{"id":193,"date":"2006-12-13T06:08:28","date_gmt":"2006-12-13T06:08:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/?p=193"},"modified":"2019-04-08T06:08:49","modified_gmt":"2019-04-08T06:08:49","slug":"laos-2006-2-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/laos-2006-2-teil\/","title":{"rendered":"Laos 2006 2. Teil"},"content":{"rendered":"\n<p>Sabaidi,<\/p>\n\n\n\n<p>aus einer Hauptstadt hinaus zu radeln ist normalerweise recht einfach, da Verkehrsschilder in den meisten L\u00e4ndern zu Stra\u00dfen dazugeh\u00f6ren, wie Gl\u00fchweinst\u00e4nde zum Weihnachtsmarkt. Da hier aber Schilder so oft anzutreffen sind, wie Weihnachtsm\u00e4rkte, also gar nicht, war das Radeln aus Vientiane hinaus wieder ein Vabanquespiel sondergleichen. Selbst am Stra\u00dfennamen konnte ich mich nicht orientieren, da der gro\u00dfe Boulevard namenlos war. Nach 13 km des Radelns auf gut Gl\u00fcck, tauchte endlich ein monstr\u00f6ses Schild auf, und die Stra\u00dfe gabelte sich: nach Norden Richtung chinesischer Grenze (ca. 700 km) und nach S\u00fcden Richtung Kambodscha (ca. 1.100 km). Also grob kann man sich doch orientieren. Auf der Nationalstra\u00dfe 10 gab es nun pl\u00f6tzlich sogar Kilometersteine in rot-wei\u00df, wie auf den Fernstra\u00dfen Frankreichs&nbsp;&#8211;&nbsp;nur dass die Steine nach ca. 10 km ausgingen. Daf\u00fcr hat jedes Kaff ein Dorfschild und jedes B\u00e4chlein einen Namen, auf den hingewiesen wird. An Kreuzungen hingegen gibt es erneut keinerlei Beschilderung, so dass ich mich mal wieder am Stand der Sonne ausrichten musste, um in die richtige Richtung voran zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dummerweise war es dieses Mal wolkenlos und die Temperatur im Schatten kletterte weit \u00fcber die 30 Grad Marke. Nur radelte ich die ersten 80 km nie im Schatten und wurde folglich so richtig von der Sonne durchgebraten. Nach 35 km hatte ich endlich die endlosen Stra\u00dfensiedlungen um Vientiane hinter mich gebracht, und ich war in der freien Natur angekommen. Diese bestand aus einer Ebene mit abgeernteten Reisfeldern in denen Wasserb\u00fcffel in den letzten verbliebenen Wasserl\u00f6chern der Hitze trotzten und gelbe Schmetterlinge den Weg kreuzten.<\/p>\n\n\n\n<p>Reagierten innerhalb des Gro\u00dfraums Vientiane die Dorfbewohner auf meine Pr\u00e4senz gar nicht, bekam ich nun das Gegenteil zu sp\u00fcren. \u00dcberall rief es &#8222;Sabaidiiiiiiii!&#8220; und oft wusste ich gar nicht woher die Stimme kam. Ein beliebtes Spiel der Kinder war das sich in Reih und Glied an den Fahrbandrand mit ausgestreckter Hand stellen und mich beim Vorbeifahren abzuklatschen. Einige Tage sp\u00e4ter beim steilen berghoch Fahren, musste ich manches Mal gute Miene zum anstrengenden Spiel machen, da es einh\u00e4ndig eindeutig anstrengender war, die steile Stra\u00dfe entlang zu radeln. Aber ich will ja kein Spielverderber sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sch\u00f6ne am Flachland in Indochina ist die Tatsache, dass ich weder Getr\u00e4nke noch Essen mitschleppen muss, da es im Durchschnitt alle 500 Meter einen Laden oder eine Kneipe gibt. Dem vietnamesischen Einfluss sei Dank, ist auch wieder Foe (vietn. Pho) erh\u00e4ltlich, die Nudelsuppe als absoluter Energiespender. In einem riesigen Suppenteller waren Reisnudeln, Bambussprossen, Fr\u00fchlingszwiebeln und Rindfleisch bereits in der Basis-Version vorhanden. Dazu wurde ein riesiger Berg an Kr\u00e4utern, rohen Bohnen und Salatbl\u00e4ttern zur Selbstbedienung gereicht. Leider bestand das Fleisch zum Teil auch aus Innereien, aber gl\u00fccklicherweise legte sich manches Mal ein Hund zu meinen F\u00fc\u00dfen und da ist mir doch das eine oder andere Mal &#8222;zuf\u00e4lligerweise&#8220; das St\u00fcckchen Niere durch die St\u00e4bchen auf den Boden gefallen. Das ist nicht weiter aufgefallen, da der vierbeinige Staubsauger sofort alles aufschleckte.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Alten bereits mittags ihr Lao Beer mit Eisw\u00fcrfeln im Glas kippten, nippte ich dann doch lieber an einer Limo. Bei diesen Backofen-Temperaturen um diese Uhrzeit Bier zu trinken ist mir dann doch des guten zuviel. Am Ende des Tages suchte sich die Stra\u00dfe durch das H\u00fcgelland nat\u00fcrlich immer die steilsten Stellen aus, und ich gab auf den Rechtsverkehr nichts mehr &#8211; ich orientierte mich lieber am Schatten, der mal links mal rechts auf der Stra\u00dfe zu finden war, um keinen Sonnestich zu bekommen. Da der Verkehr auf dieser Nationalstra\u00dfe dem einer Kreisstra\u00dfe im Taunus um Mitternacht entsprach, war diese Fahrweise auch nicht sonderlich gef\u00e4hrlich. Kurz vor Sonnenuntergang erreichte ich ein nettes Restaurant, in dem mir Fisch serviert wurde. W\u00e4hrend ich auf das Essen wartete, \u00fcberpr\u00fcfte ich mit dem Ehemann der Wirtin seine Englisch-Hausaufgaben, denn gleich ging es in die Abendschule zum Fremdsprachenunterricht. Gl\u00fccklicherweise sind wie in allen kommunistischen L\u00e4ndern die gro\u00dfe der Mehrheit der Bewohner des Lesens und Schreibens m\u00e4chtig und somit konnte ich im Essensteil meines Sprachf\u00fchrers immer auf die wichtigen laotischen W\u00f6rter wie Nudelsuppe, Eier, Reis, Gem\u00fcse und so deuten, denn flie\u00dfend Englisch spricht hier noch kaum jemand, vor allem nat\u00fcrlich nicht auf dem Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Den ganzen Tag war ich keinem Touristen begegnet und abends machte ich in einem Fischerdorf an einem Stausee Halt. Hier gab es eigentlich nichts touristisches au\u00dfer der sch\u00f6nen Lage. Kein Internet, kein Telefonamt, keine Post und folglich auch keine Fremden. Am Dorfanfang war ein Ressort mit Bungalows erbaut, von deren Terrasse man direkt auf die kleinen Inselchen blicken konnte. F\u00fcr wen dieses erbaut wurde, wei\u00df ich nicht, denn ich war der einzige Gast des Ressorts. W\u00e4hrend der Vollmond sich im See spiegelte war au\u00dfer Grillengezirpe und dem Ventilator in meinem Zimmer nichts zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr ein Unterschied zu Vang Vieng, das ich am folgenden Tag erreichte, nachdem ich zahlreichen K\u00fchen und ihrem Dung auf der Stra\u00dfe ausgewichen war. Die Stadt liegt idyllisch an einem Bach und auf der anderen Seite des Gew\u00e4ssers ragt ein Felsmassiv mehrere hundert Meter in die H\u00f6he. Das eigentlich so ruhige Laos erinnerte mich nun eher an die Khao San Road in Bangkok (Touri-Hauptquartier in Bangkok), denn 80 Prozent der Leute, die auf der Stra\u00dfe sind, kommen aus allen Regionen dieser Erde nur nicht aus Laos. Nun wei\u00df ich nicht, wie ich das ganze bewerten soll. Die Einheimischen profitieren nat\u00fcrlich von dem Geld, was in Vang Vieng gelassen wird und den Bach mit LKW-Schl\u00e4uchen hinabzud\u00fcsen, Kajak zu fahren und sehr viel Lao Beer zu konsumieren, steht sicherlich nicht im Konflikt zu lokalen Gewohnheiten. Aber wenn wir Touristen&nbsp;alles in dieser Stadt dominieren, wei\u00df ich nicht, ob das so prima ist \u2013 dies ist eine zweischneidige Sache wie ich finde. Schlie\u00dflich gab es auch die ersten Kids die &#8222;Ha Pen?&#8220; (engl. have pen?) riefen und manche Guides an den unz\u00e4hligen H\u00f6hlen bettelten offen um mehr als die zuvor vereinbarte Gage.<\/p>\n\n\n\n<p>Zahlreiche nat\u00fcrliche Pools laden in Vang Viengs Umgebung zum Baden oder Verweilen ein. Auf der Wiese finden sich riesige mannshohe Boxen aus denen Rockmusik dr\u00f6hnt und wenige Meter nebenan blickt ein goldfarbener Buddha g\u00fctig und gelassen auf die abstruse Szenerie hinab. Also gegen Rumh\u00e4ngen und Rockmusik habe ich nichts einzuwenden \u2013 aber das ganze in Laos &#8230; ich wei\u00df nicht. Ob das alles die Einheimischen st\u00f6rt oder nicht, wage ich nicht zu beurteilen. Aber irgendwie kam mir Vang Vieng wie eine Art Vergn\u00fcgungspark f\u00fcr abh\u00e4ngende Rucksackreisende vor. Es ist zwar alles ganz nett aber bis auf die gro\u00dfartige Natur, k\u00f6nnte man das ganze auch einfach irgendwohin nach Australien, Europa oder Amerika transferieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In Vang Vieng gab es allerdings auch die \u00d6ko-Connection und deren Farm, die diese betreibt, verzichtet auf den Einsatz von Pestiziden. Vielmehr werden die Frauen der umliegenden D\u00f6rfern beim \u00f6kologischen Landbau unterst\u00fctzt und die Produkte wie Maulbeer-Shake oder Hibiskus-Eistee schmeckten k\u00f6stlich. Der Erl\u00f6s, den die Farm erwirtschaftet, geht f\u00fcr den angeschafften Schulbus drauf, der 60 Kids in die Schule bringt. Wenn man dann auf der Farm sitzt und hinter der Mauer wieder LKW-Schl\u00e4uche zum Bach hinunter zuckeln sieht, dann wird die Szenerie schon wieder ganz bizarr und komisch. Aber nat\u00fcrlich nehme ich auch die Annehmlichkeiten eines Touri-Hauptquartiers gerne in Anspruch, wie bspw. mal wieder Schokomuffins oder Kartoffeln zu essen, statt st\u00e4ndig Klebreis. Daher empfinde ich wirklich eine Hassliebe diesem Platz gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem mich die TV-Bars genug genervt haben, da in diesen nat\u00fcrlich keine Bundesliga und schon gar kein Gladbach gegen Mainz, sondern das Derby Manchester United vs. Manchester City (3:1) mit dem Sch\u00f6nling Cristiano Ronaldo und dem Proll Wayne Rooney gezeigt wurde, setzte ich meine Fahrt gen Norden fort. Die n\u00e4chsten 230 km wurden von einer Frage gepr\u00e4gt: Wo gibt es das n\u00e4chste gut gelegene Gasthaus. Da die Strecke fortan durch das laotische Bergland f\u00fchrte, die D\u00f6rfer rarer wurden, nahm auch die Zahl der \u00dcbernachtungs- m\u00f6glichkeiten rapide ab. Ich hatte keine Lust die Strecke in drei Etappen aufzuteilen, also entschied ich mich, am ersten Tag rund 1.500 H\u00f6henmeter und ca. 100 Kilometer zur\u00fcckzulegen. Eigentlich ist so eine Distanz in Deutschland kein Problem, in S\u00fcdostasien h\u00e4ngt der Plan, so eine Strecke zu bew\u00e4ltigen, haupts\u00e4chlich vom Stra\u00dfenzustand ab. Und Stra\u00dfen haben in Laos so manches zu bieten:<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gro\u00dfen und Ganzen ist die Nationalstra\u00dfe 13, auf der ich mich mittlerweile fortbewegte in gutem Zustand. Damit es mir aber nicht langweilig wurde, gestaltet sie sich mitunter auch als welliges Unterfangen, als raue Piste, die eher an einen Streuselkuchen erinnert, als l\u00f6chriger schweizer K\u00e4sebelag und manches Mal war sie einfach weg, d. h. der Belag war verschwunden und dies meist in Kurven, nat\u00fcrlich dann wenn ich auf einer Abfahrt pl\u00f6tzlich schnellstm\u00f6glich in die Bremsen greifen musste, um nicht meine Felgen und Speichen zu ruinieren. In engen Serpentinen war auch schon mal Treppenfahren angesagt, da der Asphalte irgendwie stufenf\u00f6rmig aufgetragen wurde. Teile der Stra\u00dfe sackten von Zeit zu Zeit auch mal einen halben Meter ab. Schlagl\u00f6cher gab es selten aber wenn sie auftauchten, nahmen sie manchmal die Ausma\u00dfe der halben Stra\u00dfe in Beschlag. Die verschiedenen Zust\u00e4nde waren nat\u00fcrlich wie ein Supersparmen\u00fcs frei kombinierbar, sodass ich mich \u00fcber Langeweile nicht beschweren kann. Am \u201esch\u00f6nsten\u201c war die Kombination wellig bis stufenf\u00f6rmig, rau und mit Schlagloch versetzt. Auch die Mutter Natur tat ihr \u00fcbriges, damit sich der Stra\u00dfenzustand \u00f6fter mal \u00e4nderte. Es gab durch die massive Sonneneinstrahlung auch noch \u201efl\u00fcssig\u201c im Angebot, sodass mir einmal beim Wiegetritt der Hinterreifen im z\u00e4hen Teer durchdrehte. Schlie\u00dflich durfte auch das Dressing \u201eplattgefahrene Schlange\u201c im Angebot nicht fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die besagte Bergetappe hatte ich durch den fr\u00fchen Start um 7 Uhr morgens in Vang Vieng noch zeitig vor Sonnenuntergang hinter mich gebracht. Denn es war weniger eine Frage, ob ich die Distanz schaffe, als in wie viel Stunden. Da hier die Sonne um 17.30 Uhr hinter den Bergspitzen verschwindet, sehr schnell die stockfinstere Nacht hereinbricht und unbeleuchtete Bergstra\u00dfen des nachts in Laos entlang zu radeln nicht zu meinen Lieblingsbesch\u00e4ftigungen z\u00e4hlt, war ich \u00fcber das Erreichen des Stra\u00dfenkaffs Phu Khoun sehr erfreut. Den ganzen Tag sind mir sehr wenige Fahrzeuge begegnet und ich hatte die Natur und Stille fast f\u00fcr mich alleine. Leider wurde diese Ruhe durch ein zunehmendes Knirschen in der rechten Pedale gest\u00f6rt. Ich bef\u00fcrchtete mit der Zeit, dass die Kurbel sich eventuell vom Rahmen trennen m\u00f6chte und war halbwegs erleichtert, als ich bemerkte, dass der Konus der Pedale lediglich freies Spiel gab. Ich konnte dieses Problem zwar nicht beheben, aber dass die Pedale kaputt geht w\u00e4re schlimm, f\u00e4llt allerdings die Kurbel ab, w\u00fcrde dies wom\u00f6glich das Tourende bedeuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Phu Khoun existiert lediglich aufgrund der Tatsache, dass sich hier zwei Nationalstra\u00dfen treffen. Das ehemalige Fort der Franzosen untermauert diese strategische Stellung auf 1.400 Metern H\u00f6he irgendwo in der Ein\u00f6de auf einem Bergkamm. Aber in Laos fahren gerade auf dem Land noch viele Menschen Fahrrad und so konnte ich mir vorsichtshalber in einem Laden f\u00fcr 20.000 Kip (1,75 Euro) ein Paar laotische Pedalen kaufen und danach in aller Ruhe zu Abend essen. Das Gasthaus war ein D\u00e9ja-vu-Erlebnis, gab es doch keine Dusche sondern einen Mandi, den ich von Indonesien her noch bestens in Erinnerung hatte. Der Mandi ist ein riesiges Wasserbecken, in dem eine Sch\u00f6pfkelle schwimmt. Mit dieser \u00fcbergie\u00dft man sich, seift sich ein und \u00fcbergie\u00dft sich ein zweites Mal und fertig ist das Duschen. Im hei\u00dfen Indonesien war dies eine herrliche Abk\u00fchlung; im Bergland ein Erlebnis, auf das ich gerne verzichtet h\u00e4tte, ich Warmduscher. Die W\u00e4nde zwischen den Zimmern waren reine Placebos, denn man h\u00f6rte die Stimmen der Nachbarn so als w\u00fcrden sie direkt neben meinem Bett plappern. Da half es nur noch, den Ventilator einzuschalten und ihn in eine Ecke blasen zu lassen, denn es war bereits sehr kalt. Aber das monotone Motorenger\u00e4usch \u00fcbert\u00f6nte das laotische Gute-Nacht-Gespr\u00e4ch im Nebenzimmer.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen um sechs war noch alles dunkel, obwohl eigentlich der Sonnenaufgang auf meinem touristischen Programm stand. Nebel durchkreuzte diesen Plan. Ich kam mir ruckzuck ins sp\u00e4therbstliche Deutschland versetzt, vielleicht sogar auf die Schwarzwald-Hochstra\u00dfe. Denn die Nationalstra\u00dfe 13 verl\u00e4uft \u00fcber rund 100 km auf rund 1.400 Metern allerdings nie flach sondern immer sch\u00f6n ein paar Kilometer kurvenreich steil bergab, und dann hinter einem zu \u00fcberwindendem Gew\u00e4sser sofort wieder in Schlangenlinien steil bergauf. Oftmals f\u00fchrte sie unmittelbar unter den Gipfeln wie die badische Touristenstra\u00dfe entlang. Da die Gipfel aber mit weit \u00fcber 2.000 Metern doch h\u00f6her als der Schwarzwald waren, kam bei mir auch die Erinnerung an die peruanischen Anden bei Ayacucho auf. Die liegen allerdings auf 6.000 Metern.<\/p>\n\n\n\n<p>Gebaut wurde die Stra\u00dfe Anfang des 20. Jahrhunderts von den Franzosen, um die alte laotische Hauptstadt Luang Prabang mit der neuen Hauptstadt Vientiane im S\u00fcden zu verbinden. In der geteerten Version ist sie erst seit 10 Jahren zu erleben und als sicher gilt sie erst seit ein, zwei Jahren. Denn wer sorgte in Laos wie in so vielen L\u00e4ndern unserer Erde mal wieder f\u00fcr \u00c4rger? Richtig, die Jungs aus dem Land der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten und auf der anderen Seite die Vietnamesen, diese allerdings als Nachbarn schon ein paar Jahrhunderte l\u00e4nger. W\u00e4hrend bis 1975 in Vietnam ein offener Krieg stattfand, war Laos seit seiner Unabh\u00e4ngigkeit 1953 von Frankreich ein Spielball verschiedener Nationen. Auf der einen Seite die Amis mit den Thais, auf der anderen Seite die Vietnamesen und die Chinesen mischten auch noch mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Laos seit 1975 ein Einparteienstaat ist, der kommunistisch gepr\u00e4gt ist, dies aber nirgends offiziell geschrieben steht, und die Amis damals auf Kommunisten so allergisch reagierten wie zurzeit auf Taliban und Konsorten, unterst\u00fctzten die Vereinigten Staaten Rebellen der Hochland-Minderheit vom Volk der Hmong, die vor hunderten von Jahren von China aus hierher zogen. Au\u00dfer die Stra\u00dfe unsicher zu machen, bekamen die Rebellen nach 1975 nicht viel auf die Reihe, da sie mittels Napalm und Agent Orange (Giftgas) von der laotischen Regierung im Zaum gehalten wurden. Aber zumindest zwei Touristen sind bei solchen Gefechten auf dieser Stra\u00dfe noch 2004 ums Lebens gekommen. Wie tragisch ist das eigentlich, dass die USA einstmals Rebellen unterst\u00fctzen, die sp\u00e4ter gegebenenfalls US-Touristen auf der Nationalstra\u00dfe abknallen? Die Geister die sie riefen, werden sie nicht mehr los. Das erinnert ein wenig an Afghanistan und den Irak, leider.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rebellen haben mittlerweile aufgegeben, die Regierung einen Hmong als Gouverneur der Region eingesetzt und die Stra\u00dfe gilt nun als sicher. All dies wird Laos sicherlich helfen, aus dem Gesch\u00e4ft mit den Touristen noch ein wenig mehr Profit zu schlagen, was auch den Privatleuten zu Gute kommt, denn seit 1990 ist auch hier die Wirtschaft peu \u00e0 peu liberalisiert worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sich der Nebel gelichtet hatte, bekam ich eine wunderbare Aussicht auf die Bergkulisse um mich herum. Das einzige was mich ein wenig weiterhin beunruhigte, war das Geknirsche an der Pedale. Alle paar Kilometer kam ich durch ein Dorf, das sich an die Stra\u00dfe praktisch drangeklebt hat. Es gibt keinerlei Quer- und Seitenstra\u00dfen. Die H\u00e4user bestehen zumeist aus Stroh, haben alle Strom und oftmals eine Satellitensch\u00fcssel auf dem Dach, mit der man sogar BBC und manchmal Deutsche Welle TV empfangen kann. Wats (Tempel) suchte ich vergebens, da die Bewohner meist Animisten sind. Am Dorfbrunnen wird sich gebadet und gerade die Franzosen sind hier bei der Verbesserung der sanit\u00e4ren Zust\u00e4nde sehr aktiv. Im Dorfladen gab es immer Lao Bier, Erdn\u00fcsse und Bananenchips. Eier, Reis, Nudelsuppe aus der T\u00fcte und guter Lao Kaffee war auch meist erh\u00e4ltlich. In einem Kaff gab es pl\u00f6tzlich auch Pringles und Lay Chips. Warum, wurde relativ schnell ersichtlich, da hier alle Busse zwischen Vientiane und Luang Prabang einen Stopp von 15 Minuten einlegen. Als Radfahrer errege ich ja schon bei den Einheimischen Verwunderung. Was m\u00fcssen diese allerdings erst von den Hippies, geboren eine halbe Generation nach 1968 denken, die auf dem Dorfplatz auf einmal mit kleinen F\u00e4hnchen anfangen ihre Jonglier\u00fcbungen f\u00fcr eine Viertelstunde zu veranstalten, bevor sie wieder in den Bus gepackt werden und in einer Staubwolke vom Dorfplatz verschwinden?<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz vor dem letzten Anstieg, 45 km vor Luang Prabang, h\u00f6rte das Geknirsche auf und mir war klar, dass dies sicherlich keine Verbesserung der Lage mit sich bringen w\u00fcrde. Die n\u00e4chsten drei Kilometer war es sehr still um mich. Nat\u00fcrlich beschwichtigte mich irgendwann mein Gef\u00fchl, und ich glaubte mal wieder, naiv wie ich eben bin, an ein technisches Wunder. Kurz nachdem dieser Glaube bei mir Einzug gehalten hatte, knirschte es ein letztes Mal und die Pedale klebte unter meinem Schuh aber nicht mehr am Konus der diese normalerweise mit der Kurbel verbindet. Weitertreten konnte ich nun nicht mehr und der Versuch, die Pedale auf den Konus wieder aufzusetzen scheiterte kl\u00e4glich. Jetzt galt alle Theorie nicht mehr, die da sagt, dass Pedalen weltweit genormt sind. Wird die laotische Pedale passen? Wie die Geschichte weiter geht und was ich sonst noch so erlebe, erz\u00e4hle ich Euch, wenn alles klappt, das n\u00e4chste Mal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sabaidi, aus einer Hauptstadt hinaus zu radeln ist normalerweise recht einfach, da Verkehrsschilder in den meisten L\u00e4ndern zu Stra\u00dfen dazugeh\u00f6ren, wie Gl\u00fchweinst\u00e4nde zum Weihnachtsmarkt. Da hier aber Schilder so oft anzutreffen sind, wie Weihnachtsm\u00e4rkte, also gar nicht, war das Radeln aus Vientiane hinaus wieder ein Vabanquespiel sondergleichen. Selbst am Stra\u00dfennamen konnte ich mich nicht orientieren, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/laos-2006-2-teil\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLaos 2006 2. 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