US-Südstaaten 2002

Ich wünsche Euch allen einen wunderschönen irischen Nationalfeiertag mit frisch gezapftem Guinness, damit es Euch besser ergeht als mir, mit meinem Miller’s Lite oder Bud-nicht-Lite, aber trotzdem genauso unappetitlich!!!  

Nein, die Kenner unter Euch haben natürlich gleich beim Nennen derjenigen „Bier-Marken“, mit denen ich mich auseinandersetzen muss, gemerkt, dass ich nicht von der grünen Insel berichte, sondern von noch weiter westlich, genau gesagt von der anderen Seite des großen Teichs, der mittlerweile nur noch auf Socken zu erreichen ist: Bevor man in eines der nun wieder vollen Flugzeuge in Richtung Land des unbegrenzten Völkermischmaschs reist, um dort bei den Ami-Iren, den St. Patrick’s Day zu feiern, muss erstmal auf hoffentlich lochfreien Socken durch den Frankfurter Flughafen geschlürft werden.    

Befindet man sich dann hoch über den Wolken und bekommt ein garantiert nicht-europäisch, weil BSE verseuchtes, aber wahrscheinlich mit Hormonen voll gestopftes Amisteak serviert, beginnt der Kampf dieses in mundgerechte Stücke mit „Hilfe“ eines Plastikmessers zu zerlegen. Glücklicherweise dauert so ein Flug ja mehr als 9 Stunden, so dass man genügend Zeit hat, sich mit diesem ersten Stückchen Amerika auseinanderzusetzen.  

Ist dieser erste Brocken verdaut, heißt es sofort nach Touch Down aus der Lethargie erwachen, und schnellstmöglich in Richtung Immigration Halle zu hasten, möchte man nicht gleich den Rest seines Amerikaaufenthaltes in einer Queue (Schlange) „in Line“ warten: Denn hier wird zum ersten Mal Wahrheit, was der Häuptling unserer amerikanischen Artgenossen stets zu pflegen sagt: America First – sprich die paar wagemutigen Amis, die nunmehr wieder den Sprung über den großen und nun auch „gefährlichen“ Teich wagen, wurden natürlich zuerst wieder in die Heimat geholt. Der Rest der Menschheit musste nun, wie zu Zeiten des kalten Kriegs im Ostblock üblich, lernen, Schlange zu stehen, ehe – America First – alle proudly Americans wieder zu Hause waren. Mittlerweile hatten die meisten Mitreisenden auf dem Umsteigeflughafen Atlanta – Georgia ihren Anschlussflug verpasst, denn eineinhalb Stunden Schlangestehen ist halt nicht in den Reservierungscomputern eingerechnet. Schließlich, nachdem man den berühmten grünen Zettel richtig angekreuzt hatte, durfte dann weiter in Richtung Zoll gerannt werden (der schlaue Traveller gibt kein Gepäck mehr auf – dadurch kann es auch nicht verloren gehen). Und was erwartet uns dort? Natürlich eine Schlange!!! Durchmogeln und Drängeln und weiter geht’s zur nächsten Schlange: Atlanta ist der zweitgrößte Flughafen unserer Erde und dementsprechend weitläufig – daher wurde ein unterirdisches Bimmelbähnchen konstruiert, das aber nur mit Handgepäck betreten werden darf – daher muss das, eben durch den Zoll geschmuggelte Gepäck, wieder auf ein Band geschmissen werden, und das Handgepäck wieder geröntgt werden – das Handgepäck durfte schon in Frankfurt zweimal durch die X-Ray Maschine fahren!

Na ja egal Hauptsache Schuhe aus und durch!!! Danach den Anschlussflieger doch noch bekommen, da ich wahrscheinlich der Einzige war, der zweieinhalb Stunden Transitzeit hatte, und 10 Minuten vor Abflug in Richtung Nashville am besagten Gate eintraf!!! Willkommen in den Vereinigten Staaten!  

Der einleitende Teil meiner Mail fiel so ausführlich aus, weil es über meine erste Station meines „Music Trips“, wie es die Einwanderungsbeamtin ausdrückte, die Hauptstadt der Country Music so rein gar nichts zu berichten gibt. Die Skyline von der Größe eines Fußballackers im Winternebel gehüllt – mitten in Tennessee – entbehrt jeglicher Beschreibung, und weil Country Music nun mal nicht gerade meine Geschmacksnerven in Verzückung versetzt, kann ich Euch mitteilen, dass ihr Nashville nicht unbedingt in Eure Planungen für Euren nächsten Urlaub einbeziehen solltet. Aber wenigstens denke ich bei Country an den Pipo (für die, die ihn nicht kennen – wir kennen uns seit dem Kindergarten)! Pipo, herzlichen Glückwunsch zum 30.!!! Jetzt weißt Du auch warum ich gestern nicht in die Kolleg-Bar kam!!!  

Hinter Nashville gab es kein Halten mehr, denn nun schlüpfte ich in die Rolle von Osterwelle: Fahren Memphis!!! Und Üzgür der Taxifahrer von Taxi Sharia aus dem SWR3 Land hat gar keinen so schlechten Geschmack!!! Die Geburtsstätte des Blues ist zwar ebenfalls etwas schläfrig und nicht gerade der Nabel der Welt, aber die Blueskneipen verleihen der Stadt einen gemütlichen Flair. Der Main Street Trolley, eine alte Straßenbahn, ähnlich der in Lissabon, fährt gemächlich seine große Runde durch die Stadt, natürlich durch die hübsche Main St. aber auch vorbei am ehemaligen Sklavenmarkt, der mittlerweile wie die Umgebung von Downtown eher einem Schrottplatz gleicht. Aber die Ruhe des Deep South ist hier schon zu spüren: Der Straßenfahrer hält bspw. unvermittelt an, um mal schnell ’ne Coke im Deli auf der anderen Straßenseite zu holen. Der Trolley hinter uns kann selbstverständlich nicht überholen, doch es stört hier niemanden, wir befinden uns schließlich in den Südstaaten, genauer gesagt in Tennessee und das wissen wir – Jack Daniel und seinem Whiskey sei dank – hier hat man Zeit. Natürlich verbrachte ich die Nacht, bevor ich an das Grab des King treten durfte, im Heartbreak Hotel mit Ausblick auf den Herzförmigen Swimmingpool, und der King persönlich hielt Nachtwache in Form eines riesigen Photos über meinem Bett. Wie ich, hatte Elvis wohl eine Vorliebe für Flugzeuge, doch statt sie an die Wand zu hängen, hatte Elvis zwei Stück in seinem Vorgarten stehen, darunter eine Boeing 707, mit der man den Atlantik überqueren kann!!! Natürlich gab es auch einen Elvis Channel im TV der unermüdlich Elvis in Aktion zeigte. Dass Amerika vielleicht nicht First aber zumindest etwas anders ist, zeigt sich in Memphis jeden Tag um 11 a.m. und um 5 p.m. im alten Peabody Hotel, das eine riesige Hotellobby mit großem Springbrunnen besitzt. Genau zu diesen Zeiten findet dort der sog. Peabody Ducks March statt: Die Enten kommen pünktlich um 11 weiß Gott woher mit dem Lift angeschwebt und watscheln dann auf einem ausgerollten roten Teppich und eigens für sie konstruierter Treppe in den Springbrunnen, ehe in derselben Art und Weise der Rückzug um 5 angetreten wird, und das seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts!!!  

Nachdem Country und Blues meine Reise bisher bestimmten, ging  es nun schnurstracks nach Süden immer am Mississippi entlang bis in sein Mündungsdelta in der Nähe des Big Easy, der Geburtsstätte des Jazz! Auf dem Wege dorthin wurde das Klima immer stickiger und feuchter. Die Landschaft war anfangs noch von den hübschen aus Holz errichteten Herrenhäusern und (abgeernteten) Baumwollplantagen bestimmt, die ihr alle aus den Filmen kennt, die in den Südstaaten spielen: Veranda, Schaukelstuhl und Südstaatler (weiß oder schwarz) die Straße beobachtend im Schaukelstuhl sitzend! In den Käffern hier liegt echt die tote Maus begraben und aus einem solchen (20 Minuten zum nächsten McDonald’s) kommt eines der Sternchen der heutigen Zeit: Brittney Spears!!! Die Herrenhäuser wurden von den Sümpfen des Mississippi-Mündungsdeltas abgelöst, in denen sich andere „scharfe“ Lebewesen tummeln: Alligatoren!!!  

Aus den Sümpfen taucht dann plötzlich New Orleans – The Big Easy genannt – auf! Diese Stadt ist genau das Gegenteil was man von den sich oft gleichenden Amistädten erwartet: Es gibt ein wirklich historisches Vieux Carré (French Quarter) in dem die Straßennamen zwei- bis dreisprachig (Royal St. – Rue Royale – Calle Royal) verzeichnet sind, da New Orleans auch mal Hauptstadt von Spanisch Louisiana war, und Napoleon Louisiana auch mal an die Amis verhökerte. Außerdem existiert in New Orleans nicht dieses prüde, verklemmte, puritanische Gestresste das die Amis gegenüber Alkohol an den Tag legen: In der Bourbon St. geht es jeden Abend so zu, wie am Rosenmontag in Mainz am Rhein. Das muss man nun nicht unbedingt besonders attraktiv finden, aber wegen Alkoholkonsums in der Öffentlichkeit wird hier wenigstens niemand verknackt. Außerhalb von N.O. stellt dies durchaus die Realität dar. Der French Quarter vibriert 24 Stunden am Tag und falls man nicht unbedingt auf Parties aus ist, kann man sich an den wunderschönen alten Gebäuden erfreuen, die diese Altstadt wirklich einzigartig machen. Jazz dominiert hier übrigens nicht – Rock und Blues hört man hier genauso oft und unentgeltlich und fast immer live!!! Nur Disco Musik hat hier noch keinen Einzug gehalten – sonst könnte man die Bourbon St. auch bösartig ein bisschen mit El Arenal vergleichen, denn die Klientel besteht hauptsächlich aus Ami-Kids, die nach einer Flasche Miller Lite schon bedenklich durch die Bourbon St. schwanken!  

Der French Market mit dem Café du Monde prägt aber mindestens ebenso das Bild des French Quarter wie die Krachmeile Bourbon St.: Guter Café oder nicht so guter Gemischter mit Chicory (Karo- ähnliches Gesöff) und Beignets (sog. French Doughnuts)  können ebenfalls 24 Stunden lang genossen werden. Dagegen kann Starbuck’s zumindest in N.O. echt einpacken!!!  

Eigentlich fällt der St. Patrick’s Day ja auf den heutigen Sonntag, aber die N.O.-Ami-Iren feiern nun schon seit Freitag mit Paraden in der Stadt den Namenstag ihres Patrons des heiligen Patrick. Auf diesen Paraden, gibt es wie bei der Meenzer Fassenacht Motivwagen, aus den allerdings keine Kamellen fliegen, sondern kitschige Plastikkettchen, hauptsächlich natürlich in grün. Die richtigen Heros haben mehrere Dutzend dieser nackenversteifenden Ketten umhängen. Nach den Paraden kommt es dann in der Bourbon St. zum beliebten Ketten-durch-die-Gegend- feuern, wobei meist mehrere Dutzend Leute auf den wahrscheinlich gleich einkrachenden Balkonen stehen und auf die sich vorbei schiebende Menge zielen, die wiederum nach oben feuert!!!  

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