{"id":187,"date":"2005-12-09T06:00:48","date_gmt":"2005-12-09T06:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/?p=187"},"modified":"2019-04-08T06:01:19","modified_gmt":"2019-04-08T06:01:19","slug":"kambodscha-2005-2-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/kambodscha-2005-2-teil\/","title":{"rendered":"Kambodscha 2005 2. Teil"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der letzte Eintrag endete an der thail\u00e4ndisch-kambodschanischen Grenze in Aranya Prathet. Am folgenden Tag reiste ich nach Kambodscha ein. Thailand ist alles in allem eigentlich das vielleicht am st\u00e4rksten amerikanisierte Land S\u00fcd-Ost-Asiens. Ich denke nur an die breiten Highways, die 7-Eleven-24-Stunden-Shops an jeder Ecke, die vielen McDonald&#8217;s und KFCs, aber eines gab es dann doch nicht in Thailand: Casinos, denn die sind dort verboten. Daf\u00fcr m\u00fcssen die spielw\u00fctigen Thais beispielsweise nach in den kambodschanischen Grenzort Poipet. Kaum den Fluss, der beide L\u00e4nder voneinander trennt, \u00fcberquert, standen dort riesige Hotelpal\u00e4ste, die auch noch so bezeichnende Namen wie &#8222;Las Vegas&#8220; trugen. Die US-Spielh\u00f6llen-Metropole nach Kambodscha verlegt, versetzte mich fast in einen Schock. Doch dem nicht genug, auch wurde bei der Einreise, wie in den USA von mir ein Photo gemacht, dass jeden Schwerverbrecher alias Tourist bildlich festh\u00e4lt. Daf\u00fcr k\u00f6nnen die Amis etwas, was die Kambodscha bei aller Bauwut schlicht vergessen haben: Strassen anlegen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend ich die Zeilen der vorangegangenen Mail verfasste, regnete es in Str\u00f6men, so dass ich nach 5 Metern Kambodscha mir die sagenhaft guten Strassen Thailands zur\u00fcckgew\u00fcnscht habe, denn als ich aus dem Immigration Office mit dem Rad heraustrat, befand ich mich fortan in einem Schlammacker sondergleichen, der in einen Kreisel m\u00fcndete. Dieser erinnerte mich an eine Zentrifuge mit Restaurants, Marktst\u00e4nden und auf Kundschaft wartenden Mofa-Taxifahrern am \u00e4u\u00dferen Rand und hunderten Radlern, Mofafahrern, hupenden Autos, r\u00f6hrenden LKWs und zum Bersten mit menschlichem Frachtgut gef\u00fcllte Pick-ups, die hier die Busse ersetzten in der Mitte der Schlammzentrifuge alias Kambodscha-Kreisel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schlammfluss, der definitiv nicht als National Highway 5 (NH5) zu bezeichnen war, zog sich bis zum Ortsende hin. Dort wurde diesem Cocktail aus Erde, Wasser und Schlagl\u00f6chern noch ein wenig Asphalt hinzugef\u00fcgt, der aber anteilsm\u00e4\u00dfig am Stra\u00dfenbelag gemessen eher ein Schattendasein f\u00fchrte. Ab sofort war das schnelle Radeln auf Thailands Highways vorbei und es hie\u00df ab sofort Schlangenlinien-Radeln um Hunde, die hier ganz und gar nicht aggressiv sind, Rinder, Kinder, H\u00fchner und Pf\u00fctzen, die den so genannten Highway in eine rot-braun gef\u00e4rbte finnische Seenplatte verwandelt hatten. Wenigstens musste ich nicht mehr auf kreuzende 2-Meter-Schlangen achten, wie im zuvor bereisten Thailand, die so mir nichts dir nichts aus dem Geb\u00fcsch am Stra\u00dfenrand auftauchten und weder nach links noch nach rechts guckten &#8211; und ja eh nix h\u00f6rten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Radeln in Kambodscha war trotz ebener Strecke doch relativ anstrengend, im Gegensatz zu den 300 zur\u00fcckgelegten Kilometern im Radler-Schlaraffenland Thailand. Permanent musste ich jetzt abwechselnd in die Pedale treten, um vom Schlamm auf den Asphalt hinaufzukommen, um dann ein paar Meter sp\u00e4ter wieder abzubremsen um in die n\u00e4chste Schlaglochpf\u00fctze abzutauchen, deren Tiefe ich nie im Vorhinein absch\u00e4tzen konnte. W\u00e4hrend insbesondere in Bangkok niemand sonderlich von mir als Radler Notiz nahm, trat hinter der Grenzstadt Poipet das genaue Gegenteil ein. Auf den endlos bis zum Horizont reichenden Reisfeldern ruhte immer f\u00fcr einen Moment die Sichel, als ich vorbeifuhr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus den H\u00fctten und B\u00fcschen am Wegesrand kam immer ein &#8222;Hello&#8220; &#8222;Bye bye&#8220; &#8222;Thank You&#8220; o. \u00e4., ohne dass ich meist die Gr\u00fc\u00dfenden \u00fcberhaupt sah. Das ganze kam mir wie die Kappenfahrt am Fastnachtsdienstag vor, da ich oft mit der linken Hand den Lenker festhielt und mit der rechten in alle Himmelsrichtungen winken &#8222;musste&#8220;. &nbsp;Bei dieser Doppelbelastung von Radeln und Gr\u00fc\u00dfen wurde ich nat\u00fcrlich schnell hungrig. Da kamen die unendlich vielen Essensst\u00e4nde, die es in Kambodscha am Wegesrand gibt wie gerufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schnell ein paar Bananen futtern und bezahlen mit ja mit was eigentlich? W\u00e4hrend Kambodschas Steinzeit im 20. Jahrhundert, unter der Herrschaft der sog. Roten Khmer, die das Land g\u00e4nzlich von der Au\u00dfenwelt isolierten, gab es gar keine W\u00e4hrung. Jetzt gibt es gleich drei: Kambodschanische Riel, thail\u00e4ndische Baht und der Evergreen(back) US-Dollar. So bezahlte ich meine Bananen in Baht und bekam Riel als Wechselgeld zur\u00fcck. Ein Essen zahlte ich in Dollar und bekam Baht als Wechselgeld. Manchmal bekomme ich auch Dollar und Riel, da es keine US-Cents in M\u00fcnzen gibt. Dieses System hat den Vorteil, dass man nie zur Bank gehen muss, da 1 US-Dollar 40 Baht oder 4000 Riel entsprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich ganz einfach, oder?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 49 km Schlammpiste, die in der Karte als gute Teerstrasse ausgewiesen war, erreichte ich Sisophon, wo ich notgedrungen \u00fcbernachtete, da auf meiner Karte die n\u00e4chsten 103 km zu meinem gro\u00dfen Ziel Siem Reap als Piste eingezeichnet waren und es bereits Mittag war. Sisophon ist ein verschlafenes Nest im Westen Kambodscha, das die zweifelhafte Ehre hat, anscheinend noch nicht an das World Wide Web angeschlossen zu sein, da meine kambodschanischen Gespr\u00e4chpartner sehr wohl mit dem Begriff Internet etwas anfangen konnten aber meinten, dass es diese Neuerung bei ihnen noch nicht g\u00e4be. Daf\u00fcr war der zentrale Platz der Stadt ein geschotterter Fu\u00dfballplatz, auf dem ich sogar ein wenig mitkicken konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am n\u00e4chsten Morgen nahm ich dann die angeblichen 103 km Piste nach Siem Reap in Angriff. Die ersten 50 km waren eine wahre Wohltat. Es gab tats\u00e4chlich keinen Asphalt, der die Strasse in Puzzelteile verwandeln konnte, so dass es sich recht einfach fahren lie\u00df, zumal die Stra\u00dfe abgetrocknet war. Dies hatte allerdings den entscheidenden Nachteil, dass ich auf einer W\u00fcstenpiste fuhr, die in die feuchten Reisfelder verlegt wurde. Noch nie war ich \u00fcber starken Seitenwind so froh wie an diese Tag: Jedes Auto wirbelte so viel Staub auf, dass ich immer kurz bevor mich das Auto passierte die Luft anhielt, die Augen schloss und hoffte, durch die Wolke ohne Staublunge durchzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das einzige etwas gr\u00f6\u00dfere Kaff auf diesen 103 km war nach 48 km erreicht und lud zum Essens- und Toiletten-Stopp ein. Denn anders als bei uns ist es in Kambodscha nicht ratsam sich bei akutem Harndrang mal schnell in die B\u00fcsche zu schlagen. Schuld daran sind die Roten Khmer und die Vietnamesen, die in den 80ern des letzten Jahrhunderts das gesamte Land verminten. Diese sind bis heute nicht vollst\u00e4ndig beseitigt worden und die Gefahr beim Pinkeln in die Luft zu fliegen, ist in Kambodscha leider durchaus realistisch. F\u00fcr die Einheimischen ist dies nat\u00fcrlich der blanke Horror &#8211; wie so vieles in der oft traurigen Geschichte des Landes im 20. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Restaurant nach Essen gefragt, bekam ich die Antwort &#8222;No food, only omelette and baguette!&#8220; &#8211; Jawohl Baguette, denn die Franzosen haben ja hier auch einmal das Land besetzt und f\u00fcr mich gl\u00fccklicherweise den Rechtsverkehr eingef\u00fchrt und eben Baguettes bis in die tiefe Provinz gebracht. Warum Baguette und Omelette kein Essen sein sollen, wei\u00df ich nicht, aber so gest\u00e4rkt nahm ich die zweite H\u00e4lfte der Tagesetappe in Angriff, im Gef\u00fchl, dass das Vorankommen doch an diesem Tag gar nicht so schlimm war. Aber Kambodschas so genannte National Highways \u00fcberraschen doch immer wieder gerne: So luden die n\u00e4chsten Kilometer zum Schunkeln ein. Die permanenten Bodenwellen lie\u00dfen mich abwechselnd vom Sattel nach vorne kippen oder nach hinten rutschen. Dazu kamen Sandpassagen, die mich einmal nach links und danach nach rechts schlingern lie\u00dfen. Wer braucht da noch die Hofs\u00e4nger um in Fastnachtslaune zu kommen &#8211; und das bei 0 Promille im Blut aber bei Au\u00dfentemperaturen von ca. 40 Grad! Sp\u00e4ter irgendwo in den Reisfeldern Kambodschas herumd\u00fcmpelnd, dachte ich, dass es sich beim Anblick der Teerstrasse am Horizont um eine Fata Morgana handelte, doch die angebliche Luftspiegelung stellte sich als real existierende Strasse heraus &#8211; die erste seit meiner Ankunft in diesem Land und nach sage und schreibe 125 km! Warum um Himmels Willen auf einmal eine Teerstrasse aus der Schunkelpiste wurde, wei\u00df ich nicht, &nbsp;aber fortan wurde das Radeln ja fast eint\u00f6nig, denn der mittlerweile erreichte NH6, erinnerte stark an eine Kreisstrasse im Hunsr\u00fcck &#8211; bis auf die Tatsache, dass nat\u00fcrlich ab und zu ein paar Schlagl\u00f6cher von bis zu 50 cm Tiefe, daf\u00fcr sorgten, dass mir auch ja nicht zu langweilig wurde. Nach 7 Stunden Radeln war ich rotbraun einpaniert, hatte mein Tagesziel Siem Reap erreicht und sparte durch die Panade mindestens 100 ml Sonnencreme, denn durch diese Dreckschicht schafft es noch nicht einmal die brennenden Sonnenstrahlen Kambodschas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ankunft in Siem Reap schockierte mich fast so wie die Ankunft in Kambodscha. War ich nun ca. 150 km durchs kambodschanische L\u00e4ndle geradelt und sah meist nur Strohh\u00fctten auf Stelzen, flankierten pl\u00f6tzlich 5-Sterne-Hotels die Einfahrt in die Stadt. Der Grund liegt zwar auf der Hand, denn die weltber\u00fchmten Tempel von Angkor liegen nur ein paar Kilometer n\u00f6rdlich. Doch dass hier pure Luxusherbergen, Rockkneipen mit Happy Hour und Myriaden von japanischen Touristen existieren, h\u00e4tte ich nicht gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber meine Eindr\u00fccke aus Angkor berichte ich das n\u00e4chste Mal. Ich w\u00fcnsche Euch ein sch\u00f6nes Wochenende und dr\u00fccke nat\u00fcrlich morgen die Daumen, dass die Punkte aus der Veltins-Arena ins goldische Meenz mitgenommen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzte Eintrag endete an der thail\u00e4ndisch-kambodschanischen Grenze in Aranya Prathet. Am folgenden Tag reiste ich nach Kambodscha ein. Thailand ist alles in allem eigentlich das vielleicht am st\u00e4rksten amerikanisierte Land S\u00fcd-Ost-Asiens. Ich denke nur an die breiten Highways, die 7-Eleven-24-Stunden-Shops an jeder Ecke, die vielen McDonald&#8217;s und KFCs, aber eines gab es dann doch &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/kambodscha-2005-2-teil\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eKambodscha 2005 2. 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