Antillen 2001 Teil 3

Zuallererst möchte ich mich mal bei Euch für die vielen netten Mails bedanken. Nun ja, es wird doch nicht immer alles schlechter, sondern dank der neuen Medien auch vieles viel lustiger und angenehmer! Ich sitze immer noch auf Dominica und bin noch nicht vom japanischen Europa-In-Drei-Tagen-Virus befallen wie einige von Euch meinten.

Dominica heißt übrigens so, weil einer meiner Vorbilder C.K. der 1. also Christoph Kolumbus diese Insel an einem Sonntag (italienisch Domenica) entdeckt hat. Der Name wird hier Do-mi-niiiiiie-ca ausgesprochen und unterscheidet sich damit noch ein bisschen mehr von „DomRep“! Diese Insel hat es mir wirklich angetan. Hörte ich bisher fast den ganzen Tag über Reggae, also auf der Strasse, im Minibus, im Flughafen, im Restaurant, im Hotelzimmer und irgendwo in der Pampa, so hört man hier eigentlich nur das Rauschen der vielen Bäche und Flüsse und den Wind der durch die Baumwipfel pfeift sowie natürlich das Zwitschern der Vögel, die überall herumfliegen. Ich war jetzt 4 Tage lang praktisch immer im Regenwald und habe diese einzigartige Schönheit und das Bizarre dieser Insel genossen. Da Dominica wie fast alle Inseln der kleinen Antillen vulkanischen Ursprung ist, gibt es zahlreiche vulkanische Kuriositäten. Zum Beispiel bin ich zum „Boiling Lake“ gewandert. Der See sieht aus wie ein riesiger Topf voll mit Spaghettiwasser. Überall kocht und sprudelt es. Natürlich ist man gleich von einer riesigen Dampfwolke umgeben und man sieht nichts mehr – vor allem als Brillenträger!

Der Weg dorthin führte zunächst durch tropischen Regenwald mit total kunterbunten Blumen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Anschließend erreichte ich das „Valley of Desolation“. Dieses Tal ist vor hundert Jahren nach einem Vulkanausbruch praktisch zu einer Wüste im Regenwald verwandelt worden. Überall stinkt es dank der Schwefelsäure wie auf nicht gereinigten Bahnhofstoiletten. Die Erde ist kunterbunt gefärbt von Schwarz über Rostbraun und Gelb bis Weiß aufgrund der verschiedenen Mineralien, die sich angelagert haben. Aus allen Löchern blubberte der kochende Schlamm durch die Gegend und der kleine Bach bestand auch nur aus kochendem Wasser. Hier könnte man eine coole Party ohne extra Nebelmaschine ausrichten, denn oft sah man gar nichts mehr vor seiner Nase. Da diese Tour fast einem Tagesmarsch entspricht, kommen nur sehr wenige Touristen hinauf, und man kann diese Einöde so richtig genießen. Ich war mit einem einheimischen Guide dorthin gewandert, und so lernte ich noch ein bisschen etwas über das Leben in Dominica.

Am nächsten Tag krabbelte ich durch den Regenwald auf der Suche nach Papageien, die es hier noch in freier Wildbahn geben soll. Nach 4 Stunden rumsuchen und rumlaufen, fand ich dann 5 Meter vor mir in einem Baum das Wappentier Dominicas, den Imperial Parrot. Glücklicherweise fühlte er sich nicht durch mich bedroht und schaute mich nur schräg an, und dachte sich wohl, was für ein komisches Wesen, das mich da anglotzt. Diese Papageien werden bis zu 50 cm groß und sind fast ausschließlich grün gefiedert mit Ausnahme der lila Brust.

Später bin ich in den Mangroven mit einem Einheimischen im Ruderboot durch das Land des Indian River gefahren. Der Name kommt von den indigenen Einwohnern, die es in Dominica noch tatsächlich gibt. Diese sind Nachfahren der Carib-Indianer. Sie gaben der ganzen Region Karibik ihren Namen – und einem guten Bier schließlich auch. Leider sieht man kaum noch diese Menschen, da sie in ihrem eigenem Territorium leben. Ich wollte nicht diese Leute wie im Zoo bestaunen.

Heute war dann Wasserfallbestauntag angesagt. Wieder ging es auf ziemlich krassen Pfaden durch den Regenwald zu mehreren Wasserfällen, die bis zu 100 Meter empor ragten. Stundenlang sah ich keine Menschenseele, aber der Weg war sogar wie in Europa z. T. markiert, so dass ich mich nicht verlaufen konnte. An einer Wegkreuzung sollte laut Touristen-Info eine Boa Constrictor leben. Diese hatte aber heute anscheinend ihren freien Tag, so dass ich mit einigen gereizten Krabben, die mich ständig angriffen, mich zufrieden geben musste. Aber einige andere ebenfalls ungiftige Schlangen lagen schon mal auf dem Weg. Nicht nur die Leute sind hier ziemlich relaxed, auch die Tiere. Die Schlangen hatten nämlich überhaupt keinen Bock, mir mal Platz zu machen…

Dadurch, dass ich mich nun nicht in der „DomRep“ befinde, sind die Abende eher als ruhig zu bezeichnen, wenn nicht gerade wieder jemand mit seiner Proletenschüssel durch die Strasse rauscht und die Bässe die Klapperschüssel fast zerlegen. Die Mucke erinnert hier schon viel an Calypso als an Reggae, was sich aber ähnlich anhört. Die Experten werden es mirhoffentlich  verzeihen. Noch komm ich mit der Musik klar…sie hängt mir noch nicht zum Hals raus. Trotz fehlender Party kann man aber den Einheimischen Suff genießen: Ich gehe jetzt gleich wieder Erdnuss-Punsch trinken, oder den Bush-Rum. Das ist Rum mit irgendwelchen Kräutern gemischt. Schmeckt echt bizarr aber gut, und kostet nur halb soviel wie das Kubuli-Bier! In diesem Sinne CHEERS!  

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