{"id":176,"date":"2004-12-02T18:07:45","date_gmt":"2004-12-02T18:07:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/?p=176"},"modified":"2019-04-08T05:52:29","modified_gmt":"2019-04-08T05:52:29","slug":"vietnam-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/vietnam-teil-2\/","title":{"rendered":"Vietnam Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittlerweile bin ich nur noch d\u00fcrren H\u00fchner auf der Strasse und nicht mehr im Suppentopf begegnet und habe die vietnamesische K\u00fcche wirklich sch\u00e4tzen gelernt. Da hinter Hoa Binh die Tonkinschen Alpen anfangen, radele ich seither permanent bergauf und bergab, so dass ich es auf Dauer auch nicht geschafft h\u00e4tte lediglich d\u00fcrre H\u00fchner anzugucken. Die magischen W\u00f6rter in Vietnam hei\u00dfen daher COM PHO, oder auf deutsch Reis- und Nudelsuppe. COM PHO gibt es immer und \u00fcberall selbst au\u00dferhalb von Ortschaften mitten in der Pampa, denn der Highway Nr. 6 ist so etwas wie die Lebensader des Berglands westlich von Hanoi. PHO ist die Mahlzeit f\u00fcr Ausdauersportler schlechthin. Die Nudeln, aus Reis hergestellt, werden in einer gro\u00dfen Suppensch\u00fcssel mit Fr\u00fchlingszwiebeln, Ingwer, Bambuskeimlingen, Sojasprossen, Dill und Rindfleisch hei\u00df serviert. Dadurch bekomme ich notwendige Kraft, die Berge hoch zu strampeln und werde innerlich gew\u00e4rmt, da es hier anfangs gar nicht so warm war. Auf H\u00f6hen um die 1000 Meter ist es gerade noch 14 Grad Celsius &#8222;warm&#8220; &#8211; so dass ich auch keinen richtigen Temperaturschock nach meiner Ankunft bekommen habe. Zu COM PHO wird nat\u00fcrlich immer gr\u00fcner Tee gereicht, genauso, wenn ich beim Einkaufen von Proviant in einem Laden vorbeischaue oder im Hotel ankomme. Dann gibt es gleich noch eine Teekiste, Thermoskanne und Gl\u00e4schen mit aufs Zimmer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Hoa Binh aus verlief die \u00e4u\u00dferst gute Strasse an Kalksteinfelsen vorbei, die einfach aus der Ebene mal so 200 Meter in die H\u00f6he schie\u00dfen, so als w\u00e4ren sie aus dem All in die Reisfelder geplumpst. Ein bisschen war das gr\u00fcne vietnamesische Version vom Monument Valley in den USA. Nachdem ich in Hoa Binh noch ein Hotel gefunden habe, wusste ich dass es in Mai Chau nicht so einfach wird, da es h\u00f6chstens ein Guesthouse gab, das ich aber gar nicht fand. Aber in einem Nachbardorf wird von der spanischen Botschaft in Hanoi ein \u00d6kotourismusprojekt geleitet, das zum Ziel hat, Touristen im Dorf bei den Familien \u00fcbernachten zu lassen. Mein Familienoberhaupt traf ich auf der Dorfgasse und er hielt eine Visitenkarte mir unter die Nase, die besagte, dass es bei ihm Essen und Trinken g\u00e4be. Er sprach kein Ton Englisch aber meine Geste mit zusammengefalteten H\u00e4nden am Ohr, verstand er, so dass ich dort \u00fcbernachten konnte. Die H\u00e4user im Dorf waren alle vom Stamm der so genannten wei\u00dfen Thai bewohnt, einer Minderheit, die in den Bergen Vietnams an der Grenze zu Laos wohnt und urspr\u00fcnglich aus China stammt. Die Holzhauesser sind alle auf Stelzen gebaut und der Boden besteht aus Bambusrohr. Im Wohnzimmer wurde eine Matratze, viele Decken und Kopfkissen&nbsp;und Sitzkissen ausgelegt. Ein Moskitonetz war ruck zuck aufgeh\u00e4ngt und fertig war der Schlafplatz. Die vietnamesischen Beh\u00f6rden haben dazu noch ein Plumpsklo und eine Dusche auf dem Hof errichtet, so dass ich sehr zivilisiert \u00fcbernachten konnte. Die Familie kochte auf dem offenen Feuer f\u00fcr mich Tofu mit Tomaten, Fisch und Reis, so dass ich wirklich satt wurde und das H\u00fchnchen vom Vortag vergessen war. Au\u00dfer mir war kein Fremder im Dorf und \u00fcberhaupt habe ich bis auf zwei israelische Radfahrer keine Fremden hinter Hanoi mehr angetroffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachts h\u00f6rte ich in meinem Stelzenhaus endlich mal keine Hupen, kein Geknatter der Myriaden von Mopeds made in Vietnam, kein Britney Spears aus dem vietnamesischen Disco-Stadel um die Ecke, sondern nur das Gezirpe der Grillen, das Schreien eines Babys und das Lachen vieler Dorfbewohner. Zum Abschied schenkte ich meiner Familie eine Postkarte vom Mainzer Dom und anscheinend hatten sie noch nie ein Geb\u00e4ude aus Westeuropa zu sehen bekommen. Denn sie freuten sich so sehr, dass ich einen Schal geschenkt bekommen habe. Dieser macht sich bestimmt echt gut auf dem n\u00e4chsten 05-Spiel in Gesellschaft zu meinen anderen rotwei\u00dfen Schals \ud83d\ude09<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Rad in Vietnam unterwegs zu sein, bedeutet das Land wirklich hautnah zu (er)leben. In einem Bus ist man doch irgendwie ein bisschen abgeschottet, zumal man in den kleinen D\u00f6rfern am Wegesrand nur durchrauscht und stinkende Abgase hinterl\u00e4sst. Diese bekomme ich nun als Radler bis in den hintersten Lungenfl\u00fcgel gepumpt, was aber mit der Zeit und der Entfernung von Hanoi nicht mehr allzu oft vorkommt. Auch die Hupfrequenz, die in Hanoi, Kalkutta \u00e4hnelnd, bei 60-mal Hupen pro Minute lag, ist hier auf 60 Mal hupen in der Stunde geschrumpft und lediglich auf den Zeitpunkt, an dem ich von einem LKW oder Bus \u00fcberholt werde und dann dauerbeschallt werde &#8211; teils aus Vorsicht teils aus Verwunderung \u00fcber diesen Thay (vietnamesisch f\u00fcr Langnase) der da auf der Gasse herumradelt. Mit der Zeit entwickelt man ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr die unterschiedlichen Hupt\u00f6ne und die hinter mir eventuell entstehende Gefahrensituation. Helles Piepsen stammt immer von den Mofas made in Vietnam, die keine Gefahr darstellen, da der Mofafahrer genauso wenig Knautschzone hat, wie ich und daher es auf keine Konfrontation ankommen l\u00e4sst. Tieferes Piep Piep stammt aus den kleinen Autos und da ist schon ein wenig Vorsicht geboten, d.h. nicht mehr auf dem Mittelstreifen entlang tr\u00e4umen. Dumpfes Gehupe stammt von Bussen und LKWs und bei diesem Signal drehe ich mich oft um, damit ich die Situation besser absch\u00e4tzen kann. Schlimmstenfalls bleibe ich stehen oder fahre an den Stra\u00dfenrand ran. Bis jetzt klappt dieses Prinzip sehr gut und ich kam noch in keinerlei Gefahrensituation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gefahr lauert aber immer und \u00fcberall: So z. B. auf den M\u00e4rkten, die ich passiere, da Obstschalen gerne auf die Fahrbahn geworfen werden. Mandarinenschalen haben noch einen gewissen Widerstand aber Papayaschalen sind der Horror genauso wie die gute alte Bananenschale. Blumengesch\u00e4fte sind auch potentielle Gefahrenquellen, falls Rosen angeboten werden, da die dornigen St\u00e4ngel ebenfalls auf der Fahrbahn landen und sich dann gerne in den Mantel bohren wollen. B\u00fcffel haben panische Angst vor Radlern, da diese keinen Krach machen. Falls dieses Viech dann in der Panik ausrutscht und auf mich f\u00e4llt bin ich echt platt &#8211; keine weit hergeholte Situation &#8211; sondern vietnamesische Realit\u00e4t &#8211; der bullige Vierbeiner konnte sich gerade noch halten. Die B\u00fcffelfladen laden nat\u00fcrlich ebenfalls zu einem gediegenen Sturz ein. H\u00fchner kommen mir zwar nicht mehr zwischen die Z\u00e4hne, daf\u00fcr aber fast t\u00e4glich fast in die Speichen. Bis jetzt hat das Federvieh immer in letzter Sekunde es noch \u00fcber die Gasse geschafft, bevor ich vorbeiged\u00fcst bin. Hunde sind dagegen meist total scheu und bellen kaum, denn diese stehen in der zweiten H\u00e4lfte des vietnamesischen Mondmonatskalender gerne auf der Speisekarte, da das Verzehren eines Hot Dogs Gl\u00fcck bringen soll!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Fahrt durch die D\u00f6rfer ist es immer wieder spannend zu erleben, wie die Menschen auf einen Thay der Rad f\u00e4hrt reagieren. Von v\u00f6lliger Ignoranz \u00fcber Pokerface, scheues Hingucken und L\u00e4cheln bis hin zum Herumschreien inklusive Wegrennen, HELLO Br\u00fcllen, Xin Chau Schreien oder Thay-Rufen und mitlaufen oder mitradeln erlebe ich hier alles. Einmal begleiteten mich Schulkinder auf der Fahrt nach Hause einen steilen Berg hinauf ohne Schlapp zu machen &#8211; und das bei vietnamesischen 40 US$ 1 Gang 28 Zoll R\u00e4dern, die den Kids doch viel zu gro\u00df sind. Doch die meisten Menschen gr\u00fcssen einfach nur freundlich und lachen und haben Spa\u00df &#8211; das ist die wirkliche Spa\u00dfgesellschaft, denn die vielen Bautrupps und Bauern h\u00f6ren immer auf zu arbeiten, wenn ich an ihnen vorbeirolle. Vielleicht betr\u00e4gt das vietnamesische Wirtschaftswachstum dann n\u00e4chstes Jahr auch nur 9,9% statt 10% weil ich die Leute permanent von der Arbeit abhalte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem sind die Leute noch neugieriger als in Indien. Privatsph\u00e4re ist hier ein Fremdwort sondergleichen. Glotzen in Indien die Leute immer beim Schreiben im Internetcafe mir \u00fcber die Schulter, werde ich jetzt hier sogar angesprochen und beim Tagebuchschreiben wollen die Leute auch hineinschreiben und wollen mir Linksh\u00e4nder st\u00e4ndig den Stift in die rechte Hand stecken. Aber irgendwie sind die Leute trotzdem nicht so anstrengend wie in Indien. Vielleicht liegt es am k\u00fchlen Klima. Immerhin radele ich jetzt meist auf H\u00f6hen von 1.000 Metern und in den Wolken, so dass die Quecksilbers\u00e4ule nicht \u00fcber 14 Grad steigt. So kann ich immer einen k\u00fchlen Kopf bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meinem Fahrrad geht es zur Zeit noch genauso gut wie mir. Das liegt sicherlich daran, dass ich in einer Fahrradwaschanlage war. Da wurde mit einem Hochdruckreiniger der Dreck der letzten Tage heruntergeschossen und danach wurde poliert und gewienert was das Zeug h\u00e4lt. Jetzt gl\u00e4nzt das Rad wieder wie neu, w\u00e4hrend meine Klamotten mittlerweile alle verschlammt sind. Dummerweise kann ich sie bei diesem Klima auch nicht waschen lassen, da es hier keine Trockner gibt und ich die vietnamesische Sonne bisher noch nicht gesehen habe!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vietnamesen \u00fcberraschen mich immer wieder \u00fcberall und gerne. Viele finden es anscheinend sch\u00f6n, dass man ihr Land mit dem Drahtesel bereist. Im Hotel wurde ich von der Familie zum Abendessen eingeladen, ohne dass auch nur eine Person halbwegs gutes Englisch sprach. Daher erfuhr ich auch erst nach dem Essen, dass ich eingeladen war, denn sie wollten kein Geld&#8230;also gab es ne Mainzer Postkarte vom Dom, die jetzt in Moc Chau im Hotel h\u00e4ngt! Am n\u00e4chsten Morgen stellte ich fest, dass mein Fahrradcomputer fehlte. Ich dachte noch, Mensch bist Du bescheuert und l\u00e4sst das Ding einfach \u00fcber Nacht am Rad, das in der Hotellobby abgestellt wurde. Doch zum Fr\u00fchst\u00fcck kam der Hotel-Eigent\u00fcmer mit dem Computer und meinem Pass zur\u00fcck. Beides lag die Nacht im Hotelsafe, also der Schublade unter dem Tresen! Wildfremde Menschen bieten mir immer wieder bei den COM PHO Schuppen ihre riesigen Opiumpfeifen an, die mittlerweile wohl aber eher mit gew\u00f6hnlichem Tabak bef\u00fcllt werden. Diese Pfeifen sehen etwa so aus wie ein Digeridoo nur dass mitten im Bambusrohr das Minipfeifchen f\u00fcr den Tabak steckt! Diese Dinger rauchen fast so stark wie die dicken LKW, denen ich t\u00e4glich auf dem Highway 6 begegne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber Vietnam kann auch anstrengend sein, in Moc Chau morgens um viertel vor f\u00fcnf ganz besonders: Da sp\u00fcre ich dann wieder den real existierenden Kommunismus, denn noch vor Sonnenaufgang pl\u00e4rrt durch die ganze Stadt Marschmusik, vielleicht die Nationalhymne, aber was mich da aus dem Schlaf gerissen hat, war mir auch wurscht egal! Danach wurde zum Fr\u00fchsport gepl\u00e4rrt: Ich verstand die vietnamesischen Zahlen von 1 bis 10 aber ob sich jemand an diesem Kollektivterror in aller Herrgottsfr\u00fche beteiligte wei\u00df ich nicht &#8211; ich blieb noch bis um sechs im Bett und versuchte nochmals einzuschlafen, was nat\u00fcrlich nicht gelang! Um sieben war dann endlich wieder Ruhe, d.h. ich h\u00f6rte nun wieder die Autos hupen, die Mofas quieken und das Volk auf der Strasse sich unterhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Morgenterror rief aber noch jemand anderes aus dem Tiefschlaf, denn zum ersten Mal seit dem ich Vietnam vor knapp einer Woche betrat, kam die Sonne heraus und so wurde es auf einmal ein hei\u00dfer staubiger trockener Tag. Statt Schlamm an Klamotten und Rad, lag jetzt \u00fcberall der Staub der Strasse auf mir und meinen Sachen. Den ganzen Tag fuhr ich von Baustelle zu Baustelle, da wohl s\u00e4mtlich Arbeiterkolonnen Vietnams am Highway 6 arbeiteten: Die Strasse wurde verbreitert, Leitplanken eingesetzt und die Strasse vom Steinschlag befreit, denn oftmals liegen Smart-gro\u00dfe Felsen auf der Strasse herum, um die sich der Verkehr herumschl\u00e4ngeln muss. Ich musste den ganzen Tag zwischen Dampfwalzen herumschlingern, Baggern ausweichen und dazu noch die LKWs im Auge behalten, die aber sehr r\u00fccksichtsvoll fahren, sobald sie die Langnase auf zwei R\u00e4dern erkennen, so dass das ganze zwar actionreich aber nicht sonderlich gef\u00e4hrlich wurde! Die Strapaze von Baustelle von Baustelle zu rollen wurde daf\u00fcr mit einer kulinarischen K\u00f6stlichkeit belohnt: Am Stra\u00dfenrand wurden getrocknete Bananen mit Sesam und Reiskuchen zum Verkauf angeboten &#8211; einfach k\u00f6stlich und der beste Energiespender!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter der Provinzhauptstadt Son La (340 km westlich von Ha Noi) \u00e4nderte sich alles ein wenig. Die Strasse wurde nun einerseits so breit wie ein deutscher Feldweg und so steil wie bei einem Alpenpass. Daf\u00fcr gab es pl\u00f6tzlich kaum noch Verkehr. Die Berge ragten alle in Form von Dreiecken aus den T\u00e4lern empor. Das HELLO klang f\u00fcr mich nun eher wie ein HELAU, das von oben aus den steilen Feldern oberhalb der Strasse, von unten aus dem Strassengraben von den \u00fcberall anzutreffenden Stra\u00dfenkehrern in Orange oder von der Seite aus den wenigen Bussen kam. Auch wurde manches Mal BYE BYE gebr\u00fcllt, obwohl ich noch gar nicht vorbeigestrampelt war. Die Dorfbev\u00f6lkerung war nun beim Begr\u00fc\u00dfen im sehr enthusiastisch, stand oft in Reih und Glied und ich kam mir wie beim Rosenmontagszug vor, nur dass keine Kamellen geschmissen wurden sondern lediglich HELAU gebr\u00fcllt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Haupttransportmittel zwischen den D\u00f6rfern war jetzt eindeutig das Fahrrad. Vietnamesen sind dabei wahre Gentlemen. Er sitzt vorne und die Dame von Welt hinten quer auf den Gep\u00e4cktr\u00e4ger. Die Frauen laufen fast ausschlie\u00dflich in ihren traditionellen Kleidern auf der Strasse zum Markt. Meist tragen sie einen seidenen schwarzen Rock, eine seidene rosafarbene Bluse und das lange schwarze Haar zu einem Pompon geknotet. Dieses wird meist durch bunte T\u00fccher verdeckt und dr\u00fcber wird dann oft noch der obligatorische Strohhut getragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich konnte den Menschen in ihrem Alltag von Sattel aus bequem zugucken. Unten im Fluss wurde die W\u00e4sche gewaschen, das Feld wird noch mit dem B\u00fcffel durchpfl\u00fcgt, die Wolle mit der Spindel gesponnen, Brennholz in Korb-m\u00e4\u00dfigen Rucks\u00e4cken nach Hause in die h\u00f6lzernen Stelzenwohnungen geschleppt. Das Essen wurde auch in den abgelegendsten Gegenden dank des hohen Alphabetisierungsgrads von 91% kein Problem mehr, da ich einen riesigen Sprachteil zum Thema Essen in vietnamesischer Sprache dabei hatte. Ich legte diesen einfach auf den Tisch und die Leute deuten mir auf die Speisen, die sie mir anbieten k\u00f6nnen. Dabei kann jedes Mahl individuell zusammengestellt werden. Oft gibt es Huhn (ohne mich), Rind, Schwein, Tofu, Gem\u00fcse, Nudeln, Reis zur Auswahl und dazu immer die obligatorische fermentierte Fischso\u00dfe Nuoc Mam, die eigentlich ganz gut schmeckt, aber bestialisch stinkt. Daher ist der Export dieser So\u00dfe auf Fl\u00fcgen von Vietnam Airlines nach einem Zwischenfall verboten. Die So\u00dfe lief im Gep\u00e4ckraum aus und die Passagiere weigerten sich das bestialisch stinkende Gep\u00e4ck in Empfang zu nehmen. Manche US-Soldaten nannten diese So\u00dfe w\u00e4hrend ihrer Zeit in Vietnam &#8218;Viet Cong Tear Gas&#8216;! Aber wie gesagt, die So\u00dfe ist gar nicht so schlecht!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">War die ersten Tage die Sonne gar nicht zu sehen, knallt sie jetzt jeden Tag 12 Stunden auf mich herab. Leider wird die Strecke auch zunehmend anspruchsvoll, so dass oftmals zum Geisterfahrer mutiere und links fahre, sobald der Schatten auf der linken Seite sich befindet. Aber wie schon in der ersten Mail erw\u00e4hnt, ist Geisterfahren hier v\u00f6llig normal. Nicht normal ist das Warenangebot in einer Bretterbude auf dem ersten gro\u00dfen Bergpass, den ich nach 1000 H\u00f6henmetern in der Bullenhitze erreicht habe: Dass es Bia Ha Noi (Hanoi Bier) in rauen Mengen gab, verwundert nicht, sitzen da doch einsame Polizisten und bewachen den Telegraphenmast. Aber warum es keine Coca Cola gab ist mir unverst\u00e4ndlich, denn es gab auch OMO Waschpulver und COLGATE Zahnpasta in Unmengen. Die lokale Fanta Marke &#8222;Orange&#8220; wollte mir der Besitzer nicht verkaufen &#8222;No good!&#8220; Ich konnte ihn dann doch noch \u00fcberzeugen, mit mir ins Gesch\u00e4ft zu kommen, da ich einfach Durst hatte. &#8222;No good&#8220; war sehr diplomatisch ausgedr\u00fcckt. Die Chemiekeule war sicherlich so k\u00fcnstlich, dass das Datum auf der Flaschenr\u00fcckseite sicherlich nicht das Haltbarkeitsdatum, sondern die Halbwertszeit dieser radioaktiven Orange schimmernden Substanz war. Aber was nicht t\u00f6tet h\u00e4rtet bekanntlich ab!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abends, es war Mittwoch, gab es nat\u00fcrlich Fu\u00dfball in der lokalen &#8222;Premiere Sports Bar&#8220;, dem Bretterschuppen um die Ecke. Au\u00dfer mir schien das Spiel Vietnam gegen Thailand niemand zu interessieren, aber es war auch grottenschlecht &#8211; das Bier aber gut. Vietnam gewann 1 zu 0 durch einen unberechtigten Foulelfmeter und die Vietnamesen nahmen das nur zum Anlass noch ein Bierchen zu zischen. Heute hatten sie wieder ihren Spa\u00df in einem anderen Dorf mit mir. Nachdem ich mir die lokale Spezialit\u00e4t, Kreppel mit Fisch und Sojasprossen gef\u00fcllt gekauft habe, stellten sich mich auf die Waage und konnten ihren Augen nicht trauen, dass dieser Thay doch glatte 80 kg auf die Waage bringt. Alle anderen wogen 50 kg oder weniger, was in ein gro\u00dfes Gelaechter ausartete. Ist das Radeln auch manches Mal kein Vergn\u00fcgen, da es megasteil bergauf geht, die Sonne auf mich knallt, der Regen mich durchw\u00e4scht oder ich wieder v\u00f6llig im Russ der LKW verschwinde, dann sind es die VietnamesInnen, die mir wieder gute Laune verabreichen, da sie immer zu Sp\u00e4\u00dfen aufgelegt sind und sich einfach an meiner Pr\u00e4senz auf dem Rad erfreuen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt bin ich im \u00e4u\u00dfersten Nordwesten Vietnams in Dien Bien Phu angekommen. Nach Hanoi sind es fast 500 km und ich eigentlich im letzten Winkel S\u00fcdostasiens. Doch die alten Bewohner laufen hier mit Baskenkappe herum und freuen sich mit mir ein wenig franz\u00f6sisch zu babbeln! Was es mit Dien Bien Phu auf sich hat&#8230;schauen mer mal!!! Ich w\u00fcnsche Euch einen sch\u00f6nen 2. Advent. Dr\u00fcckt bitte den Mainzern am Sonntag in Kaiserlautern die Daumen, so dass es nicht wieder zu einer Niederlage wie gegen die Bayern kommt, die hier viele Leute kennen &#8211; Mainz 05 kennt hier hingegen noch niemand &#8211; doch die Zeiten \u00e4ndern sich!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittlerweile bin ich nur noch d\u00fcrren H\u00fchner auf der Strasse und nicht mehr im Suppentopf begegnet und habe die vietnamesische K\u00fcche wirklich sch\u00e4tzen gelernt. Da hinter Hoa Binh die Tonkinschen Alpen anfangen, radele ich seither permanent bergauf und bergab, so dass ich es auf Dauer auch nicht geschafft h\u00e4tte lediglich d\u00fcrre H\u00fchner anzugucken. 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