Weltreise in der eigenen Stadt

Wenn wir Mainzer*innen gefragt werden, was unsere Stadt bereits seit Jahrzehnten fast einzigartig in Deutschland macht, antworten die Jüngeren vielleicht das Marktfrühstück oder die Nullfünfer. Oder vielleicht die politisch-literarische Fassenacht?

 Programmheft und Isomatte sollten auf dem Open Ohr immer überalle dabei sein - passendes Accessoire: der Meenzer-on-Tour-Turnbeutel, fair gehandelt und aus Bio-Baumwolle
Programmheft und Isomatte sollten auf dem Open Ohr immer überalle dabei sein – passendes Accessoire: der Meenzer-on-Tour-Turnbeutel, fair gehandelt und aus Bio-Baumwolle

Sehr wenige Mainzer*innen werden wahrscheinlich das Open Ohr nennen, das mittlerweile zum 45. Mal auf der Zitadelle stattfand. „Zu links, zu wenig bekannte Künstler*innen, zu politisch, zu viele komische Menschen“ – das waren und sind Dinge, die ich ab und zu höre, wenn es um das alljährlich an Pfingsten stattfindende Festival geht. Ich persönlich finde das sehr schade, denn natürlich leisten die Nullfünfer gute Arbeit und als Fan unterstütze ich den Verein gerne in den Bretzenheimer Feldern, am Bruchweg oder auch in Aserbaidschan, wenn Mainz mal wieder spielt. Genauso habe ich die Fastnacht fest ins Herz geschlossen und finde es immer wieder schön, einmal im Jahr montags uff die Gass‘ zu gehen, statt, wie der der Großteil des Landes, einfach wieder eine neue Arbeitswoche einzuläuten. Ein von der Stadt (zwischen)finanziertes, politisches und von einer freien Projektgruppe mit sehr viel Engagement vorbereitetes Festival, das seit Mitte der 1970er Jahre existiert, ist tatsächlich einzigartig für Deutschland.

1997 war für mich als Mainzer diesbezüglich ein sehr bedeutendes Jahr: Am Pfingstsonntag bin ich mittags erstmals zu einem Zweitligaspiel der Nullfünfer gegangen und nach dem Spiel ebenfalls zum ersten Mal zum Open Ohr – lustigerweise mit einigen meiner Freunde, mit denen ich mich 2019 auch wieder auf der Zitadelle traf (und im Stadion am Europakreisel vierzehntägig sowieso). Die bereits angesprochene freie Projektgruppe, die fast ein Jahr lang das Festival ehrenamtlich mit vielen hauptamtlichen Mitarbeiter*innen der Stadt vorbereitet, stellt das Festival jedes Jahr unter ein Motto. Um welches Motto es sich 1997 gehandelt hat, weiß ich heute nicht mehr. Ich fand es damals allerdings schon interessant, dass es drei Bühnen und mehrere Zelte gab, in denen nicht nur Musik, sondern Theater, Kabarett und Podiumsdiskussionen angeboten wurden.

Blieb ich beim ersten Mal nur einen Tag, änderte sich dies im Folgejahr und ich gab mir die nächsten Jahre die volle Dröhnung Open Ohr mit drei Nächten Zelten, wenig Schlaf, viel Feiern und jeder Menge Spaß. Bin ich an Pfingsten nicht am Reisen, wie 2003 auf meiner Weltreise oder 2007 mit dem Fahrrad in der Ukraine, dann ist das Open Ohr seither für mich ein fester Bestandteil meiner „Jahresplanung“ – und genauso wichtig wie Spiele der Nullfünfer oder die fünfte Jahreszeit.

Regenjacken waren nur am Freitag ständige Begleiter
Regenjacken waren nur am Freitag ständige Begleiter

Das diesjährige Motto „Partei ergreifen“ traf den Zeitgeist vollkommen. Der Niedergang der ehemaligen Volksparteien hatte sich schon im Sommer 2018 abgezeichnet und ist seit der Europawahl aktueller denn je. Sicherlich auch aus diesem Grund waren die Diskussionen und Foren gut besucht und glücklicherweise auch wieder mit Politiker*innen bestückt, die das Parteienspektrum von ziemlich weit links bis einen Tick weit rechts der Mitte gut abdecken. Das war leider nicht immer so und das war auch öfters ein Thema bei der Festivalkritik – denn beim Open Ohr dürfen die Besucher*innen ihre Meinung schon immer kundtun – Jahrzehnte bevor Social Media dies allgemein möglich machte. Die Projektgruppe nahm diesen Punkt auch immer wieder auf, entgegnete allerdings, dass es manchmal schwierig sei, Politker*innen rechts der SPD für einen Besuch zu gewinnen.

Und dennoch, ein Heiner Geißler hat es sich nicht nehmen lassen, das Open Ohr zu besuchen, genauso wie Julia Klöckner, die vor ein paar Jahren zu einer Diskussion rund um das Thema Heimat eingeladen wurde. Dieses Jahr waren auch wieder Vertreter*innen der CDU und der FDP bei unterschiedlichen Diskussionen mit an Bord. Daher fand ich die Diskussionen dieses Jahr auch weitaus spannender als in manchen Jahren zuvor, in denen sich alle Podiumsteilnehmer*innen ohnehin fast einer Meinung waren. Und besser als jede Talkshow waren diesen Foren allemal, nicht nur, weil man sich respektvoll begegnete, sondern die anderen auch ausreden ließ, sich sogar manchmal einem Argument der Gegenseite zumindest nicht komplett verschlossen hat.

Die Ente ist (genauso wie der Rabe) mittlerweile Dauergast auf dem Open Ohr - hier beim Konzert von Sookee auf dem Drususstein
Die Ente ist (genauso wie der Rabe) mittlerweile Dauergast auf dem Open Ohr – hier beim Konzert von Sookee auf dem Drususstein

Das Argument, das Wahlrecht auch für Menschen unter 18 Jahren einzuführen, da auch eine Meinungsfreiheit für Menschen ohne Meinung gilt, fand ich ziemlich überzeugend – und die Pauschalisierung, dass junge Menschen keine Ahnung von Politik haben, darf eh angezweifelt werden. Einer Jutta Ditfurth zu lauschen, die sowohl Grüne als auch die „Fridays for Future“ Bewegung ein wenig entzauberte (wer darf da genau sprechen, wer ist da medienkompatibel, wen kann man für die eigene Partei „verwerten“), bringen sicherlich viele der Besucher*innen zum Nachdenken. Ihre These, dass Minderheiten unser Land verändern, Stichwort Arbeiterbewegung und Frauenrechtlerinnen, fand ich einprägsam.

Aber nicht nur Politiker*innen standen Rede und Antwort. Die Berliner Rapperin Sookee krabbelte extra frühmorgens aus ihrem Bett in der Hauptstadt, um vor ihrem Konzert mit uns über Haltung auf der Bühne zu diskutieren. Denn aus dem anfänglichen Interview wurde, wie auf dem Open Ohr üblich, eine Diskussion mit dem Publikum. Dafür stehen immer Mikrofone vor den Bühnen bereit und häufig beleuchten die Zuhörer*innen Punkte, die zuvor nicht angesprochen wurden. Für die Queerfeministin gibt es beim Thema Kunst und Haltung keine zwei Meinungen. Sie ist der Auffassung, dass Künstler*innen ja von der Öffentlichkeit profitieren. Daher hat die Öffentlichkeit auch ein Recht zu erfahren, welche Haltung Künstler*innen einnehmen. Manchmal urteilen Aktivist*innen ja in ziemlicher Schwarz-Weiß-Marnier in „Gute“ und „Schlechte“ – anders Sookee, die z.B. Sarah Connor, die ja bisher nicht gerade als politische Aktivistin galt, für ihr Lied „Vincent“ ausdrücklich lobte. Darauf angesprochen, auch mal etwas trivialere Songs zu rappen, um eine breitere Masse zu erreichen, entgegnete Sookee, dass das schon eine gewisse „Vergeudung von Atem“ sei – dementsprechend hat sie in der von Männern dominierten Welt des Sprechgesangs auch ein schwieriges Standing. Vor der Kraft, die Menschen wie Sookee und Ditfurth aufbringen, dauerhaft unangepasst in unserem Land für Minderheitenmeinungen Partei zu ergreifen, kann ich nur den Hut ziehen.

Natürlich werden solche Menschen permanent in den Sozialen Netzwerken dafür kritisiert und mit Hass und Häme überzogen. Für Ditfurth bietet Social Media dennoch mehr Chance als Bedrohung. Sie kann hier ihre Thesen ihrem Publikum rüberbringen. Wofür früher wohlwollende Journalist*innen notwendig waren, ist es heute nur eine funktionierende Internetverbindung, (was in Deutschland allerdings auch manchmal eine Herausforderung darstellt). Die Kabarettistin Sarah Bosetti hat die schlimmsten Beschimpfungen gesammelt und daraus lyrische Werke erstellt – ein sehr souveräner Umgang mit völlig niveaulosen Schmähungen. Ihre Anekdoten über das Scheitern, am Pfingstmontag vorgetragen, greifen das Thema genauso kreativ auf, wie es Nico Semsrott sicher die nächsten fünf Jahre in Brüssel und Straßburg rüberbringen wird. Eben jener Semsrott hatte im letzten Jahr das große Zelt zum Platzen gebracht, an einem heißen Pfingstmontag-Mittag.

Der Tag auf der Zitadelle fängt allerdings schon viel früher an. Mit Frühsport zum Beispiel – und der Möglichkeit, Vorurteile zu revidieren. Letztes Jahr machten wir uns um kurz vor zehn zum Beispiel auf, um mal eine Zumba-Session mitzumachen. Dass das alles andere als ein sinnbefreites Herumgehüpfe ist, stand bei mir schon nach ein paar Minuten fest, als ich völlig außer Atem gewesen war. Letztes wie dieses Jahr gab es auch Yoga, Tanz und dieses Jahr Qi Gong  aus Tibet. Es bringt mich immer wieder zum Schmunzeln, wenn Meditierende auf Mitmenschen treffen, die gerade ihr erstes Stubbi am Morgen öffnen. Denn auch fast einzigartig: Die Besucher*innen dürfen unbegrenzt Wasser mitbringen, das es auch zum Auffüllen unterhalb des Drusussteins gibt. Außerdem können sie bis zu einem Liter an Limo, Bier oder Wein auch in Glasflaschen (!) mit hineinnehmen.

Zur blauen Stunde vor der Hauptbühne über den Dächern von Mainz
Zur blauen Stunde vor der Hauptbühne über den Dächern von Mainz

Dazu sind die Getränkepreise extrem fair, wenn man die Preise kennt, die bei anderen Festivals aufgerufen werden. Die Speisen sind im Vergleich zu den Vorjahren ein wenig teurer geworden, dafür wurde endlich durchgängig auf Plastikbesteck und -teller verzichtet. Überhaupt sind die Eintrittspreise sehr fair und familienfreundlich. Kinder unter 14 Jahren zahlen nichts und ein eigenes Kinderprogramm sorgt dafür, dass auch die jüngeren Besucher*innen auf ihre Kosten kommen. Die schiere Menge an Kinderwagen und Buggys zeigte, dass das Angebot auch angenommen wurde. Wie beim Auto geht es beim Kinderwagen aber in Richtung „SUV“ – vielleicht sollten nächstes Jahr tatsächlich mal Parkplätze für diese Gefährte eingeführt werden – schließlich sollten auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität noch etwas vom Festival mitbekommen und nicht von Buggys umzingelt werden – gerade auf den Wallanlagen am Drususstein. Aber zurück zur Preisgestaltung: Es gibt ein Sozialticket und wenn man 0,10 Euro pro Tag ein Jahr zurücklegt, dann hat man auch als Geringverdiener*in das Viertagesticket schon gelöst. Sehr transparent wird auch die Verwendung der Eintrittsgelder im Programmheft dargestellt. Der größte Teil geht mit 25 % für die Veranstaltungstechnik drauf. Da das Festival seit Jahren sehr friedlich abläuft, muss glücklicherweise für Security recht wenig Geld aufgewendet werden. So bleiben am Ende ca. 17 Prozent des Eintrittspreises für die Künstler*innen übrig.

Schüttelübungen bei Qi Gong morgens um zehn vor der Hauptbühne
Schüttelübungen bei Qi Gong morgens um zehn vor der Hauptbühne

Seit Jahren verpflichtet die freie Projektgruppe keine musikalischen Top Acts mehr, sondern eher Bands, die einem Massenpublikum wahrscheinlich unbekannt sind. Dadurch dass viele Genres in den vier Tagen abgedeckt werden, kommen wohl die meisten von uns auf ihre Kosten. Genauso wie man sich mal morgens auf Yoga oder Zumba einlassen kann, ist es doch auch extrem spannend, sich im Laufe des Tages auf unbekannte Bands, Theatergruppen und Kabarettistinnen und Kabarettisten zu freuen. So entsteht eine künstlerische Reise durch die ganze Welt. Das Schöne am Open Ohr ist zudem die Tatsache, dass man, mangels Publikumsmagneten, bei den meisten Konzerten auch auf der Wiese sitzen bleiben und gemütlich der Musik lauschen kann, ohne Angst haben zu müssen, plattgetrampelt zu werden.

Alles in allem waren es mal wieder eine wunderschöne Zeit auf der Zitadelle mitten in der Stadt. Ein ganz klein bisschen zähle ich schon die Tage bis zum nächsten Pfingstfest. Doch davor geht es erstmal wieder ins Stadion und zur Straßenfassenacht im schönen Mainz am Rhein.

Die Finanz-Bundesliga-Tabelle 2018/19

Erinnert Ihr Euch noch an die Traumbundesliga? In dieser hauptsächlich auf Twitter gezwitscherten Zusammenstellung füllten Fußballfans die 18 Plätze mit ihren Wunschvereinen. Daher auch der Name Traum…

Jetzt wissen wir alle, dass es bei der Bundesliga nur ums Geschäft geht. Um finanzielles Fairplay geht es dabei relativ wenig. Die DFL schaut in ihrer Lizenzierung hauptsächlich darauf, dass der Spielbetrieb in der nächsten Saison durch die sich sportlich qualifizierten Teilnehmer garantiert ist. Allerdings hat die Mitgliederversammlung der DFL im Dezember 2018 beschlossen, Club-Finanzkennzahlen zu veröffentlichen. Diese stehen seit 29. Mai 2019 öffentlich zur Verfügung. In der Wirtschaft also auch in der 1. Liga sollten Kennzahlen eine wichtige Rolle spielen, wenn es um Entscheidungen geht, die den Club beeinflussen. Kaufe ich den Spieler A, verkaufe ich den Spieler B, investiere ich in Steine etc.? Wichtig ist auch immer diese Kennzahlen im Vergleich zu anderen Clubs zu sehen, um zu erkennen, wie man so dasteht, als Verein, rein finanziell gesehen. Um eine solche Finanz-Bundesliga-Tabelle zu erstellen habe ich die Daten aller 18 Bundesligisten der Saison 2018/19 sowie der drei Aufsteiger, die 2019/20 dabei sind, analysiert. Bilanzstichtag war entweder der 30. Juni oder der 31. Dezember 2018.

Aus den folgenden von der DFL veröffentlichten Kennzahlen habe ich die weiter unten stehenden Unternehmenskennzahlen hergeleitet.

Finanzkennzahlen der DFL, u.a.

  • Anlagevermögen
  • Eigenkapital
  • Verbindlichkeiten + Rückstellungen (=Fremdkapital)
  • Bilanzsumme
  • Jahrsüberschuss
  • Personalkosten
  • Rohergebnis (als Umsatz genutzt)
100 % Einsatz für finanziell solides Wirtschaften zeigt der 1. FSV Mainz 05
100 % Einsatz für finanziell solides Wirtschaften zeigt der 1. FSV Mainz 05

Daraus habe ich die folgenden Unternehmenskennzahlen hergeleitet und Tabellen erstellt – jeweils die vier ersten Vereine (CL-Teilnehmer) und die drei letzten Vereine (Absteiger – Relegation ist Mist) habe ich genannt und natürlich Mainz 05. Wer die Excel-Tabelle sehen möchte, einfach Bescheid sagen:

Anlagendeckungsgrad (Eigenkapital zu Anlagevermögen)

Je höher der Deckungsgrad, desto besser steht es um die Finanzierung des Clubs. Der 1. FC Nürnberg und Hertha BSC haben negatives Eigenkapital, sprich die Clubs sind eigentlich überschuldet (gleiches gilt für die Aufsteiger Union Berlin und SC Paderborn). Der FC Augsburg (17 Mio. Euro), RB Leipzig (36 Mio. Euro) und der 1. FSV Mainz 05 (3 Mio. Euro) haben Investitionszuschüsse (wahrscheinlich für das jeweilige Stadion) erhalten, die man dem Eigenkapital zurechnen kann. Ich habe diese Zuschüsse weggelassen, um eine bessere Vergleichbarkeit zu erzielen. Dass allerdings der Zuschuss bei RB Leipzig größer ist als das restliche Eigenkapital von 27 Mio. lässt aufhorchen:

1. SC Freiburg
2. TSG Hoffenheim
3. Borussia Dortmund
4. FC Bayern München

6. 1. FSV Mainz 05

16. FC Schalke 04
17. 1. FC Nürnberg
18. Hertha BSC

Eigenkapitalquote (Eigenkapital zu Bilanzsumme)

Je höher die Quote desto mehr finanzielles Engagement bringt der eigene Club auf.

1. TSG Hoffenheim
2. SC Freiburg
3. Borussia Dortmund
4. Bayer 04 Leverkusen

6. 1. FSV Mainz 05

16. FC Schalke 04
17. 1. FC Nürnberg
18. Hertha BSC

Eigenkapitalrendite (Jahresüberschuss zu Eigenkapital)

Die Kennzahl klärt, ob es sich für den Club finanziell lohnt, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Da Schalke den größten Jahresüberschuss zu verzeichnen hat, liegt der Club ganz vorne. Mit fast 40 Mio. Überschuss überflügelt Schalke den FC Bayern um 10 Mio. Euro. Dass Christian Heidel alles falsch gemacht hat auf Schalke ist somit aus finanzieller Sicht widerlegt. Interessant sind die Jahresüberschüsse von 0 Euro von Bayer 04 Leverkusen und dem VfL Wolfsburg. Während die knapp 18 Mio. Überschuss von Bayer 04 an so genannte „andere Gesellschafter“ gewandert sind, haben diese „anderen Gesellschafter“ beim VfL Wolfsburg den Verlust von 19 Mio. einfach ausgeglichen. Interessant auch die „Ergebnisabführung an atypisch stillen Gesellschafter“ bei der TSG Hoffenheim in Höhe von 27 Mio. Euro. Einen Verlust haben Hertha BSC, Borussia Mönchengladbach, der SC Paderborn und der VfB Stuttgart erwirtschaftet:

1. FC Schalke 04
2. Fortuna Düsseldorf
3. FC Augsburg
4. Eintracht Frankfurt

7. 1. FSV Mainz 05

16. Borussia Mönchengladbach
17. VfB Stuttgart
18. 1. FC Nürnberg

Personalaufwandsquote (Personalaufwand/Umsatz)

Geld schießt Tore. Hier geht es allerdings um Umsatz, der mit dem vorhandenen Personal erwirtschaftet wurde. Daher gilt hier, je niedriger die Quote, desto besser wirtschaftet der Club. Da ich auch die Aufsteiger mit in die Analyse hinein genommen habe, zeigt sich, dass der SC Paderborn hier ganz schlecht abschneidet, sogar schlechter als der VfL Wolfsburg. D.h. finanziell ist der Aufstieg von der 3. in die 2. Liga gar nicht so ein Zufall gewesen. Die Frage, ob der Aufstieg in Liga 1 auch kein finanzieller Zufall war, lässt sich erst nächstes Jahr beantworten, wenn die Bilanz 18/19 veröffentlicht ist:

1. FC Augsburg
2. Borussia Dortmund
3. FC Schalke 04
4. 1. FSV Mainz 05

16. Hannover 96
17. VfB Stuttgart
18. VfL Wolfsburg

Umsatzrentabilität (Jahresüberschuss zu Umsatz)

Die Zahl sagt aus, wieviel Prozent des Umsatzes als Gewinn verbleiben, sprich wie finanziell erfolgreich der Club in der Saison war:

1. FC Schalke 04
2. SC Freiburg
3. FC Augsburg
4. 1. FC Nürnberg

10. 1. FSV Mainz 05

16. Borussia Mönchengladbach
17. Hertha BSC
18. VfB Stuttgart

Verschuldungsgrad (Fremdkapital zu Eigenkapital)

Je höher der Grad ist, desto abhängiger ist das Unternehmen von externen Gläubigern. Bei negativem Eigenkapital, wie es beim Glubb, bei Union, bei Hertha und bei Paderborn der Fall ist, lässt sich das gar nicht messen. Daher fallen diese Clubs hier raus:

1. TSG Hoffenheim
2. SC Freiburg
3. Borussia Dortmund
4. FC Bayern München

7. 1. FSV Mainz 05

15. RB Leipzig
16. VfL Wolfsburg
17. FC Schalke 04

Doch was zählt schon ein „Spieltag“, sprich eine Unternehmenskennzahl. Der Kicker hat bspw. nur den Jahresüberschuss analysiert. Dieser ist kurzfristig. Die von mir genutzten Kennzahlen spiegeln kurzfristige und längerfristige finanzielle Kriterien wieder. Die Abschlusstabelle „lügt“ nicht, wie wir alle wissen 😉

Daher habe ich die sechs Unternehmenskennzahlen jeweils mit 0 bis 3 Punkten bewertet. Natürlich ist das ganze rein subjektiv. Doch letztlich ergibt sich ein gutes Bild, wie es um das finanzielle Gebaren der Clubs untereinander aussieht, wer gut wirtschaftet, wer mit Geld zugeschüttet wird und wer sogar Geld abdrücken muss, weil er vorher jahrelang sehr großzügig alimentiert wurde.

Anlagendeckungsgrad
> 1 3 Punkte für: SCF, TSG, BVB, FCB
> 0,5 2 Punkte für: B04, M05, FCA, SGE, KOE, F95, H96, BMG
>0 1 Punkt für: VFB, WOB, SVW, RBL, S04
<0 0 Punkte für: FCU, FCN, BSC, SCP

Eigenkapitalquote
> 0,66 3 Punkte für: TSG, SCF, BVB
> 0,33 2 Punkte für: B04, FCB, M05, BMG, KOE, FCA
> 0 1 Punkte für: H96, SGE, VFB, F95, SVW, WOB, RBL, S04
< 0 0 Punkte für: FCU, FCN, BSC, SCP

Eigenkapitalrendite
> 1 3 Punkte für: S04
> 0,1 2 Punkte für: KOE, F95, FCA, SGE, RBL, SCF
> 0 1 Punkte für: M05, BVB, SVW, FCB, H96,
= 0 1 Punkt für B04 da Gewinn nach Steuern vor Ermittlung des Jahresüberschusses
< 0 oder nicht berechenbar 0 Punkte für: SCP, BSC, TSG, WOB, FCU, BMG, VFB, FCN

Personalaufwandsquote
< 0,4 2 Punkte für: FCA, BVB, S04, M05
< 0,5 1 Punkte für: KOE, FCU, SCF, SGE, RBL, B04, BSC, F95, FCN, TSG
< 0,6 0 Punkte für: BMG, FCB, SVW, H96, VFB, WOB, SCP

Umsatzrentabilität
> 0,1 3 Punkte für: S04, SCF, FCA, KOE
> 0,01 2 Punkte für: FCN, BVB, FCB, F95, SGE, M05, RBL
> 0 1 Punkt für: H96, FCU, SVW, TSG
= 0 1 Punkt: B04 da Gewinn nach Steuern vor Ermittlung des Jahresüberschusses
< 0 0 Punkte für: WOB, BMG, BSC, VFB, SCP

Verschuldungsgrad
< 0.33 3 Punke für: SCF, TSG
< 0.66 2 Punkte für: B04, FCB, BVB
< 1 1 Punkt für: FCA, M05
> 1 bzw. negativ 0 Punkte für: BMG, KOE, F95, H96, SGE, VFB, SVW, RBL, WOB, S04, SCP, BSC, FCN, FCU

Meister in der KPI-Bundesliga-Tabelle: SC Freiburg
Meister in der KPI-Bundesliga-Tabelle: SC Freiburg

KPI-Bundesliga-Abschlusstabelle

1. SC Freiburg 15 Punkte
2. Borussia Dortmund 13 Punkte
3. FC Augsburg 12 Punkte
4. TSG Hoffenheim 11 Punkte
5. FC Bayern München 10 Punkte
5. 1. FSV Mainz 05 10 Punkte
5. FC Schalke 04 10 Punkte
8. Bayer 04 Leverkusen 9 Punkte
9. Eintracht Frankfurt 8 Punkte
9. Fortuna Düsseldorf 8 Punkte
11. RB Leipzig 7 Punkte
12. Hannover 96 5 Punkte
13. SV Werder Bremen 4 Punkte
13. Borussia Mönchengladbach 4 Punkte
15. 1. FC Nürnberg 3 Punkte
16. VfL Wolfsburg 2 Punkte
16. VfB Stuttgart 2 Punkte
18. Hertha BSC 1 Punkt

Die Aufsteiger, die ja 2017/18 in der 1. Liga (KOE), in der 2. Liga (FCU) bzw. in der 3. Liga (SCP) gespielt haben, erzielten folgende Punktzahlen:

1. FC Köln 10 Punkte (wäre Platz 5)
FC Union Berlin 2 Punkte (wäre Platz 16)
SC Paderborn 0 Punkte (wäre Platz 18)

Fazit: Der SC Freiburg wird oft als sympathischster Verein Deutschlands wahrgenommen – vielleicht auch wegen des finanziell seriösen Auftretens? Der einzige an der Börse gehandelte Verein Borussia Dortmund zeigt, dass man als Kapitalgesellschaft transparent wirtschaften muss und das auch finanziell Erfolg bringt. Die TSG Hoffenheim wurde von Dietmar Hopp seriös finanziell aufgestellt. Dass der FC Bayern und Mainz 05 gleichauf liegen, zeigt, dass man sich in seinem finanziellen Level jeweils seriös bewegt. Dass bei Wolfsburg finanziell einfach unter die Arme gegriffen wird, zeigt die Bilanz – Bayer 04 hingegen muss Geld abdrücken. Interessant wäre es zu wissen, wenn B04 mal wirtschaftlich nicht so gut dasteht, ob dann entsprechende Gelder in den Club fließen. Dass Berlin arm aber sexy ist, wird hier doppelt unterstrichen.