{"id":169,"date":"2008-01-25T17:59:00","date_gmt":"2008-01-25T17:59:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/?p=169"},"modified":"2019-04-11T08:28:27","modified_gmt":"2019-04-11T08:28:27","slug":"169-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/169-2\/","title":{"rendered":"Antarktis 2008 letzter Teil"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Half Moon Island auf den S\u00fcd-Shetland-Inseln angekommen, hatte ich den Kontinent der Antarktis erreicht. Streitet man sich weiter n\u00f6rdlich in Patagonien, wer die s\u00fcdlichste Stadt der Welt nun besitzt, gilt es als unbestritten, dass der antarktische Kontinent mit dem Passieren der sog. Antarktischen Konvergenz erreicht ist. Diese stellt die Grenze zwischen dem S\u00fcdozean und dem Atlantik, dem Pazifik bzw. dem Indischen Ozean dar. Das Oberfl\u00e4chenwasser des S\u00fcdozeans besteht aus relativ salzarmen eiskaltem Wasser, wohingegen der gerade durchfahrene S\u00fcdatlantik wesentlich salzreicher und mit 6\u00b0 C als relativ warm gilt. Diese Wassermassen durchmischen sich recht schlecht, so dass auf der Fahrt nach S\u00fcden die Wasseroberfl\u00e4chentemperatur innerhalb von ca. 40 Kilometern auf 0\u00b0 C f\u00e4llt. Erster Anlaufpunkt von S\u00fcdamerika kommend ist der Archipel der S\u00fcd-Shetland-Inseln, die 1819 vom Engl\u00e4nder William Smith zuf\u00e4llig entdeckt wurden, da er bei der Umrundung von Kap Horn nach S\u00fcden abdriftete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein erstes Betreten von antarktischem Boden war gar nicht so einfach, denn in der Antarktis gibt es weder H\u00e4fen noch Bootsanlegestellen. Zun\u00e4chst fiel ich um vier Uhr morgens fast aus dem Bett, als es pl\u00f6tzlich einen ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm gab: der Anker wurde inmitten einer Bucht gesetzt! Das Schiff ist mit sog. Zodiacs (gro\u00dfen Schlauchbooten) ausgestattet und eine Anlandung ist jedes Mal ein Unternehmen f\u00fcr sich, da zun\u00e4chst einmal ein paar Holzpaletten ausgelegt werden, damit man halbwegs trockenen Fu\u00dfes an Land gehen kann. Obwohl wir Sommer haben, stieg dieTemperatur am ersten Tag kaum \u00fcber den Gefrierpunkt und durch den omnipr\u00e4senten Wind, liegt die gef\u00fchlte Temperatur meist unter 0\u00b0 C. Also hei\u00dft es sich warm anziehen und die Schwimmweste dr\u00fcberst\u00fclpen. Diese ist zwar eigentlich ein Placebo, da man sagt, die \u00dcberlebenszeit im Wasser in Minuten entspricht im S\u00fcdozean der Wassertemperatur. Also bleibt bei 0\u00b0 C sowieso nicht sehr viel Zeit zum unfreiwilligen Bad nehmen, ehe die Lichter ausgehen. Aber gut, man m\u00f6chte es ja im Falle eines Falles wenigstens versucht haben, zu \u00fcberleben. Bevor man dann wie ein Astronaut etwas unbeholfen die Br\u00fccke nach unten watschelt oder wieder an Bord geht, stiefelt man mit den Schuhen aufgrund von internationalen Bestimmungen in ein Desinfektionsbad, damit keine fremden Bakterien und Samen auf den antarktischen Boden gelangen. Bevor man auf die Zodiacs wieder aufspringen durfte, musste sich mit einer Klob\u00fcrste der Dreck in Ritzen der Sohlen entfernt werden, damit auch keine Bakterien auf andere Gebiete des Kontinents \u00fcbertragen werden. \u00dcberhaupt ist die Antarktis keine gesetzlose Zone, da durch den sog. Antarktisvertrag, der auch von Deutschland 1979 unterzeichnet wurde, Recht und Ordnung wie in jedem Land der Welt herrscht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0137.jpg\" alt=\"Half Moon Island\"\/><figcaption>Half Moon Island<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Vertrag ist festgelegt, dass es die Antarktis in ihrer Urspr\u00fcnglichkeit zu sch\u00fctzen gilt. Daher hei\u00dft es also neben dem Schuhe desinfizieren, keine Nahrungsmittel mitschleppen, nicht wild aufs Klo gehen, Rauchverbot \u0096 sogar im Freien, M\u00fcll wieder mitnehmen, keine Souvenirs in Form von Steinen etc. sammeln und Tieren immer Vorfahrt gew\u00e4hren. Anscheinend werden diese Regeln tats\u00e4chlich eingehalten, denn nirgends fand ich bisher so blitzblanke Str\u00e4nde und Felsen. Nachdem diese Regeln in einer Pflichtveranstaltung an Bord vor dem Anlanden nochmals dem Publikum beigebracht wurden, ging es schlie\u00dflich morgens um sechs zum ersten Mal an Land &#8211;&nbsp;und die Begr\u00fc\u00dfung konnte gar nicht ausgefallener ausfallen: Es roch \u00fcberall nach Pinguin-Kacke, deren Geruch lange nicht mehr von meinen Klamotten gewichen ist. Der gesamte Strand war mit rosaroten Exkrementen der V\u00f6gelchen bedeckt, aber was tut man nicht alles, um diese an Land so unbeholfen wirkenden Tierchen zu besuchen? Also ab durch den Kot und hin zur Sammel-WG! Die meisten Z\u00fcgel-Pinguin-P\u00e4rchen hatten bereits ein oder zwei flauschige grau gefiederte Jungen, die es warm zu halten galt. W\u00e4hrend ein Elternteil Futter in Form von kleinen Garnelen, Krill genannt, holt, passt der Partner im aus Steinchen gezimmerten Nest auf den Nachwuchs auf. Oft muss das Nest erneuert werden und die Bauarbeit zeigt am wei\u00dfen Bauch oft Spuren. Die meisten Pinguine waren v\u00f6llig mit br\u00e4unlichem Dreck beschmiert, was ihnen aber nichts auszumachen schien.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/sued_shetland2008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0143.jpg\" alt=\"Z\u00fcgelpinguine, Half Moon Island\"\/><\/a><figcaption>Z\u00fcgelpinguine, Half Moon Island<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben den Pinguinen wurde die kleine Insel auch von Raubm\u00f6wen, sog. Skuas bewohnt, die sich von den Pinguin-K\u00fcken oder -Eiern ern\u00e4hren. Dass wir uns an einem Strand im S\u00fcdsommer befanden, bemerkte ich schlie\u00dflich an den vereinzelt chillenden Robben, die gem\u00fctlich in den Tag hinein d\u00f6sten. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/sued_shetland2008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0168.jpg\" alt=\"Robbe, Yankee Harbour\"\/><\/a><figcaption>Robbe, Yankee Harbour<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da in der Antarktis auch die Besuchszeiten reglementiert sind, also wie viel Schiffe pro Tag die einzelnen Pl\u00e4tze ansteuern d\u00fcrfen, wie viel Menschen jeweils insgesamt an Land sein d\u00fcrfen und wie lange das Schiff ankern darf, sind die Landg\u00e4nge meist auf ca. eine Stunde begrenzt. In einer Vorhut stecken die Begleiter das Land ab, das betreten werden darf, denn diese Region ist halt nicht Disneyland und man wei\u00df nie so ganz genau, was einen erwartet. Einige Robbenarten k\u00f6nnen bei schlechter Laune dem Menschen gef\u00e4hrlich werden. Um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden, sorgt diese Vorhut also daf\u00fcr, dass man von seinen Anlandungen heil wieder an Bord kommt und v\u00f6llig ausgek\u00fchlt dann einen hei\u00dfen Gl\u00fchwein genie\u00dfen kann &#8211; und das im Sommer! \u00dcberhaupt l\u00e4uft das Leben an Bord recht dekadent ab. Einmal gab es morgens um elf Freibier, Wei\u00dfwurst und Blasmusik. Auch das 5-G\u00e4nge-Men\u00fc mittags und abends l\u00e4sst wahre Gaumenfreuden aufkommen. Tja, anderer Kontinent andere Sitten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Anlegepl\u00e4tze in der Antarktis unterscheiden sich vom Rest der Welt. Auf Deception-Island konnte das Schiff beispielsweise durch eine kleine Enge in den von Meerwasser gefluteten Krater eines zuletzt 1967 ausgebrochenen Vulkans hineinsteuern. Die Anlandung fand an einem schwarzen Sandstrand statt, der von Pinguinen bev\u00f6lkert wird, da der hei\u00dfe Sand den arg unterk\u00fchlten Pinguin-F\u00fc\u00dfen eine Abwechselung vom Alltag im Eis beschert. Am Strand sind noch einige alte Geb\u00e4ude von einer norwegischen Walfangstation verblieben, die langsam verrotten. Alte Geb\u00e4ude gelten in der Antarktis als Denkm\u00e4ler und d\u00fcrfen nicht mehr ver\u00e4ndert, also restauriert oder abgetragen werden. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die Antarktis ein beliebtes Wal- und Robbenfanggebiet, was man an den riesigen Geb\u00e4uden und einen Flugzeug-Hangar noch heute erkennen kann. Die Antarktis gilt auch als einziger Kontinent, der nicht von Entdeckern sondern von Menschen erstmals betreten wurde, die aus kommerziellen Gr\u00fcnden dorthin fuhren. Der Robbenj\u00e4ger John Davis betrat als erster Mensch 1821 das antarktische Festland. Es ist wohl auch die einzige wirkliche Entdeckung eines Kontinents, da auf allen anderen ja bereits Ureinwohner lebten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/sued_shetland2008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0216.jpg\" alt=\"Deception Island\"\/><\/a><figcaption>Deception Island<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Antarktis der Kontinent mit der h\u00f6chsten durchschnittlichen H\u00f6he (2.250 m) ist, erkennt man beim Reisen entlang der antarktischen Halbinsel, die sich \u00fcber 2.000 km weit vom antarktischen Kernland in Richtung S\u00fcdamerika erstreckt, recht deutlich. \u00dcberall geht es sofort steil bergauf und das eine Prozent der Antarktis, das nicht mit Eis bedeckt ist, besteht meist einfach aus Felsw\u00e4nden, auf denen sich kein Eis festsetzen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem wir zun\u00e4chst nur auf den S\u00fcd-Shetland-Inseln Station gemachten hatten, erreichten wir mit Paradise Harbour nun das antarktische Festland. Wie der Name schon sagt, ist diese Buch wirklich paradiesisch sch\u00f6n. Befindet man sich in der Bucht, ist man praktisch im Blickwinkel von 360\u00b0 von steilen Bergflanken, Gletschern und Eispanzern umgeben. Die vielen Gletscher, die allerdings recht wenig kalben, sorgen daf\u00fcr, dass das Wasser durch und durch von bizarren Eisbergsformationen durchzogen ist. Anders als in Gr\u00f6nland und der Arktis, wo mancher Gletscher bis zu 12 km an Eis ins Meer pro Jahr abgibt, kalben antarktische Gletscher nur wenige100 Meter j\u00e4hrlich. Der Grund liegt einfach daran, dass so wenig Nachschub in Form von Eis vom Landesinneren in Richtung See nachkommt. Schlie\u00dflich gilt die Antarktis auch als trockenster Kontinent der Welt. Mit anderen Worten: Die Antarktis ist eigentlich eine W\u00fcste! An manchen Stellen hat es bereits 200.000 Jahre nicht mehr geschneit oder geregnet.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarkis3271.jpg\" alt=\"Paradise Harbour\"\/><figcaption> Paradise Harbour <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dementsprechend war das Wetter in Paradise Harbour auch paradiesisch sch\u00f6n: blauer Himmel, windstill und 8\u00b0 C plus im Schatten. Das ist wahrlich ein pr\u00e4chtiger Sommer, den es mit Faktor 20 Sonnencreme zu feiern galt. Denn das Ozonloch scheint es tats\u00e4chlich zu geben, wenn ich mir meine trotz permanenten Einschmierens rot gef\u00e4rbte Haut so betrachte. In Paradise Harbour trafen wir zum ersten Mal seit fast einer Woche wieder auf Fremde: Angeh\u00f6rige der chilenischen Armee. Diese leben vier Monate lang an einem der sch\u00f6nsten Pl\u00e4tze der Erde \u0096 unbewaffnet, wie es der Antarktis-Vertrag verlangt und nur f\u00fcr den Notfall-Einsatz da, um Forscher und andere Besucher des Kontinents im Falle eines Falles zu evakuieren. Dementsprechend locker ging es auf der Station Presidente Gabriel Gonz\u00e1lez Videla zu. Die Jungs hatten sogar einen Touri-Shop mit Postkartenverkauf aufgemacht. Soldaten, die Postkarten verkaufen &#8211; ein wahrhaft anderer Kontinent.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0288.jpg\" alt=\"Station Presidente Gabriel Gonz\u00e1lez Videla\"\/><figcaption>Station Presidente Gabriel Gonz\u00e1lez Videla<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Stationen, die wir passieren, dr\u00fccken ihren Nationalstolz mit riesigen Fahnen und bemalten Geb\u00e4uden in den Nationalfarben aus. Eigentlich geh\u00f6rt die Antarktis laut Vertrag niemanden, doch trotzdem haben einige Nationen territoriale Anspr\u00fcche gestellt, wie die Anrainer Chile, Argentinien, Neuseeland und Australien aber nat\u00fcrlich auch die \u00fcblichen Kolonialverd\u00e4chtigen wie Gro\u00dfbritannien und Frankreich sowie Norwegen. Die USA und Russland haben bisher bemerkenswerterweise keine Anspr\u00fcche gestellt \u0096 aber dies geschieht vielleicht noch in Zukunft, denn der Vertrag l\u00e4uft 2041 aus. Und ob dann beispielsweise nach Bodensch\u00e4tzen in der Antarktis gesucht werden darf, bleibt abzuwarten. Manche L\u00e4nder verhielten sich in der Antarktis in der Vergangenheit wie im Kindergarten. Im besuchten Deception-Island, das zun\u00e4chst von den Briten beansprucht und gegen Nazi-Deutschland 1941 verteidigt wurde, landeten 1942 Argentinier und erkl\u00e4rten alle Gebiete s\u00fcdlich von 60\u00b0 zwischen 25\u00b0 W und 68\u00b034\u0092 W als ihr Hoheitsgebiet. 1943 kamen die Briten wieder vorbei und entfernten die argentinische Flagge. Diese wurde durch den britischen Botschafter in Buenos Aires den Argentiniern wieder zugestellt. Zwei Monate sp\u00e4ter kamen die Argentinier wieder vorbei und entfernten den Union Jack und hissten erneut ihre Flagge. Die Briten hatten jetzt genug und gr\u00fcndeten 1944 eine Wetterstation. 1948 bauten die Argentinier ihre eigene Station auf der Insel. Auf dem von den Briten angelegten Landeplatz bauten 1952 schlie\u00dflich sowohl Argentinien als auch Chile Schutzh\u00fctten. Die britische Marine entfernte im darauf folgenden Jahr die H\u00fctten und deportierte zwei Argentinier nach &nbsp;S\u00fcd-Georgien, eine britische Insel im S\u00fcd-Atlantik. Im selben Jahr zogen britische Soldaten in der Wetterstation ein um &#8222;Frieden zu sichern&#8220;. Chile baute 1955 eine eigene Station und 1961 wurde der argentinische Pr\u00e4sident eigens hingeflogen, um die territorialen Anspr\u00fcche zu untermauern. Heute geht es relativ ruhig zu, denn all diese Stationen sind mittlerweile geschlossen. Stattdessen betreibt nun Spanien dort im antarktischen Sommer Forschung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Leben auf diesen Stationen kann anscheinend langfristig sehr frustrierend sein, denn bei der Anlandung in Paradise Harbour besuchten wir auch die \u00dcberreste der argentinischen Station &#8222;Almirante Brown&#8220;, die 1984 &#8222;zuf\u00e4llig&#8220; durch ein Feuer zerst\u00f6rt wurde, als in der Bucht ein amerikanisches Versorgungsschiff ankerte. Der Stationsarzt wusste sich nicht mehr anders zu helfen, um in seine geliebte Heimat zur\u00fcckzukehren, als die Station anzuz\u00fcnden. Er war bereits im vierten Jahr ohne Pause hier ans Ende der Welt abkommandiert, ohne Aussicht seinen Arbeitsplatz in Richtung Norden wechseln zu d\u00fcrfen. F\u00fcr mich war diese Anlandung eine willkommene Abwechselung vom Alltag auf dem Schiff. Wir konnten auf einen H\u00fcgel klettern, von dem man eine herrliche Aussicht auf die umliegenden Berge und die fjord\u00e4hnliche Bucht hatte. Doch das Beste stand uns noch bevor: der Abstieg in Form einer Naturrodelbahn. Die in der Kabine vorzufindenden Plastikbeutel f\u00fcr W\u00e4sche wurden in Schlitten umfunktioniert und so bot die Abfahrt sicherlich die paradiesischste Abfahrt auf Erden. Mit gen\u00fcgend Tempo hob man sogar bei den eingebauten Schanzen ab. Die T\u00fcte war am Ende zwar arg gebeutelt, der Hintern nass, aber der Christoph very happy.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/antarktis2008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0339.jpg\" alt=\"Naturrodelbahn, Station Almirante Brown\"\/><\/a><figcaption>Naturrodelbahn, Station Almirante Brown<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei rund 65\u00b0 s\u00fcdlicher Breite erreichten wir den Wendepunkt dieser Reise und so langsam ging es wieder in Richtung Norden durch den Antarctic Sound in Richtung S\u00fcd-Shetland-Inseln vorbei an unz\u00e4hligen Eisbergen. Diese lagen teilweise wie an einer Perlenschnur aufgereiht am &#8222;Wegesrand&#8220; und erinnerten an von K\u00fcnstlern geschaffene Skulpturen. Durch das seitlich einfallende Sonnenlicht leuchteten sie vor dem grauen Himmelshintergrund in schneewei\u00df bis t\u00fcrkisblau. Geschickt navigierte der Kapit\u00e4n um diese Hindernisse herum und schlie\u00dflich erreichten wir King-George-Island, die heimliche Hauptstadt des Kontinents. Dort gibt es zahlreiche Annehmlichkeiten, die im Rest des Kontinents Mangelware sind. Zun\u00e4chst einmal gab mein Mobiltelefon pl\u00f6tzlich wieder Lebenszeichen von sich, da sich f\u00fcnf SMS in die Antarktis verirrt hatten. F\u00fcr die Zeit der Anlandung auf der russischen Forschungsstation Bellingshausen hatte ich doch tats\u00e4chlich Handy-Empfang. Wir wurden von Vassily, einem Meeresbiologen empfangen, der bereits zehn Monate auf der Station arbeitete und an diesem Tag zum Fremdenf\u00fchrer mutierte. Auf einer Anh\u00f6he wurde 2003 die erste russisch-orthodoxe Kirche errichtet. Das Holz dazu stammt aus dem Altai-Gebirge in&nbsp;Sibirien. Ein russischer Gesch\u00e4ftsmann spendete das Geld f\u00fcr den Kirchenbau. Die Kirche wurde in Russland zusammengebaut und die einzelnen H\u00f6lzer katalogisiert, die Kirche zusammengelegt und ans Ende der Welt verschifft. Von der Bucht aus trugen die rund 20 Wissenschaftler und zwei Geistliche die Einzelteile zum heutigen Standort hinauf und bauten das Geb\u00e4ude in Ikea-Manier wieder auf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/sued_shetland2008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0368.jpg\" alt=\"\nRussisch-Orthodoxe Kirch, Station Bellingshausen\"\/><\/a><figcaption>Russisch-Orthodoxe Kirch, Station Bellingshausen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war interessant zu sehen, unter welch bescheidenen Verh\u00e4ltnissen die Forscher in kleinen rotfarbenen Stelzenh\u00e4usern ihr Dasein fristen. Da Russen erst am 6. Januar Weihnachten feiern, stand der Christbaum nat\u00fcrlich noch im Wohnzimmer. Die &#8222;Bewohner&#8220; von King-George-Island leben nicht in der totalen Isolation, wie viele andere Forscher auf dem Kontinent. Direkt neben den Russen haben die Chilenen eine Station errichtet, die sogar mit einem kleinen Flugplatz samt Landebefeuerung ausgestattet ist. Hinter dem H\u00fcgel leben die Chinesen und Uruguayer, so dass sich im letzten Winter die Sportbegeisterten sogar zu einer antarktischen Olympiade trafen. Im Tischtennis gewannen nat\u00fcrlich die Chinesen und im Fu\u00dfball die Chilenen. Auf dem Hauptplatz der russischen Station, die nach dem Esten Bellingshausen benannt ist, der 1819 als erster Mensch das Festland der Antarktis sichtete, aber damals nicht betrat, wehten neben der russischen Fahne auch die von Luxemburg, Litauen und Deutschland, da zurzeit Studenten aus den drei L\u00e4ndern zu Gast sind. Die deutschen Studenten stammen aus Jena und ein Schild weist die Entfernung in die th\u00fcringische Heimat mit 13.996 km aus. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite der Insel liegt die&nbsp;polnische Station Arctowski, auf der wir die antarktische Sommernacht kennen lernten. Die Ausbootung fand um Mitternacht statt, es war allerdings nur d\u00e4mmrig. Von Uhrzeiten in der Antarktis zu sprechen ist sowieso ziemlich daneben, denn, wenn am S\u00fcdpol alle Zeitzonen der Welt zusammentreffen, kann man sich seine Lieblingszone aussuchen. Aber wof\u00fcr braucht man auf diesem Kontinent sowieso Uhrzeiten. Es gibt keine Gesch\u00e4fte und die Souvenirshops der Forschungsstationen sind sowieso eher die Wohnzimmer der dort Lebenden, die offen sind, sobald ein Schiff anlegt. Auf dieser Reise gilt an Bord die chilenische Sommerzeit (- 4 Stunden zur MEZ), vielleicht, &nbsp;weil wir in Chile gestartet sind. Aber an Land bringt einem diese Zeiteinteilung eh nichts. Dunkel wird es auch nicht richtig und um die Eis- und Felsformationen, sowie die Ad\u00e9lie-Pinguin-Kolonien und die arg stinkenden und permanent r\u00fclpsenden Seeelefanten mitten in der Nacht zu bewundern, braucht es keine Uhrzeit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/sued_shetland2008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0381.jpg\" alt=\"Station Arctowski\"\/><\/a><figcaption>Station Arctowski<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider hie\u00df es danach Abschied nehmen von diesem ganz anders funktionierenden Kontinent und wir nahmen wieder Kurs auf die Drake-Passage, die den S\u00fcdozean mit Pazifik und Atlantik verbindet. Nach ein paar Stunden auf See kam es wieder zum sog. Drake-Shake mit Wellen um die f\u00fcnf Meter und der Gewissheit, dass Tabletten gegen Seekrankheit das Leben auf dem Schiff wirklich erleichtern k\u00f6nnen. Als &#8222;Erholung auf See&#8220; angek\u00fcndigt, war dieses Wellenreiten wirklich nur noch mit Pillen zu genie\u00dfen. So gedopt wurde die \u00dcberfahrt allerdings wirklich zu einer besonderen Erholung. Das Gef\u00fchl der \u00dcbelkeit nahm die Medizin und ich kam mir fortan wie in einem ewig andauernden Computerspiel oder einem Fahrgesch\u00e4ft auf dem Jahrmarkt vor. Am besten lie\u00df sich das &#8222;Spiel&#8220; im Bett genie\u00dfen. Mit dem Ohr praktisch an der Au\u00dfenwand h\u00f6rte ich das Schiff st\u00e4ndig ins Wasser mit gro\u00dfem Get\u00f6se abtauchen. Dann schoss der Rumpf auch schon wieder so stark nach oben, dass das Hirn im Kopf diese Bewegung nur zeitversetzt nachvollzog und ein starkes Druckgef\u00fchl wie bei einem Looping in der Achterbahn entstand. Danach ging es auch schon wieder bergab. Das &#8222;Spiel&#8220; wurde durch das Knirschen und \u00c4chzen der d\u00fcnnen, blechernen Kabinenw\u00e4nde noch &#8222;echter&#8220;. Ab und zu flog der Kahn auch \u00fcber eine Welle hinweg und es holperte als w\u00e4re man gerade durch ein Schlagloch geheizt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann und wann sch\u00fcttelte sich das Boot nach links und rechts als w\u00fcrde es sich gleich krampfhaft \u00fcbergeben. Im Doppelstockbett kam es dann doch bei mir zu einem Unfall. Da mein Kopf sich im Bett permanent knapp unter der Kabinendecke sich befand, knallte ich, einer Welle sei Dank, beim Hinabsteigen mit dem Kopf gegen die Sprinkleranlage und schon hatte ich eine kleine Platzwunde, die aber recht schnell aufh\u00f6rte zu bluten. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Dauer-Sch\u00fctteln wollte auch in der Nacht kein Ende nehmen. Am Morgen hatte ich den Eindruck, der Wellengang lie\u00dfe nach und wagte es sogar zu duschen und mich nass zu rasieren. Anscheinend gew\u00f6hnt sich der Mensch an alles recht schnell, denn ich lernte in der Dusche geschickt zu balancieren und mich trotz heftigem Schaukeln kaum zu schneiden. Au\u00dferdem brauchte ich keine Pillen mehr, um trotzdem guten Appetit zu haben. Die meteorologischen Daten brachten dann die Gewissheit, dass der Seegang sogar noch zugenommen hat. Dass man bei solchem Wetter lieber keinen Rotwein trinkt, bewies das folgende Mittagessen. Die Wellen hatten bei Windst\u00e4rke acht bis neun nun eine H\u00f6he von ca. zehn Metern erreicht und schwappten am Restaurantfenster, das sich im dritten Stock befand, dauernd vorbei. Pl\u00f6tzlich neigte sich das Schiff zur Seite und die Gl\u00e4ser kippten um und fielen zum Teil vom Tisch. Da ich nur Sprudel trank, wurde ich zwar nass, aber die Kleidung musste wenigstens nicht in die Reinigung. Bei solch einem Wetter zieht es einen trotzdem an Deck und dort l\u00e4sst sich das Geschaukel auch richtig genie\u00dfen. Die uns immer begleitenden Kapsturmv\u00f6gel und Riesensturmv\u00f6gel gaben einem in dieser st\u00fcrmischen See das Gef\u00fchl von Sicherheit. Angst bekam ich lediglich beim Essen, denn dort die riesigen Wellen vorbeirauschen zu sehen, fl\u00f6\u00dfte mir vor Mutter Natur mal wieder riesigen Respekt ein. Drau\u00dfen hingegen l\u00e4uft alles recht einfach getreu dem Motto &#8222;hoch und nieder immer wieder&#8220; ab und man erkennt, dass sich das Schiff doch recht souver\u00e4n seinen Weg durch das Wasser bahnt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/falkland2008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0416.jpg\" alt=\"East-Falkland\"\/><\/a><figcaption>East-Falkland<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 62 Stunden Dauersch\u00fctteln oder ca. 1.500 km Reise gen Norden erreichte das Schiff den Archipel der Falkland-Inseln. Das erste, was mir auffiel, war die Farbe Gr\u00fcn. Dominierte seit der Abfahrt in Ushuaia die Farben Blau und Wei\u00df, kam mir die sp\u00e4rliche Vegetation schon wie fast wie ein &#8222;Urwald&#8220; vor. Und es roch nicht nach Pinguin-Kacke. Stattdessen landete der Duft von Blumen in meiner arg gebeutelten Nase. Wegen der st\u00fcrmischen See dauerte es bei Windst\u00e4rke sieben geschlagene zwei Stunden, das Schiff sicher am Kai zu verzurren. Obwohl ich mich an Bord sehr wohl f\u00fchlte, war ich doch sehr froh, endlich mal wieder Land betreten zu k\u00f6nnen und in der s\u00fcdlichsten Hauptstadt der Welt, dem 2.000 Einwohner gro\u00dfen Stanley ,bummeln zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Wetter war &#8222;very british&#8220;: Regenschauer und sonnige Abschnitte wechselten sich in diesem Sommer bei 10\u00b0 C permanent ab. In windgesch\u00fctzten Stellen der Stadt gediehen&nbsp;sogar B\u00e4ume. Die kleinen H\u00e4user mit ihren pink-roten D\u00e4chern und bunten Mauern brachten viel Farbe in das Grau in Grau. In jedem zweiten Garten flatterte der Union Jack oder die Fahne der Falklands, die seit 1765 zur Krone geh\u00f6ren. Die unbesiedelten Inseln wurden erstmals von den Franzosen 1764 bev\u00f6lkert. Da diese aus der bretonischen Stadt St. Malo kamen, nannten sie die Inseln &#8222;Les Malouines&#8220;. Die Spanier machten daraus &#8222;Islas Malvinas&#8220;, die bis heute in S\u00fcdamerika so genannt werden. Nach und nach verlie\u00dfen Franzosen, Spanier und Briten die Inseln im 19. Jahrhundert wieder und niemand interessierte sich mehr f\u00fcr diese Inselgruppe am Ende der Welt. Bei der Staatsgr\u00fcndung von Argentinien 1820 reklamierten die Argentinier die Inseln f\u00fcr sich, aber 1833 schmissen die Engl\u00e4nder die Argentinier einfach raus. Bis 1982 bestand Argentinien darauf, dass die Inseln ihnen geh\u00f6ren und 2. April 1982 wurden die Inseln von Argentinien besetzt. Die Antwort der Briten kam schnell und unerbittlich. Sie zogen gegen Argentinien in den Krieg und am 14. Juni 1982 war der Falkland-Krieg vorbei: rund 1.000 Menschen kamen dabei ums Leben und der Friedhof von Stanley nimmt einen Gro\u00dfteil des Stadtgebietes ein. In dem Ort finden sich drei Kriegsdenkm\u00e4ler: eines f\u00fcr den Falkland-Krieg, eines f\u00fcr den 1. Weltkrieg bei dem die Pazifik-Flotte der Deutschen vor den Inseln vernichtend geschlagen wurde und eines f\u00fcr den 2. Weltkrieg. Aber eigentlich geh\u00f6ren die Falkland-Inseln weder zu Argentinien noch zu Gro\u00dfbritannien sondern zu S\u00fcdafrika &#8211; zumindest wenn man es geologisch betrachtet. Als es vor Millionen von Jahren den sog. S\u00fcdkontinent Gondwana gab, der die heutige Antarktis, S\u00fcdamerika, Afrika, Australien und Indien umfasste, lagen die Falkland-Inseln genau neben dem Kap der Guten Hoffnung. Erst durch die Kontinentalverschiebung rutschten die Inseln mit der Zeit vor die K\u00fcste S\u00fcdamerikas. Es bleibt zu hoffen, dass es in Zukunft keinen Krieg mehr um die Falkland-Inseln gibt. Aber \u00d6lfunde in den letzten Jahren, lassen leider eher das Gegenteil erwarten\u0085<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/falkland2008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0429.jpg\" alt=\"Stanley, Falkland-Inseln\"\/><\/a><figcaption>Stanley, Falkland-Inseln<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei so einer kriegerischen Geschichte war ich \u00fcberrascht, niemanden der fast 2.000 britischen Soldaten, die die 2.900 Falkl\u00e4nder besch\u00fctzen sollen, zu Gesicht zu bekommen. Die Stadt, erbaut meist aus Wrackteilen von gesunkenen Schiffen, erinnert mit ihrem Linksverkehr, den vielen Land Rovern und den blumen\u00fcberh\u00e4uften Vorg\u00e4rten ganz eindeutig ans Mutterland in ca. 12.000 km Entfernung. Aber die Stadt war ein total verschlafenes Nest, in dem ich es gerade mal die paar Stunden, die ich dort war, gerne aushielt. Selten war ich froh, einen Ort wieder so schnell verlassen zu d\u00fcrfen. Gut es nieselte, es blas st\u00e4ndig der Wind und die Sonne war auf Kurzarbeit, aber die Stra\u00dfen waren bis auf uns Touristen menschenleer undso stellte ich mir wirklich das Ende der Welt oder zumindest das Ende der menschlichen Besiedlung dar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die Nacht umkurvte unser Schiff die beiden Hauptinseln West- und East-Falkland um im \u00e4u\u00dfersten Westen des Archipels vor der Insel West Point ein letztes Mal anzulegen. Die Insel, ca. 10 x 2 km gro\u00df, geh\u00f6rt einem alten Ehepaar. Beide sind \u00fcber 80 und freuten sich auf den Besuch unserer Meute. Im Bauernhaus stapelten sich Cookies und Kuchen, Tee und Kaffee wurde gereicht. Nat\u00fcrlich wehte der Union Jack \u00fcber dem Geh\u00f6ft und, so gest\u00e4rkt, wanderte ich \u00fcber die Insel zur Felsenpinguin- und Albatroskolonie am anderen Ende des Eilands. Die Pinguine haben es im Vergleich zu ihren Artgenossen in der Antarktis richtig gut. Denn auf Falkland gefriert es selten, man kann herrlich auf der Wiese br\u00fcten und anscheinend gibt es auch nicht so stressige Feinde wie die in der Antarktis st\u00e4ndig pr\u00e4senten Skuas (Raubm\u00f6we). In einer Art Wohngemeinschaft mit den Albatrossen wurden die bereits geschl\u00fcpften K\u00fcken in einem Kindergarten wohlbeh\u00fctet. Die Jungen der Felsenpinguine sind noch mit braunem Flaum \u00fcberzogen. Wenn sie in die Mauser kommen, werden daraus richtig stylische Viecher, denn die Felsenpinguine haben gelbe Str\u00e4hnchen \u00fcber ihrem Kopf und tiefrote Augen. Der Laufsteg auf dem sie sich pr\u00e4sentieren war nur wenige Meter neben dem Wanderweg und so konnte man in aller Ruhe den Alltag in der Wohngemeinschaft wunderbar beobachten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/falkland2008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarkis3272.jpg\" alt=\"West Point Island, Falkland-Inseln\"\/><\/a><figcaption> West Point Island, Falkland-Inseln <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann musste ich dann leider Abschied nehmen von West Point und den Pinguinen und es begann die lange Heimfahrt in Richtung Deutschland. Nach drei Tagen Odyssee bin ich nun in Mainz wieder angekommen und habe versucht, das Erlebte ein wenig in Worte zu fassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Half Moon Island auf den S\u00fcd-Shetland-Inseln angekommen, hatte ich den Kontinent der Antarktis erreicht. Streitet man sich weiter n\u00f6rdlich in Patagonien, wer die s\u00fcdlichste Stadt der Welt nun besitzt, gilt es als unbestritten, dass der antarktische Kontinent mit dem Passieren der sog. Antarktischen Konvergenz erreicht ist. 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