{"id":166,"date":"2008-01-22T17:52:11","date_gmt":"2008-01-22T17:52:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/?p=166"},"modified":"2019-04-11T08:28:00","modified_gmt":"2019-04-11T08:28:00","slug":"antarktis-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/antarktis-2008\/","title":{"rendered":"Antarktis 2008"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich sollte Euch diese Email bereits vor einer Woche erreichen. Doch gibt es auf unserer Erde doch noch Pl\u00e4tze, an denen es keine Internetcaf\u00e9s gibt. Daher erz\u00e4hle ich Euch erst heute, was ich so am Jahresanfang gemacht habe und w\u00fcnsche Euch gleichzeitig einen guten Start in die Woche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeiten werden immer schnelllebiger. Nachdem ich das letzte Mal 2002\/2003 von Mainz nach Punta Arenas in Chile etwas \u00fcber 6 Monate unterwegs war, da ich den Umweg mit Bus, Bahn und Schiff via Island und Nordamerika nahm, schaffte ich es im noch jungen 2008 in knapp 24 Stunden nach ganz unten, ins wahre Downunder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass f\u00fcr diese Mammut-Reise nur eine Bordkarte notwendig war, hatte ich dem Charterflieger der LTU zu verdanken. Damit aber alles nicht allzu einfach ablief, ging es erst einmal in einem ersten H\u00fcpfer ins 3148 km entfernte Las Palmas. Dort war eigentlich nur ein Besatzungswechsel sowie ein kurzer Tankstopp vorgesehen. Doch diese Zwischenlandung dauerte dann doch l\u00e4nger als der Flugplan es vorsah, da es geschlagene 150 Minuten brauchte, um 50 l\u00e4ppische Tonnen an Kerosin in die Kiste zu packen. Unter normalen nicht kanarischen Zust\u00e4nden w\u00fcrde so etwas ca. 30 Minuten dauern\u0096 aber was soll&#8217;s, denn wir durften das Flugzeug ja nicht verlassen und so konnte man sich wenigstens noch ein wenig besser daran gew\u00f6hnen, fast 24 Stunden in einem Airbus A 330-200 zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Voll getankt stand nun ein Nachtflug \u00fcber 6120 km nach Sao Paulo auf dem Programm. Da wir Passagiere bei der Ankunft in der brasilianischen Metropole bereits 14 Stunden im Flieger sa\u00dfen, durften wir nun zur Abwechselung dieses Mal aussteigen und zun\u00e4chst einmal wieder unser Handgep\u00e4ck durchleuchten lassen. Als Dank gab es hinter der Sicherheitskontrolle einen Gutschein. Die H\u00f6he des Betrags war&nbsp;bereits vor der Landung von den Flugbegleitern mit 8 US-Dollar angegeben worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das war eine prima Idee, denn auf dem Papier fand sich kein Betrag. Stattdessen war wenigstens per Hand \u0084Gate 10\u0093 hingeschrieben worden, was ja auch recht praktisch war, denn niemand wusste, von wo wir weiterfliegen, noch wann wir weiterfliegen sollten. Nun ja 8 US-Dollar kann viel bedeuten, wenn im Flughafen alles in der brasilianischen Landesw\u00e4hrung angegeben war. Durch den schwachen Dollar, war es nat\u00fcrlich h\u00f6chst schwierig in der Cafeteria den etwaigen Wert zu taxieren. Am Ende hatte es f\u00fcr ein Wasser, einen Kaffee und eine Empanada (Teigtasche) gereicht\u0096 Zumindest wenn die nette Bedienung einfach mehrere Gutscheine zusammenrechnete, da einige andere Reisende lediglich einen Kaffee orderten. Pragmatismus pur!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/feuerland2008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0008.jpg\" alt=\"Das Ziel Punta Arenas war nach 24 Stunden Flug erreicht\"\/><\/a><figcaption>Das Ziel Punta Arenas war nach 24 Stunden Flug erreicht<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser \u00e4u\u00dferte sich auch in der Bezeichnung des Fluges, der in Frankfurt noch mit LTU LT9061 gestartet war. An Bord konnte man dann schon die Air-Berlin-\u00dcbernahme erahnen, denn das Bordmagazin hie\u00df schon wie die Muttergesellschaft, genauso wie die Au\u00dfenverpackung der Sandwichs, wohingegen die Br\u00f6tchen noch in einem LTU-Karton gereicht wurden. Auf der S\u00fcdhalbkugel angekommen, war dann die Namens\u00e4nderung vollkommen: Mangels LTU-Logo war nun eines der amerikanischen Airline Delta angezeigt, denn was haben LTU, die Mutter Air Berlin und Delta gemeinsam? Richtig, sie haben rote Logos! Und was liegt da n\u00e4her, als das Delta-Logo auf der Anzeigetafel zu nutzen. In der Spalte \u0084Remark\u0093 war dann die erkl\u00e4rende Bezeichnung &#8222;TPS-01&#8243; angegeben. Was das wohl hei\u00dfen mag? Auf jeden Fall war pl\u00f6tzlich&#8220;Gate 7&#8220; f\u00fcr den &#8222;Delta-Flug&#8220; angegeben.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun ja beim Kaffeetrinken im Wartesaal durfte dann im Land des Rekordweltmeisters wenigstens Fu\u00dfball im TV geguckt werden (Luton vs. Liverpool und Andrej Voronin sa\u00df wie bei ehemaligen 05ern \u00fcblich nat\u00fcrlich auf der Bank). Und eingestiegen wurde schlie\u00dflich weder von Gate 10 noch von Gate 7 sondern von Gate 9 \u0096 wie uns der Angestellte pers\u00f6nlich mitteilte. Ansagen sind in Sao Paulo morgens um sechs wohl noch nicht so angesagt. An Bord wurde uns dann mitgeteilt, dass der Flugplan gerade erst eingetroffen sei. So hatten wir eine weitere Versp\u00e4tung von ca. 30 Minuten\u0096 aber was soll&#8217;s. In f\u00fcnf weiteren Flugstunden ging es auf das letzte Teilst\u00fcck, um nach 3878 km nun endlich in Punta Arenas anzukommen. Wir rollten auf die Parkposition und dachten, wir h\u00e4tten es geschafft. Doch zu fr\u00fch gefreut und zu weit gerollt: Die Fluggastbr\u00fccke konnte nicht angelegt werden und somit mussten wir auf einen Flugzeugschlepper warten, der die Maschine schlie\u00dflich zwei Meter zur\u00fcckdr\u00fcckte, ehe wir nach 23 Stunden und 56 Minuten endlich in Punta Arenas angekommen waren und chilenischen Boden betreten durften.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/feuerland2008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0009c.jpg\" alt=\"Punta Arenas, Chile\"\/><\/a><figcaption>Punta Arenas, Chile<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies war der Tag der Superlative, denn nachdem ich gerade ich meinen l\u00e4ngsten Flug in meinem Leben ohne Thrombose \u00fcberstanden hatte, schaffte ich auch gleich noch den k\u00fcrzesten Aufenthalt meines Lebens in einem fremden Land &#8211; innerhalb eines Tisches am Flughafen Punta Arenas. Der erste Beamte am Tisch dr\u00fcckte mir den Einreisestempel nach Chile in den Pass hinein, ehe seine Kollegin, die drei\u00dfig Zentimeter neben ihm sa\u00df, mir bereits schon wieder den Ausreisestempel verpasste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser &#8222;Rausschmiss&#8220; aus Chile war allerdings Programm, denn wenig sp\u00e4ter sa\u00df ich bereits an Bord meines Schiffes, der MS Vistamar, um v\u00f6llig unspektakul\u00e4r einfach so mir nichts dir nichts in See zu stechen und Chile wieder zu verlassen. Zun\u00e4chst waren die letzten H\u00e4user verschwunden, dann der Empfang per Handy und schlie\u00dflich das s\u00fcdamerikanische Festland. Durch die Magellan-Stra\u00dfe schipperte das Schiff nach S\u00fcden, an immer h\u00f6her hinaus ragenden Felseninseln vorbei, die mehr und mehr Schneefl\u00e4chen aufwiesen. Aus dem Schnee wurden schlie\u00dflich Gletscher, aus dem ruhigen Fahrwasser, sch\u00e4umende Wellen und aus dem strahlend blauen Himmel, gespenstische wei\u00df-schwarze Wolkenstimmungen. In diesem Teil der Welt zieht die Natur ein sagenhaftes Schauspiel mit Licht und Schatten, Wolken und blauen Himmel ab, so dass das Zuschauen an Deck niemals langweilig wird. Ab und zu wurde das Schiff von posierenden Orcas (gro\u00dfe Schwertwale)&nbsp;und Vogelschw\u00e4rmen begleitet &#8211; kein Wunder, denn was sollen die Tiere in diesem abgeschiedenen Teil der Welt auch anderes tun. Die Temperatur von ca. 13\u00b0 C wurde durch den aufkommenden Wind gef\u00fchlt, auch immer niedriger und so langsam tuckerten wir dem Ende der Welt und der ersten Nacht entgegen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/feuerland2008.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0020.jpg\" alt=\"Magellan-Stra\u00dfe, Chile\"\/><\/a><figcaption>Magellan-Stra\u00dfe, Chile<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am n\u00e4chsten Morgen lief das Schiff, nachdem es sich kurzzeitig auf dem offenen, schaukelnden Pazifik befand, ostw\u00e4rts in den Beagle-Kanal ein. Das Wetter zeigte sich wieder von seiner besten Seite. Strahlend blauer Himmel, ruhige See, steile Felsh\u00e4nge mit hohen Wasserf\u00e4llen und Gletscher, die direkt ins Meer hinabst\u00fcrzten, bildeten eine faszinierende Szenerie, zu der es sich sehr gut fr\u00fchst\u00fccken lie\u00df. Mittags wurde, nach ca. 520 km Seereise, die wahrscheinlich s\u00fcdlichste Stadt der Welt, Ushuaia erreicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0037.jpg\" alt=\"Beagle-Kanal, Chile-Argentinien\"\/><figcaption>Beagle-Kanal, Chile-Argentinien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ganz sicher mit diesem Superlativ kann man nicht sein, da auf der S\u00fcdseite des Beagle-Kanals die Chilenen mit dem Kaff Puerto Williams (2.000 Einwohner) diesen Titel beanspruchen. Aber auch die sehr k\u00fcnstlich anmutende argentinische Stadt Ushuaia (60.000 Einwohner), auf der Nordseite des Kanals gelegen, hat mit dem Begriff Stadt recht wenig zu tun. Chile und Argentinien stritten&nbsp;sich in der Historie nicht nur um solche Lappalien, wer die s\u00fcdlichste Stadt der Welt nun innehat, sondern auch um die gro\u00dfe Insel im S\u00fcden S\u00fcdamerikas: Feuerland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dieser vermutete man gro\u00dfe \u00d6lvorkommen \u0096 Grund genug f\u00fcr Menschen, bekanntlich auch in anderen Teilen unserer Erde einen Krieg anzufangen. Dieser wurde in den 80ern des letzten Jahrhunderts in letzter Minute durch Papst Johannes Paul II. verhindert, da beide Staaten erzkatholisch sind und der friedliebende Papst seine Autorit\u00e4t f\u00fcr den Frieden erfolgreich einsetzen konnte. Der Name Feuerland stammt vom Seefahrer Magellan, der bei seiner Weltumsegelung von 1519 bis 1522 Feuerland &#8222;entdeckte&#8220; und die Passage zwischen dem s\u00fcdamerikanischen Festland und der Insel als erster Europ\u00e4er durchfuhr. Er nannte sie so, da er \u00fcberall aufsteigende Rauchs\u00e4ulen entdeckte. Diese stammten von den dort lebenden indigenen Einwohnern. F\u00fcr diese war das Feuer derma\u00dfen existenziell wichtig, da es wegen der niedrigen Temperaturen, die hier schon immer vorherrschten, es ein fatales Geschehen gewesen w\u00e4re, wenn ein Feuer einmal ausgegangen w\u00e4re. Durch die Ankunft der Europ\u00e4er geschah langfristig mit den Ureinwohnern, das, was auch im restlichen Teil der Welt leider immer wieder geschah: Sie wurden durch eingeschleppte Krankheiten und Jagd auf sie selbst, innerhalb von ca. 30 Jahren ausgerottet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0061.jpg\" alt=\"Ushuaia, Argentinien\"\/><figcaption>Ushuaia, Argentinien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist Ushuaia lediglich ein Verkehrsknotenpunkt, um den Feuerland-Nationalpark zu besuchen, oder einfach mal die Panamericana, die Stra\u00dfe, die sich durch ganz Amerika zieht, rund 17.000 Kilometer nach Norden zu fahren, um nach Alaska zu gelangen. Gut, ich hatte heute Alaska nicht auf dem Programm, also ging es mal wieder ein wenig wandern und die Natur genie\u00dfen. Diese ist auch am s\u00fcdlichen Ende der Welt nicht ganz so paradiesisch, wie wir es uns vielleicht gerne vorstellen,&nbsp;denn der Mensch versucht ja immer irgendwie Profit zu machen. Und die ersten Siedler hier unten, dachten, wir kopieren mal das, was ganz oben im Kontinent gut funktioniert: der Handel mit Biberpelzen. Also wurden diese Viecher aus Kanada importiert und nach ein paar Jahren stellte man fest, dass man mit diesen Pelzen nicht reich werden w\u00fcrde. Daf\u00fcr vermehrten sich die Tiere sprunghaft, mangels nat\u00fcrlicher Feinde, und setzten erstmal die Insel Feuerland unter Wasser, da sie ja so gerne D\u00e4mme bauen. Diese sind auch heute noch zu bewundern, denn als Jagdobjekt taugen Biber nicht, da sie als Wild nicht kulinarische Begeisterungsst\u00fcrme hervorrufen und auch der staatlich gef\u00f6rderte Abschuss dieser Spezies nur rund 15 Euro pro Skalp einbringt. Aufgrund der Scheu und Nachtaktivit\u00e4t ist dies ein eher schwieriger und folglich unrentabler Nebenverdienst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein anderer Flop mit der Einfuhr fremder Tiere, waren die Kaninchen. Auch diese vermehren sich unkontrolliert und auch diese f\u00fchren mangels nat\u00fcrlicher Feinde ein geruhsames Leben in der neuen Welt. F\u00fcr Argentinier kommen diese Lebewesen auf dem Speiseplan nicht vor, da f\u00fcr die Chicas und Chicos dieses Teils der Erde, Fleisch nur dann als Fleisch gilt, wenn es mindestens schuhsohlengro\u00df ist und die Dicke eines Br\u00f6tchens hat. Somit werden Kaninchen nicht als Jagdtroph\u00e4e akzeptiert, anders als bei ihrer Einf\u00fchrung durch hungrige Soldaten am Ende des vorletzten Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0089.jpg\" alt=\"Feuerland-Nationalpark, Argentinien\"\/><figcaption>Feuerland-Nationalpark, Argentinien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Wandern im Feuerland Nationalpark bietet vor allem meteorologisch gesehen permanent eine Abwechselung, da hier April-Wetter praktisch Programm ist. Kaum gibt es einen Platzregen mit heftigem Sturm und kaum hat man sich entsprechend in Gore-Tex-Jacke und Wanderstiefel gezw\u00e4ngt, da scheint schon wieder die Sonne und man f\u00e4ngt im S\u00fcdsommer bei 15\u00b0 C und Windstille sofort an zu schwitzen. Das Wandern durch die Moore und die subpolaren Urw\u00e4lder mit ihren von Flechten \u00fcberzogenen B\u00e4umen und den von Moos bewachsenen Felsen war gerade zum Abtrainieren von auf dem Schiff angefressenen Fettreserven eine gute Idee. Schlie\u00dflich war das erste, was man nach der R\u00fcckkehr auf das Schiff machte Essen. Um kurz vor Mitternacht: Essen, morgens von acht bis zehn: Essen, mittags Essen, nachmittags Essen und schon war wieder ein kulinarisches 24-Stunden-Programm vorbei. Die Kunst auf Schiffsreisen besteht meiner Meinung darin Verzicht zu \u00fcben, haupts\u00e4chlich bei der V\u00f6llerei, aber auch bei alkoholischen Getr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich sind Fahrten in diesem Teil der Erde nicht immer ein beschauliches Vergn\u00fcgen: Durch das \u00f6stliche Ende des Beagle-Kanals schipperten wir durch die Nacht nach S\u00fcden und der Wellengang wurde immer heftiger. Die Bullaugen in diesem Teil der Welt m\u00fcssen bei Schiffen permanent aus Sicherheitsgr\u00fcnden verschlossen sein, so dass ich von au\u00dfen nur das Gurgeln und Gluckern h\u00f6ren konnte, wenn das Schiff bei jeder Welle in die Tiefe abtauchte. Morgens passierten wir schlie\u00dflich das ber\u00fchmte Kap Hoorn, den angeblich s\u00fcdlichsten Punkt S\u00fcdamerikas. Dabei ist Kap Hoorn lediglich ein 424 m hoher vorgelagerter Fels. Kap Hoorn wurde 1616 von zwei holl\u00e4ndischen Seefahrern &#8222;entdeckt&#8220; und diese nannten es Kap Hoorn einfach und pragmatisch nach einem ihrer Segelschiffe &#8222;Hoorn&#8220;. Die chilenischen Inseln Diego Ramirez liegen 100 km s\u00fcdwestlich von Kap Hoorn und stellen den eigentlich s\u00fcdlichsten Punkt S\u00fcdamerikas dar, oder sollte vielleicht der s\u00fcdlichste Punkt Feuerlands in der N\u00e4he von Ushuaia dies sein oder gar lediglich der s\u00fcdlichste Punkt des s\u00fcdamerikanischen Festlands?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0096.jpg\" alt=\"Kap Hoorn, Chile\"\/><figcaption>Kap Hoorn, Chile<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Extremen ist es halt immer extrem schwierig. Auf jeden Fall herrschte beim Passieren von Kap Hoorn extremes Wetter \u0096 obwohl nur Windst\u00e4rke 6 herrschte. Hier treffen die Wassermassen von Pazifik und Atlantik aufeinander. Dieses Meeting \u00e4u\u00dfert sich in f\u00fcnf, sechs Meter hohen Wellen und einem Wind, der mich fast umgeschmissen hat. Das Schiff schwingt dementsprechend nach links und rechts sowie nach vorne und hinten. Das Sich-Fortbewegen f\u00e4llt einem bei so einem Wellengang schon sehr schwer, etwa so wie nach einer gut durchzechten Nacht an Land. Man muss sich beim Laufen gerade auch im Inneren des Schiffes \u00fcberall festhalten, wenn man am Ende der Seereise nicht total verbeult ankommen will. Auch der Magen stellt sich auf dieses Schwanken recht schnell ein und reagiert oft mit einem \u00dcber-Bord-Werfen von unn\u00f6tigem Ballast. Daher war es ein guter Einfall, alle zwei Meter kleine Plastikbeutel zu postieren, die in relativ kurzer Zeit vom gro\u00dfen Teil der Reisenden wohl in Anspruch genommen wurden. Den Pillen meines heimischen Pharmazeutinnensupport sei Dank und ich \u00fcberstand die \u00dcberfahrt bisher ohne Umkehrschub in der Magenregion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ganze Schwanken und Wanken ist allerdings beste \u00dcbung f\u00fcr die bald anstehende Fastnacht im &#8222;goldischen Meenz&#8220; und es war nett anzusehen, sich auf der Toilette festzuhalten und Labello- und Lippenstifte beim Hin- und Herschunkeln zu bewundern, genauso wie Zahnputzbecher und aufgeh\u00e4ngte Handt\u00fccher. Abends l\u00e4dt dazu die Showband ein, sich auch schon musikalisch auf die n\u00e4rrischen Tage einzustellen, so dass ich bei meiner heutigen R\u00fcckkehr nach Mainz karnevalistisch nicht ins Hintertreffen geraten bin, Helau!&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/Homepagebilder\/Antarktis_0135.jpg\" alt=\"Kapsturmv\u00f6gel und Albatrosse, S\u00fcd-Ozean\"\/><figcaption>Kapsturmv\u00f6gel und Albatrosse, S\u00fcd-Ozean<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann beruhigte sich das Meer wieder ein wenig und wir wurden auf der Fahrt nach S\u00fcden von Kapsturmv\u00f6geln, S\u00fcdlichen Riesensturmv\u00f6geln und Albatrossen begleitet. Die V\u00f6gel schwirrten stundenlang am Heck des Schiffes hinterher. Je weiter es nach S\u00fcden ging, desto zahlreicher wurden die fliegenden Begleiter. Eigentlich sah es immer unwirtlicher aus und ich h\u00e4tte ohne die Tiere das Gef\u00fchl gehabt, wirklich so langsam das Ende der Welt erreicht zu haben. Zu den fliegenden Begleitern gesellten sich am Abend des zweiten Tags auf offener See dann pl\u00f6tzlich auch Wale, was zun\u00e4chst am Auspusten vom Luft-Wasser-Gemisch erkennbar war. Und pl\u00f6tzlich n\u00e4herte sich auch der erste einzelne Eisberg. Einige Stunden sp\u00e4ter f\u00fchlte ich mich schon fast von diesen gefrorenen Kolossen umzingelt, und die Zahl der V\u00f6gel, die uns weiterhin unabl\u00e4ssig folgten, stieg in die Hunderte. Nach fast 50 Stunden \u00dcberfahrt, die See hatte sich zum Gl\u00fcck l\u00e4ngst beruhigt, kamen die ersten Eispanzer des Festlands der S\u00fcd-Shetland-Inseln zum Vorschein. Was ich dann da unten ganz im S\u00fcden unserer Erde alles so erlebte, erz\u00e4hle ich Euch im zweiten der Teil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich sollte Euch diese Email bereits vor einer Woche erreichen. Doch gibt es auf unserer Erde doch noch Pl\u00e4tze, an denen es keine Internetcaf\u00e9s gibt. Daher erz\u00e4hle ich Euch erst heute, was ich so am Jahresanfang gemacht habe und w\u00fcnsche Euch gleichzeitig einen guten Start in die Woche. Die Zeiten werden immer schnelllebiger. 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