{"id":268,"date":"2009-08-14T08:54:53","date_gmt":"2009-08-14T08:54:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/?p=268"},"modified":"2019-04-11T08:57:23","modified_gmt":"2019-04-11T08:57:23","slug":"aserbaidschan-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/aserbaidschan-2009\/","title":{"rendered":"Aserbaidschan 2009"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Servus aus Wien,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaftsqualifikation sei Dank hat es mich dieses Mal nach Baku, in die Hauptstadt Aserbaidschans verschlagen. Nach meinem Trip 2005 zum UEFA-Cup-Qualifikationsmatch Mika Ashtarak vs. Mainz 05 f\u00fchrte mich nun also wieder K\u00f6nig Fu\u00dfball in den Kaukasus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Anreise gestaltete sich mit einem Direktflug von Frankfurt nach Baku und einer Reisezeit von 4 Stunden sehr einfach. Nur, so habe ich&nbsp;wieder einmal gelernt, endet ja die Reise nicht am Flughafen&#8230;vielmehr f\u00e4ngt sie dort erst richtig an; um exakt zu sein, bereits bei der Einreise nach Aserbaidschan.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutsche brauchen f\u00fcr das muslimisch gepr\u00e4gte Land am Kaspischen Meer ein Visum, das man aber f\u00fcr den gleichen Preis wie in der Botschaft in Berlin&nbsp;auch am Flughafen erhalten kann. Voraussetzung sind lediglich zwei Passbilder und 60 \u20ac. Um sinnloses doppelt Anstellen zu vermeiden, muss man wissen, dass man sich erst den Einreisestempel besorgt, und dann praktisch einen Schritt zur\u00fcck vor die Einreiseschalter macht, um anschlie\u00dfend das Visum zu erhalten. Dann geht es nochmals zur Einreisebeamtin,die sich allerdings nur vergewissert, dass man sein Visum in den Pass geklebt bekommen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem mein Gep\u00e4ck und ich durch eine Sicherheitskontrolle gegangen waren, deren Existenz v\u00f6lliger Quatsch ist, da&nbsp;ich ja bereits in Frankfurt vor dem Einsteigen kontrolliert wurde, und ich einen vollkommen sinnlosen Zettel zu meinem Gesundheitszustand einem umhertingelden Flughafenmitarbeiter in die Hand gedr\u00fcckt hatte, der trotzdem im 5-Minuten-Takt mich in der Einreiseschlange nochmals nach dem Zettel bat, stand ich nun in der Ankunftshalle. Ich hatte es endlich geschafft, in diese ehemalige Sowjet-Republik einzureisen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/aserbaidschan_2009.html\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/baku0002.jpg\" alt=\"Der Grund meiner Reise: das Fu\u00dfball-Spiel\"\/><\/a><figcaption>Der Grund meiner Reise: das Fu\u00dfball-Spiel<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aserbaidschan ist nicht Euro-Land und somit stand ich gleich vor dem n\u00e4chsten Problem, da Geldtauschen angesagt war. Doch beide Geldautomaten weigerten sich, mir die lokale W\u00e4hrung Manat auszuh\u00e4ndigen. Der eine Automat hatte angeblich kein Papier mehr f\u00fcr Quittungsbelege, der andere nicht mehr genug Cash und der Bankschalter war nat\u00fcrlich sonntags abends um 22.30 Uhr geschlossen, obwohl gerade ein Flugzeug&nbsp;mit 200 nach Manat lechzenden Passagieren angekommen war. Gleichzeitig st\u00fcrmten&nbsp;die Piranha-Taxifahrer auf mich zu und wollten nat\u00fcrlich abstruse Summen an Geld, um mich zu meinem Hostel zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fahrer mit dem betagtesten&nbsp;Fiat-Taxi war am schnellsten auf Touristen-Normalniveau von 20 US$ heruntergehandelt. Die Adresse, die ich ihm zeigte, schien ihn anfangs nicht zu interessieren. Erst in der Innenstadt, die bei 1,8 Millionen Einwohnern doch ein bisschen gr\u00f6\u00dfer als Mainz ist, fing die Fragerei an, denn mein Hostel war eher ein unbekanntes International Youth House&nbsp;mit einer genauso&nbsp;unbekannten Adresse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst fuhren wir im richtigen Viertel an der falschen Stelle im Kreis. Irgendwann hatte der Fahrer dann meine Handzeichen kapiert, die ihm besagten, dass im englischen Beschreibungstext zum Zugang zum Hostel von zwei Stra\u00dfen, die&nbsp;eine Kreuzung bilden, die Rede war, die in der N\u00e4he der Hostel-Stra\u00dfe lagen. Alsbald waren wir dann in der besagten Stra\u00dfe, nur die Hausnummer 72 war unauffindbar. Nat\u00fcrlich wollte mein Fahrer mittlerweile einen Zuschlag, zu dem ich zun\u00e4chst gar nichts sagte. Als ich feststellen musste, dass wir mit dem Auto die Adresse eh nie finden w\u00fcrden, &nbsp;wir zum Gl\u00fcck an einem nach aserbaidschanischen Niveau angeblichen 4-Sterne-Hotel mit Hausnummer 52 immer mal wieder vorbeibrausten und es auf Mitternacht zu ging, stieg ich entnervt&nbsp;aus. Vorher hatte ich nat\u00fcrlich noch einen kleinen Kampf wegen dem Fahrpreis auszufechten. Wir einigsten uns nat\u00fcrlich in der Mitte, also auf 5 US$ Zuschlag. Dann machte ich mich im dunklen Baku zu Fu\u00df auf den Weg, um mein Hostel vielleicht doch noch zu finden &#8211; allerdings vergeblich &#8211; ich kam immerhin bis Hausnummer 62, die wir mit dem Taxi vorher nicht gefunden hatten. Die in der Reservierung angegebene Telefonnummer lie\u00df nach dem W\u00e4hlen nur ein aserbaidschanisches Gebrabbel folgen, das wohl etwas wie &#8222;kein Anschluss unter dieser Nummer&#8220; bedeutete. Aber es gab ja noch das 4-Sterne-Hotel und somit hatte ich dann doch noch ruckzuck ein recht komfortables, wenn auch etwas hochpreisiges Dach \u00fcber dem Kopf. Am Ende dieses stressigen Abends verstand ich auch erstmals den Sinn einer Minibar. Ohne Manats in der Tasche konnte ich dann doch noch meinen enormen Durst mit einer Sprudelflasche stillen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/aserbaidschan_2009.html\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/baku0001.jpg\" alt=\"Bakus Neustadt ist mit Parks \u00fcbers\u00e4ht\"\/><\/a><figcaption>Bakus Neustadt ist mit Parks \u00fcbers\u00e4ht<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachts um zwei schreckte mich eine SMS aus dem Schlaf, denn nun sorgte sich mein Hostel um mich. Ich schrieb kurz an diese mir unbekannte Nummer zur\u00fcck, dass ich morgens anrufen w\u00fcrde, denn ich wollte jetzt einfach nur noch pennen. Nach dem leckeren Fr\u00fchst\u00fcck mit Pirogen (gef\u00fcllte Teigtaschen), Gurkensalat und Schafsk\u00e4se sowie selbst zu s\u00fc\u00dfendem Tee und fadem Nescaf\u00e9 ging es dann ans Bezahlen. Da ich ja immer noch keine Manat in der Tasche hatte, wollte ich mit Kreditkarte zahlen. Dies sollte dann 18% mehr kosten. Allerdings war der Preis, den ich zu berappen hatte, am Ende wohl mit Kreditkarte nur unwesentlich h\u00f6her, da ich sonst in Euro zu einem Kurs von 1:1 h\u00e4tte zahlen m\u00fcssen. Eigentlich bekommt man f\u00fcr einen Euro aber 1,13 Manat. Der Grund, warum ich 18% Aufschlag zahlen sollte, stellte sich beim Erhalt der Rechnung heraus: ich musste die Mehrwertssteuer bezahlen! Ansonsten h\u00e4tte ich wohl in diesem 4-Sterne-Hotel schwarz gepennt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein eigentliches Hostel erreichte ich dann nach einem R\u00fcckruf auf der unbekannten Handynummer der letzten Nacht&nbsp;und einem vereinbarten Treffpunkt vor der pakistanischen Botschaft, nur einige hundert Meter und zwei H\u00e4userblocks entfernt von meiner ersten Herberge in Baku. Am Treffpunkt wartete dann die Rezeptionistin, der die ganze Angelegenheit doch arg peinlich war und die mich durch ein kleines Wirrwarr von Gassen hinter der Botschaft ins Hostel brachte. An der T\u00fcr war weder ein Schild noch eine Hausnummer angebracht, so dass ich sowieso keine Chance gehabt h\u00e4tte, diese Herberge in der Dunkelheit zu finden. Als ich ihr von der toten Telefonleitung erz\u00e4hlte, meinte sie, das kombinierte Fax- und Telefonger\u00e4t&nbsp;sei wohl letzte Nacht ausgeschaltet gewesen. Nun gut, Stornogeb\u00fchren muss ich&nbsp;wenigstens nicht auch noch bezahlen, da sie zugaben, dass der Fehler ja wirklich nicht bei mir lag. Sp\u00e4testens hier merkte ich, dass Aserbaidschan und Tourismus noch wie zwei Fremdk\u00f6rper wirken &#8211; und ich in diesem Land \u00fcbrigens auch keinerlei Japaner vorfand, ansonsten ja ein guter Indikator, inwiefern ein Land touristisch erschlossen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor lauter Hotelsucherei hatte ich f\u00fcr mein Gastland zun\u00e4chst \u00fcberhaupt keinen Blick gehabt. Ich denke, Baku ist eine Mischung aus heruntergekommener ex-Sowjet-Stadt und post-modernem-\u00d6l-Boomtown \u00e0 la Dubai. Eine Mittelklasse an Autos, H\u00e4usern, Kleidung scheint es nicht zu geben. Ladas an denen der Zahn der Zeit nagt oder Porsche Cayennes an denen sich der Staub der Halbw\u00fcste vor der Stadt zu schaffen macht, begegnen mir meist mit Affenzahn auf den mehrspurigen Boulevards, die entweder an sch\u00f6nen Pinienparks oder mit M\u00fcll \u00fcbers\u00e4hten heruntergekommenen Plattenbauten entlangziehen. Highheels oder ausgelatsche, kaputte Flipflops pr\u00e4gen das Schuhwerk, aber dass ich mich in einem muslimischen Land befinde, erkenne ich nur bei genauem Hinsehen. Islam und Alkohol gehen hier dank der klassenlosen (Sauf-)Gesellschaft eine interessante Symbiose ein. Der Anteil an Kopftuch-tragenden Frauen ist in Mainz deutlich h\u00f6her und der Muezzin scheint von aserbaidschanischer Disko-Mucke in den vielen Handy-L\u00e4den verdr\u00e4ngt worden zu sein. Alle Marken dieser Erde sind in dieser Stadt, die die Finanzkrise wohl nur aus dem Fernsehen kennt, mit eigenen Dependancen vertreten. \u00dcberall wird gebaut, restauriert und Instand gesetzt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/aserbaidschan_2009.html\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/baku0003.jpg\" alt=\"Finanzkrise? In Baku wird immer (noch) gebaut\"\/><\/a><figcaption>Finanzkrise? In Baku wird immer (noch) gebaut<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, Pal\u00e4sten und einer wundersch\u00f6nen Moschee, umgeben teilweise von einer dicken Festungsmauer, sind nur noch minimale Baukorrekturen zu vollbringen. Sie steht als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Um diesen kleinen Stadtteil, der vielleicht so gro\u00df ist, wie die Altstadt in Mainz ringt sich eine Art Neustadt, die beim ersten \u00d6lboom Anfang des 20. Jahrhunderts entstand. Diese prunkvollen Villen und Bauten wurden und werden peu \u00e0 peu restauriert. so dass teilweise ganze Stra\u00dfenz\u00fcge mit Bauger\u00fcsten versperrt sind. In den bereits fertiggestellten Bereichen l\u00e4sst es sich wunderbar flanieren und in den vielen Park mit ihren unz\u00e4hligen Springbrunnen herrlich von der Sonne ausruhen. Um diesen Neustadt-G\u00fcrtel herum begegnen sich unmittelbar erste und fast dritte Welt. Moderne Wolkenkratzer werden neben Plattenbauten errichtet. Mit den unz\u00e4hligen mehrspurigen Autobahnen erinnert dies eher an Los Angeles als an eine Metropole am Rande des&nbsp;Kaukasus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach meiner zweiten Nacht &#8222;durfte&#8220; ich wieder umziehen, da ich die folgenden beiden \u00dcbernachtungen bereits ein Jahr im voraus gebucht hatte, und in diesem zweiten Hostel f\u00fcr die beiden vorangegangen \u00dcbernachtungen dieses bereits belegt war, nutzte ich nun die Metro zum Umziehen. Diese erinnert noch extrem an die Zeit, als Aserbaidschan ein Teil der Sowjetunion war. Die Metro-Stationen werden mit teilweise klapprigen, steilen, ultraschnellen und -langen Rolltreppen erreicht, an deren Ende immer noch eine Babuschka sitzt und guckt, ob das Ding funktioniert. Die Wagen sind auf Volkstransport&nbsp;ausgelegt und bieten klassenlos allen wenig Platz zum Sitzen. Allerdings zog hier auch schon die Moderne ein. 2 Manat (1,75 Euro) Pfand kostet eine Metrokarte, die man dann mit mindestens 0,2 Manat laden muss. Eine Fahrt kostet unglaubliche 0,05 Manat, also 4 Cent! Ich hatte einen Manat draufgeladen und es nat\u00fcrlich nicht geschafft in 5 Tagen den Betrag von 0,85 Cent oder 20 Fahrten abzufahren. Die Quittung, die ich erhielt, war dann doch wieder soviet-style, denn sie war in russisch und kyrillischen Buchstaben verfasst. Seit der Unabh\u00e4ngigkeit von der Sowjetunion 1991 (!) ist aserbaidschanisch nat\u00fcrlich Landessprache und eigentlich alles damit abgefasst. \u00c4hnlich wie die T\u00fcrken haben die Aserbaidschaner 1918 die arabischen Schriftzeichen durch lateinische ersetzt. 1939 haben die Sowjets diese durch kyrillische Buchstaben ausgetauscht&nbsp;bis 1991 wieder auf Lateinisch umgeschwengt wurde. Aber in den tiefen U-Bahn-Sch\u00e4chten Bakus herrscht die alte Sowjetunion doch noch weiter!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In meinem neuen Hostel angekommen, musste ich feststellen, dass ich nur noch in St\u00e4dten wie Baku, die bei den \u00dcbernachtungspreisen&nbsp;zu den teuersten&nbsp;der Welt geh\u00f6ren, gewillt bin, f\u00fcr ein solch mieses Hostel 20 US$ pro Nacht zu bezahlen. Das an sich schon enge, l\u00e4ngliche Zimmer war mit drei Doppelstockbetten zugestellt. Das zweite Zimmer fasste nochmals zwei Doppelstockbetten. Es gab ein enges, aber wenigstens sauberes Bad und einen Raum, in dem sich das Sozialleben abspielte:eine Alibik\u00fcche, ein K\u00fchlschrank f\u00fcr Bier, eine Couch auf der Emil, der Rezeptionist lag und immer nur &#8222;twenty Dollar&#8220; brabbelte, wenn man fragte, was eine \u00dcbernachtung&nbsp;kostet. Lustigerweise habe ich folglich alle meine \u00dcbernachtungen in Aserbaidschan nicht in Manat bezahlt: die erste mit Kreditkarte, die zweite, weil immer noch ohne Manats, in Euro (im korrekten Umtauschverh\u00e4ltnis)&nbsp;und die n\u00e4chsten also in US-Dollar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Hostel&nbsp;war die g\u00fcnstigste Option in Baku zu n\u00e4chtigen und dies wussten nat\u00fcrlich auch alle anderen Fu\u00dfballfans und sonstigen Reisenden. Dementsprechende war das Hostel komplett \u00fcberbucht, die Leute schliefen auf dem Boden und ich konnte mich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen eine d\u00fcnne Matraze ohne Kissen in einem arg wackeligen Doppelstockbett mein Eigen zu nennen. Auf der Toilette war abwechselend Klobrillensurfen angesagt, da diese lose herumlag, oder es wurde meine Fingerfertigkeit gepr\u00fcft, da sich das Schloss nur mittels eines Zahnstochers wieder \u00f6ffnen lie\u00df. Aber die Lage des Hostels, mitten in der Altstadt, lie\u00df dann wenigstens etwas das \u00e4tzende \u00dcbernachten vergessen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/aserbaidschan_2009.html\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/baku0004.jpg\" alt=\"Bakus Altstadt in der Nacht\"\/><\/a><figcaption>Bakus Altstadt in der Nacht<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Tage bis zum Spiel nicht nur mit Flanieren zwischen Dior-Boutique und Backgammon-spielenden teils Wasserpfeife rauchenden Alten zu verbringen, ging es raus aus der Stadt, zun\u00e4chst einmal in einer Kombi aus U-Bahn (0,04 Euro) und Marshrutka (Mini-Bus) (0,16 Euro) zum ehemaligen indischen Ateschgah-Feuertempel. Ateschgah bedeutete soviel wie &#8222;Hort des Feuers&#8220;. Die Abseron-Halbinsel an derem s\u00fcdlichen Ende Baku liegt, ist mit \u00d6l- und Gasvorkommen reichlich ausgestattet. Das Gas str\u00f6hmte daher schon seit mindestens dem Mittelalter an manchen Stellen einfach an die Oberfl\u00e4che und fing nat\u00fcrlich Feuer. Auf dieses vollkommen nachhaltige Feuerwerk von Mutter Natur fuhren daher bereits vor 300 Jahren Sadhus aus Indien ab und bauten einen Feuertempel, an dem sie ihr Leben damit verbrachten, auf gl\u00fchenden Kohlen zu sitzen. Der heutige Tempel ist aus dem 18. Jahrhundert und liegt mittlerweile in einem alten Erd\u00f6lf\u00f6rdergebiet vollkommen deplatziert, daher wurde er mit Beginn der Erd\u00f6lf\u00f6rderung 1883 aufgegeben. Das immer noch brennende Feuer stammt mittlerweile von den Gaswerken aus Baku, da das Gaslevel durch dessen Ausbeutung mittlerweile arg gesunken ist. Trotzdem ist dieser Ort noch heute etwas wirklich bizarres.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/aserbaidschan_2009.html\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/baku0005.jpg\" alt=\"&quot;Hort des Feuers&quot;: der Ateschgah-Feuertempel\"\/><\/a><figcaption>&#8222;Hort des Feuers&#8220;: der Ateschgah-Feuertempel<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Direkt hinter den Tempelmauern sieht es dann eher apokalyptisch und definitiv biologisch tot aus. Bis zum Horizont nicken die \u00d6lpumplen in einer ehes gespenstischen gruseligen Athmosph\u00e4re. Beim Reisen merkt man allzuoft, wie sch\u00f6n wir doch zu Hause wohnen, denn in dieser Apokalypse nur rund 10 km vom Glamour-Leben entfernt leben&nbsp;auch Menschen, die den \u00d6l-Boom zwar mitbekommen haben, aber nicht gerade in einem positiven Sinne.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/aserbaidschan_2009.html\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/baku0006.jpg\" alt=\"Menschgemachte Apokalypse: alte \u00d6lfelder vor den Toren Bakus\"\/><\/a><figcaption>Menschgemachte Apokalypse: alte \u00d6lfelder vor den Toren Bakus<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am n\u00e4chsten Tag war ich mit Allan einem 66-j\u00e4hrigen US-Amerikaner und einem nicht englisch sprechenden Taxifahrer on tour. Auf Vermittlung der Couch-Potatoe Emil aus dem Horror-Hostel ging es in Richtung iranischer Grenze in die Halbw\u00fcste am Kaspischen Meer. Allan war ziemlich platt, als er seit Tiflis (Georgien) eigentlich nur noch deusche Fu\u00dfballfans traf. Als Ami war klar, dass er keine Ahnung vom Fu\u00dfballspiel an sich hat, aber als L.A. Dodgers (Baseball) und Lakers (Basketball) Supporter&nbsp;wei\u00df er, was es hei\u00dft, Fan zu sein. Als Emils Leidensgenossen haben wir uns gemeinsam auf diesen Ausflug gemacht, der uns in Qobustan zun\u00e4chst zu einzigartigen Felszeichnungen aus dem 12. Jhdt. v. Chr.&nbsp;in einer surrealistischen Steinlandschaft f\u00fchrte. Als wir dann unserem Taxifahrer, der schon nicht genau wusste, wo dieses Weltkulturerbe&nbsp;liegt, mitteilten, dass mit Emil ausgemacht sei, die Schlammvulkane s\u00fcdlich von Qobustan zu besuchen, wollte er einen Aufpreis. Gl\u00fccklicherweise sprachen die Mitarbeiter in Qobustan &#8222;little english&#8220; und gaben dem Fahrer zu verstehen, dass dieser Besuch bereits im Fahrpreis inbegriffen sei. Nach l\u00e4ngerem hin und her, rief er schlie\u00dflich Emil an und es entstand ein Dialog auf aserbaidschanisch, bei dem es wohl darum ging, die besten Schimpfw\u00f6rter m\u00f6glichst laut und schnell, einer Kalashnikow \u00e4hnlich, durchs Handy an den Kopf zu werfen. Es stellte sich heraus, dass der Fahrer lediglich 35 Manat erhielt, wir aber 80 Manat zahlten. Evil Emil!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/aserbaidschan_2009.html\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/baku0007.jpg\" alt=\"\n&quot;Moderne Kunst&quot;: Felszeichnungen von Qobustan\"\/><\/a><figcaption>&#8222;Moderne Kunst&#8220;: Felszeichnungen von Qobustan<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fahrer machte sich schlie\u00dflich&nbsp;auf den Weg und wusste nat\u00fcrlich gar nicht, wo die Vulkane liegen&nbsp;&#8211; aber das war ich ja schon von der Hotelsuche ein paar Tage vorher gewohnt. Dank des Lonely Planets wussten wir, dass wir nicht v\u00f6llig falsch fuhren, als wir pl\u00f6tzlich auf einer Holperpiste entlanggurkten, da der gut geteerte Highway nur rund 500 m parallel davon verlief. Aber unser Fahrer, nat\u00fcrlich immer noch sauer auf Emil, wollte wohl eine Abk\u00fcrzung nehmen und schaffte es auch immer wieder mitten in der Ein\u00f6de der Halbw\u00fcste Leute nach dem Weg zu fragen. Tats\u00e4chlich fanden wir auf einmal ein anderes Taxi in der Pampa und wir hatten unser Ziel erreicht. Drei weitere&nbsp;Touristen hatten sich ebenfalls hierher verirrt. Ich war gl\u00fccklich, dieses Mal doch mit einem aserbaischanischen Taxifahrer mein Ziel erreicht zu haben und es sah sehr lustig aus, diese zwei bis drei Meter hohen Mini-Vulkane bei ihrer Arbeit zu beobachten. Alle paar Minuten flog mal mehr mal weniger Schlamm aus ihrem Schlund. Dieser war eiskalt und das einzig gef\u00e4hrliche war in die Schlammlava zu treten und dann eventuell mehr oder weniger zu versinken. Allerdings trocknete der Schlamm bei Temperaturen in der Sonne von ca. 50\u00b0 C doch arg schnell.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/aserbaidschan_2009.html\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/baku0008.jpg\" alt=\"Terrestriche Bl\u00e4hungen: Schlammvulkane bei Qobustan\"\/><\/a><figcaption>Terrestriche Bl\u00e4hungen: Schlammvulkane bei Qobustan<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau diese Sonne machte mir auch zu schaffen und ich fing mir einen Sonnenstich und megam\u00e4\u00dfige Kopfschmerzen ein. Aber trotzdem \u00fcberlebte ich die unspektakurl\u00e4re R\u00fcckfahrt genauso wie das noch unspektakul\u00e4rere Spiel, das Deutschland 2 zu 0 f\u00fcr sich entschied. Die Stimmung im Stadion war zumindest bis zum ersten deutschen Tor wirklich prima. Das gesamte Stadion machte eine Choreographie in den Landesfarben blau, rot, gr\u00fcn gesponsert von McDonald&#8217;s. Internationale Bestimmungen verbieten eigentlich das Ausschenken von Alkohol bei Fu\u00dfballspielen, doch im muslimisch gepr\u00e4gten Aserbaidschan wurden die durstigen Germanen mit Bier bis zum Geht-nicht-mehr versorgt. Anfangs gab es noch Bierbecher, pl\u00f6tzlich kam ein Fan mit einer 2-Liter-Plastikflasche zur\u00fcck in den Block. Trotz der arg angetrunkenen Fans blieb alles friedlich. Mit einem Sonnenstich im Kopf war ich froh, dass es neben Halal-Hot-Dog auch Coca-Cola und Wasser gab. So \u00fcberlebte ich die 90 Minuten und die letzte Nacht bei Evil-Emil in seinem 1000 Camel Hostel, ehe mich der Flieger nach Wien brachte, von wo ich diese Zeilen schreibe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Servus aus Wien,&nbsp; Der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaftsqualifikation sei Dank hat es mich dieses Mal nach Baku, in die Hauptstadt Aserbaidschans verschlagen. Nach meinem Trip 2005 zum UEFA-Cup-Qualifikationsmatch Mika Ashtarak vs. Mainz 05 f\u00fchrte mich nun also wieder K\u00f6nig Fu\u00dfball in den Kaukasus. 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