{"id":201,"date":"2008-10-02T15:34:25","date_gmt":"2008-10-02T15:34:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/?p=201"},"modified":"2019-04-08T15:34:45","modified_gmt":"2019-04-08T15:34:45","slug":"indien-2008-letzter-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/indien-2008-letzter-teil\/","title":{"rendered":"Indien 2008 letzter Teil"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Indien ist 24 Stunden am Tag einfach ein Film, in dem man als Darsteller permanent mitspielt. Selbst im Internetcafe beim Schreiben dieser Zeilen, erlebe ich immer wieder am Rande lustige Erlebnisse oder auch Situationen, die komplett vom Weiterschreiben abhalten. So auch wieder in Jaisalmer: Mein indischer Internet-Nutzer-Nachbar diskutierte bereits in ohrenbet\u00e4ubender Lautst\u00e4rke mit dem Besitzer des Internetcafes eine Viertelstunde herum, ehe beide pl\u00f6tzlich mich ansprachen &#8218;you help us, you five minutes?!&#8216;. Hm, was blieb mir anderes \u00fcbrig, als &#8218;yes&#8216; zu sagen? Denn ansonsten h\u00e4tten die beiden eh nur weiter palavert und meine Konzentration auf das Verfassen dieser Mail war sowieso bereits fl\u00f6ten gegangen. In besagter Viertelstunde hatten die beiden versucht, einen Gesch\u00e4ftbrief zu verfassen, der in Grundz\u00fcgen bereits auf Papier gebracht wurde. Aber das Abtippen bereitete gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeiten &#8211; was mir wohl genauso gehen w\u00fcrde, wenn ich auf einer Hindi-Tastatur einen Brief in Hindi-Buchstaben abtippen sollte. Also fang ich an, den Brief abzutippen, bzw. der Absender diktierte mir in seinem India English die Zeilen und kam st\u00e4ndig zum Ergebnis, dass man den Satz doch noch mal anders formulieren sollte. Irgendwann war mir der Inhalt bekannt, es ging um Aktien, die er seit Januar 2008 nicht bekam, trotz Bankabbuchung! So schrieb ich am Ende den Brief alleine, las ihn nochmals vor und schickte das Ding dann nach Kalkutta ab\u2026und hatte endlich wieder Ruhe!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber auch im Nachbar-Internetcafe war alles &#8218;hammergeil&#8216;! Der Cafe-Besitzer lernte dieses Lieblingswort wohl von irgendwelchen deutschsprachigen Touristen und warf dieses bon mot  seither permanent ein, nachdem er merkte, dass wir Deutsche sind. Dann wurde noch in ohrenbet\u00e4ubender Lautst\u00e4rke Musik von &#8222;Wir sind Helden&#8220; aufgelegt und auch in dieser Situation war das Schreiben dann nicht mehr m\u00f6glich. In Delhi schlie\u00dflich ist es mittlerweile ein gro\u00dfer b\u00fcrokratischer Akt, \u00fcberhaupt einmal erst in die Zeilen hauen zu d\u00fcrfen: Um Terroristen vom Surfen abzuhalten, muss jeder Internet-Nutzer im Internet-Cafe zun\u00e4chst seinen Pass abgeben. Dieser wird dann kopiert. Danach m\u00fcssen zur &#8222;Sicherheit&#8220; auch nochmals alle Passdaten in ein riesiges, gro\u00dfes Buch vom Nutzer eingetragen werden. Danach darf ich dann endlich ins Word Wide Web eintreten \u2013 wenn nicht gerade mal wieder die Verbindung gekappt war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um in Jaisalmer mobil zu sein, mieteten wir uns f\u00fcr ein paar Tage echte Indian &#8222;Hero Cycles&#8220;. Heldenhaft an diesen megaschweren Drahteseln ist eigentlich nur, sich mit diesen irgendwie fortbewegen zu k\u00f6nnen. Vor allem weil man nur einen Gang hat und der Sattel gerade f\u00fcr mich nat\u00fcrlich viel zu tief liegt. Aber trotzdem sitzt man auf den Dingern eigentlich ganz wunderbar, wenn man nicht zu viel Zeit auf ihnen verbringt &#8211; ansonsten schaut der Hintern irgendwann so aus, wie die rosaroten Popos der Affen von Shimla! Um das Fort von Jaisalmer herum erinnert die Stadt bereits an den Orient mit ihren engen, zum Teil gepflasterten Gassen, den Havelis (prunkvolle Pal\u00e4ste reicher Kaufleute auf dieser ehemaligen H\u00e4ndlerroute) und den Gew\u00fcrzger\u00fcchen aus Tausendundeiner Nacht. Indisch wird die Atmosph\u00e4re durch thronende wiederk\u00e4uende Ziegen, Lasten tragende Kamele, omnipr\u00e4sente Sphinx-verk\u00f6rpernde K\u00fche, T\u00fcrvorleger-gebende Hunde, knatternde Mopeds, hupende dreir\u00e4drige Autorikschas und brabbelnde Basaris. Durch dieses Nadel\u00f6hr zu strampeln war manches Mal recht anstrengend und erinnerte mehr an Autoscooter fahren oder Playstation spielen aber auf freien Strecken oder weiter entfernten Pl\u00e4tzen k\u00fchlte uns der Fahrtwind in der ansonsten gnadenlos brennenden Sonne der W\u00fcste Thar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Waren wir nicht am Radeln oder am Essen genie\u00dfen, hatten wir wieder besondere Erlebnisse in meinem Ashram, dieses mal in der Bahnhofshalle von Jaisalmer. Ihr kennt ja schon das Procedere zum Ticketkauf, richtig, Formular ausf\u00fcllen, anstellen, beten, bangen und hoffen, zahlen, Ticket kontrollieren etc. Ein Formular hatte ich noch in der Hosentasche vom Anstehen in Shimla \u2013 allerdings waren dort die Formulare wei\u00df \u2013 in der Ein\u00f6de der W\u00fcste Thar waren diese hingegen rosa! Ich erk\u00e4mpfte noch ein Formular, da wir wieder zwei Z\u00fcge buchen wollten. Das Ausf\u00fcllen war schnell erledigt und hinein ging es ins Indian-Style-Anstellen. Die rein theoretisch existierende Schlange wurde immer durch links und rechts anpirschende Inder angereichert, die den Anstehenden weitere Formulare zusteckten. Wir standen bereits rund 30 Minuten an und fragten uns, warum es drei Schalter sowie f\u00fcnf Beamte gab, jedoch nur einen real existierenden Ticketverk\u00e4ufer, als pl\u00f6tzlich eine zweite Frau auftauchte, denn Valentina repr\u00e4sentierte bis dato alleine das weibliche Geschlecht. Nun gibt es in Indien oft eine Schlange f\u00fcr Frauen, wie es auch Wartes\u00e4le f\u00fcr Frauen und zum Teil spezielle Sitzpl\u00e4tze f\u00fcr Frauen in den Bussen gibt. Aber hier war der Frauen-Schalter geschlossen. Also \u00fcberholte die ferngesteuerte Frau uns links und k\u00e4mpfte sich in die N\u00e4he des Schalters. Ferngesteuert deshalb, da nat\u00fcrlich der Ehemann hinterher schlich und die Frau nur mitnahm, um m\u00f6glichst z\u00fcgig an die Zugfahrkarten zu gelangen, schlie\u00dflich verbringen indische Frauen au\u00dferhalb der Gro\u00dfst\u00e4dte die meiste Zeit im Haus und nicht in der Gasse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vor dem Guckloch des Schalterbeamten Schlange stehenden Herren waren recht \u2018emanzipiert\u2019 und sorgten f\u00fcr Gleichberechtigung \u2013 sprich sie lie\u00dfen die Dame nicht vor. Diese gab aber nicht auf, wurde aber von einer zweiten Dame dreisterweise in technisch einwandfreier Weise (Tackling) ausgekontert. Den Lohn holte sie sich in Form einer Fahrkarte ab, w\u00e4hrend wir langsam dachten, es w\u00e4re an der Zeit, sich Land und Leuten anzupassen. Diese \u2018b\u00f6sen\u2019 Gedanken des dreisten \u00dcberholens wurden dann sofort von einer Taube bestraft, die \u00fcber Schalter 2 sa\u00df, an dem Valentina gerade Aufw\u00e4rm\u00fcbungen zum Vordr\u00e4ngeln machte. Mit einem Schiss aufs T-Shirt war die kleine S\u00fcnde getilgt, mit einem Taschentuch der Kot beseitigt und nun lief Valentina zur H\u00f6chstform im Vordr\u00e4ngeln auf, um wenig sp\u00e4ter mit zwei Tickets und den gew\u00fcnscht Pl\u00e4tzen von Dannen zu ziehen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach ein paar sehr erholsamen Tagen fuhren wir dann etwas gesundheitlich angeschlagen wieder gen Osten durch Rajasthan in Richtung Delhi zur\u00fcck. Wahrscheinlich war der Temperaturunterschied von drei\u00dfig bis vierzig Grad (im Schatten) doch f\u00fcr unseren Organismus etwas zu viel des Guten. So waren wir wirklich froh, dieses Mal den Luxus von 8er-Abteilen mit Air Condition zu nutzen. Die Klimaanlage h\u00e4lt nicht nur die Hitze fern, sondern wegen des ca. dreifachen Preises auch bl\u00f6kende Inder der unteren Schichten sowie schwarzfahrende Pendler. Wieder w\u00e4hlten wir zwei Oberbetten aus, doch dieses Mal war dies vielleicht nicht die beste Wahl, da der Raum zwischen Oberbett und Decke erschreckend gering ausfiel. Ich nehme mal an, dass die Klimaanlage mit ihren Rohren ja auch irgendwie in der Decke verankert werden muss. So war es insbesondere f\u00fcr mich ein gro\u00dfer akrobatischer Akt, \u00fcberhaupt mit dem Rucksack irgendwie in diese Sph\u00e4ren zu gelangen und  mich einigerma\u00dfen bequem niederzulassen. Nat\u00fcrlich stie\u00df ich bei 1,93 K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe \u00fcberall vor allem mit dem Kopf an, der mittlerweile mit Beulen \u00fcberzogen ist. Aber auch die F\u00fc\u00dfe ragen deutlich \u00fcber den Bettrand raus und dummerweise lag ich diese Nacht auch noch an der Abteilt\u00fcr, so dass auch die F\u00fc\u00dfe ihre Prellungen abbekamen. Insgesamt aber verlief die Fahrt \u00fcber 600 km durch die W\u00fcste Thar recht ruhig und so kamen wir mit lediglich 30 Minuten Versp\u00e4tung in Jaipur an, wo wir eine Nacht unseren von der Hitze ermatteten K\u00f6rpern Erholung g\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig hatten wir eine gewisse Busphobie uns in den Bergen Himachals zugezogen und da Indian Railways bisher recht zuverl\u00e4ssig war, entschieden wir uns, statt der f\u00fcnfst\u00fcndigen Busfahrt nach Bundi eine vierst\u00fcndige Zugfahrt plus 45 Minuten Busfahrt zu machen. Diese Entscheidung schloss nat\u00fcrlich das Fahrkartenbestellen bei Indian Railways wieder mit ein. Aber die 2 Millionenmetropole Jaipur \u00fcberraschte mit einer sauberen Bahnhofshalle, in der es in einem B\u00fcro zur Fahrkartenreservierung die ber\u00fchmten Formulare en masse vor dem Schalter gab. Dar\u00fcber hinaus existierte ein separater Schalter f\u00fcr &#8218;Freedom Fighters and Tourists&#8216; und so verlief die Fahrkartenorder dieses Mal v\u00f6llig unkompliziert und einfach. Am darauf folgenden Tag erinnerte der Bahnhof Jaipur mich dann nicht so sehr an ein Ashram sondern vielmehr an das ber\u00fchmte Hase-und-Igel-M\u00e4rchen: Der Zug, der um 10.55 Uhr fahrplanm\u00e4\u00dfig abfahren sollte, war auf einer elektronischen Anzeigetafel f\u00fcr 11.07 Uhr avisiert. 12 Minuten Versp\u00e4tung ist ja f\u00fcr Mainzer Verh\u00e4ltnisse absolutes S-Bahn-Niveau und wir machten es uns am Bahnsteig gem\u00fctlich. Dort wurden wir dann dergestalt dauerbeschallt, dass man fast in Trance fiel, da einerseits computergesteuerte Ansagen permanent \u00fcber Z\u00fcge in Hindi und Englisch informierten, gleichzeitig aus Flachbildschirmen Bollywood-Videos pl\u00e4rrten und dar\u00fcber hinaus noch individuelle Ansagen die Kakophonie mal wieder ins Unermessliche trieb. Kurz bevor wir 11.07 Uhr hatten kam dann nat\u00fcrlich die Ansage, der Zug k\u00e4me um 11.27 Uhr. Als wir ca. 11.25 Uhr hatten, wurde daraus dann 11.32 Uhr und wenig sp\u00e4ter schlie\u00dflich 11.40 Uhr. Gut, wir hatten ja nur vier Stunden zu fahren aber auch dieses Mal schaffte es Indian Railways wieder, mich ein klitzekleines bisschen aus der Fassung zu bringen, ehe um 11.42 Uhr der Zug kam und dann auch ca. nur mit einer Stunde Versp\u00e4tung abdampfte. Dass er auf der Fahrt dann weiter Versp\u00e4tung sammelte und wir am Ende 90 Minuten zusammen hatten, nahmen wir mehr oder weniger gelassen zur Kenntnis, denn die Fahrt im Chair Car, das akklimatisiert und leer war, verlief recht angenehm und so gar nicht Indian Style!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Per Bus ging es dann durchs relativ gr\u00fcne und flache Rajasthan an kleinen Kamel- und Ziegenherden, sowie badenden Wasserb\u00fcffeln auf einer Alleenstrasse nach Bundi, einer Kleinstadt mitten in der indischen Pampa. Hier zeigte sich, dass Indien nicht nur in Kastengesellschaften sondern auch in Kasten touristischer Entwicklungsstadien zu unterscheiden ist. W\u00e4hrend Shimla haupts\u00e4chlich durch den einheimischen Touristenboom sauber, relativ aufger\u00e4umt, rausgeputzt und Jaisalmer trotz W\u00fcstensand einigerma\u00dfen rein daherkommt ist Bundi einfach ein Dreckloch. Die Gossen stinken nach F\u00e4kalien, die Einheimischen machen einfach in die Strasse, die Geb\u00e4ude verfallen, die ausschlie\u00dflich ausl\u00e4ndischen Touristen sehen ebenfalls zum Grossteil sehr mitgenommen aus, sei es durch Drogenkonsum oder durch einen etwas zu langen Indienaufenthalt oder durch die immerw\u00e4hrende Hitze. In Bundi steckt der Tourismus noch in seinen Anf\u00e4ngen: richtige Hotels und Restaurants gibt es in dieser 80.000 Einwohner z\u00e4hlenden Stadt nicht. \u00dcbernachtet wird bei Familien in den alten, einst sicherlich ehrw\u00fcrdig aussehenden Havelis (H\u00e4user reicher Einwohner). Das Essen wird von der Familie zubereitet und schmeckt teilweise sehr gut, manchmal ist es allerdings etwas arg versalzen. Andere Annehmlichkeiten den der Backpackerboom in die Orte Asiens bringt, wie Reinigung und Internetcafes sind latent vorhanden. Man muss allerdings erstmal die Person finden, die dann ihren Laden aufschlie\u00dft. Dabei ist das Kaff gar nicht mal so schl\u00e4frig, denn gehupt wird mit einer Intension als g\u00e4be es kein Morgen. Und Touris zu verarschen, darauf ist man auch schon in Bundi gekommen, in dem man den Preis f\u00fcr die Einheimischen (und Leute die Hindi lesen k\u00f6nnen) in Hindi auf die Wand kritzelt und bei sporadisch auftauchenden Touris, dann ein \u2018english speaking Menu\u2019 mit arg gesalzenen Preisen pr\u00e4sentieren kann, also meist so das zwei- bis dreifache des normalen Preises. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei k\u00f6nnte Bundi tats\u00e4chlich etwas aus sich machen. Die Altstadt wird von k\u00fcnstlichen Bassins durchzogen, die aber zurzeit eher an eine Riesenkloake erinnern. Die H\u00e4usersubstanz w\u00e4re wirklich erhaltenswert, aber es renoviert kaum jemand seine vier W\u00e4nde, so dass man bef\u00fcrchten muss, dass die alten Bauten irgendwann vollkommen einkrachen. Oberhalb der Stadt, deren Geb\u00e4ude aus der Ferne bei Sonnenuntergang in herrlichem Himmelblau erstrahlen, ist ein riesiger Palast in den \u00fcber der Stadt thronenden H\u00fcgel gesetzt worden. Dieser wurde erst vor kurzem wieder als Kulturgut entdeckt und ist nun auch wieder f\u00fcr Menschen zug\u00e4nglich, nachdem er vorher im Besitz von Affen und Flederm\u00e4usen war. Auf dem H\u00fcgel befindet sich ein  Fort zu dem es mich nat\u00fcrlich zog, um einen netten Ausblick auf die Umgebung zu erhalten. Auf einer riesigen gepflasterten Auffahrt ging es bergan, zun\u00e4chst am Kassenh\u00e4uschen f\u00fcr den Palast vorbei. Es war nat\u00fcrlich leer und niemand interessierte sich so richtig f\u00fcr mich. Gut, ich wollte eh nicht in den Palast besichtigen und setzte meinen Weg ungest\u00f6rt bergan fort. Im Reisef\u00fchrer wurde vor den Affen im Fort gewarnt, denn auch dieses war nat\u00fcrlich unbewohnt und dem Verfall \u00fcberlassen. Aus meiner Shimla-Affen-Erfahrung habe ich nat\u00fcrlich gelernt, und so nahm ich einen dornigen Stock zur eventuellen Selbstverteidigung mit hoch. Beim Aufstieg begegnete ich allerdings gerade mal drei Affen, die sich nicht sonderlich f\u00fcr mich interessierten, da wir jeweils weit entfernt voneinander durch die Gegend marschierten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fort angekommen, konnte ich es einfach nicht fassen, wie man einen Marmorboden und so herrliche R\u00e4ume, mit Ornamenten verziert, einfach dem Verfall \u00fcberlassen kann. Aus einem Pavillon konnte ich Affen auf der Mauer in sicherer Entfernung beim Sonnenunterganggenie\u00dfen beobachten. Pl\u00f6tzlich lief aber wie aus dem Nicht ein Affe quer durch den Pavillon. Allerdings erschreckten wir beide wohl gleich stark und er trollte sich sofort von Dannen. Traf ich im Fort anfangs noch auf eine Handvoll Einheimischer war ich pl\u00f6tzlich alleine und kam mir halb wie Indiana Jones halb wie eine Memme vor, die sich etwas unbehaglich in der einsetzenden D\u00e4mmerung vorkam. Ich trat den R\u00fcckzug an und hinter einer Wegbiegung blieb ich entsetzt stehen: Eine ganze Affenherde von vielleicht drei\u00dfig bis vierzig Tieren blickte mich neugierig an. Die Tiere mussten sich den ganzen Tag im Unterholz aufgehalten haben und erst bei der einsetzenden Dunkelheit kamen sie f\u00fcr mich zum Vorschein. Mir blieb nichts anderes \u00fcbrig, als vorsichtshalber meine Brille einzustecken und mit dem Stock ein wenig vor meinen F\u00fcssen herumzuwedeln und gleichzeitig sehr langsam voran zu marschieren sowie ein wenig L\u00e4rm in Form von Singen von Mainz 05 Liedern zu machen, damit ich die Tiere nicht \u00fcberraschte, obwohl ich sie wohl mit meiner Sangeskostprobe ziemlich nervte. Aber sie machten keine Anstalten mich anzugreifen und so schaffte ich den ersten Teil der Strecke zur\u00fcck ins Kaff problemlos. Weiter unten traf ich wieder hinter einer Biegung auf eine andere Herde von Affen mit schwarzem Kopf und Theo-Waigel-Augenbrauen, die mir wesentlich sympathischer erschienen als die rosarotgesichtigen Gesch\u00f6pfe aus Shimla und vom H\u00fcgelgipfel. Allerdings sa\u00dfen die Schwarzk\u00f6pfe in den B\u00e4umen und unter ihnen musste ich nun hindurch. Von einem Affen angekackt zu werden w\u00e4re noch recht angenehm gewesen, dachte ich mir, aber von einem angesprungen zu werden, stellte ich mir extrem \u00e4tzend vor. Aber nichts geschah. Die Schwarzk\u00f6pfe waren gut drauf und guckten mich mit ihren gro\u00dfen Augen nur neugierig an. Pl\u00f6tzlich knackte und krachte es im Unterholz und ich nahm meinen Dornenstock noch fester in die Hand. Um so erleichterter war ich dann, als nur eine rabenschwarze Kuh kauend den Weg entlang trottete und wenig sp\u00e4ter war meine Expedition in Tierreich zu Ende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so langsam neigte sich auch unsere Reise durchs Indien im Jahre 2008 zu Ende. Wir konnten in Bundi v\u00f6llig unspektakul\u00e4r einen Zug von Kota nach Delhi buchen und dieser hatte dann lediglich 30 Minuten Versp\u00e4tung und diese Nachtfahrt verlief recht ereignislos, sprich sehr angenehm. Abschlie\u00dfend kann ich von meinem zweiten Indienaufenthalt fast durchweg nur positives berichten, vor allem was die Menschen angeht. Anscheinend war ich vor der Reise auf das \u00c4rgste gefasst, wie die mangelnde Hygiene, wie das an manchen (Touri)orten \u00fcblich Dauerangelabere oder die grenzenlose Neugierde und das Fehlen jeglicher Intimsph\u00e4re zum Beispiel beim Bahn fahren. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir dieses Mal zu zweit unterwegs waren und dadurch die manches Mal anstrengenden Menschen uns \u201caufteilen\u201d konnten und somit mehr Energie zur Verf\u00fcgung hatten. Wer wei\u00df?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Indien ist 24 Stunden am Tag einfach ein Film, in dem man als Darsteller permanent mitspielt. Selbst im Internetcafe beim Schreiben dieser Zeilen, erlebe ich immer wieder am Rande lustige Erlebnisse oder auch Situationen, die komplett vom Weiterschreiben abhalten. 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