{"id":249,"date":"2007-06-02T16:08:08","date_gmt":"2007-06-02T16:08:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/?p=249"},"modified":"2019-04-10T16:08:36","modified_gmt":"2019-04-10T16:08:36","slug":"osteuropa-2007-2-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/osteuropa-2007-2-teil\/","title":{"rendered":"Osteuropa 2007 2. Teil"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\n\nDobre Den,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">auch der sch\u00f6nste Aufenthalt muss einmal zu Ende gehen und so kehrte ich L&#8217;viv mit meinem Drahtesel den R\u00fccken, um auf Entdeckungstour in der Ukraine genauer gesagt in Galizien zu gehen. Denn dieses riesige Land ist aus vielen verschiedenen Regionen zusammengesetzt und diese haben oftmals soviel gemein wie Bayern und Ostfriesland. Galizien ist eine Region, die mittlerweile zwischen Polen und der Ukraine geteilt ist. Diese Region war bis auf ein Jahr nach dem ersten Weltkrieg nie unabh\u00e4ngig. Seine Bl\u00fcte hatte Galizien, als es zum Habsburger Reich der \u00d6sterreicher geh\u00f6rte, also bis zum 1. Weltkrieg. Aus dieser Zeit ist auch der Grossteil der Bausubstanz in L\u2019viv noch zu bestaunen &#8211; und der Palatschinken, die Sachertorte und der Kaffee schmecken auch noch im 21. Jahrhundert extrem gut. Aber wie gesagt, irgendwann musste mal Schluss sein mit dem Genie\u00dfen, der V\u00f6llerei und ich wollte nun endlich das Land mit dem Rad entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein letztes Mal qu\u00e4lte ich mich den Kessel von L\u2019viv auf dem unebenen Kopfsteinpflaster empor und war verwundert, dass ich gleich auf die richtige Ausfallstrasse gelangt war. Mittlerweile bin ich des kyrillisch Lesens einigerma\u00dfen m\u00e4chtig und die Beschilderung au\u00dferhalb von L&#8217;viv ist auch tats\u00e4chlich \u00e4u\u00dferst akkurat. Das ist eine interessante Begebenheit in diesem Land, denn es pendelt permanent zwischen 1. und 3. Welt hin und her:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Strassen \u00e4ndern ihr Gesicht etwa sooft wie dies eines Mainz 05 Fans w\u00e4hrend einem Spiel. Mal ist alles perfekt und ein paar Minuten sp\u00e4ter befindet man sich wieder in der totalen Depression. Die Stra\u00dfen sind oft ein Flickenteppich sondergleichen, der eher an eine mit Aufn\u00e4hern \u00fcberzogene Fan-Kutte erinnert, als an ein Transportweg, der die Bef\u00f6rderung von Waren und Personen einwandfrei garantieren soll. Manche Hinweise muss man auch erst mal richtig interpretieren, wie bspw. Zweige, die aus einer riesigen Pf\u00fctze rausragen. Dies bedeutet: Achtung hier fehlt der Kanaldeckel&#8230; Zum Gl\u00fcck hatte ich diese bizarren Warnhinweise bereits einmal im trockenen Stra\u00dfenzustand vorher gesehen. Meine liebste Freundin auf der Strasse war die Spurrille. Dies befindet sich meist ca. 30 Zentimeter vom Randstreifen Richtung Fahrbahnmitte und ragt in gewellter Form bis zu 20 Zentimeter in die H\u00f6he. Auf diesem Abschnitt kann ich dann relativ beruhigt Rad fahren, da diese Rillen von den Autofahrern immer gemieden werden. Rechts des Randstreifen franst die Strasse wie ein von M\u00e4usen angeknabberter Keks aus, so dass ich dort unm\u00f6glich fahren kann. Manchmal weiche ich allerdings auf den Schotter noch etwas weiter rechts aus, weil der Teerzustand am Stra\u00dfenrand noch schlechter f\u00fcr das Weiterrollen w\u00e4re als der unbefestigte Untergrund. Von daher tr\u00e4ume ich meist von den herrlichen Stra\u00dfenzust\u00e4nden in S\u00fcdostasien.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, dass die sog. 2. Welt sich tats\u00e4chlich dadurch zeigt, dass sie viele Teile der ersten bereits adaptiert hat, aber oftmals dies mit Dingen oder Gewohnheiten der sog. 3. Welt kombiniert wird: Der Geldwechsel, fr\u00fcher in Osteuropa durch Zwangsumtausch ein Horror, geschieht hier ganz einfach an Geldautomaten, die es etwa so h\u00e4ufig hier gibt, wie bei uns Zigarettenautomaten. Auf die Cash-Maschinen wird sogar auf Verkehrsschildern (Bankomat aber in Kyrillisch) hingewiesen. Au\u00dferdem gibt es \u00fcberall Geldwechselstellen, so dass die monet\u00e4re Versorgung mit der lokalen W\u00e4hrung Hryvnia tats\u00e4chlich theoretisch prima ist. Aber viele Geldautomaten sind kaputt, einige akzeptieren die Karte einfach nicht und manche haben nicht genug Geld im Automat&#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder das Gesch\u00e4ftemachen. Es gibt den besten Lavazza-Kaffee, die leckersten Torten etc. aber nicht zum Fr\u00fchst\u00fcck au\u00dferhalb des Hotels, denn morgens ist die Ukraine noch am schlafen. Die Cafes machen erst um 10.00 Uhr auf. Eine Fr\u00fchst\u00fcckskultur existiert nicht. Das macht den Start in den Tag in diesem Land zum Horror, wenn ich mir Brot, K\u00e4se und Wasser vom Vortag als Fr\u00fchst\u00fcck im Zimmer hineinziehen muss, um gen\u00fcgend Kalorien f\u00fcrs Radeln zu sammeln, da mein Hotel keine Lust hat Fr\u00fchst\u00fcck anzubieten. Das Wort &#8222;Service&#8220; ist hier eine cham\u00e4leonartige Definition: Manches Personal lebt noch zu Zeiten von Hammer und Sichel und ist Meister im \u00dcbersehen, D\u00f6sen und Nichtbeachten. Aber viele Ukrainer sind sehr um mein Wohlbefinden bem\u00fcht. Das ging bei Vitaly, Bed and Breakfast Besitzer, Fremdenf\u00fchrer und flie\u00dfend Deutsch sprechender Kosmopolit soweit, dass er mir einen riesigen Rabatt aufs \u00dcbernachten gab, da er es einfach sch\u00f6n fand, dass ich sein Land erradele.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das \u00dcbernachten in den gew\u00f6hnlichen Hotels ist wieder eine andere Geschichte. Hostels gibt es nur in ein paar St\u00e4dten und Hotels sind nur ab ca. 30 Euro die Nacht zu ergattern. Den Hotel-Standard gerade mit S\u00fcdostasien zu vergleichen, w\u00e4re der reinste Horror. Die Aufg\u00e4nge und Bauten protzen nur so von Grandeur, aber die Zimmer sind mit Rausch-TV und oft ohne WC ausgestattet. Aber alles ist wenigstens sauber und darauf kommt es mir ja am meisten an. Oftmals habe ich den Eindruck, dass es an einem Ort immer noch nur ein Hotel gibt, das dann etwa soviel G\u00e4ste empfangen kann, wie unser Bruchwegstadion. Der Typ Homo Sapiens Turisticus wurde wohl in der Sowjetunion ebenfalls zwangskollektiviert &#8211; alle Touris in die eine Bettenburg alias Hotel-Kolchose. Und dann gibt es dort noch die besondere Jobbeschaffung. Eingecheckt wird an der Rezeption. Dort erhalte ich dann einen Zettel mit dem Stockwerk drauf. Die nicht gerade vertrauenserweckenden Aufz\u00fcge lasse ich links liegen und hechele mit dem Gep\u00e4ck die pomp\u00f6sen Treppen hinauf. In meinem Stockwerk angekommen sitzt dann im g\u00fcnstigsten Fall eine Babuschka und h\u00e4ndigt mir gegen Vorlage des Zettels den Schl\u00fcssel aus. Willkommen in der Sowjet-B\u00fcrokratie!!!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Internet ist auch so eine Sache. Mal DSL, mal Modem aus der Generation 0.0 analog, so dass das Schreiben hier auch manches Mal zum Abenteuer wird, da die Computer kurz vor dem Abst\u00fcrzen sind &#8211; aber Flachbildschirm und Funkmaus, das muss schon sein. Tja und eben gerade ist die Internetverbindung total unterbrochen und alles bisher geschriebenen mal wieder verschwunden. &#8222;This is Ukraine&#8220; sagt mein Nachbar im Internetcafe und was soll ich da noch antworten&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dass es in diesem Land extrem Reiche gibt, die zum Teil mit der S-Klasse aus der Meisterstadt oder monstr\u00f6sen US-Hummer-Vehikeln durch die Gegend d\u00fcsen und extrem Arme, die mit Kutschen \u00fcber Land zuckeln, ist uns ja bereits zur Gen\u00fcge bekannt. Man bedenke nur, dass wir uns in Deutschland \u00fcber Schalke 04 (zu Recht) aufregen, da die jetzt das Geld von der russischen Gazprom in den Hintern geblasen bekommen &#8211; aber hier bekommt der Club Schachtjor (deutsch Kumpel) Donetsk einfach mal vom reichsten Mann der Ukraine ein Stadion f\u00fcr 200 Mio. US-Dollar hingestellt &#8211; um dem Rivalen Dynamo Kiew Paroli zu bieten. Ha, aber Schachtjor hat zum Gl\u00fcck gerade das Pokalfinale gegen Kiew verloren. Hihi diese Werksvereine kriegen es zum Gl\u00fcck auch hier nicht auf die Reihe, wie bei uns der VfL Golfsburg und die Pillendreher aus Leverkusen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Radeln \u00fcber die Landstrasse von L\u2019viv nach Ivano-Frankivsk war relativ anstrengend, da die Ukraine nicht flach sondern sehr h\u00fcgelig ist. Damit war aber auch die Landschaft sehr sch\u00f6n anzusehen. Es ging an Wiesen und W\u00e4ldern, kleinen m\u00e4andernden B\u00e4chen und an Viechern aller Art entlang nach S\u00fcden. Irgendwann musste ich dann mal Mittagessen. In einem kleinen Ort kam ich in die Kneipe mit null Ukrainisch Kenntnissen. Aber irgendwie einigten die Bedienung und ich uns auf einen Eintopf. In meinem Reisef\u00fchrer fand ich dann auch das Wort f\u00fcr Schweinefleisch, das ich in dem Eintopf wieder finden wollte. Es wurden mir noch ein paar kulinarische Vokabeln an den Kopf geworden und ich antwortete der Einfachheit halber mit &#8222;da da da&#8220; hei\u00dft &#8222;ja, ja, ja&#8220;. Nach und nach kamen dann ein deftiger Eintopf, Schweinegeschnetzeltes und Kartoffelbrei auf den Tisch. Ich hatte einfach alles bestellt und platzte fast nachdem ich alles aufgegessen hatte. Sind die Hotelpreise gesalzen ist das Essen extrem g\u00fcnstig und somit war dieses &#8222;All U can order and eat&#8220; auf ukrainisch finanziell verkraftbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unterwegs auf der Strasse l\u00e4uft das Leben wie in S\u00fcdostasien ab. \u00dcberall gibt es kleine Tante Emma L\u00e4den, die IMMER auf haben. Dort kann ich Kekse, leckere Schokolade, S\u00e4fte und Wasser kaufen. Die Ukraine hat eine un\u00fcbersichtliche Auswahl an leckerem Sprudel. Das Brot ist entweder ein Laib Weizen oder Roggen und \u00e4hnlich gut wie in Deutschland tja und das Bier ist mit 0,30 Euro sehr kundenfreundlich preislich platziert. \u00dcberall ist dieser Stoff zu bekommen. Bspw. am Kiosk als Wegbier, was gerade die amerikanischen Peace Corps Volunteers, die hier \u00fcberall 2 Jahre Sozialdienst leisten, in Verz\u00fcckung versetzt, da es in den USA undenkbar w\u00e4re. Und es wird \u00fcberall von allen konsumiert. Die ukrainische Fahne besteht aus den Farben Hellblau und Goldgelb die f\u00fcr das fruchtbare Getreide, das hier w\u00e4chst und den blauen Himmel stehen sollen. Ich w\u00fcrde eher sagen sie stehen f\u00fcr Gerstensaft und den Gem\u00fctszustand mancher ukrainischen Bewohner. Die oft nassen Boeden der Kneipen sind auch weniger einer \u00fcbereifrigen Reinemachefrau zu verdanken als vielmehr den Suffnasen, die permanent schwankend wankend ihr Wodkagl\u00e4schen versch\u00fctten. Die Torkelnden finde ich nahezu ausschlie\u00dflich in der Kneipe wo sie relativ friedlich ab und zu das Geschirr zerdeppern aber anscheinend werden sie in solchem Zustand nicht mehr auf die Strasse gelassen, denn dort ist mir noch niemand entgegen gefallen. Eigentlich gibt es dabei doch leckere Speisen, um eine Grundlage zu schaffen. Varenyky sind mein absoluter Energiespender. Dies sind so eine Art Maultaschen mit H\u00fcttenk\u00e4se gef\u00fcllt und werden mit Sauerrahm serviert. Oder Reibekuchen mit Fleisch gef\u00fcllt und mit Sauerrahm serviert. Oder Banosch: Das ist so eine Art Polenta als kleine Pyramiden mit&#8230;Sauerrahm serviert oder Borscht. Das ist DIE Speise in der Ukraine. Nein, sagt man hier, Borscht ist ukrainisch, nicht polnisch, nicht russisch! Diese Rote-Beete-Suppe wird mit was serviert? Logisch mit Sauerrahm und ist sehr sehr lecker. Es gibt wohl \u00fcber 300 Rezepte die Suppe zusammenzustellen aber immer mit&#8230; Und f\u00fcr Karnivoren gibt es leckere, zarte H\u00e4hnchenbrust sowie Schaschlik mit was serviert? Ihr k\u00f6nnt es Euch ja denken&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Fahrt nach Ivano-Frankivsk bin ich dann auch der globalisierten Kr\u00f6nung begegnet. Denn in einem Kiosk wurde ich von den Damen gleich mal auf einen Kaffee eingeladen. Dieser stammt von Jacobs. Das Produkt hei\u00dft hier allerdings Monarch und die Leute kippen das Pulver direkt ins Glas hinein. Das Resultat schmeckt dann wie ein t\u00fcrkischer Mokka und weder diesen noch die Kr\u00f6nung h\u00e4tte ich irgendwie in der ukrainischen Pampa erwartet. Nachdem ich bereits \u00fcber acht Stunden am Radeln war, zog dann das mittlerweile t\u00e4glich einsetzende Gewitter auf und ich bin der Sowjetzeit mal wieder dankbar gewesen. Alle paar Kilometer existieren Bushaltestellen mit einem sch\u00f6nen Dach zum Unterstellen. So wartete ich den Platzregen mit ein paar radelenden Zeitgenossen in der Haltestelle in trockenem Zustand ab, w\u00e4hrend die Jungs aus ihrem Handy &#8222;Offspring&#8220; dudeln lie\u00dfen, was nat\u00fcrlich exakt meinem Musikgeschmack entsprach.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweiradfahrer sind mit seit dieser Begegnung eigentlich kaum noch aufgefallen. Es gibt hier keine Mofas und eigentlich auch keine Proleten die wie bei uns auf den K\u00e4ffern damit herumgurken. \u00dcberhaupt habe ich hier noch keine \u00e4tzenden Typen ausmachen k\u00f6nnen. Die meisten Menschen beachten mich nicht weiter. Manche Bierrunde am Stra\u00dfenrand gr\u00f6lt irgendetwas mir hinterher, was sich aber nicht aggressiv anh\u00f6rt. Manche z\u00fccken ihr Photohandy und machen ein paar Schnappsch\u00fcsse aber sonst radele ich meist ungest\u00f6rt \u00fcber das Land.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 140 Kilometern erreichte ich Ivano-Frankivsk und ich fragte mich, wie man seine Stadt einfach mal so nach einem der zwei Volkshelden der Ukraine benennen kann. Ivano Franko schrieb in seinen B\u00fcchern bis zu seinem Tod 1916 \u00fcber die Missst\u00e4nde in der Ukraine und landete dadurch zeitweise im Knast. Um die Ukrainer zu bes\u00e4nftigen, die seit dem Ende des 2. Weltkriegs in der Sowjetzeit f\u00fcr eine unabh\u00e4ngige Ukraine zu k\u00e4mpfen, schleimten die Sowjets sich 1962 ein und benannten Stanislaviv einfach um. Es ist wohl die einzige Stadt in der ehemaligen Sowjetunion, deren Umbenennung auch heute noch besteht. Wenn unser Mohamed Zidan in der Winterpause dann von Hamburg wieder zu uns wechselt, weil er den Hub Stevens nicht so wie den Kloppo herzen darf, k\u00f6nnten wir uns das ja auch mal \u00fcberlegen. Dann m\u00fcssten wenigstens bei uns die Nummernschilder nicht ausgetauscht werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stadt hat mich in ihrem Aussehen wie L&#8217;viv \u00fcberrascht, denn das Zentrum war ebenfalls mit seinen H\u00e4usern aus der Habsburgerzeit sehr attraktiv. Nur der gigantische Flachbildschirm auf dem Marktplatz auf dem Freddie Mercury &#8222;The show must go on!&#8220; sang, dieser passte in dieses \u00f6sterreichische Flair nicht ganz so hinein. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung fuhr ich weiter nach S\u00fcden in das Karpaten-Gebirge hinein. Immer \u00f6fter begegnete ich Pferdefuhrwerken und die K\u00fche erinnerten mich an ihre Artgenossen in Indien. Schlie\u00dflich blockierten sie seelenruhig die Strassen und grasten \u00fcberall herum: im Vorgarten, im Wald, am Fahrbahnrand. Werden in anderen L\u00e4ndern Hunde Gassi gef\u00fchrt, \u00fcbernimmt hier die Kuh dieses Ritual. Die Alten nehmen den Vierbeiner oft an die Leine und wandern mit ihm durch Pampa. Hunde streunen hingegen im gepflegten Zustand immer quer durch die \u00fcbrigens sehr sauberen Innenst\u00e4dte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gewitterregen erreichte ich dann mein n\u00e4chstes Etappenziel &#8211; einen Wintersportort mit Skisprungschanze. Dass man hier im Winter Ski fahren kann, war mir vor dieser Reise auch nicht bewusst, aber als ich am n\u00e4chsten Tag bei der Besteigung des h\u00f6chsten Berg der Ukraine Schneewechten sah, war ich doch davon \u00fcberzeugt, dass dies wohl m\u00f6glich ist. Zum Ausgangspunkt meiner Wanderung musste ich ein Taxi nehmen. Anders als in allen anderen L\u00e4ndern dieser Welt, musste ich auf ein Taxi warten. Taxifahrer haben hier den angenehmen Verhaltenskodex Touris nicht permanent anzulabern, ob sie denn nicht ein Taxi br\u00e4uchten. Nachdem ich eine halbe Stunde im Dorf gewartet hatte, sprang ich in die Strasse und hielt den alten klapperigen Golf an. Der Fahrpreis war fair und fest &#8211; allerdings nicht das Boxenkabel. Dieses musste erst vor der Fahrt noch mal richtig mit den Lautsprechern verbunden werden, so dass mir beim Start fast die Ohren mit &#8222;Evanescence&#8220; davonflogen. Danach gab es auf der halbst\u00fcndigen Fahrt ukrainischen Rap zu h\u00f6ren. Heruntergelassene Bahnschranken sind hier nur zum Slalom \u00fcben im Sommer da und ruckzuck war ich am Fu\u00dfe der Hoverla angelangt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit zwei Ukrainern die ich auf der Strecke traf, liefen wir die knapp 1.000 H\u00f6henmeter diesen H\u00fcgel hoch, der aber doch immerhin 2.060 Meter \u00fcber dem Meer trohnt. Gesehen haben wir anfangs nichts, da wir total in den Wolken und im Platzregen marschierten. Irgendwann hatte Petrus ein Einsehen und es bot sich dann doch noch ein sch\u00f6ner Blick auf die H\u00fcgelkette der ukrainischen Karpaten. Beim Abstieg musste ich unwillk\u00fcrlich an Malaysia denken, denn der Weg verlief sich wieder im Unterholz. Meine ukrainischen Gef\u00e4hrten wollten querfeldein gehen, doch ich ging mit ihnen wieder hinauf und fand schlie\u00dflich den eigentlich gut markierten Weg wieder. Hier w\u00e4re es mir eindeutig zu ungem\u00fctlich gewesen, mal wieder zwei N\u00e4chte unfreiwillig am Bergbach zu n\u00e4chtigen. Die Jungs revanchierten sich mit der Mitnahme in ihrer Skoda-Limousine zur\u00fcck ins Kaff und ersparten mir 20 Kilometer R\u00fcckmarsch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am folgenden Tag rollte ich dann \u00fcber zwei P\u00e4sse durch die Berge weiter nach Osten. Dieses Gebiet wird auch als Wald-Karpaten bezeichnet und stellt einerseits den Mittelpunkt Europas dar und andererseits eines der gr\u00f6\u00dften zusammenh\u00e4ngenden Waldgebiete des Kontinents. Mich erinnerte das Ganze vor allem an das M\u00fcnstertal im Schwarzwald. Allerdings rennen da die M\u00e4dels sicherlich nicht in so aufreizenden Klamotten durch die Gegend. In jedem Dorf waren die Kinder und Jugendlichen in trachten\u00e4hnlichen Uniformen an diesem Tag gekleidet. Allerdings gehen R\u00f6cke bei Trachten und Schuluniformen normalerweise doch deutlich \u00fcber das Knie hinaus. Ich kam mir vor, als ob ich 110 Kilometer lang durch ein fr\u00fches Brittney Spears Video gefahren w\u00e4re mit diesen etwas zu beinbetonten Minir\u00f6ckchen. Sp\u00e4ter erfuhr ich, dass der 31. Mai der letzte Schultag im Schuljahr ist und daher die Kids so rausgeputzt waren. Hm andere L\u00e4nder andere Sitten&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Strassen in den Karpaten sind sicherlich mit die schlechtesten auf unserem Kontinent. Zum Teil fehlt auch mal die H\u00e4lfte der Strasse oder sie ist mit Kies bedeckt. Beim Ruckeln auf den letzten drei bis vierhundert Kilometern muss dann eine Schraube sich gelockert haben. Auf jeden Fall gab es pl\u00f6tzlich einen Knall und ich merkte, dass etwas in die Hinterradspeichen kam und das Rad blockierte. Irgendwie konnte ich den Drahtesel noch lenken und stoppen. Dann merkte ich dass die eine Hinterradtasche abgeflogen ist. Aber ich hatte dieses Mal wirklich riesiges Gl\u00fcck: Die betroffene Speiche war nur etwa l\u00e4diert. Ich zog sie fest und damit war dieser Radteil wieder repariert. Um die Schraube zu ersetzen, nahm ich eine halbwegs \u00fcberfl\u00fcssig vom Hinterradreflektor, da meine Taschen auch Reflektoren hatten und so war die Tasche in f\u00fcnf Minuten wieder auf dem ebenfalls verbeulten Gep\u00e4cktr\u00e4ger wieder angebracht und ich konnte weiterrollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittlerweile bin ich in Czernowitz (Cernivci) am Ostrand der Karpaten eingetroffen. Dies ist das Tor zu einer neuen Region Europas: der Bukovina.\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dobre Den, auch der sch\u00f6nste Aufenthalt muss einmal zu Ende gehen und so kehrte ich L&#8217;viv mit meinem Drahtesel den R\u00fccken, um auf Entdeckungstour in der Ukraine genauer gesagt in Galizien zu gehen. 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