Weltreise in der eigenen Stadt

Wenn wir Mainzer*innen gefragt werden, was unsere Stadt bereits seit Jahrzehnten fast einzigartig in Deutschland macht, antworten die Jüngeren vielleicht das Marktfrühstück oder die Nullfünfer. Oder vielleicht die politisch-literarische Fassenacht?

 Programmheft und Isomatte sollten auf dem Open Ohr immer überalle dabei sein - passendes Accessoire: der Meenzer-on-Tour-Turnbeutel, fair gehandelt und aus Bio-Baumwolle
Programmheft und Isomatte sollten auf dem Open Ohr immer überalle dabei sein – passendes Accessoire: der Meenzer-on-Tour-Turnbeutel, fair gehandelt und aus Bio-Baumwolle

Sehr wenige Mainzer*innen werden wahrscheinlich das Open Ohr nennen, das mittlerweile zum 45. Mal auf der Zitadelle stattfand. „Zu links, zu wenig bekannte Künstler*innen, zu politisch, zu viele komische Menschen“ – das waren und sind Dinge, die ich ab und zu höre, wenn es um das alljährlich an Pfingsten stattfindende Festival geht. Ich persönlich finde das sehr schade, denn natürlich leisten die Nullfünfer gute Arbeit und als Fan unterstütze ich den Verein gerne in den Bretzenheimer Feldern, am Bruchweg oder auch in Aserbaidschan, wenn Mainz mal wieder spielt. Genauso habe ich die Fastnacht fest ins Herz geschlossen und finde es immer wieder schön, einmal im Jahr montags uff die Gass‘ zu gehen, statt, wie der der Großteil des Landes, einfach wieder eine neue Arbeitswoche einzuläuten. Ein von der Stadt (zwischen)finanziertes, politisches und von einer freien Projektgruppe mit sehr viel Engagement vorbereitetes Festival, das seit Mitte der 1970er Jahre existiert, ist tatsächlich einzigartig für Deutschland.

1997 war für mich als Mainzer diesbezüglich ein sehr bedeutendes Jahr: Am Pfingstsonntag bin ich mittags erstmals zu einem Zweitligaspiel der Nullfünfer gegangen und nach dem Spiel ebenfalls zum ersten Mal zum Open Ohr – lustigerweise mit einigen meiner Freunde, mit denen ich mich 2019 auch wieder auf der Zitadelle traf (und im Stadion am Europakreisel vierzehntägig sowieso). Die bereits angesprochene freie Projektgruppe, die fast ein Jahr lang das Festival ehrenamtlich mit vielen hauptamtlichen Mitarbeiter*innen der Stadt vorbereitet, stellt das Festival jedes Jahr unter ein Motto. Um welches Motto es sich 1997 gehandelt hat, weiß ich heute nicht mehr. Ich fand es damals allerdings schon interessant, dass es drei Bühnen und mehrere Zelte gab, in denen nicht nur Musik, sondern Theater, Kabarett und Podiumsdiskussionen angeboten wurden.

Blieb ich beim ersten Mal nur einen Tag, änderte sich dies im Folgejahr und ich gab mir die nächsten Jahre die volle Dröhnung Open Ohr mit drei Nächten Zelten, wenig Schlaf, viel Feiern und jeder Menge Spaß. Bin ich an Pfingsten nicht am Reisen, wie 2003 auf meiner Weltreise oder 2007 mit dem Fahrrad in der Ukraine, dann ist das Open Ohr seither für mich ein fester Bestandteil meiner „Jahresplanung“ – und genauso wichtig wie Spiele der Nullfünfer oder die fünfte Jahreszeit.

Regenjacken waren nur am Freitag ständige Begleiter
Regenjacken waren nur am Freitag ständige Begleiter

Das diesjährige Motto „Partei ergreifen“ traf den Zeitgeist vollkommen. Der Niedergang der ehemaligen Volksparteien hatte sich schon im Sommer 2018 abgezeichnet und ist seit der Europawahl aktueller denn je. Sicherlich auch aus diesem Grund waren die Diskussionen und Foren gut besucht und glücklicherweise auch wieder mit Politiker*innen bestückt, die das Parteienspektrum von ziemlich weit links bis einen Tick weit rechts der Mitte gut abdecken. Das war leider nicht immer so und das war auch öfters ein Thema bei der Festivalkritik – denn beim Open Ohr dürfen die Besucher*innen ihre Meinung schon immer kundtun – Jahrzehnte bevor Social Media dies allgemein möglich machte. Die Projektgruppe nahm diesen Punkt auch immer wieder auf, entgegnete allerdings, dass es manchmal schwierig sei, Politker*innen rechts der SPD für einen Besuch zu gewinnen.

Und dennoch, ein Heiner Geißler hat es sich nicht nehmen lassen, das Open Ohr zu besuchen, genauso wie Julia Klöckner, die vor ein paar Jahren zu einer Diskussion rund um das Thema Heimat eingeladen wurde. Dieses Jahr waren auch wieder Vertreter*innen der CDU und der FDP bei unterschiedlichen Diskussionen mit an Bord. Daher fand ich die Diskussionen dieses Jahr auch weitaus spannender als in manchen Jahren zuvor, in denen sich alle Podiumsteilnehmer*innen ohnehin fast einer Meinung waren. Und besser als jede Talkshow waren diesen Foren allemal, nicht nur, weil man sich respektvoll begegnete, sondern die anderen auch ausreden ließ, sich sogar manchmal einem Argument der Gegenseite zumindest nicht komplett verschlossen hat.

Die Ente ist (genauso wie der Rabe) mittlerweile Dauergast auf dem Open Ohr - hier beim Konzert von Sookee auf dem Drususstein
Die Ente ist (genauso wie der Rabe) mittlerweile Dauergast auf dem Open Ohr – hier beim Konzert von Sookee auf dem Drususstein

Das Argument, das Wahlrecht auch für Menschen unter 18 Jahren einzuführen, da auch eine Meinungsfreiheit für Menschen ohne Meinung gilt, fand ich ziemlich überzeugend – und die Pauschalisierung, dass junge Menschen keine Ahnung von Politik haben, darf eh angezweifelt werden. Einer Jutta Ditfurth zu lauschen, die sowohl Grüne als auch die „Fridays for Future“ Bewegung ein wenig entzauberte (wer darf da genau sprechen, wer ist da medienkompatibel, wen kann man für die eigene Partei „verwerten“), bringen sicherlich viele der Besucher*innen zum Nachdenken. Ihre These, dass Minderheiten unser Land verändern, Stichwort Arbeiterbewegung und Frauenrechtlerinnen, fand ich einprägsam.

Aber nicht nur Politiker*innen standen Rede und Antwort. Die Berliner Rapperin Sookee krabbelte extra frühmorgens aus ihrem Bett in der Hauptstadt, um vor ihrem Konzert mit uns über Haltung auf der Bühne zu diskutieren. Denn aus dem anfänglichen Interview wurde, wie auf dem Open Ohr üblich, eine Diskussion mit dem Publikum. Dafür stehen immer Mikrofone vor den Bühnen bereit und häufig beleuchten die Zuhörer*innen Punkte, die zuvor nicht angesprochen wurden. Für die Queerfeministin gibt es beim Thema Kunst und Haltung keine zwei Meinungen. Sie ist der Auffassung, dass Künstler*innen ja von der Öffentlichkeit profitieren. Daher hat die Öffentlichkeit auch ein Recht zu erfahren, welche Haltung Künstler*innen einnehmen. Manchmal urteilen Aktivist*innen ja in ziemlicher Schwarz-Weiß-Marnier in „Gute“ und „Schlechte“ – anders Sookee, die z.B. Sarah Connor, die ja bisher nicht gerade als politische Aktivistin galt, für ihr Lied „Vincent“ ausdrücklich lobte. Darauf angesprochen, auch mal etwas trivialere Songs zu rappen, um eine breitere Masse zu erreichen, entgegnete Sookee, dass das schon eine gewisse „Vergeudung von Atem“ sei – dementsprechend hat sie in der von Männern dominierten Welt des Sprechgesangs auch ein schwieriges Standing. Vor der Kraft, die Menschen wie Sookee und Ditfurth aufbringen, dauerhaft unangepasst in unserem Land für Minderheitenmeinungen Partei zu ergreifen, kann ich nur den Hut ziehen.

Natürlich werden solche Menschen permanent in den Sozialen Netzwerken dafür kritisiert und mit Hass und Häme überzogen. Für Ditfurth bietet Social Media dennoch mehr Chance als Bedrohung. Sie kann hier ihre Thesen ihrem Publikum rüberbringen. Wofür früher wohlwollende Journalist*innen notwendig waren, ist es heute nur eine funktionierende Internetverbindung, (was in Deutschland allerdings auch manchmal eine Herausforderung darstellt). Die Kabarettistin Sarah Bosetti hat die schlimmsten Beschimpfungen gesammelt und daraus lyrische Werke erstellt – ein sehr souveräner Umgang mit völlig niveaulosen Schmähungen. Ihre Anekdoten über das Scheitern, am Pfingstmontag vorgetragen, greifen das Thema genauso kreativ auf, wie es Nico Semsrott sicher die nächsten fünf Jahre in Brüssel und Straßburg rüberbringen wird. Eben jener Semsrott hatte im letzten Jahr das große Zelt zum Platzen gebracht, an einem heißen Pfingstmontag-Mittag.

Der Tag auf der Zitadelle fängt allerdings schon viel früher an. Mit Frühsport zum Beispiel – und der Möglichkeit, Vorurteile zu revidieren. Letztes Jahr machten wir uns um kurz vor zehn zum Beispiel auf, um mal eine Zumba-Session mitzumachen. Dass das alles andere als ein sinnbefreites Herumgehüpfe ist, stand bei mir schon nach ein paar Minuten fest, als ich völlig außer Atem gewesen war. Letztes wie dieses Jahr gab es auch Yoga, Tanz und dieses Jahr Qi Gong  aus Tibet. Es bringt mich immer wieder zum Schmunzeln, wenn Meditierende auf Mitmenschen treffen, die gerade ihr erstes Stubbi am Morgen öffnen. Denn auch fast einzigartig: Die Besucher*innen dürfen unbegrenzt Wasser mitbringen, das es auch zum Auffüllen unterhalb des Drusussteins gibt. Außerdem können sie bis zu einem Liter an Limo, Bier oder Wein auch in Glasflaschen (!) mit hineinnehmen.

Zur blauen Stunde vor der Hauptbühne über den Dächern von Mainz
Zur blauen Stunde vor der Hauptbühne über den Dächern von Mainz

Dazu sind die Getränkepreise extrem fair, wenn man die Preise kennt, die bei anderen Festivals aufgerufen werden. Die Speisen sind im Vergleich zu den Vorjahren ein wenig teurer geworden, dafür wurde endlich durchgängig auf Plastikbesteck und -teller verzichtet. Überhaupt sind die Eintrittspreise sehr fair und familienfreundlich. Kinder unter 14 Jahren zahlen nichts und ein eigenes Kinderprogramm sorgt dafür, dass auch die jüngeren Besucher*innen auf ihre Kosten kommen. Die schiere Menge an Kinderwagen und Buggys zeigte, dass das Angebot auch angenommen wurde. Wie beim Auto geht es beim Kinderwagen aber in Richtung „SUV“ – vielleicht sollten nächstes Jahr tatsächlich mal Parkplätze für diese Gefährte eingeführt werden – schließlich sollten auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität noch etwas vom Festival mitbekommen und nicht von Buggys umzingelt werden – gerade auf den Wallanlagen am Drususstein. Aber zurück zur Preisgestaltung: Es gibt ein Sozialticket und wenn man 0,10 Euro pro Tag ein Jahr zurücklegt, dann hat man auch als Geringverdiener*in das Viertagesticket schon gelöst. Sehr transparent wird auch die Verwendung der Eintrittsgelder im Programmheft dargestellt. Der größte Teil geht mit 25 % für die Veranstaltungstechnik drauf. Da das Festival seit Jahren sehr friedlich abläuft, muss glücklicherweise für Security recht wenig Geld aufgewendet werden. So bleiben am Ende ca. 17 Prozent des Eintrittspreises für die Künstler*innen übrig.

Schüttelübungen bei Qi Gong morgens um zehn vor der Hauptbühne
Schüttelübungen bei Qi Gong morgens um zehn vor der Hauptbühne

Seit Jahren verpflichtet die freie Projektgruppe keine musikalischen Top Acts mehr, sondern eher Bands, die einem Massenpublikum wahrscheinlich unbekannt sind. Dadurch dass viele Genres in den vier Tagen abgedeckt werden, kommen wohl die meisten von uns auf ihre Kosten. Genauso wie man sich mal morgens auf Yoga oder Zumba einlassen kann, ist es doch auch extrem spannend, sich im Laufe des Tages auf unbekannte Bands, Theatergruppen und Kabarettistinnen und Kabarettisten zu freuen. So entsteht eine künstlerische Reise durch die ganze Welt. Das Schöne am Open Ohr ist zudem die Tatsache, dass man, mangels Publikumsmagneten, bei den meisten Konzerten auch auf der Wiese sitzen bleiben und gemütlich der Musik lauschen kann, ohne Angst haben zu müssen, plattgetrampelt zu werden.

Alles in allem waren es mal wieder eine wunderschöne Zeit auf der Zitadelle mitten in der Stadt. Ein ganz klein bisschen zähle ich schon die Tage bis zum nächsten Pfingstfest. Doch davor geht es erstmal wieder ins Stadion und zur Straßenfassenacht im schönen Mainz am Rhein.

Reisewarnung, Sicherheitshinweis etc. – was bedeutet das?

„Früher war die Welt noch in Ordnung.“ Diesen Satz hört man immer mal wieder durch die Gegend geistern. Aber tatsächlich kann man unsere moderne, globalisierte Welt in zwei Hälften teilen, was die Bedrohungslage angeht. Naturkatastrophen gab es schon immer und vielleicht nehmen diese aktuell sogar zu. Auch Anschläge durch Terroristen gibt es seit Menschengedenken. Trotzdem ist der 11. September 2001 eine Zäsur. Erstens sah damals die halbe Welt live zu, wie die Flugzeuge in New York in die Zwillingstürme gekracht sind. Diese mediale Wirkung ist sicherlich der Ursprung für viele Taten, die seither weltweit verübt wurden. Gleichzeitig gibt es seit diesem Tag einen weltweiten Sicherheitshinweis auf eine terroristische Bedrohungslage.

Auf dem Weg von Mainz nach Kapstadt machten wir 1995 auch Halt in Asmara, Eritrea, für das heute eine Teilreisewarnung besteht.
Auf dem Weg von Mainz nach Kapstadt machten wir 1995 auch Halt in Asmara, Eritrea, für das heute eine Teilreisewarnung besteht.

Zur einer guten Reisevorbereitung gehört meiner Meinung nach auch das Studieren der aktuellen Sicherheitslage. Vor dem Internetzeitalter war diese Informationsbeschaffung relativ schwierig. Letztlich klappte dies mit guten Reiseführern einigermaßen. Jedoch waren diese Quellen teilweise veraltet. Aber die Zeiten waren damals auch noch nicht so schnelllebig. Heute werden wir von Behörden, Medien, Bloggern etc. förmlich mit Infos, Links und Webseiten überflutet – teilweise in Echtzeit. Traditionell gute Informationsquellen sind Regierungsseiten von demokratischen Ländern. Bei uns in Deutschland gibt das Auswärtige Amt Informationen zu allen Ländern der Welt aus. Diese werden regelmäßig aktualisiert und spiegeln meiner Meinung nach in den meisten Ländern die Welt die tatsächliche Sicherheitslage objektiv wieder. Im Zweifelsfall sind die Informationen eher zu „defensiv“ sprich, es wird eher gewarnt als nicht gewarnt – was durchaus nachvollziehbar ist. Man kann gegebenenfalls eine Zweitmeinung einholen, z.B. bei den entsprechenden Seiten aus den USA, Großbritanniens, Australiens, Frankreichs oder Neuseelands.

Gleich zwei Länder mit Reisewarnung (Syrien) und Teilreisewarnung (Libanon) haben wir 1996 noch problemlos bereisen können. Das Bild entstand an der syrisch-libanesischen Grenze.
Gleich zwei Länder mit Reisewarnung (Syrien) und Teilreisewarnung (Libanon) haben wir 1996 noch problemlos bereisen können. Das Bild entstand an der syrisch-libanesischen Grenze. Allerdings gab es damals auch Sicherheitshinweise für den Libanon.

Die heftigste Note, die das Auswärtige Amt aussprechen kann, ist eine Reisewarnung. Diese gilt aktuell für 25 von 195 Staaten der Erde. Stand heute zählt z.B. Sri Lanka nicht zu dieser Liste, aber die Ukraine und Japan. Der Westen der Ukraine ist vollkommen risikolos zu bereisen. Im Osten des Landes finden seit 2014 bewaffnete Konflikte statt. In Japan wird vor einer Reise in die Gegend des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi gewarnt, da dort die Strahlenmenge nach der Reaktorkatastrophe 2011 immer noch lebensgefährlich ist. Der Rest von Japan ist ebenfalls ohne Bedenken zu bereisen. Daher existieren in beiden Ländern ein so genannte Teilreisewarnung. Von den 25 Ländern mit Reisewarnung wird in 18 Ländern nur bei Reisen in einen gewissen Landesteil gewarnt. Lediglich für Syrien, Jemen, den Südsudan, Libyen, Somalia, Afghanistan und die Zentralafrikanische Republik existiert eine Reisewarnung, die für das ganze Land gilt.

Groundhopping 1998 zum Afrika-Fußball-Cup nach Ouagadougou in Burkina Faso, für das aktuell auch eine Teilreisewarnung besteht.
Groundhopping 1998 zum Afrika-Fußball-Cup nach Ouagadougou in Burkina Faso, für das aktuell auch eine Teilreisewarnung besteht.

Laut Auswärtigem Amt enthalten Reisewarnungen „einen dringenden Appell“, Reisen in ein Land zu unterlassen, „wenn aufgrund einer aktuten Gefahr für Leib und Leben“…“gewarnt werden muss“.

Tokio 1999 zur Kirschblüte, aktuell besteht auch für Japan eine Teilreisewarnung.
Tokio 1999 zur Kirschblüte, aktuell besteht auch für Japan eine Teilreisewarnung.

Ferner spricht das Auswärtige Amt Sicherheitshinweise aus. Seit dem 11. September 2001 gilt, wie bereits erwähnt, ein weltweiter Sicherheitshinweis. Vorher gab es einen solchen weltweiten Hinweis tatsächlich nicht. Es gab vor 2001 schlicht keine globale terroristische Gefahr. Der weltweite Sicherheitshinweis gilt abstrakt, da es ja das Ziel von Terroristen ist, Unsicherheit zu verbreiten. Niemand weiß, wann und wo der nächste Anschlag stattfindet. Als „beliebte“ Anschlagsziele gelten laut Auswärtigem Amt „Orte mit Symbolcharakter“, wie dies auch in Sri Lanka der Fall war: Obwohl weniger als 10% der Menschen auf der Insel Christen sind, wurden Kirchen ausgewählt, genauso wie 5-Sterne-Hotels. Das Christentum und Luxushotels gelten als Symbole der westlichen Gesellschaft. Kirchen an Ostern in die Luft zu sprengen, hat natürlich einen noch größeren Symbolcharakter. Daher sind religiöse Feiertage Zeitpunkte, an denen man immer ein bisschen aufpassen sollte, wenn man in einem fremden Land unterwegs ist. Der wichtigste Satz steht allerdings am Ende des weltweiten Sicherheitshinweises: „Die Gefahr, Opfer eines Anschlages zu werden ist im Vergleich zu anderen Risiken, die Reisen ins Ausland mit sich bringen, wie Unfällen, Erkrankungen oder gewöhnlicher Kriminalität, vergleichsweise gering.“.

Eine Radtour durch die Ukraine war 2007 problemlos möglich. Seit 2014 existiert auch in diesem Land eine Teilreisewarnung.

Neben Reisewarnungen und dem weltweiten Sicherheitshinweis gibt es auch Sicherheitshinweise für einzelne Länder. Diese weisen „auf besondere Risiken“ hin. Sie können eine Empfehlung auf einen Verzicht auf die Reise enthalten oder es wird abgeraten, dorthin zu reisen. Aktuell existiert z.B. für Sri Lanka ein Sicherheitshinweis. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass eine akute Gefahr für Leib und Leben bis dato nicht existiert.

Djenné 1998 war eine Reise wert. Leider existiert auch für Mali aktuell eine Teilreisewarnung.

Fazit: Man kann bei der Reisevorbereitung das ganze wie eine Ampel betrachten:

  • Rot – Reisewarnung
  • Gelb – Sicherheitshinweis
  • Grün – keine Gefahr -> gibt es seit dem 11. September 2001 aber nicht mehr, da es einen weltweiten Sicherheitshinweis gibt. Vielleicht gilt „Grün“ in der Antarktis, der Arktis etc. – sprich Gebiete, in denen wenig bis gar keine Menschen leben
1994 in der Sahara Rad zu fahren war anstrengend, aber sicher. Für Ägypten existiert aktuell auch eine Teilreisewarnung.

Bevor man also eine Kurzschlusshandlung vornimmt und eine direkt Reise storniert, sobald im geplanten Reiseland etwas passiert ist, ist es vielleicht doch eher empfehlenswert, die Seite des Auswärtigen Amts regelmäßig zu konsultieren und vielleicht auch noch ein paar Tage/Wochen abzuwarten, bevor man seine Reisepläne gegebenenfalls ändert.

Zeichen setzen

Bali, Berlin, Nairobi, New York, Paris… was sich wie eine Tournee-Auflistung liest, ist leider die Anreihung der Orte, die ich besucht habe, nachdem dort ein Terroranschlag stattgefunden hatte. Berlin und Paris haben sicherlich viele von Euch auch nach 2015 bzw. 2016 aufgesucht. Vielleicht wohnt die eine oder der andere ja auch in einem dieser Orte. Gemeinsam mit New York sind diese Plätze nicht unbedingt auf den Tourismus angewiesen. Nairobi selbst ist auch nicht wirklich ein Touristenmagnet und eher wegen der seit Jahrzehnten vergleichsweise hohen Kriminalitätsrate unter Reisenden ohnehin nicht sonderlich beliebt, aber der Ausgangspunkt zu vielen Naturschönheiten Kenias.

Tee-Plantagen im Zentrum von Sir Lanka
Tee-Plantagen im Zentrum von Sir Lanka

Bei Bali sieht die Sache hingegen vollkommen anders aus. Nachdem im Oktober 2002 ein Bombenanschlag im von (Party)-Touristen besonders beliebten Kuta verübt worden war, trauten sich die Massen plötzlich nicht mehr in das „Malle“ der Australier. Als ich im Rahmen meiner Weltreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Mai 2003 erstmals nach Bali kam, war die Insel nicht ausgestorben, denn übervölkert war sie auch damals schon. Aber Fremde gab es fast keine. „Come back to Bali – don’t let the terrorists win“ stand auf vielen Schildern geschrieben. Ich hatte 2003 eine gute Zeit auf Bali, fühlte mich sicher und die Menschen waren dankbar, dass ich ein wenig Geld bei ihnen ließ. Ganze Familienexistenzen standen damals auf dem Spiel.

Mit der Eisenbahn geht es wunderbar durch die Berge von Sri Lanka
Mit der Eisenbahn geht es wunderbar durch die Berge von Sri Lanka

Aktuell wird auf Touristen sehr viel geschimpft. Es kommt zum so genanntem „Overtourism“, z.B. an den Grachten von Amsterdam oder an der Lagune von Venedig. Globale Ferienwohnungsvermietungsplattformen wird vorgeworfen, Mietwohnungen den Einheimischen wegzunehmen. Aber Touristen können auch Zeichen setzen, z.B. in dem sie gerade jetzt ihre nächste Fernreise nach Sri Lanka statt ins mittlerweile wieder recht populäre Bali planen. Sri Lanka machte bis 2009 einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg zwischen hinduistischen Tamilen und buddhistischen Singalesen mit. Die letzten 10 Jahre ging es in Sir Lanka bergauf und Probleme zwischen Christen und Moslems, die jeweils weit unter 10 % der Bevölkerung stellen, gab es nicht. In meinem Buch „Zu Gast – In vielen Ecken dieser Welt“ setze ich das Land mit einer Trauminsel gleich. Dies galt bis zum Ostersonntag. Ich bin mir sicher, dass dies, wie auf Bali auch, in Zukunft auch wieder der Fall ist. Selbst das Auswärtige Amt hat keine Reisewarnung für das Land ausgesprochen. Ich denke, wir müssen einfach akzeptieren, dass wir nirgends auf diesem eigentlich wunderschönen Planeten sicher sind.

Elefanten im Udawalawe Nationalpark im Süden von Sri Lanka
Elefanten im Udawalawe Nationalpark im Süden von Sri Lanka

Den Menschen in Sri Lanka wäre es auf jeden Fall zu wünschen, wenn im Herbst, wenn die Hauptsaison wieder beginnt, möglichst wieder viele Fremde ihre Insel  besuchen, eine gute Zeit dort haben und die Einheimischen durch ihre Präsenz unterstützen.