 04 Leverkusen 9 Punkte
9. Eintracht Frankfurt 8 Punkte
9. Fortuna Düsseldorf 8 Punkte
11. RB Leipzig 7 Punkte
12. Hannover 96 5 Punkte
13. SV Werder Bremen 4 Punkte
13. Borussia Mönchengladbach 4 Punkte
15. 1. FC Nürnberg 3 Punkte
16. VfL Wolfsburg 2 Punkte
16. VfB Stuttgart 2 Punkte
18. Hertha BSC 1 Punkt

Die Aufsteiger, die ja 2017/18 in der 1. Liga (KOE), in der 2. Liga (FCU) bzw. in der 3. Liga (SCP) gespielt haben, erzielten folgende Punktzahlen:

1. FC Köln 10 Punkte (wäre Platz 5)
FC Union Berlin 2 Punkte (wäre Platz 16)
SC Paderborn 0 Punkte (wäre Platz 18)

Fazit: Der SC Freiburg wird oft als sympathischster Verein Deutschlands wahrgenommen – vielleicht auch wegen des finanziell seriösen Auftretens? Der einzige an der Börse gehandelte Verein Borussia Dortmund zeigt, dass man als Kapitalgesellschaft transparent wirtschaften muss und das auch finanziell Erfolg bringt. Die TSG Hoffenheim wurde von Dietmar Hopp seriös finanziell aufgestellt. Dass der FC Bayern und Mainz 05 gleichauf liegen, zeigt, dass man sich in seinem finanziellen Level jeweils seriös bewegt. Dass bei Wolfsburg finanziell einfach unter die Arme gegriffen wird, zeigt die Bilanz – Bayer 04 hingegen muss Geld abdrücken. Interessant wäre es zu wissen, wenn B04 mal wirtschaftlich nicht so gut dasteht, ob dann entsprechende Gelder in den Club fließen. Dass Berlin arm aber sexy ist, wird hier doppelt unterstrichen.

Spätlese Düsseldorf Jahrgang 2018/19

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

01 Hin und weg:

Freitagabend nach Düsseldorf – klingt stressig, was den Feierabend- und Wochenendverkehr angeht. Aber mit der Bahn nach Düsseldorf ging es ruckzuck, pünktlich und ziemlich entspannt. Wenn es auf dem Platz läuft, läuft es auch beim Hin- und Wegkommen wunderbar.

02 (N)immer nuff:

Die Fahrt mit der Straßenbahn vom Hauptbahnhof zum Rheinstadion ist zum Glück nicht ganz so nervig wie die nach Köln, zumal man zwei verschiedene Linien nehmen kann. Bei der zweiten Linie muss man zwar ein paar Hundert Meter laufen, dafür ist die Bahn nicht restlos überfüllt. Die schwierigste Aufgabe in Düsseldorf ist vielleicht das Auffinden von lecker Bier. In den Kiosks und den Tanken gab es die üblichen Pilsverdächtigen neben dem Alt. Sogar Kölsch stand im Kühlregal, aber kein Helles…aber das sind halt auch Luxusprobleme.

Montags...alles außer Fußball
Montags…alles außer Fußball

03 Kon-Trolle

Auch die Kontrolle war an diesem Abend nicht erwähnenswert: alles easy.

04 Kampf um den Mampf

Ein Stadion mit zwei Biersorten gibt es in Fußballdeutschland leider immer weniger. Gut, ob das einzig Wahre so ein lecker Bier ist, sei dahingestellt. Das Frankenheim Alt als Alternative war eigentlich ganz lecker, wobei ich trotz der 0:4 Klatsche immer noch das Bolten aus Gladbach besser finde. Mampfmäßig sah es deutlich eintöniger aus. Zwei Wurstvarianten, zwei Brezelvarianten – fertig. Düsseldorf hat so leckere japanische Küche zu bieten – ein Grund mehr, vorher oder nachkicks dort vorbeizuschauen, statt dieser kulinarische Einöde zu fördern.

Protest zeigt Wirkung
Protest zeigt Wirkung

05 Käfighaltung

Ein guter Blick bietet sich aus dem Gästeblock, der sich in der Nähe der Eckfahne befindet – anders als der Gästeblock damals im Pokal gegen Leverkusen, als wir hinter dem Tor einquartiert waren. Vom Block hatte man eine perfekte Sicht auf die Banner des Fortuna-Anhangs, der mit ein paar Spruchbändern seinen Protest gegen Montagsspiele kundtat. Und dass dieser x-te Protest tatsächlich etwas an der Haltung der Verantwortlichen änderte, hätte ich Anfang 2018 nicht wirklich gedacht. Die kreativen Protestaktionen z.B. auch von Freiburgern und Mainzern im Bruchweg samstags um fünfzehn dreißig in der letzten Saison haben dann wohl doch im knallharten Business Fußball ihre Wirkung gezeigt. Wenn 2021 nach dann 28 Jahren Montagsspielen diese endlich ad acta gelegt werden, ist das ein Verdienst der Kurven von Kiel bis Burghausen. Eigentlich wird aktiven Fußballfans immer vorgeworfen, sich selbst zu feiern. Komischerweise war davon aber in dieser Woche gar nichts zu spüren.

Ein weiteres Highlight in Düsseldorf waren die Spruchbänder in der Halbzeitpause als Protest gegen Spielchen der Sponsoren zwischen beiden Hälften – schließlich wurden Roulette und andere Glückspielprodukte wunderbar präsentiert. Dass Zocken zu einer Spielsucht führen kann ist kein Grund, auf Sponsoren aus der Glücksspielbranche zu verzichten. Schließlich wurde das Rheinstadion jüngst gerade wieder umbenannt – in eine Daddelbude. Aber Schweini macht es ja vor und wirbt gleich für die gesamte Branche.

Glücksspielarena Düsseldorf
Glücksspielarena Düsseldorf

Fazit: Der Jahrgang 2018/2019 besticht durch unstressige An- und Abreise, durchschnittliche Verköstigung, einen gelungenen Protest und einen guten Blick auf das Glücksspiel Fußball – zum Wohl!