{"id":150,"date":"2011-10-16T17:15:15","date_gmt":"2011-10-16T17:15:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/?p=150"},"modified":"2019-04-08T05:53:22","modified_gmt":"2019-04-08T05:53:22","slug":"argentinien-2011-letzter-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.meenzer-on-tour.de\/blog\/argentinien-2011-letzter-teil\/","title":{"rendered":"Argentinien 2011 letzter Teil"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die zweite Woche mit dem Auto in Argentinien haben sowohl wir Insassen als auch unser VW Gol gut \u00fcberstanden &#8211; danke Wolfsburg! Jetzt kann ich diesem Verein wenigstens etwas Positives abgewinnen. Aber vom Gewinnen rede ich als Mainzer lieber mal nicht zurzeit, lieber vom Reisen durch Argentinien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hauptstra\u00dfen sind dort eigentlich entweder Autobahnen mit einer gr\u00fcnen breiten Wiese als Trennung oder langgezogenen Landstra\u00dfen, die zum \u00dcberholen von extrem langen, unz\u00e4hligen LKW-Kollonnen aus Brasilien einladen. Aber die Nebenstra\u00dfen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/argentinien0006.jpg\" alt=\"Nebenstra\u00dfe in der Provinz Misiones\"\/><figcaption>Nebenstra\u00dfe in der Provinz Misiones<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein, es handelt sich dabei um keine Schlaglochpisten sondern eigentlich immer um Erdstra\u00dfen. Somit lohnt sich beim Autofahren in der Pampa wirklich den Wetterbericht vorab zu studieren. Wir hatten zwar einen h\u00f6hergelegten VW aber kein Allradfahrzeug. So machten wir uns nach den Regenf\u00e4llen der letzten Tage mit etwas mulmigen Gef\u00fchl auf die Strecke in das Tierparadies Esteros del Iberr\u00e1. Dieses liegt auf halbem Weg zwischen Buenos Aires und Iguaz\u00fa fernab von jeder Teerstra\u00dfe. Diese Abgeschiedenheit war f\u00fcr uns nat\u00fcrlich Fluch und Segen zugleich. Segen, weil es nur wenige Touristen gibt, die die \u00fcber 100 km lange Piste in Angriff nehmen, um dieses Naturparadies zu entdecken, Fluch, weil wir bef\u00fcrchten mussten, bei Regen, den es dort halt immer wieder gibt, dann mal ruckzuck ein paar Tage von der Au\u00dfenwelt abgeschnitten zu sein. So gingen wir auf die Piste und waren froh, dass die ersten 10 km sogar geteert waren &#8211; warum? Keine Ahnung, denn der Belag verschwand von einem auf den anderen Meter und die Erdstra\u00dfe, wurde zunehmend schlechter, sprich es gab tiefe Furchen aber zum Gl\u00fcck keine Schlamml\u00f6cher in denen man stecken bleiben konnte. Durch die H\u00f6herlegung des Autos kamen wir nach 4 Stunden Fahrtzeit dann in Colonia Pellegrini dem einzigen Ort auf dieser 100 km Strecke an.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/argentinien0007.jpg\" alt=\"Unser Lieblingstier: ein Capybara\"\/><figcaption>Unser Lieblingstier: ein Capybara<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Weg dorthin trafen wir bereits Capybaras, im Deutschen auch bekannt als &#8222;Wasserschwein&#8220;. Diese liebenswerten Viecher haben mit einer Sau aber rein gar nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um die gr\u00f6\u00dften Nagetiere der Welt, die bis zu 75 kg schwer werden k\u00f6nnen. Uns erinnerten die Capybaras eher an Tiere von Loriot mit ihrer platten Schnauze und ihrem vollschlanken K\u00f6rper der aus einem wasserdichten struppigen Fell besteht. Schlie\u00dflich lieben es Capybaras sich in T\u00fcmpeln vom vielen Pflanzenfressen auszuruhen. So badete direkt am Stra\u00dfenrand ein Capybara in einer Pf\u00fctze und lie\u00df sich durch uns nicht im geringsten st\u00f6ren. Neben unz\u00e4hligen Vogelarten entdeckten wir auf einer Bootsfahrt auch viele Kaimane und bei einer Wanderung auch sehr scheue Affen, die anders als in Indien es vorzogen, in den Baumkronen sich von Ast zu Ast zu h\u00e4ngeln als auf dem Boden wehrlosen Brillentr\u00e4gern ihre Sehhilfen zu klauen &#8211; wie mir geschehen, 2008 im n\u00f6rdlichen Teil des Subkontinents.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach ein paar Tagen Natur pur im Zelt ohne Gewitter oder Platzregen setzten wir unsere Autofahrt nach Nordosten auf der Piste fort &#8211; dem trockenen Wetter sei Dank. Denn die Piste sollte noch wesentlich schlechter werden, als die auf der Hinfahrt genommene. W\u00e4ren wir auf dieser zur\u00fcck gefahren, h\u00e4tten wir ca. 300 km an zus\u00e4tzlicher Strecke gehabt &#8211; ein Umstand auf den wir gerne verzichtet haben. Nach Absprache mit den Einheimischen, die unseren VW Gol f\u00fcr tauglich f\u00fcr diese Strecke bei diesen Witterungsverh\u00e4ltnissen hielten, zogen wir fr\u00fchmorgens weiter. Zun\u00e4chst wurde die Piste einfach nur ein gro\u00dfer Sandkasten, bei dem man fast froh sein konnte, dass noch eine gewisse Feuchtigkeit im Boden war, die den Sand zusammenklebte und wir immer mit Vollgas gem\u00e4\u00df der Devise &#8222;Augen zu und durch&#8220; weiterkamen. Irgendwann aber trafen wir auf Furchen und Rinnen die zum Teil einen halben Meter tief und dann auch noch verschlammt waren. Da musste ich imagin\u00e4r \u00f6fter mal die Daumen dr\u00fccken und drei Kreuze machen, aber der Volkswagen hielt durch und uns in der Spur. Das Auto schlingerte mehr als einmal aber wir kamen durch bis zur Teerstra\u00dfe nach ca. 130 km&#8230;wieder ohne Kaff.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/argentinien0008.jpg\" alt=\"Ruine der Jesuiten-Mission San Ignacio Mini\"\/><figcaption>Ruine der Jesuiten-Mission San Ignacio Mini<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Rest des Tages ging es dann auf einfach zu fahrender Hauptstra\u00dfe weiter zu den ehemaligen Jesuiten-Missionen in der Provinz &#8222;Misiones&#8220; &#8211; dem nord\u00f6stlichsten Teil Argentiniens. Dort missionierten im 17. Jhdt. spanische Jesuiten-M\u00f6che bei der einheimischen indigenen Guaran\u00ed-Bev\u00f6lkerung erfolgreich, in dem sie um die Kirchen herum gro\u00dfe D\u00f6rfer gr\u00fcndeten, in denen demokratisch gew\u00e4hlte Vertreter den Alltag der bekehrten Guaran\u00eds bestimmten. Diese fanden das Christentum wohl sicher auch dadurch attraktiv, da diese D\u00f6rfer Schutz vor Sklavenh\u00e4ndlern boten. Im heutigen Paraguay, Argentinien und Brasilien finden sich mehrere dieser St\u00e4tten, die f\u00fcr ca. 50 bis 100 Jahre im 18.\/19. Jhdt. vollkommen vom Dschungel \u00fcberwuchert wurden, da diese D\u00f6rfer irgendwann von Sklavenh\u00e4ndlern dann doch erfolgreich eingenommen wurden &#8211; unterst\u00fctzt von den damaligen Kolonialm\u00e4chten Spanien und Portugal. Heute sind von diesen Bauten nur noch die Grundmauern zu sehen, aber \u00e4hnlich wie in Angkor Wat oder bei den Pyramiden in Mexiko sehen Ruinen im Dschungel immer sehr beeindruckend aus und es kommt so eine Indianer Jones Athmosph\u00e4re auf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/argentinien0010.jpg\" alt=\"Die Iguazu-Wasserf\u00e4lle von der brasilianischen Seite\"\/><figcaption>Die Iguazu-Wasserf\u00e4lle von der brasilianischen Seite<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einem Nachmittag als gef\u00fchlter Harrison Ford ging es dann zu unserem Ziel der Reise, den Iguaz\u00fa-Wasserf\u00e4llen. Der Lonely Planet hat es ganz gut beschrieben: Es gibt Wasserf\u00e4lle und Wasserf\u00e4lle und es gibt die Iguaz\u00fa-F\u00e4lle! Damit ist alles gesagt &#8211; zumindest f\u00fcr diejenigen von Euch, die das Gl\u00fcck bereits hatten, einmal am Rand dieses tosenden Rauschens zu stehen. Allen anderen sei gesagt, wenn Ihr irgendwie mal die M\u00f6glichkeit habt, dorthin zu kommen, macht es! Was da Mutter Natur f\u00fcr eine Show abzieht ist wirklich schon fast unwirklich. Und zugleich sind diese F\u00e4lle aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe gar nicht so \u00fcberlaufen. Gerade die argentinische Seite bietet unz\u00e4hlige Wanderwege und Stege an, von denen man die F\u00e4lle aus fast allen Positionen bestaunen kann. Brasilien bietet auf einem recht kurzen Weg ein sagenhaftes Rund-Um-Panorama. Daher sollte jeder, der das Gl\u00fcck hat, mal dort zu sein auch beide Seiten besuchen. Auf dieser Reise steht f\u00fcr jeden Schwerpunkt unserer Tour ein anderes, lustig anzusehendes S\u00e4ugetier symbolhaft f\u00fcr diesen Ort. Waren es die Capybaras in Iber\u00e1 so waren es in Iguaz\u00fa die Coatis, Nasenb\u00e4ren, die mit riesigem B\u00fcschelschwanz. Die Tiere erinnerten mit diesem hochstehenden Schwanz an Autoscooter die durch die Gegend huschten &#8211; immer auf der Suche nach Nahrung, vorallem bei M\u00fclleimern, die bereits so konstruiert waren, dass die Viecher sie eigentlich nicht aufbekamen. Diese versuchten es trotzdem unentwegt, dort an Nahrung zu gelangen und manches Mal war dieses ewige Versuchen sogar von Erfolg gekr\u00f6nt &#8211; anders als zurzeit bei unseren Meenzern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/argentinien0009.jpg\" alt=\"Coati - Nasenb\u00e4r in Iguaz\u00fa\"\/><figcaption>Coati &#8211; Nasenb\u00e4r in Iguaz\u00fa<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Iguaz\u00fa bot aber auch kulinarische Highlights &#8211; gerade f\u00fcr Vegetarier, denn ansonsten sieht es f\u00fcr Fleischverschm\u00e4her in Argentinien oft was die Vielfalt an Speisen angeht recht mau aus. Meistens gab es nur Pasta in drei Formen: Bandnudeln, Ravioli und Canneloni, wobei letztere meist sehr lecker waren, da sie recht voll mit Spinat gef\u00fcllt waren. Saucenm\u00e4\u00dfig blieb meist nur die Tomaten-Variante &#8222;Filetto&#8220; oder die m\u00e4chtige &#8222;Blanca&#8220;, die Wei\u00dfe, die haupts\u00e4chlich aus Sahne besteht. In Iguaz\u00fa gab es in vielen gehobenen Hotels Buffets mit einer riesigen Auswahl an fleischlosen Speisen &#8211; neben gro\u00dfer Pasta- und Grillauswahl. Dazu wird nat\u00fcrlich ein guter Malbec-Rotwein oder Torrontes-Wei\u00dfwein genossen &#8211; beides Traubensorten, die in Europa entweder gar nicht (Torrontes) oder nur als (Bordeaux-)Verschnitt existieren, da diese Sorten nicht robust genug f\u00fcr unser wechselhaftes Wetter sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgenwann waren wir dann vollgefuttert und auch vom Wein her gut gef\u00fcllt, so dass wir uns auf die 1.500 km lange R\u00fcckreise nach Buenos Aires mit dem Auto machten. Statt auf der Hauptstra\u00dfe zur\u00fcckzubrettern, nahmen wir uns wieder Zeit, auf den Nebenstra\u00dfen dieses vielf\u00e4ltige Land zu entdecken, so z.B. die breitesten Wasserf\u00e4lle der Welt. Gut, wenn man von Iguaz\u00fa kommt, dann sind alle anderen Wasserf\u00e4lle der Welt eigentlich nur ein kleines Pl\u00e4tschern, aber die Saltos de Mocon\u00e1 waren die Reise wert. Der Rio Uruguay f\u00e4llt direkt an der brasilianisch-argentinischen Grenze auf 3,5 km L\u00e4nge mitten im Fluss abprupt ab, so dass auf der argentinischen Flussseite der Strohm zun\u00e4chst ebenerdig weiterflie\u00dft, w\u00e4hrend er auf der brasilianischen Seite auf diesen 3,5 km bis zu 16 m an H\u00f6he verliert. Dieses Ph\u00e4nomen mit dem Boot aus n\u00e4chster N\u00e4he zu betrachten, ist ein \u00e4u\u00dferst nasses, rumpeliges aber auch einmaliges Vergn\u00fcgen &#8211; zumal die F\u00e4lle wirklich am Ende der Welt liegen. Zum n\u00e4chsten Kaff waren es 75 km und dieses El Soberbio war selbst ein Fleckchen Erde an dem die Zeit wohl stehen geblieben ist. Samstag abends in der Kneipe wurde ein Endlos-Medley aus 90er Jahren Dance-Floor gespielt. &#8222;Rhythm is an Dancer&#8220;, &#8222;What is love?&#8220; und Dutzende andere eigentlich l\u00e4ngst vergessen One-Hit-Wonder hauten mir einen Ohrwurm nach dem anderen ins Hirn&#8230;&#8220;I&#8217;m too sexy for my car&#8230;&#8220; ging mir noch Tage danach im Kopf herum &#8211; diese Zeitreise war aber noch das beste an dem Restaurant, denn kulinarisch war es gerade nach Iguaz\u00fa ein Ritt durch die H\u00f6lle. Die Palmherz-Pizza bestannd eigentlich nur aus dickem Teig mit einer Komplett-Belegung aus Mozarella und einem Hauch Tomaten-Sauce. Die Palmherzen waren recht \u00fcberschaubar angeordnet und die alternative Pasta (dieses Mal Bandnudeln) wurde mit Tomatensauce aus dem Tetra-Pak kredenzt. Es gibt sicherlich leckerere Speisen &#8211; aber wenigstens war das Quilmes-Bier sch\u00f6n k\u00fchl, denn hier oben im Nordosten Argentiniens ist es tropisch feucht-warm&#8230;und somit ideales Biergarten-Wetter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/argentinien0011.jpg\" alt=\"Saltos de Mocon\u00e1\"\/><figcaption>Saltos de Mocon\u00e1<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch jede Reise geht mal zu Ende und somit ging es f\u00fcr uns weiter nach S\u00fcden in Richtung Buenos Aires. Ein letztes Mal besuchten wir einen der unz\u00e4hligen Nationalparks Argentiniens &#8211; dieses Mal waren eigentlich Pflanzen in El Palmar die Attraktion. Wie es der Name schon vermuten l\u00e4sst, geht um fast ausgerottete Palmen, aber der eigentliche Hit waren die Viscacha &#8211; trollige Chinchilla-Viecher, die nachtaktiv waren und uns mit ihrem Grunzen, Quieken und Pupsen in den Zeltschlaf &#8222;sangen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/argentinien0013.jpg\" alt=\"&quot;Schlafst\u00f6rer&quot;: Viscacha\"\/><figcaption>&#8222;Schlafst\u00f6rer&#8220;: Viscacha<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor wir die zweite Zeltnacht antraten, \u00fcberlegte es sich der Himmel nochmals anders und nach einer recht langen Trockenperiode von einer Woche k\u00fcbelte es pl\u00f6tzlich was das Zeug hielt. Dieses Dreckswetter veranlasste wohl den Restaurant-Besitzer im National Park dazu seinen Laden gar nicht erst aufzumachen, so dass wir abends pl\u00f6tzlich die Wahl hatten, im Kiosk des Campingplatzes Chips und Bier zu kaufen oder auf der 12 km langen Piste mit dem Auto in die Zivilisation zur\u00fcck zu d\u00fcsen, um etwas vern\u00fcnftiges zum Futtern zu bekommen. M\u00f6chtegern-Gourmets wie wir setzten nat\u00fcrlich auf die zweite Variante, so dass wir in stockfinsterer Nacht bei Platzregen, dem Essen im insgesamt 18 km entfernten n\u00e4chten Kaff entgegen rollten &#8211; mit Scheibenwischern, die mehr den Regen auf der Scheibe verschmierten, als diesen von dieser wegzuschaufeln. Die Fahrt auf der Piste verlief recht einfach und wir glaubten, auf der Hauptstra\u00dfe w\u00e4re die Fahrt noch leichter hinter sich zu bringen, doch zu fr\u00fch gefreut! M\u00f6gen argentinische Stra\u00dfen einen guten Belag haben, so mangelt es diesen daf\u00fcr meist an eindeutigen Fahrbahnmarkierungen. Tags\u00fcber ist es ja auch leicht, die Spur auch ohne Mittelstreifen zu halten, aber nachts, bei null Sicht, Gegenverkehr und heizenden Lastern war dies alles auf einmal gar nicht mehr so einfach und garantiert nicht lustig. Die Scheinwerfer des LKWs direkt hinter uns praktisch auf dem Kofferraum kleben zu haben ist kein tolles Gef\u00fchl und diese 6 km Fahrt war der blanke Horror, nur getoppt durch das Abw\u00e4gen der Situation, in der wir uns nun befanden. Sollten wir nach dem Essen in ein Hotel gehen und dort die Nacht verbringen, um den Platzregen abzuwarten oder wieder auf der Stra\u00dfe wieder 6 km Horror \u00fcberstehen? Nun ja erstmal was essen in einem Kaff, in dem man wohl sonst nie anhalten w\u00fcrde. Nacht, Platzregen, leeres Restaurant und eine Besitzerin, die Vegetarier wohl noch nie im Leben gesehen hatte &#8211; irgendwie beste Horrorfilm-Zutaten. Das vorgesetzte Essen bestand aus Gnocchis mit Fleischso\u00dfe, obwohl dreimal angefragt &#8222;sin carne&#8220; (ohne Fleisch), aber daf\u00fcr mit einem riesigen Salatberg aus frischen Zutaten&#8230;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.christophkessel.de\/argentinien0012.jpg\" alt=\"National-Park El Palmar bei sch\u00f6nem Wetter\"\/><figcaption>National-Park El Palmar bei sch\u00f6nem Wetter<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das angeblich einzige Hotel bestand aus einem Schuppen direkt am Highway und h\u00e4tte als Horrorfilm-Kulisse praktischen Nutzen gehabt und so begaben wir uns auf den R\u00fcckweg zu den pupsenden Viscachas, die nat\u00fcrlich in ihren wohl warmen trockenen H\u00f6hlen den Regen abwarteten. Ich h\u00e4ngte mich an einen LKW dran, der durch die nasse Nacht rauschte, aber als dieser auf \u00fcber 60 km\/h beschleunigte gab ich auf und lie\u00df ihn ziehen &#8211; denn ich sah au\u00dfer den Heckleuchten gar nichts &#8211; und die Einfahrt zum Nationalpark konnte ich auch nur gro\u00df anhand der Kilometersteine absch\u00e4tzen. Zum Gl\u00fcck war der n\u00e4chste heizende LKW mehr als einen Kilometer entfernt und so konnte ich im Schneckentempo die 6 km zur\u00fccklegen. Aber zum Ende dieser Strecke war der Abstand zum LKW vollkommen aufgebraucht und dieser wollte uns praktisch von der Stra\u00dfe hupen &#8211; also schnell die Warnblinkanlage aktiviert und auf den zum Gl\u00fcck vorhandenen Seitenstreifen gefl\u00fcchtet. Der LKW rauschte von dannen und ich konnte mit Hilfe des Fernlichts die Einfahrt lokalisieren. Der R\u00fcckweg auf der Piste war dann ein pures Vergn\u00fcgen &#8211; keine hupend-heinzenden LKWs &#8211; nur eine Capybara-Familie, die es auf der Piste zu umkurven galt. Das Zelt trotzte dem Regen, hielt dicht und trocknet gerade in unserem Wohnzimmer, denn gestern sind wir dann rechtzeitig zum n\u00e4chsten 05-Spiel wieder im goldischen Meenz angekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch die zweite Woche mit dem Auto in Argentinien haben sowohl wir Insassen als auch unser VW Gol gut \u00fcberstanden &#8211; danke Wolfsburg! Jetzt kann ich diesem Verein wenigstens etwas Positives abgewinnen. Aber vom Gewinnen rede ich als Mainzer lieber mal nicht zurzeit, lieber vom Reisen durch Argentinien. 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