Spätlese München Jahrgang 2019/20

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

01 Hin und weg:

Gedrucktes und Mainz – das ist ja seit 1450 herum eine ganz besondere Liaison. Vielleicht deshalb haben Fans des FSV, quasi als Erb*innen Gutenbergs, immer wieder Lust, von ihren Erlebnissen rund um den Fußball zu berichten: nicht im Internet in Form von Blogs, sondern ganz traditionell mittels gedruckten Werken. Als Fanboy von Fanzines habe ich mich sehr gefreut, vor dem Gladbach-Spiel das neueste Ergebnis in den Händen zu halten: „Golden Times“ – Erstausgabe August 2019. Während Mainzer Fanzines in früheren Zeiten sich auch manchmal mit den Geschehnissen rund um den Fußballsportverein beschäftigten, geht es in „Golden Times“ ausschließlich um Hopping-Fahrten durch Europa und den Indischen Ozean bis hinüber in die VR China. Vielleicht ist das die große Änderung zu den vergangenen goldenen Tagen der Fanzine-Szene in Mainz. Geschehnisse rund um Mainz 05 werden aktuell in Form der Blockbildung (aber dennoch in gedruckter Form) vor den Spielen, Kolumnen wie der Wortpiratin, Foren wie dem Kigges, Blogs und Facebookgruppen abgehandelt.

Golden Times, das neue Hopping-Fanzine und der Mate Mann Vol. 5 - beste Lektüre für lange Auswärtsfahrten
Golden Times, das neue Hopping-Fanzine und der Mate Mann Vol. 5 – beste Lektüre für lange Auswärtsfahrten

Aus eigener Erfahrung weiß ich wie prägend Fußballreisen, gerade auch ins Ausland, sein können. Ich denke beispielsweise immer noch gerne an Erevan 2005 oder an Baku 2016 zurück. Erinnerungen an die Medias-Fahrt, von der ich als Gastautor in der TORToUR 2011 berichten durfte, kamen beim Lesen des Rumänien-Kapitels der „Golden Times“ auf. Das Fanzine von André, Lucas und Mehlisch liest sich sehr angenehm. Die Autoren nehmen uns Leser*innen u.a. mit ins Vereinigte Königreich und auf den Balkan. Was mir besonders gefallen hat, ist die reflektierte Art und Weise, wie über die Länder berichtet wird. So lernen wir nebenbei auch noch ein wenig über die Geschichte der bereisten Regionen etwa in Nordirland oder in Bosnien. Letzteres habe ich als Kind mit meinen Eltern bereist, als es noch Jugoslawien hieß. Die Veränderungen nach dem Krieg (es gab plötzlich Grenzen, unterschiedliche Währungen, EU- und Nicht-EU-Länder sowie eine Autobahn!) waren für mich besonders interessant zu lesen. Eines der Highlights des Magazins: Die Begegnung der Gruppe mit einem ehemaligen 05-Spieler im Trainingslager seines neuen Vereins und sein bodenständiger Plausch mit der Abordnung aus der goldenen Stadt.

Im Seychellen-Kapitel lernte ich viel über Mietwagen-Optionen und als Gastautor berichtete Sebastian von seinen fast 100 Tagen in der VR China. War ich vor dem Lesen des Kapitel der Auffassung, dass ich bereits während seines tollen Vortrags im Fanhaus bereits alles erfahren haben sollte, gab es in der „Golden Times“ tatsächlich nochmals neue Anekdoten, von denen er uns erzählte.

All‘ diese Kapitel sorgten dafür, dass die Fahrt mit dem Zug nach München zu einer kurzweiligen Reise wurde. Dadurch dass wir in der bayerischen Landeshauptstadt etwas mehr Zeit verbrachten, war die „Golden Times“ bereits vor der Rückfahrt ausgelesen. Daher traf es sich gut, gleich die nächste Ausgabe eines mittlerweile etablierten Fanzines im dritten Stock des Kurt-Landauer-Stadion käuflich erwerben zu können: Nils warf als Mate-Mann bereits zum 5. Mal die Druckerpresse an. Ich bin schon sehr gespannt, was uns in der Lila-Ausgabe erwartet.

02 (N)immer nuff:

Ich regte mich in der letzten München-Spätlese darüber auf, dass bei Tickets für Spiele des FC Bayern keine Fahrkarte des ÖPNV im Ticketpreis enthalten ist. Dennoch hatte ich damals keinen Plan B und kaufte mir wie immer in München für ein paar Euro die Fahrkarte für die stets überfüllte U-Bahn. Doch dieses Mal beschritt ich einen anderen Weg. Die Deutsche Bahn bietet mit Call-a-Bike ein Mietrad-System an, das Fahrräder in vielen Städten der Republik zu fairen Preisen bereithält. So zahle ich als BahnCard-Inhaber 39 Euro pro Jahr, um die Räder deutschlandweit nutzen zu können – jeweils für 30 Minuten gratis. Auch für Wenig -Zug- und -Radfahrer gibt es attraktive Angebote – genauso wie für Gästefans, die mit dem Rad von der Münchener Innenstadt die 11 km nach Fröttmaning zum Stadion am Kurt-Landauer-Weg düsen möchten. Wem der Name Kurt Landauer nichts sagt, dem sei meine Münchner Spätlese der letzten Saison empfohlen, wo ich Parallelen in der Vita Kurt Landauers zu der von Eugen Salomon gezogen habe.

Groundspotting per Mietrad auf dem Weg zum Stadion am Kurt-Landauer-Weg

Für 9 Euro für 24 Stunden konnte ich das Rad ausleihen und wir bei herrlichem Wetter über Schloss Nymphenburg und das Olympiastadion durch den Englischen Garten gemütlich zum Stadion radeln. Obwohl München über 500 Meter hoch liegt, verlaufen die Wege in der Innenstadt zum Großteil auf flachem Terrain. Ferner sind die Fahrbahnen meist breit und die Politik bereit, dem Fahrrad in vielen Straßen Priorität gegenüber dem Auto einzuräumen. Fuhren wir nicht gerade im Luitpoldpark, im Olympiapark oder im Schlossspark Nymphenburg durch die Gegend, ging es oftmals auf Fahrradstraßen entlang. Allen Auto fahrenden Pessimisten zum Trotz sei gesagt, obwohl München aus vielen Fahrradstraßen besteht, klappt das Teilen der Verkehrswege hier gut – und dort wo es zu Staus kommt, sind sicherlich nicht die Zweiradfahrer am hohen Verkehrsaufkommen Schuld.

Die Straße bzw. der Fahrradweg muss neuerdings ja auch mit Elektroroller-Fahrer*innen geteilt werden. Ob die Dinger jetzt umweltfreundlich sind oder nicht, kann ich nicht abschätzen, da ich die Stromquelle für die Roller nicht kenne. Nur würde es wohl den meisten Nutzer*innen nicht wirklich schaden, selbst in die Pedale zu treten, statt die Füße auf so ein Ding zu stellen. Spannend wird es, wie Rollerfahrer*innen im Herbst bei nassem Laub auf der Fahrbahn und im Winter bei Schneematsch vorankommen wollen – es bleibt zu hoffen, dass es dann zu keinen schlimmen Unfällen kommen wird.

03 Kon-Trolle

Das Stadion des FC Bayern galt mal als ziemlich gastfreundlich. Allerdings fiel mir bereits letzte Saison auf, dass im „Fan-Treff Nord“, der sich unterhalb des Gästeblocks im Bauch des Schlauchboots befindet, mittlerweile ein „Zutritt nur für Heimfans“ Schild hängt. Dass es seit Beginn dieser Saison einen separaten Eingang für Gästefans gibt, mag insbesondere für Anreisende mit dem Bus Sinn machen. Auch von der U-Bahn aus, gibt es einen eigenen Weg dorthin (danke für die Recherche Alex 🙂 ), aber der Grund für diese Sonderbehandlung ist wohl nur der, Gäste penibler kontrollieren zu können, als den gemeinen bajuwarischen Plebs. Ich musste alles – wirklich alles – aus meinen Taschen ausleeren. Dass sich da nur Schlüssel drin befanden, demotivierte meinen Kontrolleur, denn er erwartete, dass ich doch mindestens ein kleines Messerchen dabei hätte. Hä?

Der neue Gästeeingang am Stadion am Kurt-Landauer-Weg

Warum ich diese Sonderbehandlung besonders sonderbar finde, liegt daran, dass hinter der Kontrolle der kontrollierte Gast sich wieder mit dem bayuwarischen Plebs mischt, bevor es dann in den dritten Stock des Stadions geht. In anderen Stadien (außer in Dortmund) bleibt man dann als Gästefans unter sich und gut ist. Diese Art der Behandlung finde ich, wie gesagt, mindestens sonderbar. Der einzige Pluspunkt, ggf. schneller nachkicks zur U-Bahn zu gelangen, wurde durch die Security zunichte gemacht, da diese nur noch Busreisende und mich (zu meinem Rad) durchließ.

04 Kampf um den Mampf

Wärme steigt bekanntlich auf. Wer diesen Sommer in einer Dachwohnung verbracht hat, weiß, wovon ich schreibe. Im Block 342 staute sich die Hitze, spätestens als der Block so richtig eskalierte. Die Investition vorkicks in einen Becher mit einem Getränk, erwies sich dementsprechend als sehr gute Entscheidung. Schließlich war es in der Halbzeitpause wegen Überfüllung quasi unmöglich, am Kiosk ein Getränk oder etwas zu essen zu erstehen. Dafür gab es auf den Klos zum Glück die Möglichkeit, seinen Flüssigkeitsbedarf an den Waschbecken mit Hilfe des Bechers zu decken. Noch nie hat mir Leitungswasser im Stadion so gut geschmeckt, wie an diesem Spätsommertag in Fröttmaning.

Blick auf die Speisekarte im Stadion am Kurt-Landauer-Weg
Blick auf die Speisekarte im Stadion am Kurt-Landauer-Weg – leider nicht allzu einfallsreich

Beim Essen hat sich im Vergleich zum letzten Besuch nichts geändert. Wurst, Leberkäs-Semmel, Brezel und Popcorn für den Hunger und Helles und Weinschorle plus Limos und Mineralwasser für den Durst. Ziemlich dürftiger Einheitsbrei – an den man aber sowieso wegen Überfüllung nicht gelangte.

05 Käfighaltung

An den von Rolf treffend beschriebenen „Ameisenfußball“ habe ich mich mittlerweile im Schlauchboot gewöhnt. Nachdem es beim letzten Gastspiel im Block 342 noch zu manchen Wortgefechten kam, da der Block mit Bayern-Fans aufgefüllt wurde, muss ich nach dem Dortmund-Spiel feststellen, dass die Münchner Verhältnisse, was das Auffüllen angeht, nicht wirklich schwarz-gelbe Ausmaße erreichen.

Blick auf den Platz aus der 3. Etage

Der supportwillige Teil stand in den ersten Reihen und dahinter saß dann der Teil derjenigen, die wohl über den FC Bayern kurzfristig ihre Tickets erhalten hatten. Anders als in Dortmund bekam ich keine Provokationen mit und so verliefen die 90 Minuten plus Trinkpausen den Umständen entsprechend recht entspannt.   

Fazit: Der Jahrgang 2019/2020 glänzt durch Nachhaltigkeit in Anreise und WC-Verpflegung sowie durch unterhaltsame Lektüre auf dem Weg zum rot-weißen 7-Tore-Festival.

Rot-weiße Grüße,

Christoph – Meenzer on Tour

Die Finanz-Bundesliga-Tabelle 2018/19

Erinnert Ihr Euch noch an die Traumbundesliga? In dieser hauptsächlich auf Twitter gezwitscherten Zusammenstellung füllten Fußballfans die 18 Plätze mit ihren Wunschvereinen. Daher auch der Name Traum…

Jetzt wissen wir alle, dass es bei der Bundesliga nur ums Geschäft geht. Um finanzielles Fairplay geht es dabei relativ wenig. Die DFL schaut in ihrer Lizenzierung hauptsächlich darauf, dass der Spielbetrieb in der nächsten Saison durch die sich sportlich qualifizierten Teilnehmer garantiert ist. Allerdings hat die Mitgliederversammlung der DFL im Dezember 2018 beschlossen, Club-Finanzkennzahlen zu veröffentlichen. Diese stehen seit 29. Mai 2019 öffentlich zur Verfügung. In der Wirtschaft also auch in der 1. Liga sollten Kennzahlen eine wichtige Rolle spielen, wenn es um Entscheidungen geht, die den Club beeinflussen. Kaufe ich den Spieler A, verkaufe ich den Spieler B, investiere ich in Steine etc.? Wichtig ist auch immer diese Kennzahlen im Vergleich zu anderen Clubs zu sehen, um zu erkennen, wie man so dasteht, als Verein, rein finanziell gesehen. Um eine solche Finanz-Bundesliga-Tabelle zu erstellen habe ich die Daten aller 18 Bundesligisten der Saison 2018/19 sowie der drei Aufsteiger, die 2019/20 dabei sind, analysiert. Bilanzstichtag war entweder der 30. Juni oder der 31. Dezember 2018.

Aus den folgenden von der DFL veröffentlichten Kennzahlen habe ich die weiter unten stehenden Unternehmenskennzahlen hergeleitet.

Finanzkennzahlen der DFL, u.a.

  • Anlagevermögen
  • Eigenkapital
  • Verbindlichkeiten + Rückstellungen (=Fremdkapital)
  • Bilanzsumme
  • Jahrsüberschuss
  • Personalkosten
  • Rohergebnis (als Umsatz genutzt)
100 % Einsatz für finanziell solides Wirtschaften zeigt der 1. FSV Mainz 05
100 % Einsatz für finanziell solides Wirtschaften zeigt der 1. FSV Mainz 05

Daraus habe ich die folgenden Unternehmenskennzahlen hergeleitet und Tabellen erstellt – jeweils die vier ersten Vereine (CL-Teilnehmer) und die drei letzten Vereine (Absteiger – Relegation ist Mist) habe ich genannt und natürlich Mainz 05. Wer die Excel-Tabelle sehen möchte, einfach Bescheid sagen:

Anlagendeckungsgrad (Eigenkapital zu Anlagevermögen)

Je höher der Deckungsgrad, desto besser steht es um die Finanzierung des Clubs. Der 1. FC Nürnberg und Hertha BSC haben negatives Eigenkapital, sprich die Clubs sind eigentlich überschuldet (gleiches gilt für die Aufsteiger Union Berlin und SC Paderborn). Der FC Augsburg (17 Mio. Euro), RB Leipzig (36 Mio. Euro) und der 1. FSV Mainz 05 (3 Mio. Euro) haben Investitionszuschüsse (wahrscheinlich für das jeweilige Stadion) erhalten, die man dem Eigenkapital zurechnen kann. Ich habe diese Zuschüsse weggelassen, um eine bessere Vergleichbarkeit zu erzielen. Dass allerdings der Zuschuss bei RB Leipzig größer ist als das restliche Eigenkapital von 27 Mio. lässt aufhorchen:

1. SC Freiburg
2. TSG Hoffenheim
3. Borussia Dortmund
4. FC Bayern München

6. 1. FSV Mainz 05

16. FC Schalke 04
17. 1. FC Nürnberg
18. Hertha BSC

Eigenkapitalquote (Eigenkapital zu Bilanzsumme)

Je höher die Quote desto mehr finanzielles Engagement bringt der eigene Club auf.

1. TSG Hoffenheim
2. SC Freiburg
3. Borussia Dortmund
4. Bayer 04 Leverkusen

6. 1. FSV Mainz 05

16. FC Schalke 04
17. 1. FC Nürnberg
18. Hertha BSC

Eigenkapitalrendite (Jahresüberschuss zu Eigenkapital)

Die Kennzahl klärt, ob es sich für den Club finanziell lohnt, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Da Schalke den größten Jahresüberschuss zu verzeichnen hat, liegt der Club ganz vorne. Mit fast 40 Mio. Überschuss überflügelt Schalke den FC Bayern um 10 Mio. Euro. Dass Christian Heidel alles falsch gemacht hat auf Schalke ist somit aus finanzieller Sicht widerlegt. Interessant sind die Jahresüberschüsse von 0 Euro von Bayer 04 Leverkusen und dem VfL Wolfsburg. Während die knapp 18 Mio. Überschuss von Bayer 04 an so genannte „andere Gesellschafter“ gewandert sind, haben diese „anderen Gesellschafter“ beim VfL Wolfsburg den Verlust von 19 Mio. einfach ausgeglichen. Interessant auch die „Ergebnisabführung an atypisch stillen Gesellschafter“ bei der TSG Hoffenheim in Höhe von 27 Mio. Euro. Einen Verlust haben Hertha BSC, Borussia Mönchengladbach, der SC Paderborn und der VfB Stuttgart erwirtschaftet:

1. FC Schalke 04
2. Fortuna Düsseldorf
3. FC Augsburg
4. Eintracht Frankfurt

7. 1. FSV Mainz 05

16. Borussia Mönchengladbach
17. VfB Stuttgart
18. 1. FC Nürnberg

Personalaufwandsquote (Personalaufwand/Umsatz)

Geld schießt Tore. Hier geht es allerdings um Umsatz, der mit dem vorhandenen Personal erwirtschaftet wurde. Daher gilt hier, je niedriger die Quote, desto besser wirtschaftet der Club. Da ich auch die Aufsteiger mit in die Analyse hinein genommen habe, zeigt sich, dass der SC Paderborn hier ganz schlecht abschneidet, sogar schlechter als der VfL Wolfsburg. D.h. finanziell ist der Aufstieg von der 3. in die 2. Liga gar nicht so ein Zufall gewesen. Die Frage, ob der Aufstieg in Liga 1 auch kein finanzieller Zufall war, lässt sich erst nächstes Jahr beantworten, wenn die Bilanz 18/19 veröffentlicht ist:

1. FC Augsburg
2. Borussia Dortmund
3. FC Schalke 04
4. 1. FSV Mainz 05

16. Hannover 96
17. VfB Stuttgart
18. VfL Wolfsburg

Umsatzrentabilität (Jahresüberschuss zu Umsatz)

Die Zahl sagt aus, wieviel Prozent des Umsatzes als Gewinn verbleiben, sprich wie finanziell erfolgreich der Club in der Saison war:

1. FC Schalke 04
2. SC Freiburg
3. FC Augsburg
4. 1. FC Nürnberg

10. 1. FSV Mainz 05

16. Borussia Mönchengladbach
17. Hertha BSC
18. VfB Stuttgart

Verschuldungsgrad (Fremdkapital zu Eigenkapital)

Je höher der Grad ist, desto abhängiger ist das Unternehmen von externen Gläubigern. Bei negativem Eigenkapital, wie es beim Glubb, bei Union, bei Hertha und bei Paderborn der Fall ist, lässt sich das gar nicht messen. Daher fallen diese Clubs hier raus:

1. TSG Hoffenheim
2. SC Freiburg
3. Borussia Dortmund
4. FC Bayern München

7. 1. FSV Mainz 05

15. RB Leipzig
16. VfL Wolfsburg
17. FC Schalke 04

Doch was zählt schon ein „Spieltag“, sprich eine Unternehmenskennzahl. Der Kicker hat bspw. nur den Jahresüberschuss analysiert. Dieser ist kurzfristig. Die von mir genutzten Kennzahlen spiegeln kurzfristige und längerfristige finanzielle Kriterien wieder. Die Abschlusstabelle „lügt“ nicht, wie wir alle wissen 😉

Daher habe ich die sechs Unternehmenskennzahlen jeweils mit 0 bis 3 Punkten bewertet. Natürlich ist das ganze rein subjektiv. Doch letztlich ergibt sich ein gutes Bild, wie es um das finanzielle Gebaren der Clubs untereinander aussieht, wer gut wirtschaftet, wer mit Geld zugeschüttet wird und wer sogar Geld abdrücken muss, weil er vorher jahrelang sehr großzügig alimentiert wurde.

Anlagendeckungsgrad
> 1 3 Punkte für: SCF, TSG, BVB, FCB
> 0,5 2 Punkte für: B04, M05, FCA, SGE, KOE, F95, H96, BMG
>0 1 Punkt für: VFB, WOB, SVW, RBL, S04
<0 0 Punkte für: FCU, FCN, BSC, SCP

Eigenkapitalquote
> 0,66 3 Punkte für: TSG, SCF, BVB
> 0,33 2 Punkte für: B04, FCB, M05, BMG, KOE, FCA
> 0 1 Punkte für: H96, SGE, VFB, F95, SVW, WOB, RBL, S04
< 0 0 Punkte für: FCU, FCN, BSC, SCP

Eigenkapitalrendite
> 1 3 Punkte für: S04
> 0,1 2 Punkte für: KOE, F95, FCA, SGE, RBL, SCF
> 0 1 Punkte für: M05, BVB, SVW, FCB, H96,
= 0 1 Punkt für B04 da Gewinn nach Steuern vor Ermittlung des Jahresüberschusses
< 0 oder nicht berechenbar 0 Punkte für: SCP, BSC, TSG, WOB, FCU, BMG, VFB, FCN

Personalaufwandsquote
< 0,4 2 Punkte für: FCA, BVB, S04, M05
< 0,5 1 Punkte für: KOE, FCU, SCF, SGE, RBL, B04, BSC, F95, FCN, TSG
< 0,6 0 Punkte für: BMG, FCB, SVW, H96, VFB, WOB, SCP

Umsatzrentabilität
> 0,1 3 Punkte für: S04, SCF, FCA, KOE
> 0,01 2 Punkte für: FCN, BVB, FCB, F95, SGE, M05, RBL
> 0 1 Punkt für: H96, FCU, SVW, TSG
= 0 1 Punkt: B04 da Gewinn nach Steuern vor Ermittlung des Jahresüberschusses
< 0 0 Punkte für: WOB, BMG, BSC, VFB, SCP

Verschuldungsgrad
< 0.33 3 Punke für: SCF, TSG
< 0.66 2 Punkte für: B04, FCB, BVB
< 1 1 Punkt für: FCA, M05
> 1 bzw. negativ 0 Punkte für: BMG, KOE, F95, H96, SGE, VFB, SVW, RBL, WOB, S04, SCP, BSC, FCN, FCU

Meister in der KPI-Bundesliga-Tabelle: SC Freiburg
Meister in der KPI-Bundesliga-Tabelle: SC Freiburg

KPI-Bundesliga-Abschlusstabelle

1. SC Freiburg 15 Punkte
2. Borussia Dortmund 13 Punkte
3. FC Augsburg 12 Punkte
4. TSG Hoffenheim 11 Punkte
5. FC Bayern München 10 Punkte
5. 1. FSV Mainz 05 10 Punkte
5. FC Schalke 04 10 Punkte
8. Bayer 04 Leverkusen 9 Punkte
9. Eintracht Frankfurt 8 Punkte
9. Fortuna Düsseldorf 8 Punkte
11. RB Leipzig 7 Punkte
12. Hannover 96 5 Punkte
13. SV Werder Bremen 4 Punkte
13. Borussia Mönchengladbach 4 Punkte
15. 1. FC Nürnberg 3 Punkte
16. VfL Wolfsburg 2 Punkte
16. VfB Stuttgart 2 Punkte
18. Hertha BSC 1 Punkt

Die Aufsteiger, die ja 2017/18 in der 1. Liga (KOE), in der 2. Liga (FCU) bzw. in der 3. Liga (SCP) gespielt haben, erzielten folgende Punktzahlen:

1. FC Köln 10 Punkte (wäre Platz 5)
FC Union Berlin 2 Punkte (wäre Platz 16)
SC Paderborn 0 Punkte (wäre Platz 18)

Fazit: Der SC Freiburg wird oft als sympathischster Verein Deutschlands wahrgenommen – vielleicht auch wegen des finanziell seriösen Auftretens? Der einzige an der Börse gehandelte Verein Borussia Dortmund zeigt, dass man als Kapitalgesellschaft transparent wirtschaften muss und das auch finanziell Erfolg bringt. Die TSG Hoffenheim wurde von Dietmar Hopp seriös finanziell aufgestellt. Dass der FC Bayern und Mainz 05 gleichauf liegen, zeigt, dass man sich in seinem finanziellen Level jeweils seriös bewegt. Dass bei Wolfsburg finanziell einfach unter die Arme gegriffen wird, zeigt die Bilanz – Bayer 04 hingegen muss Geld abdrücken. Interessant wäre es zu wissen, wenn B04 mal wirtschaftlich nicht so gut dasteht, ob dann entsprechende Gelder in den Club fließen. Dass Berlin arm aber sexy ist, wird hier doppelt unterstrichen.

Spätlese München Jahrgang 2018/19

Auswärts fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine Spätlese eben!

01 Hin und weg:

Die Fahrt mit der Bahn nach München verlief wieder einmal recht ereignislos. Vor den Toren der Stadt, quasi einen Steinwurf von der Arena entfernt, befindet sich das schöne Städtchen Dachau. Dieses steht nicht nur für sein Schloss, den dazugehörigen Hofgarten und die hübsche Altstadt, sondern auch für die Gräueltaten im dritten Reich. Zwischen 1933 und 1945 kamen über 200.000 Männer am Bahnhof Dachau an und wurden vor den Augen der Bewohner der Stadt die letzten drei Kilometer in das Konzentrationslager getrieben. Heute kann man als Besucher den „Weg des Erinnerns“ nachgehen. Auf zwölf Tafeln wird die schlimme Geschichte des Lagers erklärt und je näher ich diesem Ort kam, der heute eine KZ-Gedenkstätte ist, desto größer wurde bei mir die Beklemmung.

Einer der Inhaftierten war der heutige Ehrenpräsident des FC Bayern, Kurt Landauer. Er wurde am Morgen nach der Reichsprogromnacht am 9. November 1938 hierher deportiert und für vier Wochen festgehalten – weil er Jude war. Während Landauer 1939 in die neutrale Schweiz flüchten konnte, wurde der jüdische Gründer von Mainz 05, Eugen Salomon, an der Flucht gehindert und nach Ausschwitz-Birkenau gebracht, wo ihn die Nazis 1942 ermordeten. Sowohl beim FC Bayern als auch bei uns war über dieses Schicksal Jahrzehnte nichts bekannt. Es waren die Fans beider Vereine, die vor ein paar Jahren selbst die Recherche in die Hand genommen hatten und schließlich auf die Schicksale von Salomon und Landauer aufmerksam machten. Sie setzten sich auch für eine entsprechende Würdigung beider Personen ein, die ja stellvertretend für Millionen von Naziopfern stehen. Heute gibt es aufgrund des beharrlichen Einsatzes, z. B. der Supporters Mainz, eine Eugen-Salomon-Straße in den Bretzenheimer Feldern und auch in München existiert nun ein Kurt-Landauer-Weg.

Die Bilder des KZ Dachau haben sich in mir eingeprägt: Die Wachtürme, von denen aus Fluchtversuche mittels Schusswaffengebrauch unterbunden wurden, die verbliebenen Baracken, in denen jeweils bis zu 2000 Menschen dahinvegetierten, der riesige Appellplatz, auf dem alle Gefangene morgens und abends teilweise stundenlang stramm stehen mussten, ehe fertig durchgezählt war und die Schikanierungen vorüber waren , das Krematorium mit seiner als „Brausebad“ beschrifteten Gaskammer und die Öfen, in denen die Leichen verbrannt wurden. Wir können das, was dort zwischen 1933 und 1945 passiert ist, nicht ungeschehen machen. Wir können aber dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert und dass das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät.

In der KZ-Gedenkstätte Dachau.
In der KZ-Gedenkstätte Dachau.


02 (N)immer nuff:

Über Nacht blieb ich in München im Stadtteil Giesing in unmittelbarer Nähe des Städtischen Stadions an der Grünwalder Straße. In vielen Teilen der Stadt dominiert Blau und das Emblem der Löwen. Ich höre immer wieder mal, dass München „blau“ und das Umland „rot“ sei. Dementsprechend ist der FC Bayern wohl auch der einzige Stadtverein in der Bundesliga – Ho$$enheim ist ja ein Dorfverein, bei dem im Ticket keine Fahrkarte des ÖPNV enthalten ist. Dementsprechend ist das Ticket mit 15 € dann nicht mehr ganz so günstig, wie es allgemein kolportiert wird. Dass es zu Fahrscheinkontrollen in der an Spieltagen stets überfüllten U6 kommt, darf angezweifelt werden und der Anteil der Schwarzfahrer dürfte entsprechend hoch liegen. Natürlich ist für diese Ordnungswidrigkeit jede(r) selbst verantwortlich und Schwarzfahren ist vollkommen unsozial. Aber hier kommt der FC Bayern seiner gesellschaftlichen Verantwortung auch nicht wirklich nach. Schließlich kann so ein Verhalten durch eine Pauschalabgabe an den Münchner Verkehrsverbund abgewendet werden – so wie es fast alle anderen Bundesligisten auch machen. Aber der FC Bayern fühlt sich ja zu einer eigenen Liga hingezogen, in denen solche Aspekte wahrscheinlich gar keine Rolle spielen.

03 Kon-Trolle

Die Kontrolle am Eingang verlief wie in den letzten Jahren: freundlich und kurz, sprich sehr angenehm. Es gab jedoch Zeiten beim FC Bayern, bei denen man als Gast ein bisschen freundlicher begrüßt wurde als an diesem Sonntag Abend der Fall war: Der Fan-Treff „Nord“, der sich direkt unterhalb des Gästebereichs im Bauch der Arena befindet, stand bis letzte Saison allen offen – Heimfans wie Gästefans. Natürlich gab es auch in der vergangenen Spielzeiten Kontrollen und als grölender, volltrunkener Auswärtsfahrer wäre man sicherlich auch vor ein paar Jahren dort nicht hinein gekommen. Dass nun pauschal Gästefans nicht mehr Willkommen sind, ist neu und wiegt schwerer als das Becherverbot im Gästeblock, das wieder aufgehoben wurde.

Willkommensunkultur im Fantreff Nord.
Willkommensunkultur im Fantreff Nord.


04 Kampf um den Mampf

Wie bei uns im Stadion kann seit dieser Saison endlich auch in Fröttmaning mit EC- und Kreditkarte bezahlt werden, so dass die ArenaCard nicht mehr erstanden werden muss. Das Angebot an Speisen und Getränken im Gästebereich, der mal wieder mit Heimfans aus aller Welt aufgefüllt wurde, ist leider sehr austauschbar: Wurst, Brezel, Popcorn sowie diverses Süßzeug für den Hunger und Helles und Weinschorle plus Limos und Wasser für den Durst. Alkoholfreies Bier für Anhänger der Fastenzeit? Gibt es nur fernab des Gästebereichs im Erdgeschoss des Stadions. Obazda etc. gibt es nur im Fantreff, in den man als Nullfünfer nicht mehr hinein darf.

Wurst & Suff, garantiert nicht viel für Vegetarier und Fastenzeitler, die auf Süßkram verzichten wollen
Wurst & Suff, garantiert nicht viel für Vegetarier und Fastenzeitler, die auf Süßkram verzichten wollen

05 Käfighaltung

Rolf beschrieb die Situation im dritten Obergeschoss vorkicks nur allzu treffend: „Ameisenfußball – endlich wieder Ameisenfußball!“ Wahrscheinlich gab es zu viele Beschwerden über diesen „Ameisenfußball“: Schließlich wurde das komplette Spiel inklusive Zeitlupen auf den riesigen Anzeigetafeln unter dem Dach der Arena gezeigt. Es gibt mittlerweile sogar eine Leinwand hinter der Leinwand, so dass man gar nicht mehr auf die Gegenseite blicken muss. Ich gebe es gerne zu, auch ich nutzte den Bildschirm manches Mal, wenn vor mir mal wieder der Doppelhalter hochgereckt wurde. Dementsprechend gilt der Spruch „Fahn‘ nunner, ich seh nix!“ nicht für die Arena in Fröttmaning. Aber ich befinde mich gerne in der Umgebung von Doppelhaltern, Fahnenschwenkern und Capos. Diese wirken so schön aus der Zeit gefallen und passen so rein gar nicht in die Glitzerwelt des FC Bayern, in der Auswärtsfahrer irgendwie nur ein störendes Element in der Vermarktung des Produkts Fußball sind – schade eigentlich.

"Ameisenfußball" in der angeblich ausverkauften Arena in Fröttmaning.
„Ameisenfußball“ in der angeblich ausverkauften Arena in Fröttmaning.

Fazit: Der Jahrgang 2018/2019, der einen Tag nach dem 114. Geburtstag unseres Vereins in der Edition „Null 6“ kredenzt wurde, ist, wie es der Name schon sagt, schlicht und einfach unbefriedigend. Zum Wohl!